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Alendronsäure + Colecalciferol

     

Einteilung

Osteoporosemittel

Bisphosphonate

Wirkmechanismus

Alendronsäure: Hemmung der knochenresorptiven Aktivität der Osteoklasten durch Auslösen von vorzeitiger Apoptose; z. B. Hemmung der Farnesylpyrophosphat-Synthase
Colecalciferol: Vorstufe, die im Körper über Hydroxylierungen zu Vitamin D3 umgewandelt wird: Bindung an intrazelluläre Rezeptoren; Veränderung der Genexpression, z. B. wichtige Funktion zur Aufrechterhaltung des physiologischen Calcium-Spiegels im Körper

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Anwendung

Postmenopausale Osteoporose bei Patientinnen mit Risiko für einen Vitamin-D-Mangel

Die Osteoporose ist eine durch Störung des Knochenstoffwechsels entstehende Knochenerkrankung. Sie führt zu einer generalisierten Abnahme der Knochenmasse pro Volumeneinheit. Infolge der Struktur- und Funktionsveränderung besteht die Gefahr von Knochenbrüchen.
Man unterscheidet primäre und sekundäre Formen. Zu den primären Formen zählen postmenopausale, senile und idiopathische Osteoporose. Die sekundären Formen werden z. B. durch andere Grunderkrankungen, die Einnahme bestimmter Medikamente oder Mangelernährung ausgelöst.

Bei Frauen besteht ein besonderes Osteoporoserisiko. Nach der Menopause führt der Ausfall der Ovarienfunktion zu einem Östrogenmangel. Dieser Mangel bewirkt eine Steigerung des Knochenabbaus. Verantwortlich hierfür ist eine verringerte Sekretion von Calcitonin und eine Sensibilisierung der Osteoklasten gegenüber Parathormon. Hierdurch steigt die Calciumkonzentration im Extrazellularraum, dies wiederum ist die Ursache für eine verringerte Bildung von Calcitriol und eine deshalb erniedrigte Calciumresorption aus dem Darm, sowie für eine verstärkte Calciumausscheidung mit dem Urin. Dies alles begünstigt letztendlich die sogenannte postmenopausale Osteoprose.

Patientenhinweis

Einnahme direkt nach dem morgendlichen Aufstehen mit einem Glas Wasser (möglichst elektrolytarm, z. B. Leitungswasser)
Wegen reizender Wirkung des Arzneistoffes unzerkaut einnehmen! Im Anschluss 30 min nicht hinlegen
Nahrungsaufnahme und Einnahme weiterer Arzneimittel frühestens 30 min nach Einnahme des Bisphosphonates

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Dosierung

1 x wöchentlich 70 mg Alendronsäure + 70-140 µg Colecalciferol peroral

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Nebenwirkungen

  Muskel-, Knochen- oder Gelenkschmerzen

  Oesophagusschäden

  Osteonekrosen des Kiefers und des Gehörgangs

Unter der Therapie von oralen Bisphosphonaten kann es zum Auftreten von Kiefernekrosen und Gehörgangsnekrosen kommen. Das Risiko nimmt mit der Therapiedauer zu.

Besonders im Zusammenhang mit Zahnextraktionen und ähnlichen Eingriffen wurde bei bestehender Therapie mit Bisphosphonaten von Nekrosen des Kieferknochens berichtet. Da in der Folge häufig der Kieferchirurg oder Zahnarzt konsultiert wird, der möglicherweise nicht über die Einnahme des Bisphosphonates informiert ist, ist hier die Wachsamkeit des Apothekers gefragt.

Vor Beginn der Therapie sollten die Mundhöhle und die Zähne untersucht und gegebenenfalls saniert werden.

  Hautausschlag, Juckreiz

  Stevens-Johnson- und Lyell-Syndrom

Beim Stevens-Johnson-Syndrom, auch Erythema exsudativum multiforme majus genannt, handelt es sich um eine allergische Hautreaktion auf die Arzneimitteltherapie, die mit starken Allgemeinbeschwerden, schmerzhafter Bläschenbildung an Mund und Genitalschleimhaut einhergeht. Therapiert wird mit Corticoiden.
Das Lyell-Syndrom ist eine toxische epidermale Nekrolyse ("Syndrom der verbrühten Haut"). Es ist meist eine allergische Reaktion auf Medikamente und kann ohne schnelle Behandlung tödlich verlaufen.

  Gastrointestinale Beschwerden

Die Patienten klagen häufig über Bauchschmerzen, Durchfall, Verstopfungen, Blähungen, saures Aufstoßen und gelegentlich über Übelkeit und Erbrechen. Aufgrund der schleimhautreizenden Eigenschaften des Bisphosphonates kann es zu Schleimhautschäden und Blutungen kommen.

  Kopfschmerzen, Schwindel

  Reversible Verwirrtheit

  Hypocalcämie, Hypophosphatämie

Ursächlich für die Hypocalcämie ist eine Verschiebung des Verhältnisses von aufbauenden und resorptiven Prozessen am Knochen zu Gunsten des Knochenaufbaus. Die verstärkt aktiven Osteoblasten entziehen dem Blut das Calcium, um die neue Knochenmatrix aufbauen zu können.

Kontraindikationen

Erkrankungen des Oesophagus

Unfähigkeit, für mind. 30 min aufrecht zu stehen oder zu sitzen

Können diese Zeiten nicht eingehalten werden, besteht ein höheres Verletzungspotenzial für den Oesophagus.

Hypocalcämie

Schwangerschaft und Stillzeit

Die Substanz ist in der Schwangerschaft kontraindiziert, da keine ausreichenden Daten zur Anwendung beim Menschen vorliegen.
Tierversuche erbrachten weder embryotoxische noch teratogene Wirkungen.

Von der Substanz ist nicht bekannt, ob sie in die Muttermilch übergeht.

Die Angabe dieser Kontraindikation findet sich hier nur der Vollständigkeit halber, da die Indikation lediglich für postmenopausale Frauen gilt.

Wechselwirkungen

  Mehrwertige Kationen

Wegen der hohen Affinität von Bisposphonaten zu mehrwertigen Kationen (z. B. Calcium, Magnesium, Eisen) kommt es leicht zur Bildung nicht resorbierbarer Komplexe und damit zur Verminderung der Wirksamkeit des Arzneimittels. Daher ist auf einen ausreichenden zeitlichen Abstand zu achten (mind. 30 min), der auch für alle anderen anzuwendenden Arzneistoffe eingehalten werden sollte.

Mehrwertige Kationen anzeigen

  Thiazid-Diuretika z. B. Hydrochlorothiazid

Es kann zu einem beschleunigten Abbau von Colecalciferol kommen.

Thiazid-Diuretika z. B. Hydrochlorothiazid  anzeigen

  Ionenaustauscherharze z. B. Colestyramin

Die gastrointestinale Resorption von Colecalciferol kann reduziert werden.

  Antiepileptika

Es kann zu einem beschleunigten Abbau von Colecalciferol kommen.

Antiepileptika anzeigen

  Cimetidin

Es kann zu einem beschleunigten Abbau von Colecalciferol kommen.

  NSAID

Die Anwendung von NSAID kann mit gastrointestinalen Irritationen einhergehen. Daher ist bei gleichzeitiger Anwendung mit Bisphosphonaten Vorsicht geboten.

Strukturformel

Strukturformel

ratiopharm

SimpleSoft
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Wirkmechanismus

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Alendronsäure:
Bisphosphonate verhindern als Analoga zum Pyrophosphat den Abbau von Knochenmaterial durch Osteoklasten. Während die Aktivität der knochenresorbierenden Osteoklasten gehemmt wird, kann sich durch Osteoblastenaktivität neue Knochenmasse von normaler Qualität bilden.
Bisphosphonate binden mit hoher Affinität an das Calcium-haltige Hydroxylapatit der Knochen. Man geht davon aus, dass sie nach Aufnahme in die Osteoklasten dort Apoptose induzierend wirken. Aminobisphosphonate sollen in der Lage sein, die Protonenpumpe der Osteoklasten zu inaktivieren und durch eine Hemmung der Farnesylpyrophosphat-Synthase die Bildung von kleinen G-Proteinen (u. a. Ras, Rho), die für die Interaktion mit Wachstumsfaktoren wichtig sind, zu hemmen. Aufgrund des salzsauren Milieus am Ort des Knochenabbaus reichern sich Aminobisphosphonate bevorzugt dort an, um ihre Wirkung zu entfalten.
Unter Therapie mit Bisphosphonaten sinkt die Frakturrate signifikant. Alendronat wirkt etwa 6.000 x stärker auf die Osteoklastenaktivität als auf die Osteoblastenaktivität. Für Ibandronat konnte im Tierversuch gezeigt werden, dass Dosierungen, die 5.000 mal höher lagen als sie zur Osteoporosetherapie erforderlich sind, noch keinen Einfluss auf die Osteoblastenaktivität hatten.

Colecalciferol:
Colecalciferol (= Vitamin D3) kann vom Körper selbst gebildet werden, in der Regel ist dessen sonnenlichtabhängige Bildung jedoch nicht ausreichend, so dass eine zusätzliche Supplementierung sinnvoll erscheint. Die Substanz kann je nach Erfordernis vom Körper in das wirksamere Derivat Calcitriol überführt werden.
Die Colecalciferole haben folgende Wirkung: Verstärkte Calciumresorption aus dem Darm, vermehrte Calciumrückgewinnung aus dem Primärharn, Calciummobilisierung aus den Knochen. Diese Effekte führen zur Steigerung des Blutspiegels von Calcium.
Nimmt man alle Effekte zusammen, so ist unter Gabe von Colecalciferol dennoch eine erhöhte Mineralisation des Knochens festzustellen, da - besonders bei gleichzeitiger Calciumgabe - die Calciumresorption aus Darm und Niere für einen ausreichend hohen Calciumspiegel sorgt, der die Voraussetzung für die Knochenmineralisierung darstellt. Die Calciummobilisation aus dem Knochen wird dann überkompensiert.

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Patientenhinweis

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Elektrolytreiche Mineralwässer sollten wegen der Bildung nicht resorbierbarer Alendronat-Komplexe bei der Einnahme vermieden werden, ebenso Milch, Säfte etc.

Legen sich die Patienten unmittelbar nach Einnahme hin, kann es leichter zur Schädigung des Oesophagus kommen. Daher ist das Arzneimittel, sofern es peroral angewandt wird, nicht für Patienten geeignet, die unfähig sind, sich aufzurichten oder aufzustehen.

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Dosierung

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1 x wöchentlich soll eine Tablette mit 70 mg Alendronsäure und 70-140 µg (2800-5600 I. E.) Colecalciferol peroral eingenommen werden.
Einnahme direkt nach dem morgendlichen Aufstehen mit 1 Glas Wasser (möglichst elektrolytarm, z. B. Leitungswasser; kein Mineralwasser!). Wegen reizender Wirkung des Arzneistoffes unzerkaut einnehmen! Im Anschluss 30 min nicht hinlegen, Nahrungsaufnahme und Einnahme weiterer Arzneimittel frühestens 30 min nach Einnahme des Bisphosphonates.
Sollte eine Hypocalcämie bestehen, so sollte diese vor Therapiebeginn ausgeglichen werden.


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