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Botulinumtoxin Typ A (Muskelrelaxantia)

   

Einteilung

Muskelrelaxantia

Peripher wirksame Muskelrelaxantien

Wirkmechanismus

Neurotoxin: Irreversibler Hemmstoff der präsynaptischen Acetylcholinfreisetzung an der motorischen Endplatte

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Anwendung

Blepharospasmus

Der Blepharospasmus bezeichnet einen Krampf des Augenlides, der sich zunächst durch häufiges, starkes Blinzeln bemerkbar macht und im schlimmsten Falle zu einem vollständigen Verschluss des Augenlides für mehrere Stunden führen kann.

Hemifazialer Spasmus

Ein Spasmus hemifacialis ist ein Krampf der Gesichtsmuskulartur, der sich auf eine Kopfhälfte beschränkt. Oft beginnt ein hemifacialer Spasmus mit einem Blepharospasmus und weitet sich zu einem schmerzhaften, zusammenziehenden Spasmus der gesamten Gesichtshälfte aus. Die Ursache ist zumeist eine Kompression des Nervus facialis. Die Ursachen dieser Kompression sind vielfältig, sodass einer Behandlung eine genauere diagnostische Abklärung vorangehen soll.

Torticollis spasmodicus

Das klinische Bild des Torticollis spasmodicus wird durch eine erhöhte Aktivität der Nacken- und Halsmuskulatur hervorgerufen. Charakteristisch ist auch, dass agonistische und diesen zugehörige Antagonistische Muskeln gleichzeitig aktiv sind. Dabei kommt es häufig zu einer Schiefstellung des Kopfes gegen die Körperachse, der auch den Trivialnamen "Schiefhals" bedingt. Der Torticollis kann entweder statisch oder rhythmisch pulsierend ausgeprägt sein.
Seine Ursachen sind vielfältig, sodass einer Behandlung eine genauere diagnostische Abklärung vorangehen soll.

Fokale Spastiken

Liegt eine Spastik vor, so kann ein erhöhter Muskeltonus festgestellt werden, der um so stärker ansteigt, je schneller der betreffenden Muskel passiv gedehnt wird (z. B. durch den untersuchenden Arzt). Dieses klinische Bild unterscheidet die Spastik vom sogenannten Rigor, der z. B. beim Morbus Parkinson auftritt. Die Ursachen einer Spastik sind neurologisch bedingt, z. B. durch Rückenmarksverletzungen, Multiple Sklerose oder Hirndurchblutungsstörungen.

Fokale (herdförmige) Spasmen z. B. in der Hand, am Handgelenk, am Fuß oder Arm sind der Therapie mit Botulinumtoxin Typ A zugänglich. Fokale Spasmen treten u. a. nach Schlaganfällen auf.

Vertikalfalten zwischen den Augenbrauen

Die Behandlung mit Botulinumtoxin Typ A sollte in dieser Indikation, die der Verbesserung des Aussehens dient, nur dann erwogen werden, wenn die Vertikalfalten zu einer starken psychischen Belastung des Patienten führen.

Hyperhidrosis axillaris

Die Hyperhidrosis axillaris wird dann einer Behandlung durch Botulinumtoxin Typ A zugänglich, wenn die übermäßige Achselschweißbildung das alltägliche Leben stark nachteilig beeinflusst und nicht durch topische Behandlungsmethoden adäquat eingedämmt werden kann.

Infantile Zerebralparese

Die Anwendung von Botulinumtoxin Typ A beschränkt sich auf die Behebung fokaler Spasmen bei der Spitzfußstellung in Folge einer infantilen Zerebralparese bei gehfähigen Kindern ab dem 2. Lebensjahr.

Patientenhinweis

Mindestabstände zwischen 2 Injektionen an derselben Stelle einhalten!
Treten kurz nach der Injektion Schluckbeschwerden auf, sofort den Arzt informieren!
Ggf. kann eine einsetzende Muskelschwäche die Fahrtauglichkeit beeinträchtigen.

Dosierung

Achtung! Unterschiedliche Definition der Botulinumtoxin-Einheiten je nach Hersteller! Kommentar und Fachinformation beachten!

In allen Fällen: Erneute Gabe frühestens nach 12 Wochen!
Maximal 100 Allergan-Einheiten i.m. (Indikation Blepharospasmus)
Maximal 300 Allergan-Einheiten i.m. (Indikation Torticollis spasmodicus)
Maximal 240 Allergan-Einheiten i.m. (Indikation Fokale Spastiken)
50 Allergan-Einheiten je Achsel (Indikation Hyperhidrosis axillaris)
20 Allergan-Einheiten i.m. (Indikation Vertikalfalten)

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Nebenwirkungen

  Lokale Schmerzen an der Einstichstelle

  Lokale Muskelschwäche, auch der Gesichtsmuskeln

Da das Wirkprinzip des Botulinumtoxins darauf abzielt, Muskeln durch Hemmung der Acetylcholinfreisetzung an der motorischen Endplatte zu lähmen, ist dieses eine zu erwartende Wirkung. Tritt sie an Stellen auf, wo sie nicht gewünscht ist, gilt sie dann als Nebenwirkung.

  Fieber, grippeähnliche Beschwerden

  Plötzliche Todesfälle

Selten traten plötzliche Todesfälle auf, die dann gelegentlich mit Lungenentzündung, Schluckbeschwerden oder anderen Schwächezuständen assoziiert waren.

  Dysphagie

Da nach der Injektion schwere Dysphagien auftreten können, sollte der Patient darauf hingewiesen werden, bei einsetzenden Schluckbeschwerden sofort den Arzt anzusprechen.
Diese Nebenwirkung tritt sehr häufig bei der Anwendung gegen Schiefhals auf.

  Ptosis

Diese Nebenwirkung kann häufig nach der Anwendung gegen Liedkrampf oder Krämpfe einer Gesichtsseite auftreten.

  Trockenes Auge, Sehstörungen

Diese Nebenwirkung kann häufig nach der Anwendung gegen Liedkrampf oder Krämpfe einer Gesichtsseite auftreten.

  Vermehrte Schweißbildung außerhalb der Achselhöhle

Diese Nebenwirkung kann häufig nach Anwendung an der Achsel auftreten.

  Epileptische Anfälle

Diese Nebenwirkung tritt besonders bei Patienten mit einer Prädisposition für solche Ereignisse auf.

Kontraindikationen

Infektionen an den vorgesehenen Injektionsstellen

Myasthenia gravis

Bei der Myasthenia gravis handelt es sich um eine neuromuskluäre Autoimmunerkrankung, bei der Antikörper gegen den nikotinischen Acetylcholinrezeptor der neuromuskulären Endplatte gebildet werden. Damit ist klar, dass bei der Erkrankung nur die quergestreifte Muskulatur betroffen ist.
Die damit einhergehende Störung ist bedingt durch eine gehemmte Neurotransmission zwischen Neuron und Muskel. Darüber hinaus kommt es zu einer strukturellen Veränderung der Synapse, welche die Transmission zusätzlich beeinflusst. Zwar kann die Erkrankung generalisiert, also am ganzen Körper auftreten, allerdings merkt der Patient die ersten Symptome vorrangig an den Augen. So kommt es zu einer Ermüdung der Augenlider, welche anfangen zu hängen (Ptosis), als auch zu einer Ermüdung der Augenmuskulatur, so dass die Augen nicht mehr synchron beweglich sind und der Patient Doppelbilder sieht.
Bei fortschreitender Erkrankung kann es zu einer Ermüdung/Lähmung aller quergestreiften Muskeln kommen, so dass diese Patienten durch eine Beeinträchtigung der Atemmuskulatur vital gefährdet sind.

Dysphagie

In seltenen Fällen traten plötzliche Todesfälle auf, wenn der Patient an dieser Krankheit litt.

Pneumonie

In seltenen Fällen traten plötzliche Todesfälle auf, wenn der Patient an dieser Krankheit litt.

Schwangerschaft und Stillzeit

Die Substanz ist in der Schwangerschaft kontraindiziert, da keine ausreichenden Daten zur Anwendung beim Menschen vorliegen.

Von der Substanz ist nicht bekannt, ob sie in die Muttermilch übergeht.

Wechselwirkungen

  Arzneimittel mit Wirkung auf die neuromuskuläre Reizleitung

Hierzu gehören die Aminogycosidantibiotika und die Muskelrelaxantien vom Tubocurarintyp. Es kann zu einer Potenzierung der Wirkung von Botulinumtoxin kommen.

Strukturformel

ratiopharm

SimpleSoft
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Wirkmechanismus

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Das Botulinumtoxin aus Clostridium botulinum stellt eines der stärksten bekannten Gifte dar. Die Wirkung entfaltet das Neurotoxin, nachdem es an der motorischen Endplatte in das präsynaptische Axon aufgenommen wurde: Dort spaltet es das Protein SNAP-25, ohne das keine Freisetzung von Acetylcholin möglich ist. Die Reizweiterleitung auf die motorische Endplatte und damit auf den Muskel unterbleibt. Eine Wiederherstellung des Ausgangszustandes ist erst nach 3 Monaten zu erwarten, wenn sich neugebildete Nervenendigungen mit den motorischen Endplatten verbinden. Im Einzelfall kann dieser Prozess auch bis zu einem Jahr in Anspruch nehmen.

In Studien konnte auch eine Wirksamkeit bei übermäßigem Schwitzen demonstriert werden.

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Patientenhinweis

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Dosierung

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Die Dosierungsangaben sind von Arzneimittel zu Arzneimittel unterschiedlich, da abweichende Definitionen genutzt werden. Neben den hier dargestellten Allergan-Einheiten sind auch LD50-Einheiten gebräuchlich. Dabei entspricht 1 LD50-Einheit der LD50 bei Injektion von Botulinumtoxin in die Bauchhöhle von Mäusen. Als LD50 bezeichnet man diejenige Dosis, bei der 50 % der Versuchstiere sterben. Ein Wechsel des Fertigarzneimittels wird aufgrund der unterschiedlichen Normierungen nicht empfohlen.

Je nach Fertigarzneimittel, Indikation und zu behandelnder Muskelgruppe werden verschiedene Dosierungen für die Initial- und Fortsetzungsbehandlung angegeben. Diese sind unbedingt den Gebrauchs- und Fachinformationen zu entnehmen!

Der Wirkungseintritt kann im allgemeinen nach 1-2 Wochen erwartet werden. Tritt auch nach einem Monat keine Besserung auf, sollte überprüft werden, ob Injektionstechnik und Dosis angemessen waren. Auch sollte eine Antikörperbildung gegen das Toxin ausgeschlossen werden und überprüft werden, ob das Therapieziel mit Botulinumtoxin überhaupt zu erreichen ist. Zwischen zwei Injektionen muss ein Intervall von 3 Monaten eingehalten werden. Ein kürzeres Applikationsintervall führt im Allgemeinen nicht zu einer besseren Wirksamkeit, sondern zum vermehrten Auftreten unerwünschter Wirkungen.

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