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Ciprofloxacin (Ophthalmika)

 

Einteilung

Ophthalmika

Antibiotika

Wirkmechanismus

Bakterizid wirkendes Fluorchinolon der Gruppe 2 mit breitem Wirkspektrum:
Hemmung der bakteriellen DNA-Gyrase (Topoisomerase II)

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Anwendung

Hornhautgeschwüre

Ein Hornhautgeschwür ist eine Komplikation einer bestehenden viralen, bakteriellen oder mykotischen Hornhautentzündung (Keratitis). Dabei reicht der Defekt des Hornhautepithels bis zur sog. Descemet-Membran bzw. Lamina limitans posterior, der Basalmembran des hinteren Hornhautepithels. Diese Basalmembran soll vor Infektionen und mechanischer Beanspruchung schützen. Entzündungen der Hornhaut können auch durch falsche oder zu seltene Kontaktlinsenpflege oder durch beschädigte Kontaktlinsen hervorgerufen werden.

Das Auge ist in der Regel deutlich gerötet, stark tränend und schmerzhaft. Der Patient ist extrem lichtempfindlich. Diese Lichtempfindlichkeit kann sogar zu einem Blepharospasmus (Lidkrampf) führen. Das Sehen kann dabei, auch durch das absondernde Eitersekret, sehr beeinträchtigt sein.

Bei Untersuchung mit der Spaltlampe und Fluorescein zur Anfärbung können Erosionen und Ulzera auf der Hornhaut erkannt werden. Häufig sieht man am Ulkus auch Gefäßeinsprossungen. Abgegrenzt werden muss das Hornhautgeschwür von einer Konjunktivitis (Bindehautentzündung) oder Iritis (Regenbogenhautentzündung).

Die Therapie muss spezifisch gegen den jeweiligen Erreger gerichtet sein. Ein Erregernachweis ist wünschenswert, wegen des akuten Geschehens wird man zwar eventuell eine Kultur abnehmen, jedoch aufgrund der Häufigkeit bakterieller Infektionen gleich mit einem Breitbandantibiotikum wie Ciprofloxacin beginnen. Nach Augenkontakt ist auf eine angemessene Händedesinfektion zu achten. Die Therapie ist bei Nichtbesserung oder einer erst später nachgewiesenen Virus- oder Pilzinfektion zu überprüfen und entsprechend anzupassen. Zur Unterdrückung des Entzündungsgeschehens kann die zusätzliche Gabe eines lokal angewandten Glucocorticoids wie z. B. Prednisolon erwogen werden. Als ultima ratio bleibt die Hornhauttransplantation. Entzündungen der Hornhaut sollten bis zur Abheilung augenärztlich kontrolliert werden.

Bakterielle Konjunktivitis

Eine infektiöse Konjunktivitis ist ursächlich von mechanisch bedingten (z. B. Conjunctivitis sicca) und den allergisch bedingten Konjunktivitiden abzugrenzen. Sie ist meist bakteriell verursacht. Seltener findet sich eine virale (z. B. Herpesviren oder die durch Adenoviren ausgelöste hochinfektiöse Conjunctivitis epidemica) oder mykotische Konjunktivitis. Auslösende Erreger der bakteriellen Konjunktivitis sind meist Staphylokokken, Streptokokken oder Pneumokokken. Eine besondere Form ist das Trachom (Conjunctivitis granulosa), das durch Chlamydien hervorgerufen wird. An Gonorrhoe (Tripper) erkrankte Mütter können unter der Geburt Gonokokken auf das Neugeborene übertragen, was zu einer Gonokokken-Konjunktivitis führen kann.

Die Patienten berichten über vermehrten Tränenfluss, Rötung der Bindehaut, Schwellung (Lidödem mit Verengung der Lidspalte), Brennen, Juckreiz und Lichtscheu (Photophobie). Ein Fremdkörpergefühl und Schmerzen können ebenfalls angegeben werden.  Die Infektion ist hochansteckend und infolge Schmierinfektion können dann beide Augen betroffen sein. Charakteristisch für eine infektiöse Ursache ist ein eitriges Sekret, das aber nicht immer vorkommt. Weiterhin können bei der Augenuntersuchung pseudomembranöse Belege auf der betroffenen Konjunktiva auffallen.

Eine bakterielle Konjunktivitis wird lokalantibiotisch mit Augentropfen oder Augensalbe behandelt. Ein Erregernachweis ist wünschenswert, wegen der meist hochakuten Entzündung wird aber evidenzbasiert mit einer antibiotischen Therapie begonnen, deren Anschlagen nach einigen Tagen überprüft werden muss. Eingesetzt werden heute meist Gyrasehemmer wie z. B. Ofloxacin oder Aminoglykoside wie z. B. Gentamicin. Bei sehr schweren Entzündungen kann eine Kombination mit einem entzündungshemmenden Glucocorticoid wie Dexamethason sinnvoll sein. Um Schmierinfektionen zu vermeiden, ist auf eine angemessene Händedesinfektion nach Augenkontakt zu achten.

Bakterielle Blepharitis

Eine Blepharitis ist der medizinische Oberbegriff für eine Entzündung des Augenlids. Je nach der Lokalisation kann man sie noch weiter unterteilen in eine Entzündung der Meibom-Drüsen (Meibomitis = Hordeolum internum), eine Entzündung des Lidwinkels (Blepharitis angularis) und in eine Entzündung der apokrinen Schweissdrüsen oder Talgdrüsen des Lidrands (Hordeolum externum).
Als Ursachen kommen Infektionen durch Bakterien und Viren (z. B. durch mangelnde Hygiene oder Kontaktlinsenpflege), aber auch Allergene wie Kosmetika in Frage. Weiterhin tritt eine Blepharitis auch häufig im Rahmen von Hauterkrankungen auf. Wenn eine Konjunktivitis auf das Augenlid übergreift, liegt eine Blepharokonjunktivitis vor.

Auffallend sind die verklebten Augenlider und Wimpern, insbesondere nach dem Schlafen. Der Lidrand ist rot und oft geschwollen. Häufig geben die Patienten ein Fremdkörpergefühl an. Je nach Ursache sind diese Symptome unterschiedlich ausgeprägt. Bei Allergien ist das Augenlid stark geschwollen, gerötet und juckend, bei infektiösen Ursachen fallen neben der Rötung und Schwellung eher die verklebten Augenlider auf. Schuppungen deuten auf begleitende Hauterkrankungen hin.

Die Therapie richtet sich nach der Ursache. Im Vordergrund steht die Hygiene der Augenränder und bei Bedarf eine entsprechende Kontaktlinsenpflege. Auch auf eine angemessene Händedesinfektion nach Augenkontakt ist zu achten. Kosmetika und Kontaktlinsen sollten nach Möglichkeit nicht verwendet werden, solange die Entzündung fortbesteht. Bei schweren bakteriellen Infektionen empfiehlt sich evidenzbasiert eine lokalantibiotische Behandlung mit meist Gyrasehemmern wie z. B. Ofloxacin oder Aminoglykosiden wie z. B. Gentamicin.

Patientenhinweis

Die Tuben- bzw. Tropferspitze nicht in Kontakt mit den Augen oder der Gesichtshaut bringen.
Während der Behandlung keine Kontaktlinsen tragen.
Nach Anwendung von Augensalben ist eine Zeit lang die Sehfähigkeit eingeschränkt.

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Dosierung

4 x täglich 1 Tropfen in das/die betroffene/n Auge

Dosierung bei Hornhautgeschwüren: Siehe Kommentar

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Nebenwirkungen

  Weiße Ablagerungen im Auge

Zu diesen Ablagerungen kann es bei längerer Anwendung kommen. Sie bilden sich im Laufe der Therapie oder nach dem Absetzen zurück. Die Ablagerungen beeinträchtigen nicht die Sehleistung oder schaden dem Auge anderweitig.

  Psychiatrische Erkrankungen

Die Substanz kann auch schon nach einmaliger Anwendung zu psychiatrischen Erkrankungen führen, die sich in Angstzuständen, Depressionen, psychotischen Reaktionen, Erregtheitszuständen bis hin zu Halluzinationen, Panik, Wahn und selbstgefährdendem Verhalten äußern.
Aus diesem Grund ist besondere Vorsicht bei Patienten geboten, die unter psychischen Erkrankungen leiden oder diese in der Anamnese haben.

Kontraindikationen

Wechselwirkungen

  Andere Ophthalmika

Bei der gleichzeitigen Anwendung anderer Ophthalmika sollte mindestens ein Abstand von 5 Minuten zwischen den Applikationen eingehalten werden.

Strukturformel

Strukturformel

ratiopharm

SimpleSoft
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Wirkmechanismus

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Zur antiinfektiven Therapie können solche Substanzen herangezogen werden, die eine Toxizität gegen den pathologischen Mikroorganismus, nicht jedoch gegen den Makroorganismus, den zu behandelnden Patienten, besitzen. Dieses Prinzip der selektiven Toxizität ist bei der Stoffgruppe der Gyrasehemmer oder Fluorchinolone dahingehend verwirklicht, als dass in die den Bakterien eigene DNA-Konfiguration eingegriffen wird. Die bakterielle DNA-Gyrase oder Topoisomerase II sowie die Topoisomerase IV sind Enzyme, die in Bakterien DNA öffnen und verdrillen. Dadurch wird die DNA kompakter und kann in der Ruhephase in der Zelle Platz finden.
Gyrasehemmstoffe hemmen die bakterielle DNA-Gyrase und verhindern das Wiederverschließen der DNA-Stränge nach der Verdrillung. Dadurch kommt es zum Zusammenbruch des Stoffwechsels. Bei höheren Organismen ist die DNA anders konfiguriert, daher haben hier Gyrasehemmer keine Wirkung.

Heute werden so gut wie keine Gyrasehemmer der 1. Generation mehr angewendet, die nur eine geringe Wirkungsstärke zeigen. Gyrasehemmer der 2. Generation, die fluorierte Verbindungen (Fluorchinolone) sind, werden erneut in 4 Gruppen unterteilt.

  • Gruppe 1: Hierzu gehören Stoffe wie Norfloxacin, die wegen ihrer schlechten Gewebegängigkeit nur zur Therapie von Darm- und Harnwegsinfektionen angewendet werden. Sie wirken gegen die meisten gramnegativen Bakterien, Enterobakterien und Pseudomonas aeroginosa.
  • Gruppe 2: Zu diesen "Standardchinolonen" gehören Stoffe wie Ciprofloxacin und Ofloxacin. Sie wirken gegen gramnegative und einige grampositive Keime und werden bei vielen Infektionskrankheiten, vor allem Harnwegsinfektionen, angewendet.
  • Gruppe 3: Die Stoffe dieser Gruppe (Levofloxacin) haben eine stärkere Wirkung gegen grampositive Keime und eine zusätzliche Wirkung gegen zellwandlose/atypische Keime (Chlamydien und Mykoplasmen). Sie werden vor allem bei Atemwegsinfektionen eingesetzt.
  • Gruppe 4: Diese Stoffe wie Moxifloxacin haben das gleiche Wirkspektrum wie die der Gruppe 3, zusätzlich jedoch eine starke Wirkung gegen Anaerobier.

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Patientenhinweis

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Wird die Tuben- bzw. Tropferspitze in Kontakt mit den Augen oder der Gesichtshaut gebracht, können Bakterien anhaften, welche zum einen das Arzneimittel verunreinigen und zum anderen bei der nächsten Anwendung wieder in das Auge eingetragen werden können.
Solange die Sehfähigkeit beeinträchtigt ist, sollten keine Maschinen bedient und nicht am Straßenverkehr teilgenommen werden.

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Dosierung

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Bei Hornhautulcera muss die ersten 6 Stunden alle 15 Minuten 1 Tropfen in den Bindehatusack getropft werden. Weitere 18 Stunden sollte die Applikation alle 30 Minuten erfolgen. Am 2. Tag jede Stunde ein Tropfen applizieren und die folgenden Tage alle 4 Stunden ein Tropfen.

Das Arzneimittel ist auch für Neugeborene geeignet.

Die Behandlung beträgt bei Konjunktivitis und Blepharitis in der Regel 7 Tage. Bei Hornhautgeschwüren kann eine Behandlung über 14 Tage hinaus notwendig sein und wird vom Augenarzt festgelegt.

Längerfristige Anwendung von Ciprofloxacin kann das Wachstum von unempfindlichen Bakterienstämmen und Pilzen begünstigen. Bei Anzeichen einer solchen Superinfektion ist die Therapie entsprechend anzupassen.

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