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Clomifen

   

Einteilung

Gynäkologika

Ovulationsauslöser

Wirkmechanismus

Partieller Antagonist (Antiestrogen) am intrazellulären Estrogen-Rezeptor; Rezeptormodulation führt zur Erhöhung von Gonadoliberin und Gonadotropin

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Anwendung

Zur Auslösung des Eisprungs bei Frauen

Clomifen blockiert den Steroidrezeptor von Estrogen im Hypothalamus und täuscht so dem Hypothalamus ein Sexualhormonmangel vor. Dadurch schüttet der Hypothalamus vermehrt das Gonadotropin-releasing-hormone (GnRH) aus, das wiederum zu einer vermehrten Ausschüttung der Gonadotropine FSH (Follikelstimulierendes Hormon) und LH (Luteinisierendes Hormon) aus dem Hypophysenvorderlappen führt, um den scheinbar niedrigen Sexualhormon-Spiegel auszugleichen. Diese vermehrte Ausschüttung der Gonadotropine kann bei Frauen einen Eisprung auslösen. Eine Voraussetzung für diesen Therapieansatz ist daher eine intakte Hypothalamus-Hypophysen-Ovar-Achse, d. h. es darf keine primäre hypophysäre und keine primäre Ovarialinsuffizienz bei der Frau vorliegen. Clomifem ist ein kompetitiver Hemmer im Hypothalamus, so dass individuell die gewünschten Sexualhormon-Spiegel eingestellt werden können.
Ebenfalls müssen vor einer Therapie mit Clomifen andere Ursachen für eine weibliche Infertilität ausgeschlossen sein. Hierzu gehören anatomische Tubenveränderungen, Schilddrüsen- oder Nebennierenerkrankungen. Auf der anderen Seite muss natürlich auch eine mögliche Infertilität des Partners abgeklärt sein. Bei Vorliegen einer Ovarialzyste oder einer ovariellen Endometriose (Vorkommen von Gebärmutterschleimhaut in den Ovaien) sollte Clomifen nicht angewendet werden.
Empfohlen wird ein erster Behandlungszyklus mit 50 mg Clomifen täglich über 5 Tage. Später kann bei Erfolglosigkeit ein weiterer Zyklus mit 100 mg Clomifen täglich über 5 Tage versucht werden. Eine unter der Therapie auftretende Ovarvergrößerung muss beobachtet werden. Bei auftretender Ovarvergrößerung sollte so lange von einem weiteren Zyklus abgesehen werden, bis die Ovarien wieder Normalgröße erreicht haben.

Patientenhinweis

Eine Schwangerschaft muss ausgeschlossen sein.
Bei einer Schwangerschaft durch Clomifen-induzierte Ovulation werden laut der Fachinformation pränataldiagnostische Untersuchungen empfohlen.
Es kann leicht zu Mehrlingsschwangerschaften kommen.
Auftretende Sehstörungen können die Verkehrstüchtigkeit beeinflussen.

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Dosierung

1 x täglich 50 mg peroral über 5 Tage

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Nebenwirkungen

  Hitzewallungen, Flush

Diese Nebenwirkungen sind sofort nach Absetzen der Mediaktion wieder reversibel.

  Sehstörungen

Es kann zu Sehstörungen kommen, die die Teilnahme am Straßenverkehr und das Bedienen von Maschinen beeinflussen können.
Treten Sehstörungen auf, so muss das Arzneimittel abgesetzt werden.

  Vergrößerung der Ovarien

Unter der Therapie mit Clomifen kommt es häufig zu einer Vergrößerung der Ovarien. Aus diesem Grund sollte unter der Behandlung eine regelmäßige Untersuchung einschließlich Sonographie erfolgen und die Dosis sollte so gering wie möglich gewählt werden.

  Thromboembolische Ereignisse

Bei einer starken ovariellen Überstimulation kann es zu hohen Hämkonzentrationen, Salzretention und erhöhter Thrombozytenaggregation kommen, wodurch die Gefahr thromboembolischer Ereignisse steigt.

  Heranreifen mehrerer Follikel, Mehrlingsschwangerschaften

Da es durch den Eingriff in die Hypothalamus-Hypophysen-Achse zum gleichzeitigen Heranreifen mehrerer Follikel kommen kann, ist die Wahrscheinlichkeit für eine Mehrlingsschwangerschaft erhöht.

  Gastrointestinale Beschwerden

Es kann zu Blähungen, Übelkeit, Erbrechen und Unterbauchbeschwerden kommen.

  Gewichtszunahme, Alopezie, Depressionen

Kontraindikationen

Hypophysen- oder ovarielle Tumoren

Zu den hormonabhängigen Tumoren zählen z. B. Brustkrebs und das Endometriumkarzinom. Die Modulation der Östrogenrezeptoren durch Clomifen führt bei diesen Tumoren zu einer gesteigerten Proliferation.

Ungeklärte Uterusblutungen

Blutgerinnungsstörungen

Ovarialzysten

Hier ist die Substanz kontraindiziert, da es zu einer Vergrößerung der Zysten kommen könnte.

Ovarielle Funktionsstörungen

Leberfunktionsstörungen

Die Leber stellt das wichtigste Organ für die Biotransformation von Arzneistoffen dar. Häufig wird durch die Verstoffwechselung von Arzneistoffen deren Ausscheidung erst ermöglicht: Arzneistoffe mit Molekulargewicht über 500 können über Leber und Galle ausgeschieden werden, wohingegen man leichtere Arzneistoffe häufiger im Urin findet.

Ist die Funktion der Leber eingeschränkt, kann dies für die Arzneimitteltherapie insofern von Bedeutung sein, als dass Arzneistoffe länger im Organismus verbleiben, da die vor der Ausscheidung notwendige Biotransformation mehr Zeit beansprucht. In vielen Fällen wird daher eine Herabsetzung der Dosis oder des Dosierintervalles sowie eine Überwachung der Wirkstoffspiegel angezeigt sein, ggf. ist die Gabe des betreffenden Arzneistoffes sogar kontraindiziert. Möglich ist jedoch auch der Fall, dass ein unwirksames Prodrug durch die Leber nur verzögert oder gar nicht in die aktive Wirkform überführt werden kann.

Schwangerschaft und Stillzeit

Die Substanz ist in der Schwangerschaft kontraindiziert, da keine ausreichenden Daten zur Anwendung beim Menschen vorliegen.
Vor der Einnahme in einem neuen Zyklus sollte sichergestellt werden, dass keine Konzeption stattgefunden hat. Es konnten zwar noch keine teratogenen Effekte beobachtet werden, diese könnten aber vorhanden sein.

Von der Substanz ist nicht bekannt, ob sie in die Muttermilch übergeht.

Wechselwirkungen

Strukturformel

Strukturformel

ratiopharm

SimpleSoft
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Wirkmechanismus

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Clomifen gehört zur Gruppe der selektiven Östrogenrezeptor-Modulatoren (SERMs). Die Wirkung äußert sich als selektiver agonistischer oder antagonistischer Einfluß auf östrogenempfindliche Gewebe.
Da die Substanz längerfristig und mit hoher Affinität aber nur sehr geringer intrinsischer Aktivität an Östrogenrezeptoren bindet, verursacht sie keine Neusynthese von Östrogenrezeptoren und führt nur zu geringen östrogenen Effekten. In Gegenwart von Östrogenen zeigt diese Substanz deshalb überwiegend ihre antiöstrogene Wirkkomponente. Liegt ein Östrogenmangel vor, so wirkt Clomifen als schwaches Östrogen.  
Unter physiologischen Bedingungen, wenn also kein Östrogenmangel vorliegt, führt die Substanz zu einer verminderten Sensitivität der Zielgewebe für Östrogene. Das geschieht auch im Hypothalamus, wodurch der negative Feed-back-Mechanismus abgeschwächt wird und damit mehr Gonadotropin-Releasing-Hormon (GnRH) abgegeben wird. GnRH bewirkt wiederum eine Freisetzung von den Gonadotropinen LH (luteinisierendes Hormon) und FSH (follikelstimulierendes Hormon) aus der Hypophyse. Durch die gesteigerte Gonadotropinfreisetzung kommt es zur Follikelreifung.
Die zellulären, östrogenen Wirkungen werden schlussendlich analog zu den Östrogenen über intrazelluläre, cytosolische Rezeptoren vermittelt. Nach der Diffusion in das Zellinnere bindet das Hormon an die cytosolischen Rezeptoren und aktiviert diese. Anschließend findet eine Translokation in den Zellkern statt, wobei der aktivierte Clomifen-Rezeptor-Komplex an spezielle Bereiche der DNA bindet. Die Bindung führt zu einer gesteigerten Transkription und damit auch zu einer gesteigerten Proteinbiosynthese.
Clomifen zeigt keine gestagenen, androgenen, antiandrogenen, mineralo- oder glucocorticoiden Effekte.

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Patientenhinweis

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Vor der Einnahme in einem neuen Zyklus sollte sichergestellt werden, dass keine Konzeption stattgefunden hat, da die Substanz in der Schwangerschaft nicht eingenommen werden darf.
Aus diesem Grund darf die Anwendung auch nicht länger als 5 Tage erfolgen, da dann die Ovulation und Konzeption schon stattgefunden haben könnte.

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Dosierung

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Vor Behandlung müssen andere Ursachen für eine bestehende Infertilität ausgeschlossen werden. Eine Behandlung mit Clomifen darf nur unter ärztlicher Kontrolle durchgeführt werden. Dosierung, Beginn und Dauer der Therapie werden vom Arzt festgelegt. Die Therapiedauer darf keinesfalls überschritten werden. Die Therapie kann bei Patientinnen, die längere Zeit keine Menstruationsblutung hatten, zu jedem beliebigen Zeitpunkt begonnen werden. Falls eine Entzugsblutung durch Progesteron ausgelöst wurde oder eine spontane Menstruation vor Behandlungsbeginn erfolgte, sollte mit der Clomifem-Behandlung am oder um den 5. Zyklustag begonnen werden.

Wenn eine Ovulation nach dem ersten Zyklus nicht erfolgt ist, kann ein zweiter Zyklus mit 100 mg Clomifen über 5 Tage versucht werden, der ca. 30 Tage nach dem ersten Zyklus begonnen werden sollte. Die Erfolgsquote für eine Ovulation unter 100 mg Clomifen ist aber nur wenig höher als unter 50 mg Clomifen. Dieser Umstand muss bei der Therapieentscheidung berücksichtigt werden. Eine weitere Dosis-Seigerung sollte nicht erfolgen. Mehr als 6 Behandlungszyklen sollten nicht durchgeführt werden. Wie andere therapeutische Maßnahmen folgt auch die Behandlung mit Clomifen der Regel des verringerten Ansprechens, d. h. die Wahrscheinlichkeit einer Konzeption verringert sich mit jedem weiteren Therapiezyklus.

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