Wirkstoffprofile.de

Home Search

Dapagliflozin

   

Einteilung

Antidiabetika

SGLT-2-Hemmer

Wirkmechanismus

Selektive Hemmung des Natrium-Glukose-Cotransporters SGLT-2 im proximalen Tubulus, dadurch verminderte Rückresorption von Glucose im Primärharn

mehr

Anwendung

Typ-II-Diabetes

Dapagliflozin ist als Monotherapeutikum des Typ-II-Diabetes mellitus für Patienten zugelassen, welche durch alleinige Änderung der Lebensgewohnheiten nicht ausreichend therapiert werden können und die Gabe von Metformin nicht indiziert ist. Darüber hinaus ist es zugelassen als add-on Therapie bei Patienten, welche mit Insulin oder Insulinsekretions-steigernden Arzneimitteln therapiert werden.

Beim Diabetes mellitus handelt es sich um eine Stoffwechselerkrankung, welche mit einer gestörten Glucosehomöstase einhergeht und deren Leitsymptom die Hyperglycämie ist. Ursächlich liegt beim Typ-II-Diabetes, welcher auch als Altersdiabetes bezeichnet wird, ein relativen Insulinmangel vor. Dieser wird durch eine fortschreitende Insulinresistenz und/oder einen Sekretionsdefekt der Insulin-produzierenden Beta-Zellen der Langerhans´schen Inseln bedingt. Somit ist ein Patient, welcher an dieser Form des Diabetes mellitus erkrankt ist, primär nicht insulinabhängig (NIDDM= non insulin dependent diabetes mellitus). Im Gegensatz zum Jugenddiabetes kommt es nicht zur Ausbildung eines ketoazidotischen Komas, da die vorhandene Insulinmenge ausreichend ist, eine Grundaufnahme an Glucose für die Körperzellen aufrecht zu erhalten.

Allerdings kommt es durch die erhöhte Glucosekonzentration zur Glucosurie, also zur Ausscheidung von Glucose über die Niere. Dieses Phänomen ist namensgebend für die Krankheit; Diabetes mellitus heißt übersetzt "honigsüßer Ausfluss". Zu der Ausscheidung von Glucose über die Niere kommt es, da der Tubulusapparat der Glomeruli Glucose aus dem Harn nur bis zu einer Glucosekonzentration von ca. 180 mg/dl zurückgewinnen und diese dem Blut wieder zuführen kann. Bei höheren Glucosekonzentrationen ist die Transportkapazität der entsprechenden Transporter erschöpft, sodass Glucose im Urin verbleit und damit ausgeschieden wird. Da die so ausgeschiedene Glucose als osmotisches Diuretikum wirkt, erklärt sich die auftretendende Polyurie (häufiges Wasserlassen) und Polydipsie (stark gesteigertes Durstgefühl), welche ebenfalls charakteristisch für eine Hyperglycämie sind. Dieses kann zu einem verstärkten Ausschwemmen von Wasser führen, welches zum Anstieg der Blutosmolarität und damit zum sogenannten hyperosmolaren Koma führen kann.

Ein Diabetes mellitus gilt ungeachtet seiner Ätiologie dann als diagnostiziert, wenn:
  • ein HbA1c Wert > 6,5%,
  • eine Nüchternglucosekonzentration > 126 mg/dl oder Gelegenheitszucker > 200 mg/dl
  • oder 2 Stunden nach  OGGT eine Blutglucosekonzentration von > 200 mg/dl vorliegt.

Da die Erkrankung an einem Altersdiabetes häufig kausal mit einer Adipositas (Fettleibigkeit) und Bewegungsarmut verknüpft ist, stellt eine sehr probate Therapieoption zu Beginn der Krankheit eine Lifestyle-Intervention dar. So kann ein Diabetes mellitus durch Ernährungsumstellung und sportliche Aktivität rückgängig oder zumindest im Ausmaß reduziert werden. Dieses wirkt sich auch positiv auf weitere Stoffwechselparameter aus, welche beim Typ-II-Diabetes häufig gekoppelt mit der Glucosehomöostase gestört sind. Hierbei wären die Hyperlipidämie und die Hyperurikämie zu nennen. Ist mit einer Lifestyle-Intervention keine adäquate Einstellung des Blutzuckers zu erzielen, kann auf ein großes Spektrum oraler und parenteral applizierbarer Antidiabetika zurückgegriffen werden.
Eine adäquate frühzeitige antidiabetische Therapie ist sinnvoll, da somit das Risiko an Spätkomplikationen des Diabetes in Form von Mikro- und Makroangiopathien (Retinopathie, Neuro- und Nephropathie, Herzinfarkt und Schlaganfall) zu erkranken reduziert wird. Daher wird bei jungen Typ-II-Diabetikern ein Ideal-HbA1c-Wert von 6,5 % und bei älteren Patienten ein HbA1c-Wert < 8,0 % angestrebt.


Patientenhinweis

Es besteht Hypoglykämie-Gefahr.
Die Tabletten sollten unzerkaut einmal täglich eingenommen werden.
Die Applikation kann unabhängig von den Mahlzeiten und unabhängig von der Tageszeit eingenommen werden.
Eine häufige Störgröße der Substanz ist die Entwicklung von Harnwegs- und Genitalinfektionen. Daran ist bei Patienten mit häufig rezidivierenden Infektionen zu denken.

mehr

Dosierung

1 x täglich 5-10 mg Dapagliflozin peroral

mehr

Nebenwirkungen

  Hypoglykämie

Hypoglykämien sind die häufigsten unerwünschten Wirkungen unter einer Therapie mit Dapagliflozin. Besonders anfällig sind Patienten, welche eine zusätzliche Therapie mit Insulin oder insulinotropen Substanzen durchführen, sodass hier unter Umständen eine Dosisreduktion dieser Substanzen notwendig wird. Darüber hinaus tritt eine Hypoglykämie häufig zu Beginn der Therapie auf. Auch besondere Lebensumstände wie Stress sind Einflussfaktoren.
Eine leichte Hypoglykämie macht sich über Symptome wie plötzliches Schwitzen, Herzklopfen, Zittern, Hungergefühl, Unruhe, Kribbeln, Blässe, Kopfschmerzen, Schläfrigkeit, Ängstlichkeit, Unsicherheit der Bewegungen, vorübergehende neurologische Ausfallerscheinungen bemerkbar und ist in diesem Zustand gut über die orale Zufuhr von Kohlenhydraten behandelbar. Schwere Hypoglykämien sind dagegen lebensbedrohlich und bedürfen sofortiger notärztlicher Behandlung.

  Infekte des Urogenitaltraktes

Eine häufige Störquelle sind urogenitale Infektionen, inklusive Pilzinfektionen der Eichel und der Vagina, aber auch Infektionen der Harnwege. Ursache hierfür ist die vermehrte Ausscheidung von Zucker mit dem Urin, der dann ein guter Nährboden für Keime jeglicher Art ist.

  Störungen des Wasserhaushalts

Durch die Hemmung des SGLT-2 kommt es zum vermehrten Verbleiben von Natrium und Glukose im Primärharn. Da beide Substanzen osmotisch wirksam sind, binden sie Wasser im Tubulusapparat, sodass das Harnvolumen, welches zur Ausscheidung gebracht wird, zunimmt.  Dadurch bedingt kann es zu einer verstärkten Hypovolämie (bis zur Exsiccose) und Blutdruckabfall kommen. Dieses geht außerdem einher mit einem vermehrten (teils nächtlichen) Harndrang, und einem vermehrten Durstgefühl.

  Störungen des Fettstoffwechsels

Es kommt gelegentlich zu einer Dyslipidämie, welche alle Formen von Lipidfraktionen (LDL, HDL, Triglyceride) betreffen können.

  Anstieg harnpflichtiger Substanzen

Es kann manchmal zum Anstieg von Harnstoff und Kreatinin im Blut kommen.

  Rückenschmerzen

Unter der Therapie mit Dapagliflozin kommt es manchmal zu Rückenschmerzen. Der Mechanismus ist nicht geklärt.

  Diabetische Ketoazidose

In seltenen Fällen kann es zu einer diabetischen Ketoazidose kommen.
Beim Auftreten von unspezifischen Symptomen wie Übelkeit, Erbrechen, Anorexie, Bauchschmerzen, übermäßigem Durst,  Schwierigkeiten  beim  Atmen,  Verwirrtheit,  ungewöhnlicher  Müdigkeit  oder Schläfrigkeit sollte an die Möglichkeit einer Ketoazidose gedacht werden, auch bei nicht deutlich erhöhten Blutzuckerwerten.

  (Kanzerogenität)

Es bestehen Hinweise, dass unter der Therapie mit Dapagliflozin vermehrt Karzinome entwickelt werden: In Zulassungsstudien trat eine numerisch höhere Rate von Blasen-, Brust- und Prostatakarzinomen unter Dapagliflozin auf.

Kontraindikationen

Typ-I-Diabetes und diabetische Ketoazidose

Schwere diabetische Entgleisungen können nicht ausreichend mit Dapagliflozin therapiert werden. Zudem ist ein Symptom der Hyperglykämie die Polyurie. Dieses kann durch den diuretischen Effekt von Dapagliflozin verstärkt werden und der Patient weiter austrocknen.
Daher ist der Einsatz der Substanz hier kontraindiziert.

Mäßige und schwere Niereninsuffizienz

Der antidiabetische Effekt des Dapagliflozins ist stark abhängig von der glomerulären Filtrationsrate und nimmt mit zunehmender Niereninsuffizienz ab.
Daher wird bei Patienten mit mäßiger und schwerer Niereninsuffizienz (GFR < 60ml/min) ein Einsatz wegen Unwirksamkeit nicht empfohlen. Deshalb sollte bei Patienten, die mit dieser Substanz behandelt werden, mindestens einmal jährlich, bei Patienten, welche auf eine moderate Niereninsuffizienz zu laufen, bis zu 4 mal jährlich die Nierenfunktion untersucht werden.

Schwangerschaft und Stillzeit

Auf eine Therapie mit Dapagliflozin sollte im Falle einer Schwangerschaft verzichtet werden, da es keine Daten zu schwangeren Patientinnen gibt. Allerdings zeigte sich in tierexperimentellen Studien Toxizität bezüglich der Nierenausbildung, die im zweiten und dritten Trimenon stattfindet.
In der Schwangerschaft ist eine exakte Einstellung des Blutzuckerspiegels erforderlich. Da dies nur über eine Insulintherapie möglich ist, sollten schwangere Patientinnen frühzeitig umgestellt werden.

Ob Dapagliflozin und/oder seine Metaboliten in die Muttermilch übertreten, ist nicht bekannt.

Wechselwirkungen

  Insulin und insulinotrope Wirkstoffe

Durch die Zucker-ausscheidende Wirkung von Dapagliflozin kommt es zu synergistischen Effekten bei der Blutzuckersenkung. Dadurch ergibt sich ein erhöhtes Hypoglykämierisiko bei der kombinierten Applikation. In manchen Fällen muss daher die Dosis des Insulins bzw. insulinotroper Substanzen reduziert werden.

Insulin und insulinotrope Wirkstoffe anzeigen

  Diuretika

Durch die Hemmung des SGLT-2 kommt es zum vermehrten Verbleiben von Natrium und Glukose im Primärharn. Da beide Substanzen osmotisch wirksam sind, binden sie Wasser im Tubulusapparat, sodass das Harnvolumen, welches zur Ausscheidung gebracht wird, zunimmt. Den gleichen Effekt weisen Diuretika aus der Gruppe der Thiazide und Schleifendiuretika auf, sodass hier eine Wirkverstärkung dieser Substanzen zu verzeichnen ist. Dadurch bedingt kann es zu einer verstärkten Hypovolämie und Blutdruckabfall kommen.

Diuretika anzeigen

  Arzneimittel, die die Nierenfunktion beeinflussen können

Arzneimittel, die die Nierenfunktion negativ beeinflussen können (AT-1-Antagonisten, ACE-Hemmer, NSAID), können bei Einschränkung der Nierendurchblutung zu einer Wirkabschwächung des Dapagliflozins führen, da dessen Effekt sehr stark von der Nierenfunktion abhängt.

Arzneimittel, die die Nierenfunktion beeinflussen können anzeigen

  Glucocorticoide

Glucocorticoide greifen, wie es der Name schon andeutet, in den Glucosestoffwechsel ein. Sie fördern die Gluconeogenese, erhöhen den Glucoseumsatz und verschlechtern sowohl die Glucosetoleranz, als auch die Insulinempfindichkeit. Als Resultat steigt der Blutzuckerspiegel an.

Glucocorticoide anzeigen

  Schilddrüsenhormone z. B. Levothyroxin

Schilddrüsenhormone verringern die Glucosetoleranz und verstärken die Insulinresistenz. Damit wird die Wirkung von Antidiabetika abgeschwächt. Aus diesem Grund sollte der Blutzucker besonders in der Einstellungsphase mit Schilddrüsenhormonen engmaschig überwacht werden.

Schilddrüsenhormone z. B. Levothyroxin  anzeigen

Strukturformel

Strukturformel

ratiopharm

SimpleSoft
Hilfe Impressum

Wirkmechanismus

zurück

Die Aufnahme von Glucose in den Körper als Nährstoff ist von essentieller Wichtigkeit für den menschlichen Organismus. Um diese Aufnahme zu erleichtern gibt es spezielle Transportsysteme, die in einem sekundär aktiven Cotransport Glukose zusammen mit Natriumionen aufnehmen (sog. Natrium-Glukose-Cotransporter oder engl. abgekürzt SGLT). Im Darm wird dieses durch den SGLT-1 bewerkstelligt. Ein weiterer Cotransporter findet sich im proximalen Anteil des Tubulussystems der Nephrone. Und zwar wird bei normaler Nierenfunktion mit dem glomerulären Primärfiltrat auch Glukose in den Tubulusapparat abfiltriert. Um eine unnötige Ausscheidung an Glucose zu verhindern, sorgen Natrium-Glukose-Cotransporter vom Subtyp 2 (SGLT2) für einen sekundär aktiven Natrium-Glukose-Symport in die Tubuluszellen und von dort wieder zurück ins Blut.
Dapagliflozin sorgt als reversibler und hochpotenter Inhibitor dieses Transportersystems für eine Ausscheidung von Glukose mit dem Harn (ca. 70 g/Tag), wodurch der Blutzuckerspiegel sinkt. Durch das vermehrte Verbleiben von Glukose und Natrium als osmotisch wirksame Substanzen im Harn erklärt sich der leichte diuretische Effekt dieser Substanz.

zurück

Patientenhinweis

zurück

Wegen des von der Nierenfunktion abhängigen therapeutischen Effekts sollte bei Nieren-gesunden Diabetikern jährlich und bei Patienten mit einer bereits eingeschränkten Nierenfunktion 2-4 mal jährlich die Nierenfunktion überprüft werden.
Es sollte, insbesondere zu Beginn der Therapie oder einer Dosisumstellung, auf Symptome einer Hypoglykämie geachtet werden. Dazu gehören: plötzliches Schwitzen, Herzklopfen, Zittern, Hungergefühl, Unruhe, Kribbeln, Blässe, Kopfschmerzen, Schläfrigkeit, Ängstlichkeit, Unsicherheit der Bewegungen, vorübergehende neurologische Ausfallerscheinungen. Aus diesem Grund sollten immer 20 g Traubenzucker mitgeführt werden. Insbesondere bei gleichzeitiger Gabe anderer Arzneimittel können verstärkt Hypoglykämien auftreten oder die Symptome verschleiert werden.
Bei Patienten mit erhöhter Hypoglykämieneigung sollte eine Teilnahme am Strassenverkehr ausbleiben.
Eine leichte Hypoglykämie kann notfalls durch die Gabe von Zucker oder stark zuckerhaltigen Getränken behoben werden, der Patient sollte jedoch darauf hingewiesen werden, immer eine ausreichende Menge Traubenzucker mit sich zu führen.
Faktoren wie Stresszustände, starke körperliche Belastung, Alkoholkonsum, Diarrhoe und Erbrechen können das Risiko einer Hypoglykämie weiter erhöhen.

zurück

Dosierung

zurück

Die empfohlene Tagesdosis bei Nieren- und Lebergesunden beträgt 1 x täglich 10 mg peroral. Diese Dosis kann zu jeder beliebeigen Uhrzeit des Tages unabhängig von den Mahlzeiten eingenommen werden. Dabei soll die Tablette im Ganzen geschluckt werden.
Bei Patienten mit schweren Leberfunktionsstörungen sollte mit einer Dosis von 5 mg angefangen werden. Wird diese gut vertragen, kann auf 10 mg/Tag gesteigert werden.

zurück

Wussten Sie schon?

Die Wirkstoffprofile gibt es auch auf CD.

Vorteile: Offline verfügbar, Lerntools, Fortbildungen u.v.m.

Mehr erfahren Sie auf www.wirkstoffprofile.de.

Zurück zum online-Profil