Wirkstoffprofile.de

Home Search

Fampridin

   

Einteilung

Multiple-Sklerose-Mittel

MS-Supportiva

Wirkmechanismus

Kaliumkanalblocker:
Verminderung des Leckstroms, dadurch Verstärkung der Aktionspotentialbildung in demyelinisierten Axonen zur Verbesserung der neurologischen Funktion

mehr

Anwendung

Symptomatische Therapie der MS zur Verbesserung der Gehfähigkeit

Symptomatische Therapie bei MS

Die multiple Sklerose kann mit einer Vielzahl unterschiedlichster Symptome einhergehen. Funktionell besonders einschränkende Symptome sollten -wenn möglich- einer nicht-medikamentösen bzw. medikamentösen Therapie zugeführt werden. Körperliches Training und Physiotherapie helfen gegen Fatigue, Muskelschwäche, Ataxie und Spastik. Bei Depressionen muss eine psychologische Therapie und gegebenenfalls eine Therapie mit Antidepressiva in Betracht gezogen werden. Auf die Symptome Spastik und Verbesserung der Gehstrecke, die einer medikamentösen Therapie zugänglich sind, wird im Folgenden eingegangen:


Spastik
Eine Spastik entwickelt sich im Verlauf einer MS außerordentlich häufig. Bei einer Spastik kann der Muskeltonus permanent (= tonische Spastik) oder intermittierend (=phasische Spastik) erhöht sein. Sie kann mit erheblichen Schmerzen einhergehen und schränkt die Mobilität zum Teil soweit ein, dass sogar -etwa bei starker Adduktoren-Spastik der Beine- die Körperpflege und Intimhygiene beeinträchtigt sein kann. Eine Spastik kann allerdings auch ein gelähmtes Bein stabilisieren und ein Gehen erst wieder ermöglichen, so dass sie bei Diagnose nicht grundsätzlich behandelt wird.
Spastik-auslösende Faktoren wie Schmerzen, urogenitale Infekte, Magen-Darm-Störungen, Debukitalulzera oder nicht entsprechend angepasste Hilfsmittel sollten vermieden werden. Eine Physiotherapie, bei der auch Körperhaltung, Bewegung und Lagerung trainiert werden, ist in jedem Fall anzuraten. Zur Verringerung einer Spastik stehen verschiedene Arzneistoffe/ Arzneistoffgruppen zur Verfügung. Besonders etabliert sind als orale Antispastika der GABAB-Agonist Baclofen und der α2-Agonist Tizanidin. Das Antiepileptikum Gabapentin, ein Strukturanalogon von GABA, gewinnt zunehmend an Bedeutung bei tonischer Spastik. Andere mögliche Arzneistoffe und Arzneistoffgruppen wie Dantrolen, Tolperison oder Benzodiazepine haben wegen des deutlich ungünstigeren Nutzen-Risiko-Profils weniger Bedeutung. Weiterhin kann ein Therapieversuch mit Nabiximol, einer Pflanzenextraktmischung aus Cannabis sativa mit Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabidiol erfolgen. 30-40 % der Patienten sprechen innerhalb von 3-4 Wochen auf eine Behandlung mit Cannabinoiden an. Bei Erfolg kann die Therapie fortgesetzt werden.
Bei schwerer Spastik kommen invasive Therapiemaßnahmen zum Einsatz. So kann Baclofen besonders bei der spinalen Spastik mittels einer Pumpe intrathekal (= innerhalb des Liquorraums) appliziert werden. Bei ausgeprägter lokaler Spastik kann das Botulinumtoxin Typ A intramuskulär gegeben werden. Die maximale Wirkung dieses Neurotoxins wird nach 5-6 Wochen erreicht. Eine Wiederholung der Behandlung erfolgt normalerweise nach 3 Monaten.

Verbesserung der Gehstrecke
Seit 2011 ist der oral verfügbare, selektive Kaliumkanal-Blocker Fampridin zur Verbesserung der Gehstrecke bei MS-Patienten auf dem Markt. Die Gehbehinderung gehört zu den schwerwiegenden Folgeerscheinungen von Multipler Sklerose und ist eines der Symptome, welche die Lebensqualität der Patienten am meisten beeinträchtigt. Sie beruht darauf, dass im Verlauf der Erkrankung die Myelinschicht um die Axone der Nervenzellen zerstört wird und an den ungeschützten Stellen vermehrt Kalium aus den freigelegten Kanälen austritt. Dadurch wird die Weiterleitung von Aktionspotentialen gestört, was zu Muskelschwäche, Muskelsteifigkeit und Gehschwierigkeiten führen kann. Die selektive Blockade der Kaliumkanäle durch Fampridin bewirkt eine Verlängerung der Aktionspotentiale sowie eine Verstärkung der elektrischen Signalleitung in demyelinisierten Nervenbahnen. Fampridin wird bei MS-Patienten mit einem EDSS von 4-7 eingesetzt. Zeigt sich nach initialer zweiwöchiger Behandlung kein Therapieerfolg, muss die Behandlung abgebrochen werden.

Patientenhinweis

Fampridin unterliegt einer zusätzlichen Überwachung, um neue Erkenntnisse über die Sicherheit des Arzneistoffs zu erlangen. Verdachtsfälle einer Nebenwirkung sollen den zuständigen Ärzten und Apothekern mitgeteilt werden. Vor Therapiebeginn muss sichergestellt sein, dass beim Patienten keine Krampfanfälle in der Vorgeschichte bekannt sind. Vor und während der Behandlung muss regelmäßig die Nierenfunktion bestimmt werden. Das vermehrte Auftreten von Schwindel und Gleichgewichtsstörungen kann das Sturzrisiko erhöhen.

mehr

Dosierung

2 x täglich 10 mg Fampridin (= 1 Retardtablette) peroral

mehr

Nebenwirkungen

  Krampfanfälle

Aufgrund der Kaliumkanalblockade von Fampridin erhöht sich das Risiko von Krampfanfällen. In der Forschung wird Fampridin bei Labortieren sogar zur Auslösung von Krampfanfällen eingesetzt. In Verbindung mit der empfohlenen Dosierung von 2 x 10 mg täglich ergab sich in den Zulassungsstudien zwar kein Risikopotential, die Zahl der Studienteilnehmer war aber für eine endgültige Beurteilung zu klein. Nach Markteinführung von Fampridin gibt es Berichte über Krampfanfälle, deren Häufigkeit noch nicht abschätzbar ist.

Bereits bei einer etwas höheren Dosierung oder bei Akkumulation von Fampridin z. B. durch eine Niereninsuffizienz erhöht sich das Risiko für Krampfanfälle beim Patienten bereits deutlich.

  Neuropsychiatrische Störungen, z. B. Schwindel und Schlaflosigkeit

Häufig kommt es unter der Therapie mit Fampridin zu neurologischen und psychiatrischen Störungen, die mit dem Wirkungsmechanismus der Kaliumkanalblockade in Zusammenhang stehen. Die Wirkung auf das ZNS ist aktivierend. So kommt es häufig zu Schlaflosigkeit, Schwindel, Gleichgewichtsstörungen und Angst. Auch über Kopfschmerzen wird häufig geklagt.

Die häufigen neurologischen Nebenwirkungen Schwindel und Gangunsicherheit können insbesondere bei Patienten, die schon gehbehindert sind, das Sturzrisiko erhöhen. Daher sollte auf Gehhilfen bei Bedarf auch weiterhin nicht verzichtet werden.

  Überempfindlichkeitsreaktionen

Schwerwiegende Überempfindlichkeitsreaktionen wurden erst nach Zulassung des Arzneistoffs berichtet und traten dann meist in der ersten Behandlungswoche auf. Im Rahmen einer Überempfindlichkeitsreaktion gegen Fampridin kann es gelegentlich zu Dyspnoe (Luftnot), Brustkorbschmerzen, Hypotonie, Angioödem (ödematöse Schwellung in der Submucosa z. B. des Kehlkopfes), Ausschlag und Urtikaria (Nesselsucht) einschließlich einer Anaphylaxie kommen. Die weitere Anwendung von Fampridin nach einer Überempfindlichkeitsreaktion ist kontraindiziert. Besondere Vorsicht ist bei Patienten mit allergischen Reaktionen in der Vorgeschichte geboten.

  Beschwerden der Atemwege, z. B. Dyspnoe

Häufig kommt es unter der Therapie mit Fampridin zu Dyspnoe (Luftnot) und/oder Pharyngolaryngealschmerzen (Schmerzen im Rachen- und Kehlkopfbereich). Die Ursache dafür ist nicht bekannt.

Brustkorbbeschwerden oder Dyspnoe können auch auf eine Überempfindlichkeitsreaktion gegenüber Fampridin hindeuten, was ein Absetzen der Therapie erforderlich machen würde.

  Gastrointestinale Störungen, z. B. Übelkeit und Obstipation

Häufig kommt es unter der Therapie mit Fampridin zu gastrointestinalen Beschwerden, wie z. B. Übelkeit und Erbrechen, aber auch Dyspepsie und Obstipation. Die Ursache dafür ist nicht bekannt.

  Harnwegsinfektionen

Sehr häufig kommt es unter der Therapie mit Fampridin zu Infektionen der Harnwege. In den Zulassungsstudien kam es aber auch unter Placebo häufig zu Harnwegsinfektionen, was mit der Grunderkrankung in Zusammenhang steht. Bei der multiplen Sklerose kommen oftmals Risikofaktoren für Harnwegsinfekte wie Spastik, Harnverhalt und/oder Rollstuhlpflicht hinzu. Warum Harnwegsinfektionen unter Fampridin noch häufiger auftreten als unter Placebo ist nicht bekannt.

Kontraindikationen

Überempfindlichkeit gegen Fampridin

Schwerwiegende Überempfindlichkeitsreaktionen einschließlich anaphylaktischer Reaktionen wurden erst nach Zulassung des Arzneistoffs berichtet und traten dann meist in der ersten Behandlungswoche auf. Die weitere Anwendung von Fampridin nach einer Überempfindlichkeitsreaktion ist kontraindiziert. Besondere Vorsicht ist bei Patienten mit allergischen Reaktionen in der Vorgeschichte geboten.

Aktuelle oder anamnestisch bekannte Krampfanfälle

Fampridin blockiert selektiv und reversibel Kaliumkanäle von Nervenzellen im ZNS, wodurch Aktionspotentiale verstärkt und verlängert werden. Intakte Kaliumkanäle sind für die Repolarisation von Nervenzellen unerlässlich, so dass bei einer entsprechenden Blockade die Krampfschwelle sinkt. Bereits bei Dosierungen knapp oberhalb der empfohlenen Dosis von 2 x 10 mg/d steigt die Zahl der beobachteten Krampfanfälle deutlich an. Damit hat Fampridin eine sehr enge therapeutische Breite. Bei bekannten Krampfleiden ist das Risiko von Krampfanfällen unter einer Therapie mit Fampridin zu hoch und Fampridin ist daher bei diesen Patienten kontraindiziert.

Herzrhythmusstörungen

Die kardiovaskuläre Sicherheit von Fampridin wurde bisher nicht ausreichend untersucht. In den Zulassungsstudien waren Patienten mit vorgeschädigtem Herzen ausgeschlossen. Es ist aufgrund des Wirkungsmechanismus nicht auszuschließen, dass Fampridin die sinuatriale und atrioventrikuläre Erregungsleitung verlängert, obwohl Fampridin in der zugelassenen Dosierung die QT-Zeit nicht zu verlängern scheint. Wegen dieser unsicheren Datenlage dürfen Patienten mit bereits bestehenden Rhythmusstörungen Fampridin nur mit besonderer Vorsicht erhalten.

Niereninsuffizienz

Fampridin wird zu 90 % unverändert über die Nieren ausgeschieden. Die renale Clearance ist aufgrund der aktiven Ausscheidung über den renalen OCT2-Transporter (= Organic Cation Transporter 2) zusätzlich zur glomerulären Filtration deutlich höher als die glomeruläre Filtrationsrate des Patienten. Etwa 60 % werden aktiv über den OCT2-Transporter ausgeschieden. Aufgrund dieser Pharmakokinetik steigt die Akkumulationsgefahr bereits bei einer leichten Niereninsuffizienz (= GFR < 80 ml/min). Fampridin hat jedoch eine sehr enge therapeutische Breite und die Zahl schwerwiegender Nebenwirkungen wie z. B. Krampfanfälle steigt bei knapp erhöhten Plasmaspiegeln deutlich an. Daher ist die Gabe von Fampridin bereits bei einer leichten Niereninsuffizienz (= GFR < 80 ml/min) kontraindiziert.

Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren

Die Sicherheit und Wirksamkeit von Fampridin bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren ist nicht nachgewiesen. Es liegen keine Daten vor.

Schwangerschaft und Stillzeit

Es liegen bisher keine Erfahrungen zur Anwendung von Fampridin in der Schwangerschaft vor. Tierexperimentelle Studien haben jedoch eine Reproduktionstoxizität gezeigt. Fampridin ist in der Schwangerschaft daher kontraindiziert.

Weiterhin liegen keine Erkenntnisse dazu vor, ob Fampridin in die Muttermilch übergeht. Eine Anwendung von Fampridin in der Stillzeit wird nicht empfohlen.

Wechselwirkungen

  Rezeptur-Arzneimittel mit Fampridin

Fampridin wird schon seit längerer Zeit auch als Rezeptur-Arzneimittel bei verschiedenen neurologischen Erkrankungen eingesetzt. Fampridin hat eine sehr enge therapeutische Breite.  Bereits bei einer wenig höheren als der empfohlenen 2 x täglichen Dosierung von 10 mg erhöht sich das Risiko von Krampfanfällen deutlich. Daher ist die gleichzeitige Anwendung von mehreren Fampridin-haltigen Arzneimitteln kontraindiziert.

  Arzneistoffe, die die Krampfschwelle herabsetzen

Fampridin senkt bei den Patienten die Krampfschwelle. Nach Markteinführung sind Fälle von Krampfanfällen unter Fampridin berichtet worden. Die gleichzeitige Anwendung von Arzneistoffen, die auch die Krampfschwelle herabsetzen, sollte daher nur mit Vorsicht erfolgen.

Klassische Arzneistoffgruppen, die die Krampfschwelle senken, sind Neuroleptika, tricyclische Antidepressiva, Muskelrelaxantien und Sympathomimetika. Erwähnt seien auch Theophyllin, Gyrasehemmer, Isoniazid und i.v.-Gaben von Penicillinen oder Cephalosporinen.

Arzneistoffe, die die Krampfschwelle herabsetzen anzeigen

  OCT2-Inhibitoren, z. B. Cimetidin

Fampridin wird zu 90 % unverändert über die Nieren ausgeschieden. Die renale Clearance ist aufgrund der aktiven Ausscheidung über den renalen OCT2-Transporter (= Organic Cation Transporter 2) zusätzlich zur glomerulären Filtration deutlich höher als die glomeruläre Filtrationsrate des Patienten. Etwa 60 % werden aktiv über den OCT2-Transporter ausgeschieden. Bei gleichzeitiger Anwendung von Arzneistoffen, die den OCT2-Transporter inhibieren, kommt es zur Akkumulation von Fampridin, was die Nebenwirkungsrate von z. B. Krampfanfällen deutlich erhöht. Die gleichzeitige Anwendung von Fampridin und OCT2-Inhibitoren wie z. B. Cimetidin ist daher kontraindiziert.

  OCT2-Substrate, z. B. Carvedilol und Metformin

Fampridin wird zu 90 % unverändert über die Nieren ausgeschieden. Die renale Clearance ist aufgrund der aktiven Ausscheidung über den renalen OCT2-Transporter (= Organic Cation Transporter 2) zusätzlich zur glomerulären Filtration deutlich höher als die glomeruläre Filtrationsrate des Patienten. Etwa 60 % werden aktiv über den OCT2-Transporter ausgeschieden. Bei gleichzeitiger Anwendung von Arzneistoffen, die auch über den OCT2-Transporter aktiv ausgeschieden werden, kann es zur Akkumulation von Fampridin kommen, was die Nebenwirkungsrate von z. B. Krampfanfällen deutlich erhöhen könnte. Vor der gleichzeitigen Anwendung von Fampridin und OCT2-Substraten wie z. B. Carvedilol, Propranolol oder Metformin wird daher gewarnt.


Strukturformel

Strukturformel

ratiopharm

SimpleSoft
Hilfe Impressum

Wirkmechanismus

zurück

Bei Verlust der Myelinschicht um Nervenfasern (= Axone und Dendriten), wie er z. B. bei der multiplen Sklerose auftritt, kommt es vermehrt zu Leckströmen, bei denen die das Membranpotential aufbauenden Ionen an den nun ungeschützten Stellen durch die jeweiligen Kanäle treten. Eine besondere Rolle spielen hierbei Kalium-Ionen, da das Membranpotential annähernd dem Kaliumgleichgewichtspotential entspricht. In demyelinisierten Nervenfasern wird durch den Leckstrom die Weiterleitung von Aktionspotentialen gestört, was klinisch dann zu Muskelschwäche, Muskelsteifigkeit und den hier im Vordergrund stehenden Gehschwierigkeiten führt.
Die selektive reversible Kaliumkanalblockade durch Fampridin verringert den Leckstrom. Das Aktionspotential wird länger, weil die Repolarisationsphase hauptsächlich durch einen Kalium-Ionen-Ausstrom aus der Nervenzelle gesteuert wird. Auch das Aktionspotential selbst wird verstärkt und dadurch kommen -vermutlich- mehr Impulse im zentralen Nervensystem an, was sich klinisch durch eine Verbesserung der Gehfähigkeit bei Patienten mit MS zeigt.

Weiterhin wird ein eventueller immunmodulatorischer Effekt von Fampridin diskutiert: Durch die Kaliumkanalblockade sollen auch Immunzellen gehemmt werden, zu denen auch die bei Entzündungen im ZNS zu Phagozyten umgewandelten Mikroglia-Zellen gehören.

Die Zulassungsstudien zu Fampridin untersuchten die Patienten auf eine Verbesserung der Gehgeschwindigkeit (Timed 25 Food Walk = die Zeit, in der 7,6 m zurückgelegt werden). Eine Verbesserung der Gehgeschwindigkeit zeigt sich nur bei etwa 30 % der behandelten Patienten. Bei diesen 30 % betrug die Verbesserung der Gehfähigkeit etwa 25 %. Derzeit ist umstritten, ob die Verbesserung der Gehgeschwindigkeit auch mit einer insgesamt verbesserten Gehfähigkeit korreliert und somit einen klinisch relevanten Effekt darstellt. Zeigt sich nach initialer zweiwöchiger Behandlung kein Therapieerfolg, muss die Behandlung abgebrochen werden.

zurück

Patientenhinweis

zurück

Meldungen des Verdachts auf Nebenwirkungen, die erst nach der Zulassung bekannt werden, sind von großer Wichtigkeit, um das Nutzen-Risiko-Verhältnis des Arzneistoffs kontinuierlich zu überwachen. So sind erst nach Markteinführung Überempfindlichkeitsreaktionen gegen Fampridin -einschließlich Anaphylaxie- bekannt geworden.

Eine bedeutende Nebenwirkung, die schon bei geringer Dosiserhöhung bzw. Akkumulation von Fampridin auftritt, sind Krampfanfälle. In der Forschung wird Fampridin bei Labortieren sogar zur Auslösung von Krampfanfällen eingesetzt. Fampridin ist daher bei Patienten mit Krampfanfällen in der Vorgeschichte kontraindiziert. Arzneistoffe, die die Krampfschwelle herabsetzen wie z. B. Neuroleptika, dürfen nur mit Vorsicht angewendet werden. Ebenso vorsichtig müssen unter einer Therapie mit Fampridin Arzneistoffe abgesetzt werden, die die Krampfschwelle erhöhen wie z. B. Benzodiazepine.

Fampridin wird zu 90 % unverändert über die Nieren ausgeschieden. Bereits bei einer leichten Niereninsuffizienz (= GFR < 80 ml/min) kommt es wegen der verminderten Ausscheidung zu Erhöhungen des Plasmaspiegels von Fampridin, was die Gefahr von schweren Nebenwirkungen wie z. B. Krampfanfälle deutlich erhöht. Vor und während einer Therapie mit Fampridin muss daher die Nierenfunktion bestimmt werden. Die Überwachung der Nierenfunktion gilt umso mehr für ältere Patienten, da im Alter die Nierenfunktion generell schlechter wird.

Die häufigen neurologischen Nebenwirkungen Schwindel und Gangunsicherheit können insbesondere bei Patienten, die schon gehbehindert sind, das Sturzrisiko erhöhen. Daher sollte auf Gehhilfen bei Bedarf auch weiterhin nicht verzichtet werden.

zurück

Dosierung

zurück

Die empfohlene Dosierung von Fampridin beträgt 2 x 10 mg täglich im Abstand von 12 Stunden. Diese Dosis darf auch nicht überschritten werden, da eine nur geringe Dosiserhöhung das Risiko von Krampfanfällen deutlich erhöht. Somit hat Fampridin eine sehr enge therapeutische Breite. Die Tabletten sind auf nüchternen Magen einzunehmen und sind wegen der Retardformulierung im Ganzen zu schlucken. Eine vergessene Tabletteneinnahme darf nicht durch eine anschließende doppelte Dosis nachgeholt werden. Bei gleichzeitiger Aufnahme von Nahrungsmitteln steigt die Cmax um etwa 20 %, was ebenfalls das Risiko dosisbedingter Nebenwirkungen erhöht.

Zeigt sich nach einer 2-wöchigen Behandlung keine Verbesserung der Gehfähigkeit, ist die Therapie mit Fampridin abzubrechen und nicht wieder aufzunehmen. Der Therapieerfolg sollte mit einem Timed 25 Food Walk (= T25FW, die Zeit, in der 7,6 m zurückgelegt werden) überprüft werden.

Die Eliminationshalbwertszeit von Fampridin beträgt ca. 6 Stunden. Es wird zu 90 % unverändert über die Nieren ausgeschieden. Die renale Clearance ist aufgrund der aktiven Ausscheidung über den renalen OCT2-Transporter (= Organic Cation Transporter 2) zusätzlich zur glomerulären Filtration deutlich höher als die glomeruläre Filtrationsrate des Patienten. Etwa 60 % werden aktiv über den OCT2-Transporter ausgeschieden. 10 % werden vermutlich über CYP2E1 verstoffwechselt.

Aufgrund der Pharmakokinetik steigt die Akkumulationsgefahr bereits bei einer leichten Niereninsuffizienz (= GFR < 80 ml/min) an. Daher ist Fampridin bereits bei einer leichten Niereninsuffizienz kontraindiziert. Vor und während der Behandlung mit Fampridin wird daher die Bestimmung der Nierenfunktion empfohlen. Bei Patienten mit Leberinsuffizienz ist keine Dosisanpassung notwendig.

Die Sicherheit und Wirksamkeit von Fampridin bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren ist nicht erwiesen. Es liegen keine Daten vor.

zurück

Wussten Sie schon?

Die Wirkstoffprofile gibt es auch auf CD.

Vorteile: Offline verfügbar, Lerntools, Fortbildungen u.v.m.

Mehr erfahren Sie auf www.wirkstoffprofile.de.

Zurück zum online-Profil