Wirkstoffprofile.de

Home Search

Indometacin (Dermatika)

 

Einteilung

Dermatika

Topische Antirheumatika

Wirkmechanismus

NSAR: Hemmung der Prostaglandin-Biosynthese durch Hemmung von COX-1 und COX-2

mehr

Anwendung

Schmerzen durch stumpfe Traumen

Ein stumpfes Trauma bezeichnet eine innere Verletzung durch eine nicht perforierende Gewalteinwirkung. In diesem Kontext sind damit Verletzungen wie Zerrungen, Verstauchungen oder Prellungen gemeint, wie sie bei Unfällen oder beim Sport auftreten. Eine Verletzung innerer Organe oder eine Fraktur muss ausgeschlossen werden.

Für eine Ausheilung sind in der Regel keine besonderen Maßnahmen erforderlich. Eine Schonung der betroffenen Region ist sicherlich angemessen. Eine Therapie mit topischen Antirheumatika ist lediglich unterstützend und soll die Schmerzsymptomatik lindern.

Schmerzen gelenknaher Weichteile

Gelenknahe Weichteile sind Schleimbeutel, Sehnen, Sehnenscheiden, Bänder und Gelenkkapsel. Die Ursachen für Entzündungen in diesem Bereich sind vielfältig. In der Regel liegt eine Überbelastung oder Fehlbelastung vor. Aber auch im Rahmen von Arthritiden und Arthrosen kommt es regelmäßig zu einer Beteiligung dieser gelenknahen Bereiche.

Eine Therapie mit topisch anzuwendenden Antirheumatika ist lediglich unterstützend und soll die Entzündung hemmen und die Schmerzsymptomatik lindern. Eine mögliche Grunderkrankung wie die rheumatoide Arthritis ist angemessen zu therapieren. Nach einer Überbelastung ist Schonung angeraten, bei Arthrose und Fehlbelastungen eventuell eine Physiotherapie in Betracht zu ziehen.

Schmerzen bei degenerativen Gelenkerkrankungen

Explizit ausgenommen sind hier degenerative Gelenkerkrankungen der Hüftgelenke und der kleinen Wirbelgelenke.

Bei der Arthrose handelt es sich um eine primär nicht entzündliche degenerative Gelenkerkrankung, die sich grundsätzlich in jedem Gelenk entwickeln kann. Hauptursache ist eine Überbelastung des entsprechenden Gelenks. Fortschreitende Veränderungen und Abbau der normalen Knorpel- und Knochenstruktur führen letztlich zu Gelenkverformungen mit massiver Funktionseinschränkung. Bei diesem Prozess kann es auch immer wieder zu reaktiven Gelenkergüssen und chronischen Entzündungen der Synovia kommen. In Deutschland leiden etwa 5 Millionen Menschen an einer Arthrose.

Die Schmerzsymptomatik wechselt im Verlauf der Erkrankung. Das Frühstadium prägen Anlaufschmerzen - Schmerzen, die direkt nach einer Ruhepause im Gelenk auftreten und bei weiterer Bewegung verschwinden - und Belastungsschmerzen nach langer oder hoher Belastung. Später kommen Ruheschmerzen hinzu, die auf gleichzeitig ablaufende Entzündungsprozesse hinweisen.

Die Therapie wird zunächst konservativ durchgeführt. Ein wesentlicher Faktor bei Überbelastung ist das Übergewicht. Bei Arthrosen der Hüft- und/ oder Kniegelenke ist dann eine Gewichtsreduktion angebracht. Darüber hinaus basiert die konservative Therapie auf der physikalischen Therapie (Physiotherapie, Massagen, Elektrotherapie,…) und der medikamentösen Therapie. Hier werden die Knorpelbildung fördernde Arzneistoffe wie Glucosamin, Hyaluronsäure und Chondroitin und entzündungshemmende Stoffe eingesetzt. Zur Entzündungshemmung und Schmerzlinderung können zunächst topisch anzuwendende Antirheumatika wie Diclofenac, Ibuprofen und Indometacin versucht werden. Bei fortschreitender Erkrankung ist diese Therapie jedoch unzureichend und sollte höchstens unterstützend eingesetzt werden. Dann sollten diese NSAR systemisch gegeben werden. Eine Alternative sind lokale Injektionen zur Entzündungs- und Schmerzhemmung mit NSAR oder Glucocorticoiden. Bei den Glucocorticoiden ist jedoch die Gefahr einer weiteren Knorpel- und Knochendegeneration zu beachten. Bei schweren Arthrosen mit erheblichen Funktionsverlusten und/ oder Schmerzen muss auf operative Techniken zurückgegriffen werden. Dabei steht neben gelenkerhaltenden Verfahren wie der Transplantation von Knorpel der Gelenkersatz mittels einer Endoprothese im Vordergrund.

Schmerzhafte Schultersteife

Bei einer schmerzhaften Schultersteife („Frozen Shoulder“) kommt es zu chronisch entzündlichen Veränderungen im Bereich der Schultergelenkkapsel, das zu einer weitgehend schmerzbedingten Aufhebung der Beweglichkeit des Schultergelenks führen kann. Das Gelenk weist einige anatomische Besonderheiten auf, die ein schmerzhaftes Krankheitsgeschehen begünstigen. Bei einer kleinen Gelenkpfanne mit großem Gelenkkopf und entsprechend großer Beweglichkeit wird das Gelenk überwiegend durch Muskeln und Kapselbänder geführt. Die große Gelenkkapsel bedingt, dass es bei jeder Gelenkstellung zu Faltenbildungen der Kapsel kommt. Unterbleiben bestimmte Bewegungen aufgrund von Schmerzen, so können diese Falten verkleben, die Bewegung wird schmerzhaft eingeschränkt.

Man kann eine primäre von sekundären Formen der Schultersteife unterscheiden. Bei der primären Form ist die Ursache unbekannt. Sie tritt vor allem bei Patienten zwischen 40 und 60 Jahren auf und verläuft in drei Stadien. Nach anfangs besonders nächtlichen Schmerzen ist das zweite Stadium durch eine zunehmende Einsteifung des Gelenks charakterisiert. Im letzten Stadium klingen die Symptome ab, jedoch können Einschränkungen bestehen bleiben. Der Verlauf kann sich über Jahre hinziehen. Dabei können auch beide Schultergelenke betroffen sein. Sekundär kann sich diese Symptomatik auch infolge von Verletzungen der Muskelrotatoren-Manschette, Einklemmungen, Operationen, Arthrose und Arthritis entwickeln.

Die schmerzhafte Schultersteife wird konservativ schmerzstillend und mit Krankengymnastik behandelt. Für eine lokale Schmerztherapie können topisch anzuwendende Antirheumatika zum Einsatz kommen.

Patientenhinweis

Nicht auf offene Wunden, Schleimhäute oder in die Augen bringen.
Nach Anwendung die Hände gründlich waschen. Keinen Okklusivverband anlegen.
Bei Verwendung rezeptfreier Arzneimittel im Rahmen der Selbstmedikation sollte nach 3 Tagen ein Arzt aufgesucht werden, wenn die Beschwerden anhalten.

mehr

Dosierung

Gel:
2-4 x täglich 2-5 g dermal

Spray:
3-5 x täglich 0,5-1,5 ml (= 4-11 Sprühstöße) dermal

mehr

Nebenwirkungen

  Hautreaktionen

Es kann zu Juckreiz, Rötung, Hautausschlag, Brennen, Schuppenbildung, Austrocknung, Blasenbildung oder Wasseransammlung kommen.

  Analgetika-Asthma

Besonders bei Allergikern und Asthmatikern besteht die Gefahr eines sogenannten "Analgetika-Asthmas". Da die Cyclooxygenasen gehemmt werden, steht mehr Arachidonsäure zur Verfügung, die auf einem anderen Weg metabolisiert werden kann, vor allem über die Lipoxygenase. Diese bildet Leukotriene, die eine pseudo-allergische Reaktion auslösen können. Eine entsprechende Reaktion kann sehr selten auch durch die topische Gabe ausgelöst werden.

  Weitere systemische Nebenwirkungen

Bei längerfristiger Anwendung auf großen Hautarealen kann es zu Nebenwirkungen kommen, wie sie nach systemischer Applikation von Indometacin auftreten können (siehe dort).

Kontraindikationen

Überempfindlichkeit gegen nicht-steroidale Antirheumatika

Offene Verletzungen oder Entzündungen

Chronische obstruktive Atemwegserkrankungen

Besonders bei Allergikern und Asthmatikern besteht die Gefahr eines sogenannten "Analgetika-Asthmas". Da die Cyclooxygenasen gehemmt werden, steht mehr Arachidonsäure zur Verfügung, die auf einem anderen Weg metabolisiert werden kann, vor allem über die Lipoxygenase. Diese bildet Leukotriene, die eine pseudo-allergische Reaktion auslösen können. Eine entsprechende Reaktion kann sehr selten auch durch die topische Gabe ausgelöst werden.

Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren

In dieser Altersgruppe bestehen noch keine ausreichenden Erkenntnisse.

Schwangerschaft und Stillzeit

Die Substanz sollte im 1. und 2. Trimenon nur nach strenger Indikationsstellung appliziert werden, da keine ausreichenden Daten zur Anwendung beim Menschen vorliegen.
Tierversuche erbrachten weder embryotoxische noch teratogene Wirkungen.
Die Substanz ist im 3. Trimenon kontraindiziert, da durch die wehenhemmende Wirkung (COX-2-vermittelt) der Geburtstermin hinausgezögert werden kann und die Gefahr besteht, dass sich der Ductus arteriosus Botalli (Verbindung zwischen Aorta und Lungenarterie zur Umgehung des Lungekreislaufs) des Neugeborenen vorzeitig schließt. Auch kann bei der Geburt die Blutungsneigung der Mutter und des Kindes erhöht sein.

Die Substanz geht in die Muttermilch über. Eine Schädigung des Säuglings wurde bisher nicht beobachtet.

Wechselwirkungen

Strukturformel

Strukturformel

ratiopharm

SimpleSoft
Hilfe Impressum

Wirkmechanismus

zurück

Das Enzym Cyclooxigenase ist für die Bildung von Vorstufen von Prostaglandinen, Prostacyclinen und Thromboxanen verantwortlich, welche als Gewebshormone vielfältige Wirkungen im Körper haben. Die Variante COX-1 ist dabei die physiologisch dauerhaft exprimierte Form, während COX-2 bei Schmerz- und Entzündungszuständen schnell induzierbar ist. Durch COX-1-Aktivität wird die Produktion von Magensäure vermindert sowie eine Vasokonstriktion und vermehrte Thrombozytenaggregation bewirkt. Durch COX-2-Aktivität werden Schmerz, Fieber und Entzündung, Wehentätigkeit, Vasodilatation sowie verminderte Thrombozytenaggregation bewirkt.
Mit nicht-steroidalen Antirheumatika (NSAR) kann die Cyclooxigenase gehemmt werden. Dieses hat folgende Wirkungen:
Analgetisch: Durch schädigende Noxen wird die Phospholipase A2 aktiviert, welche Arachidonsäure aus Zellmembranen freisetzt. Aus dieser werden durch die Cyclooxigenase u. a. Prostaglandin E2 und Prostacyclin gebildet, welche Nozizeptoren gegenüber Schmerzmediatoren sensibilisieren. Eine Hemmung der Cyclooxigenase verhindert somit die Sensibilisierung der Nozizeptoren.
Antipyretisch: NSAR hemmen auch die Bildung von Prostaglandin E2 im Gehirn. Dadurch kann dieses nicht an Rezeptoren im Wärmeregulationszentrum im vorderen Hypothalamus binden und eine Erhöhung des Körpertemperatur-Sollwertes wird verhindert.
Antiphlogistisch: Saure, nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR) liegen im Blut zu einem großen Anteil an Plasmaproteine gebunden vor. Da die Kapillaren in geschädigten Geweben leichter permeabel sind, können auch an Plasmaproteine gebundene Arzneistoffe in größeren Mengen dorthin gelangen. Da der pH-Wert in geschädigten Geweben niedriger ist als in gesunden, kommt es zu einer stärkeren Dissoziation saurer Arzneistoffe von den Plasmaproteinen. Der freie Arzneistoff kann nun in die Zellen gelangen, wo weiterhin ein physiologischer pH-Wert herrscht, weshalb er sich dort aufgrund des höheren ionisierten Anteils anreichert. So gelangen NSAR in hohen Konzentrationen in entzündete Gewebe, wo sie die Entzündungsreaktion hemmen.

Indometacin und Acemetacin, ein Prodrug von Indometacin, hemmen sowohl COX-1 als auch COX-2. Sie haben jedoch eine geringe Präferenz für COX-1.

zurück

Patientenhinweis

zurück

Wichtig:
Patienten, die an Asthma, Heuschnupfen, Nasenschleimhautschwellungen (sog. Nasenpolypen) oder chronisch obstruktiven Lungenerkrankungen, chronischen Atemwegsinfektionen (besonders gekoppelt mit heuschnupfenartigen Erscheinungen) leiden sowie Patienten mit Überempfindlichkeit gegen Schmerz- und Rheumamittel aller Art sind bei der Anwendung dieses Arzneimittels durch Asthmaanfälle (sog. Analgetika-Intoleranz/ Analgetika-Asthma), örtliche Haut- oder Schleimhautschwellung (sog. Quincke-Ödem) oder Urtikaria eher gefährdet als andere Patienten.

zurück

Dosierung

zurück

Bei der Verwendung des Sprays ist im Unterschied zum Gel kein Einreiben erforderlich. In beiden Fällen sollte die Anwendung eines (luftdichten) Okklusivverbands unterbleiben, ein normaler Verband ist jedoch möglich. Die Tageshöchstdosis beträgt 6 g Creme bzw. 7,5 ml Spray (entsprechen 60 mg Indometacin).

Bei Verwendung rezeptfreier Arzneimittel im Rahmen der Selbstmedikation sollte nach 3 Tagen ein Arzt aufgesucht werden, wenn die Beschwerden anhalten. Ansonsten ist in aller Regel eine Anwendung über 1-2 Wochen ausreichend.

Wichtig:
Patienten, die an Asthma, Heuschnupfen, Nasenschleimhautschwellungen (sog. Nasenpolypen) oder chronisch obstruktiven Lungenerkrankungen, chronischen Atemwegsinfektionen (besonders gekoppelt mit heuschnupfenartigen Erscheinungen) leiden sowie Patienten mit Überempfindlichkeit gegen Schmerz- und Rheumamittel aller Art sind bei der Anwendung dieses Arzneimittels durch Asthmaanfälle (sog. Analgetika-Intoleranz/ Analgetika-Asthma), örtliche Haut- oder Schleimhautschwellung (sog. Quincke-Ödem) oder Urtikaria eher gefährdet als andere Patienten.

zurück

Wussten Sie schon?

Die Wirkstoffprofile gibt es auch auf CD.

Vorteile: Offline verfügbar, Lerntools, Fortbildungen u.v.m.

Mehr erfahren Sie auf www.wirkstoffprofile.de.

Zurück zum online-Profil