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Interferon alfa

  

Einteilung

Immuntherapeutika

Zytokine

Wirkmechanismus

Zytokin mit antiviraler, antiproliferativer und immunmodulierender Wirkung

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Anwendung

Chronisch aktive Hepatitis B und C

Zur Behandlung der Hepatitis B und C wird Interferon-α eingesetzt. Bei Hepatitis C empfiehlt sich eine Kombinationstherapie mit Ribavirin (Virostatikum).
Bei einer Hepatitis B handelt es sich um eine Infektion, die durch Hepadnaviren hervorgerufen wird. Diese sind sowohl beim Infektionsweg als auch der Virenvermehrung den HI-Viren sehr ähnlich. Die Infektion erfolgt über den Kontakt mit Körperflüssigkeiten wie Blut, Sperma, Schleimhautsekreten aber auch der Muttermilch. Das Virus enthält eine partiell doppelstängige DNA und eine reverse Transkriptase, wodurch eine DNA in das Wirtszellgenom integriert wird. Im Gegensatz zu HI-Viren befallen Hepatitis B Viren die Hepatozyten. Dieses führt zunächst zu einer akuten Hepatitis mit Leberzelluntergang. Allerdings kann es bei einer Hepatitis B auch zu chronischen Entzündungen kommen, welche zum einen zu einer Leberzirrhose (Vernarbung der Leber mit Funktionsverlust) aber auch zu einem Leberzellkarzinom (Leberkrebs) führen können.

Bei der Hepatitis C handelt es sich um eine Infektion, welche durch Hepaciviren hervorgerufen wird. Im Gegensatz zur Hepatitis B kommt es hier nur durch Blutkontakt zur Übertragung zwischen unterschiedlichen Individuen. Es handelt sich hierbei um ein behülltes Virus mit Einzelstrang RNA. Auch unterscheidet sich die akute Hepatitis C von denen der Hepatitis A und B, da die Verläufe sehr milde sind und daher vom Patienten kaum wahrgenommen werden. Das Problem der Hepatitis C ist, dass sie eine hohe Chronifizierungsrate hat, sodass im späteren Verlauf die Leber zirrhotisch wird und maligne entarten kann.

Haarzellleukämie

Die Haarzellleukämie ist eine seltene Leukämieform, welche zu den niedrig malignen B-Zelllymphomen gehört. Die Erkrankung erhielt ihren Namen durch die typisch morphologische Veränderung der B-Lymphozyten, welche protoplasmatische Fortsätze ähnlich einem Haarschopf tragen. Die Symptome dieser Erkrankung sind Leukämie-typisch. Durch das übermäßige Wachstum dieser Leukozyten werden andere Blutzellen verdrängt, sodass das klinische Bild einer Anämie mit Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Infektanfälligkeit und Blutgerinnungsstörungen zum Vorschein kommt. Darüber hinaus zeigen sich Vergrößerungen von Leber und Milz.

Kaposi-Sarkom bei AIDS-Patienten

Beim Kaposi-Sarkom handelt es sich um eine maligne Erkrankung des Bindegewebes. Bevorzugt kommt es hierbei zu Infiltrationen in Haut und Schleimhäuten, sowie Lymphknoten. Aber auch eine Metastasierung in innere Organe ist möglich. Typischerweise tritt diese Erkrankung nur bei immunsuppressiven Patienten (AIDS-Patienten, Immunsupprimierte) auf. Angenommen wird eine Beteiligung des humanen Herpesvirus Typ 8. Allerdings sind weitere, nicht nähere bekannte Cofaktoren notwendig.
Eine Therapie mit Interferon macht nur Sinn, wenn die CD4 Zellzahl > 250/mm3 liegt, da das Immunsystem ansonsten zu schwach ist, den Interferonstimulus adäquat umzusetzen.

Kutanes T-Zell Lymphom

Kutane T-Zell Lymphome sind sehr selten. Es handelt sich hierbei um entartete T-Lymphozyten, welche sich zunächst in der Lederhaut manifestieren und von hier aus die Epidermis infiltrieren.
Der Patient nimmt die Tumoren zunächst nur durch einen permanenten Juckreiz mit uncharakteristischer Rötung der Haut wahr. Dieses prätumuröse Stadium kann über Jahre andauern. Im tumorösen Stadium bilden sich rot-bräunlich gefärbte Knoten in der Haut und es kann zum Metastasieren in Lymphknoten und innere Organe kommen.
In den Anfangsstadien besteht die Therapie aus der chirurgischen Entfernung der Hauttumoren sowie einer PUVA Therpie. Bei fortschreitendem Tumorgeschehen kommen neben Interferon alpha auch Chemotherapeutika und eine Strahlentherapie zum Einsatz.

Malignes Melanom

Interferon wird adjuvant (unterstützend) bei Patienten mit Melanomresektion angewendet, bei denen ein hohes Rezidivrisiko besteht.

Unter dem malignen Melanom versteht man eine maligne Entartung der Melanozyten (Pigmentzellen). Dieser Krebs ist zum einen einer der gefährlichsten, zum anderen auch einer der in Anfangsstadien am besten therapierbaren aber auch vermeidbaren. Die Entstehung dieses Hautkrebses geht nämlich auf eine intensive Bestrahlung der Haut mittels UV Strahlung zurück. Daher sind klassische Risikofaktoren für die spätere Entwicklung eines malignen Melanoms lange Sonnenbäder (ohne entsprechenden UV Schutz), häufige Sonnenbrände, heller Hauttyp und von Natur aus hohe Pigmentierung (Muttermale) der Haut. Das Problem des Melanoms ist, dass es häufig nicht entdeckt wird, da es zu Anfang symptomlos ist und zu 40 % aus einem normalen Muttermal hervor geht. Melanome zeichnen sich nämlich zunächst nur durch ihre unregelmäßige Färbung, asymmetrisches Wachstum und teilweise auftretenden Juckreiz aus. In diesem Stadium, welches der Hautarzt mit speziellen Lupen diagnostizieren kann, ist der Hautkrebs durch chirurgische Entfernung zu über 90 % heilbar. Hat er jedoch bereits metastasiert, was beim schwarzen Hautkrebs früh passiert, sind die Heilungschancen sehr gering. Der Primärtumor ist nicht zwingend auf ein Auftreten der oberflächlichen Haut beschränkt, er kann auch seine Erstmanifestation auf Schleimhäuten oder auch in der Aderhaut des Auges haben.

Nierenzellkarzinom

Das Nierenzellkarzinom macht über 90 % der malignen Nierentumoren aus, wobei die meisten Tumoren von Zellen des Tubulusapparates ausgehen. Der Tumor ist zunächst sehr symptomarm und wird heute häufig zufällig bei Ultraschalluntersuchungen entdeckt. In späteren Stadien wird häufig der Tumor durch die Trias von Blut im Urin, Flankenschmerz und tastbarer Raumforderung bemerkbar.
In diesen Stadien ist die Prognose der Erkrankung eher ungünstig. Risikofaktoren für die Entwicklung eines Nierenzellkarzinoms sind:
  • Rauchen
  • Übergewicht
  • chronische Analgetikaeinnahme (NSAR)
  • Niereninsuffizienz
Die primäre Therapie des Nierenzellkarzinoms besteht in der chirurgischen Entfernung des Tumors, welches je nach Ausdehnung des Primärtumors die vollständige Entfernung der befallenen Niere bedarf. Darüber hinaus findet eine cytostatische Therapie und die Applikation von Interferon bei fortgeschrittenem Nierenzellkarzinom statt.

Chronisch myeloische Leukämie

Die chronisch myeloische Leukämie (CML) gehört wie die Polycythaemia vera, essentielle Thrombozytämie und Osteomyelofibrose zu den myeloproliferativen Erkrankungen, die aufgrund genetischer Defekte von Knochenmarkszellen (myelos = Knochenmark) einen malignen Verlauf nehmen. In Deutschland liegt die Inzidenz bei 1,6 Neuerkrankungen pro 100.000 Erwachsene im Jahr. Sie ist im Gegensatz zu den akuten Leukämien eine Erkrankung des höheren Lebensalters (Median bei 65 Jahre). Die chronisch myeloische Leukämie macht ca. 20 % aller Leukämiefälle aus.

Pathophysiologisch liegt hier in den meisten Fällen ein Chromosomendefekt mit anschließender Proliferation einer einzigen multipotenten hämatopoetischen Vorläuferzelle vor. In über 90 % der Fälle findet man bei der CML das sog. „Philadelphia-Chromosom“ = t(9;22): Es kommt zu einer reziproken Translokation von Chromosomen-Abschnitten zwischen den langen Armen (=q-Arme) von Chromosom 9 und 22. Unter dem Mikroskop findet man dann das auffällig verkürzte Chromosom 22 (= Philadelphia-Chromosom). Durch die Translokation von Genabschnitten kommt es auf dem Chromosom 9 dazu, dass der Genabschnitt für eine Tyrosinkinase (ABL) mit einer sog. BCR-Region (= breaking cluster region) benachbart ist. Dieses BCR-ABL-Fusionsgen wirkt als Onkogen, weil die dadurch codierte Tyrosinkinase nun dauerhaft aktiv ist und die Wachstumsregulation stört. Unkontrolliertes Zellwachsum ist die Folge.

Die CML ist eine über mehrere Jahre verlaufende Erkrankung. Sie wird in eine über Jahre verlaufende chronische Phase, eine Akzelerationsphase und in die Blastenphase eingeteilt. Die chronische Phase kann lange Zeit vom Patienten unbemerkt verlaufen. Leitsymptom ist die Vermehrung von Leukozyten (= Leukozytose) und die Splenomegalie (= Vergrößerung der Milz). Im peripheren Blutbild findet sich typischerweise eine Linksverschiebung der weißen Blutzellreihe mit dem Auftreten von bis zu 10 % unreifer Zellen (= Myeloblasten). In der Akzelerationsphase beschleunigt sich der Krankheitsverlauf. Es finden sich bis zu 30 % unreifer Myeloblasten im Blutbild bei weiter zunehmender Leukozyten-Zahl. Die Zellen der anderen Blutzellreihen werden mehr und mehr verdrängt, so dass sich eine Anmie und Thrombozytopenie entwickeln kann. Das ungehemmte Wachstum der weißen Blutzellreihe kann zu weiteren Mutationen führen, die dann irgendwann eine lebensbedrohliche Blastenkrise (= Blastenschub) auslösen können. Kennzeichen eines Blastenschubs sind mehr als 30 % Blasten im peripheren Blutbild und histologisch gesicherte Infiltrate außerhalb von Knochenmark, Milz oder Lymphknoten. In dieser Phase ist eine Unterscheidung zur akuten lymphatischen Leukämie (ALL) kaum möglich.

Ziel der Therapie ist, die Vermehrung der Leukozyten im Blut aufzuhalten. Hierfür stehen zur Therapie verschiedene medikamentöse Optionen zur Auswahl, die auch teilweise kombiniert werden können. Dazu gehören Interferon alpha, Tyrosinkinase-Inhibitoren wie Imatinib, oder eine Polychemotherapie. Hydroxycarbamid kann in der chronischen und der akzelerierten Phase als Reservemittel eingesetzt werden. Außerdem kommen allogene Knochenmarkstransplantation und periphere Stammzelltransplantation in Frage. Durch die neueren medikamentösen Behandlungsmethoden ist die Überlebenszeit der Patienten deutlich verbessert worden. Dennoch versterben mehr als 50 % der Patienten innerhalb von 10 Jahren nach Diagnosestellung.

Patientenhinweis

Da die Therapie zu Müdigkeit, Schläfrigkeit und Verwirrtheit führen kann, sollte das Führen von Maschinen und das Lenken von Fahrzeugen vermieden werden.
Die Lösungen sind vor der Anwendung visuell auf Ausfällungen oder Verfärbungen zu kontrollieren.
Die Lösungen müssen bei 2 °C bis 8 °C im Kühlschrank gelagert werden und dürfen erst unmittelbar vor der Applikation auf Raumtemperatur gebracht werden. Die Lösungen dürfen nicht eingefroren und nicht stark geschüttelt werden.
Die Patienten sollten auf die mögliche Entwicklung einer Depression hingewiesen werden (s. Nebenwirkungen).

Dosierung

Interferon α-2a unpegyliert:
1 x täglich bis 3 x wöchentlich 3-36 Mio. Einheiten
Interferon α-2a pegyliert:
1 x wöchentlich 45-180 µg

Interferon α-2b unpegyliert:
1 x täglich bis 3 x wöchentlich 2-20 Mio. Einheiten
Interferon α-2b pegyliert:
1 x wöchentlich 0,5-1,5 µg/kg Körpergewicht

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Nebenwirkungen

  Allergische Reaktionen

Sehr häufig kann es zu allergischen Reaktionen kommen. Diese äußern sich sehr häufig in Hauterscheinungen, wie Exanthem (Hautausschlag) und Pruritus (Juckreiz), können häufig aber auch bis zu anaphylaktischen Reaktionen wie dem anaphylaktischen Schock führen.

  Psychische Störungen

Es kann sehr häufig zu Depressionen und häufig zu Angst, Schlafstörungen, Verwirrtheit, Nervosität u. a. kommen.
Da die entstehenden Depressionen zu Selbstmord, Selbstmordgedanken und Selbstmordversuchen führen können, sollten die Patienten diesbezüglich aufgeklärt werden, damit sie eine entstehende Depression erkennen und dann den Arzt aufsuchen können.

  Grippeartige Symptome

Bei einem großen Teil der Patienten kommt es unter der Therapie zu grippeartigen Erscheinungen. Sie äußern sich z. B. in Müdigkeit, Fieber, Schüttelfrost, Schwindel, Rigor, Appetitlosigkeit, Muskel-, Kopf- und Gelenkschmerzen und in vermehrtem Schwitzen.
Erleichterung kann hier die Gabe von Paracetamol (nicht saures Analgetikum) schaffen.

  Störungen des Blutbildes

Sehr häufig tritt als Nebenwirkung Leukopenie, Thrombozytopenie, Anämie, Neutropenie und selten Agranulozytose auf.

Das Hämogramm (Blutbild) stellt die Menge der in einer Blutprobe vorhandenen Erythrozyten (rote Blutkörperchen), Leukozyten (weiße Blutkörperchen), Thrombozyten (Blutplättchen) und Retikulozyten (polymorphkernige Blutkörperchen) nebeneinander dar. Beim Differentialblutbild werden sowohl quantitative als auch qualitative Parameter, wie z. B. die Form, mit herangezogen. Neben pathologischen Veränderungen können Abweichungen von den Normwerten auch durch unerwünschte Arzneimittelwirkungen bedingt sein. Auftreten können u. a.:
  • Leukopenie: Die Gesamtzahl aller Leukozyten (Granulozyten, Lymphozyten, Monozyten) im Blut ist auf unter 5.000/mm³ reduziert.
  • Leukozytose: Die Gesamtzahl aller Leukozyten im Blut ist über 10.000/mm³ erhöht.
  • Granulozytopenie: Verminderung der Anzahl der Leukozyten, insbesondere der neutrophilen Granulozyten.
  • Agranulozytose (perniziöse Neutropenie): Verminderung der Anzahl der Leukozyten (Leukopenie), die Granulozyten können komplett fehlen. Auch die Blutplättchen und das Knochenmark können betroffen sein. Eine Agranulozytose kann sich innerhalb von Stunden ausbilden und geht üblicherweise mit grippeähnlichen Symptomen einher, bei deren Auftreten der Patient darüber aufgeklärt sein muss, dass umgehend eine ärztliche Konsultation erfolgen sollte. Es wird symptomatisch therapiert; Breitbandantibiotika und Granulozyten-Koloniestimulierende Faktoren, wie Filgrastim, werden häufig in der Therapie verabreicht.
  • Eosinophilie: Erhöhung der Anzahl der eosinophilen Granulozyten im Blut. Bei allergischen Reaktionen wie dem Arzneimittelexanthem tritt dies zum Beispiel auf.
  • Thrombozytopenie: Verminderung der Anzahl der Thrombozyten unter 150.000/mm³. Durch den Mangel an Thrombozyten ist die Blutgerinnung gestört und es treten vermehrt Hämatome oder Blutungen auf.
  • Aplastische Anämie: Die Gesamtzahl aller Zellen im Blut ist reduziert (Panzytopenie). Ursache ist eine gestörte Stammzellreifung im Knochenmark.
Grundsätzlich stellen Blutbildveränderungen ernste bis lebensbedrohliche unerwünschte Wirkungen dar, die einer weitergehenden ärztlichen Abklärung bzw. Behandlung bedürfen.

  Kardiovaskuläre Störungen

Es kann zu Hypo- und Hypertonie, Ödemen, Arrythmien und Palpitationen (Herzklopfen) kommen.

  Hyper- und Hypoglykämie

  Hypo- und Hyperthyreose

  Alopezie

Diese Nebenwirkung tritt sehr häufig auf und ist nach dem Absetzen der Therapie meist reversibel.

  Leberfunktionsstörungen

Sehr häufig kommt es zu einem Anstieg von LDH, alkalischer Phosphatase und den Transaminasen. Selten kann es Leberinsuffizienz und Leberschäden kommen.

  Gastrointestinale Beschwerden

Es kommt sehr häufig zu Abdominalschmerzen, Appetitlosigkeit, Durchfall, Übelkeit und Erbrechen.

Kontraindikationen

Bestehende oder vorausgegangene Herzerkrankungen

Unter Anwendung von Interferon-haltigen Arzneimitteln kann es zu einer Verschlechterung einer bestehenden Herzinsuffizienz kommen.

Manche Formen von Hepatitis

Ist die Hepatitis mit einer fortgeschrittenen dekompensierten Lebererkrankung oder Leberzirrhose verbunden oder wurden/werden deshalb Immunsuppressiva gegeben, so gilt dies für die Anwendung von Interferonen als Kontraindikation.
Diese Kontraindikation gilt für Interferon-α.

Epilepsie

Unter Anwendung Interferon-haltiger Arzneimittel ist die Gefahr, einen epileptischen Krampfanfall zu bekommen erhöht.

Schilddrüsenfunktionsstörungen

Interferone können eine Störung der Schilddrüsenfunktion verursachen und sollten aus diesem Grund bei bestehenden Schilddrüsenfunktionsstörungen nicht eingesetzt werden.
Diese Kontraindikation gilt für Interferon-α und -β.

Psychische Erkrankungen

Interferone können Depressionen und dadurch Selbstmordgedanken und deren Umsetzung auslösen. Bestehen bereits entsprechende psychische Erkrankungen, so sollten Interferone nicht eingesetzt werden.

Autoimmunerkrankungen

Durch die Gabe von Interferon-α können bestehende Autoimmunerkrankungen verschlimmert werden und vergangene Autoimmunerkrankungen können wieder aufflammen.

Schwere Nierenfunktionsstörungen

Die Niere stellt das wichtigste Organ für die Ausscheidung von Arzneistoffen und deren Stoffwechselprodukten dar. Ist die Funktionsfähigkeit der Niere herabgesetzt, verbleiben Arzneistoffe und ggf. auch wirksame oder toxische Stoffwechselprodukte länger im Organismus.

Für die Arzneimitteltherapie bedeutet dies, dass bei Substanzen, die zu einem wesentlichen Teil über die Nieren aus dem Organismus entfernt werden, die Dosis des Arzneistoffes herabzusetzen und/oder die Wirkstoffspiegel genau zu überwachen sind. Gerade dann, wenn toxische Metabolite nicht mehr ausreichend über die Niere entfernt werden können, kann auch eine absolute Kontraindikation gegeben sein. Als geeignetes Maß für die Funktionstüchtigkeit der Niere hat sich die sogenannte Kreatinin-Clearance durchgesetzt.

Ob eine Dosisanpassung wegen einer Einschränkung der Nierenfunktion vorgenommen werden sollte, kann anhand folgender Faustregel abgeschätzt werden: Die Kreatinin-Clearance liegt unter 50 ml/min und der normalerweise über eine funktionstüchtige Niere ausgeschiedene Anteil der resorbierten Dosis liegt über 50-70 % (tabellierter Wert, sogenanntes Q-Null-Konzept). Verbindliche Hinweise zu dem jeweiligen Arzneistoff gibt die Fachinformation!

Schwere Leberfunktionsstörungen

Die Leber stellt das wichtigste Organ für die Biotransformation von Arzneistoffen dar. Häufig wird durch die Verstoffwechselung von Arzneistoffen deren Ausscheidung erst ermöglicht: Arzneistoffe mit Molekulargewicht über 500 können über Leber und Galle ausgeschieden werden, wohingegen man leichtere Arzneistoffe häufiger im Urin findet.

Ist die Funktion der Leber eingeschränkt, kann dies für die Arzneimitteltherapie insofern von Bedeutung sein, als dass Arzneistoffe länger im Organismus verbleiben, da die vor der Ausscheidung notwendige Biotransformation mehr Zeit beansprucht. In vielen Fällen wird daher eine Herabsetzung der Dosis oder des Dosierintervalles sowie eine Überwachung der Wirkstoffspiegel angezeigt sein, ggf. ist die Gabe des betreffenden Arzneistoffes sogar kontraindiziert. Möglich ist jedoch auch der Fall, dass ein unwirksames Prodrug durch die Leber nur verzögert oder gar nicht in die aktive Wirkform überführt werden kann.

Kinder bis 3 Jahre

Einige Zubereitungen enthalten Benzylalkohol, der bei Kindern bis 3 Jahre lebensbedrohliche Zustände auslösen kann.
Bei Kindern < 1 Jahr zeigten sich unter Anwendung von Interferon gamma starke Leberenzymanstiege, welche auf eine Leberschädigung hinweisen.

Schwangerschaft und Stillzeit

Die Substanz sollte nur nach strenger Indikationsstellung in der Schwangerschaft appliziert werden, da keine ausreichenden Daten zur Anwendung beim Menschen vorliegen.

Von der Substanz ist nicht bekannt, ob sie in die Muttermilch übergeht.

Wechselwirkungen

  Zentral dämpfende Stoffe z. B. Tranquillantien

Die Kombination von Interferonen mit zentral dämpfenden Stoffen darf nur mit Vorsicht erfolgen, da Interferone auch zentrale Nebenwirkungen haben können.

Zentral dämpfende Stoffe z. B. Tranquillantien  anzeigen

  Theophyllin

Interferone können zu einer verminderten Clearance von Theophyllin führen.

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  CYP2D6-Substrate

Die Cytochrom P450-Enzyme (kurz CYP) sind maßgeblich an der Biotransformation von Arzneimitteln beteiligt. CYP-Enzyme sind mischfunktionelle Monooxygenasen, d.h. sie führen ein Sauerstoffatom in das zu transformierende Molekül ein. Durch diese Reaktionen (z.B. Hydroxylierung, N- und S-Oxidation, N- und O-Desalkylierung, Desaminierung) werden die Moleküle hinsichtlich einer leichteren Eliminierbarkeit funktionalisiert. Die CYP-Enzyme weisen eine breite Substratspezifität auf und sind damit für die Biotransformation von vielen, auch strukturell unterschiedlichen Arzneistoffen von Bedeutung. Sowohl der Dünndarm als auch die Leber sind im Bezug auf die CYP-Enzyme die Schlüsselorgane, wobei letztere den höchsten CYP-Enzym-Gehalt aufweist. Häufig sind bestimmte CYP-Enzyme durch Arzneistoffe, aber auch durch Nahrungsbestandteile und Umweltgifte induzier- oder hemmbar.

Zur Gruppe der Arzneistoffe, die Cytochrom P450 Isoenzym 2D6 hemmen, gehören die antidepressiv wirkenden selektiven Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer (Citalopram, Fluoxetin, Paroxetin), der kombinierte Serotonin- und Noradrenalin-Wiederaufnahme-Hemmer Duloxetin, außerdem z.B. Celecoxib und Terbinafin.

Zur Gruppe der Induktoren von Cytochrom P450 Isoenzym 2D6 gehören: Dexamethason und Rifampicin sowie möglicherweise auch die Interferone.

U. a. werden folgende Arzneistoffe über das Isoenzym 2D6 metabolisiert und daher als Substrate von CYP 2D6 bezeichnet: Atomoxetin, Metoprolol, Cabergolin, Dextromethorphan.

CYP2D6-Substrate  anzeigen

  CYP2C9- und CYP2C19-Substrate

Die Cytochrom P450-Enzyme (kurz CYP) sind maßgeblich an der Biotransformation von Arzneimitteln beteiligt. CYP-Enzyme sind mischfunktionelle Monooxygenasen, d. h. sie führen ein Sauerstoffatom in das zu transformierende Molekül ein. Durch diese Reaktionen (z. B. Hydroxylierung, N- und S-Oxidation, N- und O-Desalkylierung, Desaminierung) werden die Moleküle hinsichtlich einer leichteren Eliminierbarkeit funktionalisiert. Die CYP-Enzyme weisen eine breite Substratspezifität auf und sind damit für die Biotransformation von vielen, auch strukturell unterschiedlichen Arzneistoffen von Bedeutung. Sowohl der Dünndarm als auch die Leber sind im Bezug auf die CYP-Enzyme die Schlüsselorgane, wobei letztere den höchsten CYP-Enzym-Gehalt aufweist. Häufig sind bestimmte CYP-Enzyme durch Arzneistoffe, aber auch durch Nahrungsbestandteile und Umweltgifte induzier- oder hemmbar.

Während Rifampicin, Carbamazepin und wahrscheinlich auch die Interferone die Isoenzyme CYP 2C19 und 2C9 induzieren, inhibieren Omeprazol, Esomeprazol, Oxcarbazepin und Fluconazol diese Enzyme und verzögern so den Abbau von verschiedenen Stoffen, darunter Nateglinid, Sildenafil, Vardenafil, Warfarin, Diazepam und Phenytoin. Omeprazol und Esomeprazol werden selbst auch über CYP2C19 metabolisiert, so dass sie ihre eigene Metabolisierung verzögern können.        

CYP2C9- und CYP2C19-Substrate  anzeigen

Strukturformel

ratiopharm

SimpleSoft
Hilfe Impressum

Wirkmechanismus

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Interferon alpha gehört zu einer Familie körpereigener immunwirksamer Proteine, welche eine antivirale und antiproliferative Wirkung aufweisen. Dabei wird alpha Interferon normalerweise von Zellen des lymphatischen Systems gebildet. Interferon vermittelt seine Wirkung über die Bindung eines membranständigen Rezeptor mit Thyrosinkinase Aktivität. Das heißt, Interferon bindet an seinem Rezeptor, welcher dann intrazellulär zunächst Phophorylierungsprozesse vollführt. Dabei aktiviert der Rezeptor den sogenannten JAK-STAT Signalweg, wobei das intrazelluläre Substrat STAT in den Zellkern wandert und dort an einem Substrat responsiven Element der DNA bindet und somit als Transkiptionsfaktor dienen kann. So werden in Virus-befallenen Zellen vermehrt Enzyme gebildet, welche die Virenreplikation hemmen. Darüber hinaus werden vermehrt MHC-I Proteine für die Zellmembran produziert, sodass diese Zellen für T-Lymphozyten als Ziel markiert und natürliche Killerzellen aktiviert werden. In nicht befallenen Zellen werden durch die Aktivierung des JAK-STAT Weges vermehrt Proteine gebildet die die Virenreplikation hemmen, wodurch diese Zellen Virus-resistent werden. Durch die Aktivierung des JAK-STAT Signalwegs wird auch die Zellproliferation reduziert, welches zusammen mit der Aktivierung von NK-Zellen den Einsatz bei malignen Erkrankungen erklärt.

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Patientenhinweis

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Dosierung

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Die Dosierung ist von der Art und Schwere der Erkrankung abhängig. Genaue Dosierungen sind der Gebrauchsanweisung oder der Fachinformation zu entnehmen.

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