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Lansoprazol

  

Einteilung

Magen-Darmmittel / Laxantia

Protonenpumpenhemmer

Wirkmechanismus

Irreversible Blockade der H+/K+-ATPase,
damit Hemmung der Salzsäuresekretion

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Anwendung

Gastroösophageale Refluxkrankheit (GERD)

Die gastroösophageale Refluxkrankheit (gastroesophageal reflux disease, GERD) beschreibt ein Krankheitsbild, bei dem der Reflux (Zurückfließen) von Mageninhalt in den Ösophagus (Speiseröhre) störende Symptome und/oder Komplikationen verursacht. Der Reflux kann dabei sauer oder schwach sauer, aber auch basisch sein. Diese Definition geht auf die derzeit gültige Montreal Klassifikation zurück und fasst symptomatische und asymptomatische Patienten mit durchaus unterschiedlichen Krankheitsbildern zusammen. Dazu gehören
  • die erosive Refluxösophagitis (erosive reflux disease, ERD),
  • die nicht-erosive Refluxösophagitis (non-erosive reflux disease, NERD),
  • Patienten mit Komplikationen der gastroösophagealen Refluxkrankheit wie z. B. Stenosen,
  • Patienten mit hypersensitivem Ösophagus, bei denen die Refluxereignisse objektiv der Norm entsprechen, aber subjektiv als Sodbrennen empfunden werden,
  • Patienten mit funktionellen Refluxbeschwerden ohne erkennbaren Zusammenhang,
  • Patienten mit Barrett-Ösophagus, eine im Rahmen des GERD als Komplikation stattfindende Metaplasie des mehrschichtigen Plattenepithels in Zylinderepithel, die eine Präkanzerose für ein Adenokarzinom ist.

Die Prävalenz der gastroösophagealen Refluxkrankheit beträgt in westlichen Industrienationen etwa 15 % mit zunehmender Inzidenz.
Normalerweise wird ein ösophagealer Reflux durch den relativ hohen Ruhetonus des unteren Ösophagus-Sphinkter (Schließmuskel, 18-24 mmHg) verhindert. Weiterhin liegt der untere Teil des Ösophagus unter dem Zwerchfell im Bauchraum, so dass dort die gleichen Druckverhältnisse wie im Bauchraum bestehen. Auch der relativ spitze Winkel, in dem der Ösophagus in den Magen mündet, wirkt einem Reflux entgegen. Verschiedene Ursachen können allerdings zu einem Reflux führen. Große Mahlzeiten vor dem Schlafengehen oder das Tragen von zu engen Hosen oder engen Gürteln, die den intraabdominellen Druck (Druck im Bauchraum) erhöhen, gehören zu den vermeidbaren Ursachen. Eine weitere Ursache ist die Hiatushernie, bei der durch einen Bruch im Zwerchfell Magenanteile in den Brustkorb übertreten können und der dort herrschende Unterdruck einen Reflux erleichtert. Weiterhin sollte bei nachgewiesener Diagnose einer gastroösophagealen Refluxkrankheit auch an eine Infektion mit Helicobacter pylori gedacht werden. Wichtig sind aber auch bestimmte Substanzen, die den Tonus des unteren Ösophagus-Sphinkter senken. Hier sind insbesondere Alkohol und Nikotin zu nennen, aber auch Arzneistoffe wie Anticholinergika, Calciumantagonisten und Nitrate oder Nahrungsbestandteile wie Triglyceride und Fettsäuren.

Leitsymptom bei der gastroösophagealen Refluxkrankheit ist das Sodbrennen, ein brennendes Gefühl hinter dem Brustbein. Patienten schildern Refluxsymptome häufig auch als ein Brennen im Rachen, ein saures oder nicht-saures Aufstoßen oder einen Reflux von Mageninhalt, was von ihnen manchmal als „Erbrechen“ gewertet wird. Daneben kann eine Dysphagie (Schluckerschwernis) auftreten. Auch retrosternale Schmerzen (Schmerzen hinter dem Brustbein) werden oft genannt. Die Refluxkrankheit ist die häufigste Ursache für den nicht-herzbedingten Brustschmerz (noncardiac chestpain, NCCP). Sie sind von ischämisch bedingten Herzschmerzen nicht zu unterscheiden und müssen dann gegebenenfalls kardiologisch abgeklärt werden. Extraösophageale Manifestationen betreffen häufig die Atemwege. Reizhusten, morgendliches Räuspern, Heiserkeit und sogar Asthmaanfälle können dabei vorkommen. Als Komplikation kann es zu Blutungen aus den Erosionen kommen. Bei entsprechend chronischem Verlauf kann sich daraus eine Anämie entwickeln. Weiterhin kann es zu einer Refluxösophagitis (Entzündung der Speiseröhre), Stenosen der Speiseröhre und bei langen chronischen Verläufen zum o. g. Barrett-Ösophagus als Präkanzerose kommen.

Bei der Diagnostik steht zunächst die ausführliche Anamnese im Vordergrund. Wird aufgrund typischer Refluxsymptome, die mindestens ein- bis zweimal Woche auftreten müssen, eine gastroösophageale Refluxkrankheit angenommen und es liegen keine Alarmsymptome wie z. B. Blutung, Anämie, deutliche Schluckbeschwerden oder deutliche Gewichtsabnahme vor, kann bei Erwachsenen zunächst eine empirische Therapie mit einem Protonenpumpenhemmer (z. B. Omeprazol) ohne weitere Diagnostik erfolgen. Bei unklarer Symptomatik bzw. o. a. Alarmsymptomen sollte eine weitere Diagnostik mittels gastroösophagealer Endoskopie und pH-Metrie erfolgen. Bei der Endoskopie können Veränderungen an der Ösophagus-Schleimhaut erkannt und nach Schweregrad aufsteigend in die Stadien A-D (Los-Angeles-Klassifikation) eingeteilt werden. Weiterhin können Gewebeproben zum Ausschluss eines Barrett-Ösophagus entnommen und eine eventuelle Insuffizienz des unteren Ösophagus-Sphinkters festgestellt werden.

Erkennbare Auslöser einer Reflux Symptomatik sollten in jedem Fall gemieden werden. Die Therapie erfolgt in jedem Stadium mit Protonenpumpenhemmer wie z. B. Omeprazol. Eine Therapie mit Antacida wie z. B. Hydrotalcit oder H2-Antihistaminika wie z. B. Ranitidin sollte nur bei gelegentlichem Sodbrennen oder säurebedingten Magenbeschwerden erfolgen. In späteren Stadien mit zirkulär konfluierenden Läsionen und bei Komplikationen wie Stenosen oder einem Barrett-Ösophagus müssen chirurgische Interventionen in Betracht gezogen werden. Bei schwerer Insuffizienz des unteren Ösophagus-Sphinkters erfolgt die Anlage einer Fundusmanschette, bei der der Magenfundus (ein Abschnitt des oberen Magens) um den unteren Ösophagus gelegt wird.

Eradikation von Helicobacter pylori in Kombination mit geeigneten Antibiotika

Helicobacter pylori ist ein gramnegatives Stäbchenbakterium, das nur beim Menschen vorkommt. Es ist spiralig gekrümmt und begeißelt. Es wird auf fäkal-oralem Wege übertragen. Mit Hilfe seiner Urease, die Harnstoff in Kohlendioxid und Ammoniak umwandelt, kann es in einer Art „Ammoniakmantel“ im stark sauren Milieu des Magens überleben und die Magenschleimhaut besiedeln. Für die Entdeckung dieses Bakteriums im Jahr 1983 wurden die australischen Wissenschaftler Warren und Marshall erst lange verspottet und 2005 mit dem Medizin-Nobelpreis geehrt.

In Deutschland ist etwa die Hälfte der Bevölkerung mit Helicobacter pylori infiziert. Die Infektion kann -wie in den meisten Fällen- symptomlos bleiben, aber auch mit einer Reihe von Krankheitsbildern assoziiert sein. Die bei Helicabacter-Infektion verstärkte Magensäure-Sekretion kann zu einer chronischen Gastritis führen. Weiterhin ist die Entwicklung von Ulzera im Magen und Duodenum (Zwölffingerdarm) möglich. So gehen etwa 80 % der Magenulzera und fast alle Duodenalulzera auf das Vorhandensein von Helicobacter zurück. Auch für die Entstehung eines Magenkarzinoms oder eines sog. MALT-Lymphoms (Mucosa Associated Lymphoid Tissue, ein Tumor, der bei Helicobacter-Infektion in der Magenschleimhaut sitzt) ist Helicobacter ein Risikofaktor.

Für die Diagnose stehen verschiedene Testmöglichkeiten zur Verfügung. Der direkte Nachweis wird mit der histologischen Untersuchung von Gewebeproben (Biopsien) erbracht, die während einer gastroduodenalen Endoskopie entnommen werden. Auch beim Urease-Schnelltest wird bioptisches Material während einer Endoskopie entnommen. Eine Indikatorreaktion von gelb nach rot zeigt einen pH-Anstieg, wenn im bioptischen Material Urease enthalten ist. Die Spezifität und Sensitivität wird dabei mit über 90 % angegeben. Der dritte häufiger durchgeführte Test auf Helicobacter ist der nicht-invasive 13C-Atemtest. Hierbei wird eine definierte Menge 13C-markierter Harnstoff aufgelöst. Nach dem Trinken der Lösung wird direkt im Anschluss und noch einmal nach 30 Minuten in ein Röhrchen ausgeatmet, das dann in einem Labor massenspektrometrisch auf enthaltenes 13C-Kohlenstoff untersucht wird. Daneben existieren noch ein Antigen-Test auf Helicobacter für Stuhlproben und ein Antikörpernachweis aus Serumproben.

Eine Eradikationstherapie sollte nur dann durchgeführt werden, wenn Helicobacter-assoziierte Erkrankungen bei gleichzeitig positivem Helicobacter-Befund vorliegen. Das heißt auch, dass bei symptomlosem positivem Helicobacter-Befund keine Therapie durchgeführt werden muss. Eine Eradikation sollte jedoch auch dann durchgeführt werden, wenn weitere Risikofaktoren vorliegen oder eine Langzeittherapie mit NSAIDs wie z. B. Diclofenac begonnen werden soll. Am häufigsten wird eine 7-tägige Tripeltherapie mit einem Protonenpumpenhemmer wie z. B. Pantoprazol und einer geeigneten Antibiotika-Kombination wie z. B. Amoxicillin und Clarithromycin oder Metronidazol und Clarithromycin durchgeführt. Bei Resistenz gegen Clarithromycin empfiehlt sich eine 10-tägige Vierfach-Therapie mit  einem Protonenpumpenhemmer, Tetracyclin, Metronidazol und Bismut. Der Therapieerfolg liegt etwa bei 70-95 %. Er wird durch die zunehmende Resistenzlage, mangelnde Compliance und mögliche Reinfektion eingeschränkt.

Ulcus ventriculi oder duodeni

Das Ulcus duodeni und das Ulcus ventriculi umschreiben jeweils ein Geschwür des Zwölffingerdarms bzw. des Magens. Definitionsgemäß geht im Gegensatz zur Erosion der Schleimhautdefekt bei einem Ulkus über die sog. Lamina muscularis mucosae hinaus, so dass eine nachfolgende Abheilung immer narbig erfolgt. Beide Ulzera gehören zur gastroduodenalen Ulkuskrankheit. Das Duodenalulkus ist etwa drei- bis viermal häufiger als das Magenulkus. Etwa 10 % der Bevölkerung entwickeln in ihrem Leben einmal ein Ulkus. Die Zahl der jährlichen Neuerkrankungen liegt bei 0,1-0,2 %. Die Ursachen sind vielschichtig. Der häufigste Auslöser ist jedoch die Besiedelung der Magenschleimhaut mit Helicobacter pylori (ca. 80 % bei Magenulzera, über 90 % bei Duodenalulzera). Ein weiterer wichtiger Faktor ist die längerfristige Einnahme von NSAIDs wie Acetylsalicylsäure, Diclofenac oder Ibuprofen. Sie hemmen die Synthese von Prostaglandin in der Magenschleimhaut, das die Sekretion von Magensäure aus den Belegzellen mindert und die Durchblutung der Magenschleimhaut fördert. Unter der Einnahme von NSAIDs erhöht sich das Risiko etwa um das 5-fache, kommt zusätzlich die Einnahme von Glucocorticoiden hinzu, erhöht es sich sogar um das 15-fache. Seltenere Ursachen sind Noxen wie Alkohol und Nikotin, ein Hyperparathyreoidismus und das Zollinger-Ellison-Syndrom, das zu multiplen, ungewöhnlich lokalisierten Ulzera führt. Auch Minderdurchblutungen im Magen-Darm-Trakt z. B. im Rahmen einer Leberzirrhose begünstigen das Auftreten gastroduodenaler Ulzera. Allgemein kann man festhalten, dass bei der Entstehung eines Ulkus immer ein Missverhältnis von schleimhautschützenden Faktoren wie Bicarbonat, Prostaglandinen, Magenschleim und guter Durchblutung auf der einen Seite und schleimhautangreifenden Faktoren wie Magensäure, Proteasen, Gastrin, cholinergen Reizen, Gallensäuren und entzündlichen Reaktionen auf der anderen Seite vorliegt.

Völlig symptomlose Verläufe sind möglich. Ansonsten sind die Symptome bei einer Ulkuserkrankung recht unspezifisch. Häufig geben Patienten Schmerzen im oberen Bauchbereich, Übelkeit und Erbrechen an, wobei die Schmerzen beim Ulcus duodeni typischerweise nachts und nüchtern auftreten und sich nach Nahrungsaufnahme bessern. Dieser Umstand ist dadurch zu erklären, dass der Pylorus (= Pförtner, Magenausgang) nüchtern offen ist und sich nach Nahrungsaufnahme vorläufig schließt und die Magensäure nach dem Schließen des Pylorus nicht mehr ein duodenales Ulkus angreifen kann. Hingegen ist der Schmerz bei einem Ulcus ventriculi eher nahrungsunabhängig. Weitere Symptome können Appetitlosigkeit, Völlegefühl, häufiges Aufstoßen und Gewichtsverlust sein. Gefürchtet sind die Komplikationen bei einem Ulkus. Zum einen kann der tiefe Schleimhautdefekt am Ulkusgrund ein dort verlaufendes Gefäß arrodieren (angreifen) und eine sog. „obere gastrointestinale Blutung“ auslösen. Da das Blut in den Magen-Darm-Trakt abfließt und somit der limitierende Effekt einer Tamponade ausbleibt, kann man in kurzer Zeit große Blutmengen verlieren. Ein blutendes Ulkus ist somit potentiell lebensbedrohlich. Deutliche Blutverluste erkennt man an einer schwarzglänzenden Färbung des Stuhls (Meläna). Dabei wurde das Hämoglobin durch Magensäure zu Hämatin abgebaut. Chronische Blutverluste durch Sickerblutungen führen zu einer Anämie mit den entsprechenden Begleitsymptomen wie z. B. Blässe, Müdigkeit und Tachykardie. Eine weitere potentiell lebensbedrohliche Komplikation ist die Perforation eines Ulkus (Durchbruch durch die gesamte Schleimhautwand). Die Perforation erfolgt in die freie Bauchhöhle. Die austretende Magensäure inklusive Nahrungsbestandteilen verursacht dort eine Peritonitis (Bauchfellentzündung). Ein Ulkus duodeni kann auch in das Pankreas (Bauchspeicheldrüse) durchbrechen. Schließlich kann es nach der stets narbigen Abheilung eines Ulkus zu Stenosen kommen, die Beschwerden machen. Ein sich daraus entwickelnder sog. Sanduhrmagen oder eine Pylorusstenose erschweren den Transport des Nahrungsbreis und machen eine chirurgische Intervention notwendig.

Die wichtigste Untersuchung ist nach entsprechender Anamnese die gastroduodenale Endoskopie. Die Untersuchung wird ambulant unter Sedierung und gegebenenfalls unter Narkose durchgeführt. Ulzera können hier sicher diagnostiziert sowie Lage und Größe beurteilt werden. Eine bestehende Blutung kann dabei akut versorgt werden. Atypisch lokalisierte Ulzera und Ulzera im Magen (cave Magenkarzinom) müssen immer mittels Gewebeproben auf eine Malignität hin überprüft werden. Aus den Gewebeproben kann auch histologisch auf das Vorhandensein von Helicobacter pylori getestet werden.

Auch wenn ein Ulkus nach Wochen von allein narbig abheilt, muss nach gesicherter endoskopischer Diagnose wegen der möglichen gefährlichen Komplikationen immer eine Therapie erfolgen. Mittel der Wahl sind heute Protonenpumpenhemmer wie z. B. Pantoprazol für 4 Wochen. Bei Unverträglichkeit kann man auf die weniger stark säureblockenden H2-Antihistaminika wie z. B. Ranitidin ausweichen. Eine bestehende Therapie mit NSAIDs und/oder Glucocorticoiden muss hinterfragt werden. Wurde Helicobacter pylori nachgewiesen, muss eine entsprechende Eradikationstherapie eingeleitet werden, die neben Protonenpumpenhemmern auch eine geeignete Antibiotika-Kombination wie z. B. Amoxicillin und Clarithromycin umfasst. Der Erfolg einer Eradikation von Helicobacter pylori sollte zwei Monate nach Behandlung durch eine erneute Endoskopie überprüft werden.

Ulkus-Prophylaxe bei Patienten unter kontinuierlicher NSAR-Therapie

Chronische und häufig nicht heilbare Erkrankungen, die im Verlauf zu sehr starken Gelenk- und/oder Muskelschmerzen führen können, müssen zur Verbesserung der Lebensqualität des Patienten mit entzündungshemmenden NSAR wie z. B. Diclofenac als Bestandteil einer effektiven Schmerztherapie behandelt werden. Beispielhaft seien hier Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises (z. B. rheumatoide Arthritis) oder auch die Osteoporose genannt. Eine Langzeitbehandlung mit NSAR ist mit einem etwa 5-fach erhöhten Ulkus-Risiko verbunden. Kommen zusätzlich immunsuppressiv und antientzündlich wirkende Glucocorticoide bei den oben genannten Erkrankungen zum Einsatz, erhöht sich dieses Risiko auf das 15-fache.
Da das Absetzten von NSAR bei diesen Erkrankungen meist keine Alternative darstellt, wird zur Minimierung des Ulkus-Risikos eine zusätzliche Therapie mit Protonenpumpenhemmern wie z. B. Omeprazol durchgeführt.

Zollinger-Ellison-Syndrom

Das Zollinger-Ellison-Syndrom beschreibt ein Krankheitsbild, bei dem es durch eine Überproduktion von Gastrin zur übermäßigen Magensäuresekretion und daraus folgend zu multiplen Ulzera im Magen-Darm-Trakt kommt. Ursache ist ein gastrinproduzierender Tumor (Gastrinom), der im endokrinen Pankreas (Bauchspeicheldrüse) oder im Duodenum (Zwölffingerdarm) liegt. In jeweils etwa der Hälfte der Fälle ist er gutartig oder aber maligne, was einen erheblichen Einfluss auf die jeweilige Prognose der Erkrankung hat. Als maligner Tumor gehören sie zu den sog. multiplen endokrinen Neoplasien (=MEN-Syndrom). Die Ulzerationen kommen besonders im Magen und Duodenum vor. Im Gegensatz zur Ulkuskrankheit finden sich die Ulzera auch an sonst eher atypischen Stellen wie z. B. am Ende des Duodenums oder am Beginn des Jejunum (oberer Dünndarm).

Die Symptome gleichen anfangs der Ulkuskrankheit. Epigastrische Schmerzen können, müssen aber nicht auftreten. Weiterhin können Völlegefühl, Übelkeit, Erbrechen, Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust vorkommen. Beim Zollinger-Ellison-Syndrom können auch Zeichen einer pankreatischen Insuffizienz wie Diarrhoe und Steatorrhoe (Fettstuhl) hinzukommen. Eine deutlich häufigere Komplikation als bei der normalen Ulkuskrankheit ist die obere gastrointestinale Blutung aus einem Ulkus, die mit Hämatemesis (Bluterbrechen) einhergehen kann. Diese Komplikation ist potentiell lebensbedrohlich und erfordert intensivmedizinische Maßnahmen mit sofortiger gastroskopischer Intervention. Auch diagnostisch ist eine Gastroskopie (Magenspiegelung) wegweisend. Das Vorliegen gleich mehrerer Ulzera ist immer verdächtig und sollte eine weiterführende Diagnostik nach sich ziehen. Der Gastrinspiegel im Blut sollte bestimmt werden (auffällig bei >1000 pg/l nüchtern). Im Sektretintest werden die Gastrinspiegel nach IV-Gabe von Sekretin in bestimmten Zeitabständen geprüft. Zur Lokalisation des vermuteten Tumors bzw. dessen Metastasen werden ein CT des Abdomens und eine Somatostatin-Rezeptor-Szintigraphie, ein radiologisches Verfahren, durchgeführt.

Eine kurative Therapie durch chirurgische Entfernung ist möglich, wenn der Tumor gutartig bzw. noch keine Metastasen in Lymphknoten und Leber gesetzt hat. Dennoch können immer wieder Rezidive auftreten. Bei der symptomatischen Therapie mit Arzneimitteln steht die Blockade der Magensäureproduktion mittels Protonenpumpenhemmern wie z. B. Omeprazol und die Senkung der Gastrinproduktion mit Octreotid, einem Analogon des Somatostatins, zur Verfügung. Die symptomatische Therapie kann das Vorkommen von Ulzera deutlich senken und hat die Lebensqualität der Patienten deutlich verbessert. Die Prognose hängt wesentlich von der Malignität und bereits bestehender Metastasen ab. Dabei sind sowohl chronische Verläufe über Jahrzehnte als auch aggressive Verläufe mit nur noch kurzer Lebenserwartung möglich.

Patientenhinweis

Die magensaftresistenten Arzneiformen sollten auf nüchternen Magen vor einer Mahlzeit eingenommen werden, idealerweise mit einem Abstand von mindestens 30 min.
Patienten sollten bei anhaltenden Beschwerden den Arzt aufsuchen, das gilt insbesondere bei Ulcera in der Vorgeschichte und unbeabsichtigtem Gewichtsverlust.

Dosierung

Erwachsene und Jugendliche ab 12 Jahren bei GERD oder Ulkus:
1 x täglich 30 mg peroral

Erwachsene und Jugendliche ab 12 Jahren zur Eradikation:
2 x täglich 30 mg peroral

Erwachsene und Jugendliche ab 12 Jahren zur Langzeitprophylaxe:
1 x täglich 15-30 mg peroral

Erwachsene und Jugendliche ab 12 Jahren bei Zollinger-Ellison-Syndrom:
Initial 1 x täglich 60 mg, danach Dosisanpassung gemäß ärztl. Anweisung

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Nebenwirkungen

  Periphere Ödeme

  Depressionen

  Kopfschmerzen, Schwindel

  Gelenk- und Muskelschmerzen

  Störungen des Blutbildes

Selten können nach der Gabe von Protonenpumpeninhibitoren Agranulozytose, Leukopenie, Thrombozytopenie und Panzytopenie (= Leukozytopenie + Anämie + Thrombozytopenie) auftreten.

Das Hämogramm (Blutbild) stellt die Menge der in einer Blutprobe vorhandenen Erythrozyten (rote Blutkörperchen), Leukozyten (weiße Blutkörperchen), Thrombozyten (Blutplättchen) und Retikulozyten (polymorphkernige Blutkörperchen) nebeneinander dar. Beim Differentialblutbild werden sowohl quantitative als auch qualitative Parameter, wie z. B. die Form, mit herangezogen. Neben pathologischen Veränderungen können Abweichungen von den Normwerten auch durch unerwünschte Arzneimittelwirkungen bedingt sein. Auftreten können u. a.:
  • Leukopenie: Die Gesamtzahl aller Leukozyten (Granulozyten, Lymphozyten, Monozyten) im Blut ist auf unter 5.000/mm³ reduziert.
  • Leukozytose: Die Gesamtzahl aller Leukozyten im Blut ist über 10.000/mm³ erhöht.
  • Granulozytopenie: Verminderung der Anzahl der Leukozyten, insbesondere der neutrophilen Granulozyten.
  • Agranulozytose (perniziöse Neutropenie): Verminderung der Anzahl der Leukozyten (Leukopenie), die Granulozyten können komplett fehlen. Auch die Blutplättchen und das Knochenmark können betroffen sein. Eine Agranulozytose kann sich innerhalb von Stunden ausbilden und geht üblicherweise mit grippeähnlichen Symptomen einher, bei deren Auftreten der Patient darüber aufgeklärt sein muss, dass umgehend eine ärztliche Konsultation erfolgen sollte. Es wird symptomatisch therapiert; Breitbandantibiotika und Granulozyten-Koloniestimulierende Faktoren, wie Filgrastim, werden häufig in der Therapie verabreicht.
  • Eosinophilie: Erhöhung der Anzahl der eosinophilen Granulozyten im Blut. Bei allergischen Reaktionen wie dem Arzneimittelexanthem tritt dies zum Beispiel auf.
  • Thrombozytopenie: Verminderung der Anzahl der Thrombozyten unter 150.000/mm³. Durch den Mangel an Thrombozyten ist die Blutgerinnung gestört und es treten vermehrt Hämatome oder Blutungen auf.
  • Aplastische Anämie: Die Gesamtzahl aller Zellen im Blut ist reduziert (Panzytopenie). Ursache ist eine gestörte Stammzellreifung im Knochenmark.
Grundsätzlich stellen Blutbildveränderungen ernste bis lebensbedrohliche unerwünschte Wirkungen dar, die einer weitergehenden ärztlichen Abklärung bzw. Behandlung bedürfen.

  Hautreaktionen

Neben Hautausschlag, Juckreiz und Urtikaria kann es zur Photosensibilisierung kommen.

  Stevens-Johnson- und Lyell-Syndrom

Beim Stevens-Johnson-Syndrom, auch Erythema exsudativum multiforme majus genannt, handelt es sich um eine allergische Hautreaktion auf die Arzneimitteltherapie, die mit starken Allgemeinbeschwerden, schmerzhafter Bläschenbildung an Mund und Genitalschleimhaut einhergeht. Therapiert wird mit Corticoiden.
Das Lyell-Syndrom ist eine toxische epidermale Nekrolyse ("Syndrom der verbrühten Haut"). Es ist meist eine allergische Reaktion auf Medikamente und kann ohne schnelle Behandlung tödlich verlaufen.

  Gastrointestinale Störungen

Es kann zu Bauchschmerzen, Verstopfung, Durchfall, Übelkeit und Erbrechen kommen.

  Veränderungen der Leberenzyme

Nach Beendigung der Therapie ist diese Wirkung reversibel.

Kontraindikationen

Schwere Leberfunktionsstörung

Die Leber stellt das wichtigste Organ für die Biotransformation von Arzneistoffen dar. Häufig wird durch die Verstoffwechselung von Arzneistoffen deren Ausscheidung erst ermöglicht: Arzneistoffe mit Molekulargewicht über 500 können über Leber und Galle ausgeschieden werden, wohingegen man leichtere Arzneistoffe häufiger im Urin findet.

Ist die Funktion der Leber eingeschränkt, kann dies für die Arzneimitteltherapie insofern von Bedeutung sein, als dass Arzneistoffe länger im Organismus verbleiben, da die vor der Ausscheidung notwendige Biotransformation mehr Zeit beansprucht. In vielen Fällen wird daher eine Herabsetzung der Dosis oder des Dosierintervalles sowie eine Überwachung der Wirkstoffspiegel angezeigt sein, ggf. ist die Gabe des betreffenden Arzneistoffes sogar kontraindiziert. Möglich ist jedoch auch der Fall, dass ein unwirksames Prodrug durch die Leber nur verzögert oder gar nicht in die aktive Wirkform überführt werden kann.

Kinder unter 12 Jahre

Schwangerschaft und Stillzeit

Die Substanz sollte nur nach strenger Indikationsstellung in der Schwangerschaft appliziert werden, da keine ausreichenden Daten zur Anwendung beim Menschen vorliegen.
Tierversuche erbrachten weder embryotoxische noch teratogene Wirkungen.

Von der Substanz ist nicht bekannt, ob sie in die Muttermilch übergeht.

Wechselwirkungen

  Arzneimittel mit pH-abhängiger Resorption

Wegen des höheren pH-Wertes im Magen ist die Absorption möglicherweise verändert. Azol-Antimykotika und Vitamin B12 werden beispielsweise verringert resorbiert, Digoxin dagegen verstärkt.
Weiterhin besteht die Gefahr, dass bei Retardzubereitungen (z. B. Medikinet) der gesamte Wirkstoff rasch freigesetzt wird.

  Atazanavir

Durch die Erhöhung des pH-Wertes im Magen sinkt die Bioverfügbarkeit von Atazanavir. Die gleichzeitige Gabe ist kontraindiziert.

Strukturformel

Strukturformel

ratiopharm

SimpleSoft
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Wirkmechanismus

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Die Belegzellen oder Parietalzellen der Magenschleimhaut sezernieren Salzsäure in Sekretkanälchen, die sogenannten Canaliculi. Von dort gelangt die Säure über Drüsenausführgänge in das Magenlumen.
Protonen werden im Austausch gegen Kalium von der Belegzelle durch die H+/K+-ATPase in die Canaliculi gepumpt.
Protonenpumpenhemmer (PPI) wie Omeprazol, sein S-Enantiomer Esomeprazol, Pantoprazol, Lansoprazol und andere reagieren unter Bildung einer Disulfidbrücke mit Cystein-Resten der H+/K+-ATPase, die so irreversibel gehemmt wird. Dadurch unterbleibt die Sekretion von Salzsäure. Durch diese Wirkung greifen die Stoffe im terminalen Schritt der Säuresekretion ein. Unabhängig von der Art des Stimulus können sie daher neben der basalen Säuresekretion auch die stimulierte Säuresekretion vermindern und sind daher die am stärksten wirkenden Säuresekretionshemmer. PPI´s entfalten ihre maximale säuresekretionshemmende Wirkung bei nahrungsabhängiger Pumpenaktivität, d. h. deren Wirkung steigt, wenn die Pumpen aktiv sind. Durch Einnahme 30 min. vor dem Essen wird erreicht, dass der Arzneistoff dann an den Parietalzellen ankommt, wenn die Pumpen maximal aktiv sind (= „use dependance“).
Protonenpumpenhemmer sind Prodrugs. Sie brauchen einen magensaftresistenten Überzug, weil sie sonst im sauren Milieu des Magens direkt aktiviert werden und nicht in die Parietalzellen gelangen können. Nach Resorption im Darm gelangen sie über das Blut zu den Parietalzellen des Magens. Werden die Stoffe von den Parietalzellen über die basolaterale Membran aufgenommen und gelangen in die Canaliculi, die einen sauren pH haben, entsteht aus den Benzimidazol-Derivaten über Zwischenstufen die aktive protonierte Form, ein Sulfenamid. Durch die Protonierung reichern sich die Stoffe pH-abhängig am Wirkort an und können die Canaliculi nicht wieder verlassen, da sie nicht mehr membrangängig sind (Akkumulation durch „Säurefalle“).

Protonenpumpenhemmer haben eine relativ kurze Halbwertszeit. Sie variiert von 7 min. bei Rabeprazol über 90 min. bei Omeprazol, Esomeprazol und Lansoprazol bis 5 h bei Pantoprazol. Dieses ist jedoch nur von geringerer klinischer Bedeutung, da die Protonenpumpen irreversibel gehemmt werden, so dass die Wirkung von PPI´s deutlich länger anhält. Bei einer Lebensdauer der Protonenpumpen von 50-55 h kann bei bestimmten Erkrankungen ein abendlicher Wirkverlust relevant werden. Nach 15 h sind etwa 25-30 % der Pumpen neu gebildet, nach 24 h etwa die Hälfte. Daher werden PPI´s bei der Eradikationstherapie von Helicobacter pylori oder manchmal auch bei der Refluxbehandlung zweimal täglich gegeben.

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Patientenhinweis

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Dosierung

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Die magensaftresistenten Arzneiformen sollten auf nüchternen Magen vor einer Mahlzeit eingenommen werden, idealerweise morgens mit einem Abstand von mindestens 30 min. Bei Patienten mit Schluckstörungen können die Kapseln auch geöffnet und das Granulat zusammen mit Flüssigkeit oder weicher Nahrung (z. B. Joghurt) eingenommen werden. Zur Verabreichung über eine nasogastrale Sonde wird das Granulat mit 40 ml Flüssigkeit zu einer Suspension gemischt.

Die Behandlungsdauer beträgt beim Ulcus ventriculi 4 Wochen, beim Ulcus duodeni 2 Wochen.
Bei der gastroösophagealen Refluxkrankheit wird bei Komplikationen zwischen 4-8 Wochen therapiert.
Die Eradikation von Helicobacter erfolgt in Kombination mit geeigneten Antibiotika über 7 Tage.
Beim Zollinger-Ellison-Syndrom wird die Dosis nach der Initialbehandlung individuell angepasst. Dabei kann eine Tagesgesamtdosis bis zu 180 mg Lansoprazol notwendig werden. Bei Tagesgesamtdosen über 120 mg Lansoprazol wird empfohlen, auf eine zweimal tägliche Dosierung umzustellen. Die Säuresekretion kann bei der Mehrheit der Patienten mit einer Tagesgesamtdosis zwischen 80-160 mg Esomeprazol ausreichend kontrolliert werden.

Bei Patienten mit mittelschwerer oder schwerer Leberfunktionsstörung sollte die Tagesdosis um 50 % reduziert werden.

Für Kinder unter 12 Jahren ist Lansoprazol nicht zugelassen.

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