Wirkstoffprofile.de

Home Search

Leflunomid

     

Einteilung

Schmerz und Entzündung

Basistherapeutika

Wirkmechanismus

Dihydroorotatdehydrogenase-Inhibitor (DHODH) aus der Klasse der Isoxazole:
DMARD (disease modifying antirheumatic drug)

mehr

Anwendung

Aktive rheumatoide Arthritis

Bei den Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises liegt kausal ein autoimmunologisches Phänomen zugrunde, welches zusätzlich einer gewissen genetischen Prädisposition bedarf. Wie bei anderen autoimmunologisch bedingten Erkrankungen auch, ist der auslösende Trigger oftmals unbekannt. Es kommt jedenfalls zu einer Aktivierung des Immunsystems, dessen Zellen in den betroffenen Gelenken oder Organen Entzündungsmediatoren (Zytokine) freisetzen und damit eine Entzündungsreaktion in Gang setzen. Dieses äußert sich in den klassischen Entzündungsanzeichen Rötung, Schwellung, Hitze, Schmerz und Funktionsbeeinträchtigung, wobei Prostaglandine und andere Gewebshormone eine tragende Rolle spielen. Bei Nichttherapie dieses Geschehens erfolgt langfristig eine Zerstörung der entsprechenden Gewebsstrukturen, was bei Erkrankungen von Gelenken eine Versteifung des entsprechenden Gelenks zur Folge hat.

Neben der Anwendung von direkt antiphlogistisch wirksamen Substanzen welche in der akuten Schmerzphase zum Einsatz kommen, werden in der Rheumatherapie sogenannte Basistherapeutika (langwirksame Antirheumatika, disease modifying antirheumatic drug, DMARD) eingesetzt. Hierbei handelt es sich in der Regel um Immunmodulatoren. Bis zum Wirkeintritt, der häufig mit einer deutlichen Besserung der Beschwerden einhergeht, können jedoch mehrere Wochen vergehen.
Sollte es nur zu einer unzureichenden Besserung des Krankheitsverlaufes kommen, können auch mehrere DMARD´s gleichzeitig zum Einsatz kommen.

Es existiert kein Wirksamkeitsnachweis bei juveniler Arthritis.

Patientenhinweis

Wirkeintritt nach 4-6 Wochen, Wirkverstärkung bis zu 6 Monate nach Therapiebeginn!
Bei Personen im gebär- bzw. zeugungsfähigen Alter müssen erforderlichenfalls Maßnahmen zur Empfängnisverhütung angewendet werden.
Die Resorption des Arzneimittels wird durch Nahrungsaufnahme nicht beeinflusst.

Dosierung

Zu Beginn 1 x täglich 100 mg über 3 Tage, dann 1 x täglich 10-20 mg peroral

mehr

Nebenwirkungen

  Hepatotoxizität

Häufig kommt es zu einem Anstieg von Leberenzymen. Selten treten Hepatitis oder Gelbsucht auf. Zu schwerwiegenden Leberschäden, wie Leberversagen oder akuter Lebernekrose kann es sehr selten kommen.
Daher sollten regelmäßig Blutparameter und Leberenzyme bestimmt werden. Die kombinierte Gabe mit anderen Basistherapeutika kann diese Nebenwirkung synergistisch verstärken.

  Sepsis, Infektionen, auch opportunistisch

Wegen der immunsuppressiven Wirkung sind die Patienten stärker anfällig gegenüber Infektionen, auch von opportunistischen Keimen, d. h. von Keimen, die beim Gesunden keine pathologischen Zustände auslösen. Häufig sind Infektionen im Bereich der Atemwege anzutreffen. Schwere Inektionen einschließlich Sepsis treten selten auf und können einen tödlichen Verlauf nehmen.

  Blutdruckerhöhung

Unbekannt ist der Mechanismus, jedoch handelt es sich um die häufigste unerwünschte Wirkung unter Leflunomid-Therapie.

  Allgemeine Beschwerden (z. B. Kopfschmerzen)

Sehr häufig kann es zu Kopfschmerzen kommen. Häufig kommt es zu Parästhesien (Fehlempfindungen), Schwindel, Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust und Schwäche.

  Störungen des Blutbildes

Häufig tritt als Nebenwirkung eine Leukopenie auf. Anämie und Thrombozytopenie können gelegentlich vorkommen. Panzytopenie und Eosiophilie werden selten beobachtet und eine Agranulozytose tritt sehr selten auf.
Es sollten regelmäßig Blutparameter und Leberenzyme bestimmt werden. Die kombinierte Gabe mit anderen Basistherapeutika kann diese Nebenwirkung synergistisch verstärken.

Das Hämogramm (Blutbild) stellt die Menge der in einer Blutprobe vorhandenen Erythrozyten (rote Blutkörperchen), Leukozyten (weiße Blutkörperchen), Thrombozyten (Blutplättchen) und Retikulozyten (polymorphkernige Blutkörperchen) nebeneinander dar. Beim Differentialblutbild werden sowohl quantitative als auch qualitative Parameter, wie z. B. die Form, mit herangezogen. Neben pathologischen Veränderungen können Abweichungen von den Normwerten auch durch unerwünschte Arzneimittelwirkungen bedingt sein. Auftreten können u. a.:
  • Leukopenie: Die Gesamtzahl aller Leukozyten (Granulozyten, Lymphozyten, Monozyten) im Blut ist auf unter 5.000/mm³ reduziert.
  • Leukozytose: Die Gesamtzahl aller Leukozyten im Blut ist über 10.000/mm³ erhöht.
  • Granulozytopenie: Verminderung der Anzahl der Leukozyten, insbesondere der neutrophilen Granulozyten.
  • Agranulozytose (perniziöse Neutropenie): Verminderung der Anzahl der Leukozyten (Leukopenie), die Granulozyten können komplett fehlen. Auch die Blutplättchen und das Knochenmark können betroffen sein. Eine Agranulozytose kann sich innerhalb von Stunden ausbilden und geht üblicherweise mit grippeähnlichen Symptomen einher, bei deren Auftreten der Patient darüber aufgeklärt sein muss, dass umgehend eine ärztliche Konsultation erfolgen sollte. Es wird symptomatisch therapiert; Breitbandantibiotika und Granulozyten-Koloniestimulierende Faktoren, wie Filgrastim, werden häufig in der Therapie verabreicht.
  • Eosinophilie: Erhöhung der Anzahl der eosinophilen Granulozyten im Blut. Bei allergischen Reaktionen wie dem Arzneimittelexanthem tritt dies zum Beispiel auf.
  • Thrombozytopenie: Verminderung der Anzahl der Thrombozyten unter 150.000/mm³. Durch den Mangel an Thrombozyten ist die Blutgerinnung gestört und es treten vermehrt Hämatome oder Blutungen auf.
  • Aplastische Anämie: Die Gesamtzahl aller Zellen im Blut ist reduziert (Panzytopenie). Ursache ist eine gestörte Stammzellreifung im Knochenmark.
Grundsätzlich stellen Blutbildveränderungen ernste bis lebensbedrohliche unerwünschte Wirkungen dar, die einer weitergehenden ärztlichen Abklärung bzw. Behandlung bedürfen.

  Gastrointestinale Störungen

Sehr häufig kann es zu Übelkeit und Diarrhoe (Durchfall) kommen. Häufig kommt es zu Erbrechen, Mundulcera, Stomatitis (Mundschleimhautentzündung) und Bauchschmerzen.

  Störungen der Haut

Sehr häufig kommt es zu Alopezie (Haarausfall) und Exanthem (Hautausschlag). Häufig wird auch Pruritus (Juckreiz) und trockene Haut beobachtet. Eine Urtikaria (Nesselsucht) kommt gelegentlich vor.

  Stevens-Johnson- und Lyell-Syndrom

Zu schwerwiegenden allergischen Hautreaktionen, wie dem Stevens-Johnson-Syndrom oder dem Lyell-Syndrom kann es sehr selten kommen.
Beim Stevens-Johnson-Syndrom, auch Erythema exsudativum multiforme majus genannt, handelt es sich um eine allergische Hautreaktion auf die Arzneimitteltherapie, die mit starken Allgemeinbeschwerden, schmerzhafter Bläschenbildung an Mund und Genitalschleimhaut einhergeht. Therapiert wird mit Corticoiden.
Das Lyell-Syndrom ist eine toxische epidermale Nekrolyse ("Syndrom der verbrühten Haut"). Es ist meist eine allergische Reaktion auf Medikamente und kann ohne schnelle Behandlung tödlich verlaufen.

  Sehnenscheidenentzündung

Kontraindikationen

Patienten mit Immundefekten, AIDS oder schweren Infektionen

Die Substanz besitzt selbst immunsuppressive Eigenschaften.

Leberfunktionsstörung

Die Leber stellt das wichtigste Organ für die Biotransformation von Arzneistoffen dar. Häufig wird durch die Verstoffwechselung von Arzneistoffen deren Ausscheidung erst ermöglicht: Arzneistoffe mit Molekulargewicht über 500 können über Leber und Galle ausgeschieden werden, wohingegen man leichtere Arzneistoffe häufiger im Urin findet.

Ist die Funktion der Leber eingeschränkt, kann dies für die Arzneimitteltherapie insofern von Bedeutung sein, als dass Arzneistoffe länger im Organismus verbleiben, da die vor der Ausscheidung notwendige Biotransformation mehr Zeit beansprucht. In vielen Fällen wird daher eine Herabsetzung der Dosis oder des Dosierintervalles sowie eine Überwachung der Wirkstoffspiegel angezeigt sein, ggf. ist die Gabe des betreffenden Arzneistoffes sogar kontraindiziert. Möglich ist jedoch auch der Fall, dass ein unwirksames Prodrug durch die Leber nur verzögert oder gar nicht in die aktive Wirkform überführt werden kann.

Schwangerschaft und Stillzeit

Die Substanz ist in der Schwangerschaft kontraindiziert, da bekannt ist, dass sie beim Menschen embryotoxisch und/oder teratogen wirken kann.
Wegen wahrscheinlicher Schädigung des Ungeborenen muss eine Schwangerschaft sicher ausgeschlossen werden. Selbst bis zu 2 Jahre nach Beendigung der Therapie sollten bei Kinderwunsch noch Blutspiegel bestimmt werden, um jegliches Risiko auszuschließen; ggf. kann eine Auswaschtherapie durchgeführt werden.

Die Substanz geht in die Muttermilch über. Je nach Dosis, Art der Anwendung und Dauer der Medikation kann es zu ernsthaften Schädigungen des Säuglings kommen.

Wechselwirkungen

  Therapie mit anderen Basistherapeutika

Die gleichzeitige Anwendung verbietet sich, da vermehrt toxische Wirkungen an Leber und Blut festzustellen sind. Beim Wechel von einem Basistherapeutikum auf ein anderes ist wegen der langen Halbwertszeit eine Auswaschphase mit Gabe von Aktivkohle oder Cholestyramin einzuhalten; die Auswaschphase sollte auch zwei unabhängige Blutspiegelmessungen beeinhalten. Detaillierte Angaben sind der Fachinformation zu entnehmen!

Therapie mit anderen Basistherapeutika  anzeigen

  Cholestyramin, Aktivkohle

Es kommt zu einer signifikanten Verminderung der Plasmaspiegel, was man sich während der Auswaschphase nach Therapieende (z. B. wegen Kinderwunschs oder wegen des Wechsels auf ein anderes Basistherapeutikum) zu Nutze machen kann.

  Attenuierte Lebendimpfstoffe

Wegen der immunsuppressiven Wirkung sollten keine attenuierten Lebendimpfstoffe eingesetzt werden.

Strukturformel

Strukturformel

ratiopharm

SimpleSoft
Hilfe Impressum

Wirkmechanismus

zurück

Die Substanz stellt ein Prodrug dar, dessen aktiver Metabolit in der Darmwand und der Leber gebildet wird und eine Halbwertszeit von 1-4 Wochen aufweist.
Der aktive Metabolit (A77 1726) zählt zur Stoffklasse der Malonnitrilamide und entfaltet folgende Wirkungen:
  • Hemmung der Dihydroorotatdehygrogenase: Über dieses Enzym wird im Menschen Uridinmonophosphat (UMP) gebildet, das aktivierte T-Zellen benötigt. Da aktivierte Zellen einen solch großen Bedarf an UMP haben, dass andere Synthesewege diesen nicht decken können, unterbleibt die Proliferation dieser aktivierten Immunzellen. Da es sich bei Arthritis um eine Erkrankung handelt, an deren Fortschreiten Autoimmunreaktionen beteiligt sind, trägt dieser proliferationshemmende Effekt entscheidend zur Wirkung der Substanz bei.
  • Stimulation immunsuppressiver Cytokine
  • Hemmung entzündungsfördernder Cytokine
  • Hemmung der Antikörpersekretion von B-Zellen
  • Hemmung der Tyrosinkinase

zurück

Patientenhinweis

zurück

zurück

Dosierung

zurück

Die Substanz wird als Basistherapeutikum (langwirksames Antirheumatikum, disease modifying antirheumatic drug, DMARD) eingesetzt. Die Therapie sollte nur durch einen Facharzt begonnen werden, regelmäßige Blutbilder sind Pflicht!

Bis zum Wirkeintritt, der häufig mit einer deutlichen Besserung der Beschwerden eingeht, können mehrere Wochen vergehen. Die Wirksamkeit kann sich dann noch bis zum 6. Monat nach Behandlungsbeginn verbessern.

zurück

Wussten Sie schon?

Die Wirkstoffprofile gibt es auch auf CD.

Vorteile: Offline verfügbar, Lerntools, Fortbildungen u.v.m.

Mehr erfahren Sie auf www.wirkstoffprofile.de.

Zurück zum online-Profil