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Levetiracetam

     

Einteilung

Antiepileptika

Levetiracetam

Wirkmechanismus

Antiepileptikum:
Blockade von Calciumkanälen sowie Blockade der Freisetzung von Calcium aus intrazellulären Speichern

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Anwendung

Epilepsie

Levetiracetam ist indiziert zur Monotherapie einer neu diagnostizierten Epilepsie mit fokalen Anfällen mit oder ohne sekundäre Generalisierung ab einem Alter von 16 Jahren, sowie als Zusatzbehandlung dieser Anfälle bereits ab einem Alter von 1 Monat.
Bei der juvenilen myoklonischen Epilepsie, einer Epilepsieform mit Petit-mal-Anfällen, die vornehmlich zwischen 12 und 20 Jahren auftritt, besteht ebenfalls eine Indikation als Zusatzbehandlung.
Ebenfalls wird Levetiracetam bei primär generalisierten tonisch-klonischen Anfällen bei Erwachsenen und Jugendlichen ab 12 Jahren eingesetzt.

Epilepsie ist der Oberbegriff für verschiedene chronische Krankheiten, die alle auf einer gesteigerten Erregbarkeit zentraler Neurone beruhen. Hierdurch wird die Krampfschwelle des Gehirns oder der betroffenen Hirnareale gesenkt. Dies kann sich sowohl in motorischen Symptomen wie tonischen und/oder klonischen Krämpfen, Zuckungen oder Stereotypien als auch in Bewusstseinsveränderungen bis hin zur Bewusstlosigkeit äußern.
Zu Beginn eines epileptischen Anfalls kommt es durch Schrittmacherzellen initiiert zu starken, synchronen Entladungen, sodass eine Dysbalance zwischen erregenden und hemmenden Prozessen im Hirn entsteht, welches sich über benachbarte Regionen fortsetzt und somit zum Anfall führt.
Die Ursachen für eine Epilepsie sind recht vielfältig. So kann eine Epilepsie Ausdruck einer morphologischen Veränderung des Gehirns (z. B. durch Tumoren, Traumata, Entzündungen) aber auch durch Mutationen von Ionenkanälen, welche eine Rolle in der Signalbildung der Neuronen spielen, verursacht sein.
Epilepsieformen werden folgendermaßen klassifiziert:

  • Fokale Anfälle: Hier wird die Übererregung der Neurone auf einen Bereich beschränkt, indem hemmende GABAerge Neurone die Ausbreitung verhindern. In manchen Fällen kann sich aber trotzdem die Erregung über verschiedene Wege auf die gesamte Hirnrinde ausbreiten, so dass ein sekundär generalisierter Anfall entsteht. Fokale Anfälle werden weiter unterteilt in einfache fokale Anfälle ohne Bewusstseinsverlust und komplexe fokale Anfälle mit Bewusstseinsverlust.
  • Generalisierte Anfälle: Weite Gebiete beider Hirnhälften werden durch die Übererregung der Neurone gleichzeitig erfasst. Generalisierte Anfälle werden weiter unterteilt in Grand-mal-Anfälle (Großer Anfall), die über mehrere Phasen mit tonisch-klonischen Krämpfen verlaufen, und Petit-mal-Anfälle. Letztere können sich wiederum auf verschiedene Art äußern, wie z. B. in Absencen, klonischen Anfällen (Zuckungen), tonischen Anfällen (Krämpfen) oder Blitz-Nick-Salaam-Anfällen.
  • Status epilepticus: Hierbei handelt es sich um einen schwerwiegenden medizinischen Notfall, welcher einer notfall/intensivmedizinischen Therapie bedarf. Der Status epilepticus zeichnet dadurch aus, dass es sich um einen ungewöhnlich langen (>5 Minuten) Grand-mal Anfall oder eine schnelle Aneinanderreihung mehrerer Grand-mal Anfälle handelt, in der der Patient das Bewusstsein nicht wiedererlangt.

Klar abzugrenzen ist diese chronische Erkrankung von sogenannten epileptiformen Gelegenheitsanfällen, welche unter Extremsituationen bei jedem Menschen auftreten können. Hierzu gehören Hypoglykämien, Hypoxien (z. B. zu Beginn eines Herz-Kreislaufstillstandes) oder im Rahmen eines Drogenentzuges.

Patientenhinweis

Tritt eine Schwangerschaft ein, soll sofort der Arzt konsultiert werden, um gegebenenfalls das Therapieschema zu ändern.
Gerade zu Beginn der Behandlung sollte die Möglichkeit eines eingeschränkten Reaktionsvermögens beachtet werden.
Die Einnahme des Arzneimittels kann unabhängig von den Mahlzeiten erfolgen.
Ausschleichen.

Dosierung

Erwachsene:
  • initial: 2 x täglich 250 mg peroral oder intravenös
  • Erhaltungsdosis: 2 x täglich 500-1500 mg peroral oder intravenös

Säuglinge ab 6 Monaten, Kinder und Jugendliche < 50kg Körpergewicht:
  • initial: 2 x täglich 10 mg/kg Körpergewicht peroral oder intravenös
  • Erhaltungsdosis: 2 x täglich 30 mg/kg Körpergewicht peroral oder intravenös (Maximaldosis)

Säuglinge >1 Monat <6 Monate:
  • initial: 2 x täglich 7 mg/kg Körpergewicht peroral oder intravenös
  • Erhaltungsdosis: 2 x täglich 21 mg/kg Körpergewicht peroral oder intravenös(Maximaldosis)

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Nebenwirkungen

  Zentralnervöse Störungen

Es treten sehr häufig Schläfrigkeit, Schwäche, Kopfschmerzen und Müdigkeit auf. Häufig kommt es zu Verwirrtheit, Reizbarkeit, Aggression, Angst, Schlafstörungen, Koordinationsstörungen, Wut, Persönlichkeitsstörungen, Selbstmordgedanken und gelegentlich zu Suizidalität.

  Krampfanfälle

Dieses Antikonvulsivum kann auch zu einer Zunahme von Krampfanfällen führen.

  Sehstörungen

Doppeltsehen und verschwommenes Sehen können auftreten.

  Störungen des Blutbildes

Sehr selten tritt als Nebenwirkung Leukopenie, Thrombozytopenie, Anämie und Neutropenie auf.

Das Hämogramm (Blutbild) stellt die Menge der in einer Blutprobe vorhandenen Erythrozyten (rote Blutkörperchen), Leukozyten (weiße Blutkörperchen), Thrombozyten (Blutplättchen) und Retikulozyten (polymorphkernige Blutkörperchen) nebeneinander dar. Beim Differentialblutbild werden sowohl quantitative als auch qualitative Parameter, wie z. B. die Form, mit herangezogen. Neben pathologischen Veränderungen können Abweichungen von den Normwerten auch durch unerwünschte Arzneimittelwirkungen bedingt sein. Auftreten können u. a.:
  • Leukopenie: Die Gesamtzahl aller Leukozyten (Granulozyten, Lymphozyten, Monozyten) im Blut ist auf unter 5.000/mm³ reduziert.
  • Leukozytose: Die Gesamtzahl aller Leukozyten im Blut ist über 10.000/mm³ erhöht.
  • Granulozytopenie: Verminderung der Anzahl der Leukozyten, insbesondere der neutrophilen Granulozyten.
  • Agranulozytose (perniziöse Neutropenie): Verminderung der Anzahl der Leukozyten (Leukopenie), die Granulozyten können komplett fehlen. Auch die Blutplättchen und das Knochenmark können betroffen sein. Eine Agranulozytose kann sich innerhalb von Stunden ausbilden und geht üblicherweise mit grippeähnlichen Symptomen einher, bei deren Auftreten der Patient darüber aufgeklärt sein muss, dass umgehend eine ärztliche Konsultation erfolgen sollte. Es wird symptomatisch therapiert; Breitbandantibiotika und Granulozyten-Koloniestimulierende Faktoren, wie Filgrastim, werden häufig in der Therapie verabreicht.
  • Eosinophilie: Erhöhung der Anzahl der eosinophilen Granulozyten im Blut. Bei allergischen Reaktionen wie dem Arzneimittelexanthem tritt dies zum Beispiel auf.
  • Thrombozytopenie: Verminderung der Anzahl der Thrombozyten unter 150.000/mm³. Durch den Mangel an Thrombozyten ist die Blutgerinnung gestört und es treten vermehrt Hämatome oder Blutungen auf.
  • Aplastische Anämie: Die Gesamtzahl aller Zellen im Blut ist reduziert (Panzytopenie). Ursache ist eine gestörte Stammzellreifung im Knochenmark.
Grundsätzlich stellen Blutbildveränderungen ernste bis lebensbedrohliche unerwünschte Wirkungen dar, die einer weitergehenden ärztlichen Abklärung bzw. Behandlung bedürfen.

  Infektanfälligkeit, Husten

  Exanthem, Pruritus

  Gewichtszunahme, Anorexie

Bei der gleichzeitigen Gabe mit dem Antiepileptikum Topiramat besteht ein höheres Risiko für die Ausbildung einer Anorexie.

  Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Diarrhoe

Kontraindikationen

Kinder unter 4 Jahren

Schwangerschaft und Stillzeit

Die Substanz ist in der Schwangerschaft kontraindiziert, da keine ausreichenden Daten zur Anwendung beim Menschen vorliegen.
In Tierversuchen haben sich embryotoxische/teratogene Wirkungen gezeigt.

Die Substanz geht in die Muttermilch über. Für die Anwendung in der Stillzeit liegen nur unzureichende Daten vor.

Wechselwirkungen

  Topiramat

Bei der gleichzeitigen Gabe beider Antiepileptika besteht ein höheres Risiko für die Ausbildung einer Anorexie (Essstörung mit herabgesetzter Nahrungsaufnahme).

Topiramat anzeigen

Strukturformel

Strukturformel

ratiopharm

SimpleSoft
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Wirkmechanismus

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Bei Levetiracetam handelt es sich um das S-Enantiomer des nicht zugelassenen Racemates von Etiracetam. Mit anderen Antiepileptika ist es chemisch nicht verwandt.

Der Wirkmechanismus konnte bislang nicht geklärt werden; es liegen jedoch Daten aus Tierversuchen und in vitro-Tests vor, die folgende Wirkkomponenten nahelegen:

  • Beeinflussung der Calciumspiegel in den Neuronen durch geringere Calcium-Freisetzung aus Speichern und verminderten Einstrom in die Zellen über N-Typ-Calciumkanäle: Als Calciumantagonist an N-Typ-Kanälen könnte Levetiracetam eine überschießende neuronale Aktivität verringern, da der Calciumeinstrom Voraussetzung für die Ausschüttung von Neurotransmittern in den synaptischen Spalt ist, also für die Signal- bzw. Erregungsübertragung. (Klassische Calciumantagonisten wie Nifedipin interferieren mit L-Typ-Calciumkanälen z. B. am Herzen.)
  • Eingriffe in den Metabolismus von GABA (γ-Aminobuttersäure): GABAerge Neurone entfalten eine hemmende Wirkung auf die Erregungsweiterleitung. Ein Eingriff in den GABA-Metabolismus könnte die GABAergen Effekte verstärken.
  • Bindung an das synaptische Vesikelprotein 2A: Dieses wird wahrscheinlich zur Ausschüttung von Neurotransmittern benötigt, so dass eine Bindung des Arzneistoffs an diese Zielstruktur ebenfalls einer überschießenden neuronalen Aktivität entgegenwirken kann.

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Patientenhinweis

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Dosierung

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Die Dosierung sollte einschleichend erfolgen und sich nach dem klinischen Ansprechen richten. Wenn eine perorale Gabe nicht möglich ist, kann eine intravenöse Gabe in Frage kommen. Da Levetiracetam peroal nahezu zu 100 % bioverfügbar ist, kann jederzeit zwischen der peroralen und der parenteralen Applikationsroute gewechselt werden, ohne die Dosis neu einstellen zu müssen. Gerade für Kinder steht auch eine flüssige perorale Zubereitung zur Verfügung.

Montherapie mit Levetiracetam:
Beginnend mit 2 x täglich 250 mg kann die Dosis alle 2 Wochen um 2 x täglich 250 mg angehoben werden, bis maximal 2 x 1500 mg erreicht sind.
Kombinationstherapie:
Beginnend mit 2 x täglich 500 mg kann die Dosis alle 2-4 Wochen um 2 x täglich 500 mg angehoben werden, bis maximal 2 x 1500 mg erreicht sind. Prinzipiell besteht auch die Möglichkeit, unter entsprechender ärztlicher Kontrolle die antiepileptische Komedikation zugunsten einer Levetiracetam-Monotherapie abzusetzen.

Säuglinge > 6 Monate, Kinder und Jugendliche < 50 kg Körpergewicht erhalten initial 10 mg/kg Körpergewicht. Die maximale Tagesdosis beträgt 30 mg/kg Körpergewicht. Die Dosis darf alle 2 Wochen um maximal 10 mg/kg Körpergewicht gesteigert werden.
Säuglinge < 6 Monate erhalten initial 7 mg/kg Körpergewicht. Die maximale Tagesdosis beträgt 21 mg/kg Körpergewicht. Die Dosis darf alle 2 Wochen um maximal 7 mg/kg Körpergewicht gesteigert werden.

Da Levetiracetam bzw. dessen Abbauprodukte vorrangig renal eliminiert werden, muss bei Patienten mit Nierenfunktionsstörung eine Dosisanpassung erfolgen:
  • Patienten mit leichter Nierenfunktionsstörung erhalten 2 x täglich max. 1000 mg
  • Patienten mit mittelschwerer Nierenfunktionsstörung erhalten 2 x täglich max. 750 mg
  • Patienten mit schwerer Nierenfunktionsstörung erhalten 2 x täglich max. 500 mg
  • Dialysepflichtige Patienten erhalten 1 x täglich 500-1000 mg

Sollte ein Absetzen notwendig werden, muss ausschleichend dosiert werden! Dabei kann die Dosis alle 2 Wochen um 2 x täglich 500 mg reduziert werden. Entsprechend sollten Kinder > 6 Monate alle 2 Wochen um 10 mg/kg Körpergewicht und Säuglinge < 6 Monate um 7 mg/kg Körpergewicht reduzieren.

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