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Mefloquin

    

Einteilung

Antibiotika / Antiinfektiva

Antiprotozoenmittel

Wirkmechanismus

Antimalariamittel:
Blutschizontozid durch Hemmung der Hämpolymerase

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Anwendung

Prophylaxe und Therapie der Malaria

Bei einer Malarie handelt es sich um eine protozoische, parasitäre Erkrankung, die durch eine Infektion mit einem Erreger der Gattung Plasmodium ausgelöst wird. Die Krankheit wird in tropischen und subtropischen, ausreichend feuchten Gebieten durch den Stich der weiblichen Anophelesmücke übertragen. Die Parasiten durchlaufen im Menschen verschiedene Entwicklungsstadien und besiedeln und zerstören dabei zunächst Lerbezellen und später Erythrozyten des Menschen.
Die Erkrankung äußert sich durch das Leitsymptom des schubweise auftretenden, hohen Fiebers.

Der Wirkstoff eignet sich sowohl für die Therapie einer bestehenden Malarierkrankung als auch zur Prophylaxe der Malarie, wenn ein Aufenthalt in einem Malaria gefährdeten Gebiet bervorsteht.

Stand-by-Notfallmedikation der Malaria

Bei Verdacht auf Malaria und wenn innerhalb von 24 h kein Arzt konsultiert werden kann, kann Mefloquin als Notfallmedikation eingesetzt werden.

Die Deutsche Gesellschaft für Tropenmedizin und Internationale Gesundheit empfiehlt in dieser Indikation aber Atovaquon + Proguanil oder Artemether + Lumefantrin. Nur für Schwangere wird Mefloquin empfohlen.

Patientenhinweis

Achtung: Im Febuar 2016 wurde auf die Zulassung verzichtet. Bestände dürfen noch bis Febuar 2018 abverkauft werden.

Prophylaxe: Eine Woche vor der Abreise beginnen, dann immer am selben Wochentag die Dosis einnehmen. Nach Rückkehr 4-6 Wochen die Prophylaxe fortführen.
Bei psychischen Symptomen wie Angstzustände Arzneimittel absetzen und Arzt aufsuchen!
Die Tabletten sollten nach den Mahlzeiten eingenommen werden.

Dosierung

Prophylaxe: 1 x wöchentlich 5 mg/kg Körpergewicht
Therapie: 20-25 mg/kg Körpergewicht in 1-3 Dosen, verteilt über einen Tag

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Nebenwirkungen

  Kardiovaskuläre Störungen

Mefloquin kann Kreislaufstörungen, Erregungsleitungsstörungen, Extrasystolen und andere kardiovaskuläre Effekte hervorrufen. Bei bestehenden Erregungsleitungsstörungen kann es diese verstärken und darf daher nur unter sorgfältiger Überwachung angewendet werden.

  Gastrointestinale Störungen

Diese treten vor allem zu Beginn der Behandlung auf und können sich in Übelkeit, Erbrechen und Diarrhoe (Durchfall) äußern.

  Zentralnervöse Störungen

Dazu gehören Schwindel, Kopfschmerzen, Gleichgewichtsstörungen und Schlafstörungen, die oft zu Beginn einer Therapie auftreten.
Hinzu können psychische Störungen kommen, wie Depressionen, Angst, Panikattacken, Aggression und Agitiertheit, außerdem sensorische Störungen wie Tinnitus oder Sehstörungen.
Einzelfälle von Suizidalität wurden berichtet.
Die meisten Störwirkungen setzten spätestens nach der dritten Tablette ein. Wird die Therapie 2-3 Wochen vor Reiseantritt bereits begonnen, können Nebenwirkungen erkannt und rechtzeitig auf ein anderes Mittel umgestellt werden. Auf diese Weise ist auch keine hohe Anfangsdosis zu Reisebeginn nötig.

Kontraindikationen

Aktive Depression

Mefloquin kann selber Depressionen, Stimmungsschwankungen und andere psychische Störungen hervorrufen. Sollten diese während der Einnahme von Mefloquin auftreten, ist es abzusetzen.

Krampfleiden (Epilepsie)

Mefloquin kann die Krampfbereitschaft erhöhen. Daher sollte es bei Epileptikern nur unter sorgfältiger Überwachung eingesetzt werden, also auch nicht zur "Stand-by"-Notfallbehandlung.

Stillzeit

Mefloquin geht in die Muttermilch über und kann dort akkumulieren. Über die Wirkung auf den Säugling liegen keine ausreichenden Erkenntnisse vor.
Während einer Schwangerschaft ist die mögliche Schädigung des Feten durch eine Infektion größer als eine mögliche Schädigung durch Mefloquin. Jedoch sollte, wenn keine Schwangerschaft besteht, während der Therapie bzw. Prophylaxe und 3 Monate danach für sicheren Konzeptionsschutz gesorgt werden.

Erregungsleitungsstörungen am Herzen

Mefloquin kann Kreislaufstörungen, Erregungsleitungsstörungen, Extrasystolen und andere kardiovaskuläre Effekte hervorrufen. Bei bestehenden Erregungsleitungsstörungen kann es diese verstärken und darf daher nur unter sorgfältiger Überwachung angewendet werden.

Wechselwirkungen

  Verwandte Substanzen

Die Kombination von Mefloquin mit Chloroquin oder Chinin kann Veränderungen im EKG hervorrufen und die Krampfbereitschaft erhöhen. Bei schwerer Malaria kann Mefloquin aber 12 h nach der letzten Gabe des anderen Arnzeimittels angewendet werden.

Verwandte Substanzen  anzeigen

  Antiepileptika

Mefloquin kann die Plasmaspiegel von Antikonvulsiva verringern. Zudem kann es die Krampfbereitschaft erhöhen. Damit wird eine Dosisanpassung des Antikonvulsivums nötig.

Antiepileptika anzeigen

  Arzneimittel, die das QT-Intervall verlängern

Das Phänomen des verlängerten QT-Intervalls kann angeboren sein (kongenitales Long QT Syndrom) aber auch erworben sein. Eine häufige Ursache sind Arzneimittel, welche sich an Kaliumkanälen vergreifen und damit zu Repolarisationsstörungen führen. Viele Arzneimittel sind wegen dieser Nebenwirkung bereits außer Handel gegangen. Hierzu gehören Clobutinol (früher Hustenstiller Silomat), Droperidol (Neuroleptikum) oder auch Terfenadin (Antihistaminikum). Zu den klassischen Arzneimitteln, welche einer Verlängerung des QT-Intervalls führen können, gehören:
  • Antiarrhythmika wie Sotalol, Amiodaron oder Flecainid
  • H1-Antihistaminika wie Diphenhydramin, Doxylamin oder Ebastin
  • die damit strukturell verwandten tricyclischen Antidepressiva wie Amitriptylin, Doxepin, Clomipramin aber auch andere Antidepressiva wie Citalopram
  • eine Vielzahl der Neuroleptika wie Benperidol, Haloperidol, Clozapin etc.
  • alle Antibiotika aus den Klassen der Gyrasehemmer und Makrolide (wie Moxifloxacin oder Clarithromycin)
  • Methadon.
Um das Risiko schwerer bis tödlicher Herzrhythmusstörungen zu vermeiden, sind viele dieser Arzneimitteln bei Patienten mit bekanntem Long QT-Syndrom kontraindiziert. Außerdem sollten diese Arzneimittel nicht miteinander kombiniert werden. Ist eine Anwendung nicht zu vermeiden, sollte sie nur unter besonderer Vorsicht durchgeführt werden.

Das QT-Intervall ist ein bestimmter Abschnitt des EKGs welcher die Zeit von Beginn der Q-Zacke bis zum Ende der T-Welle umfasst. Dieser Abschnitt beschreibt die Erregungsaus- und rückbildung in den Ventrikeln. Da diese Zeit abhängig von der Herzfrequenz ist, wird zur Beurteilung der QT-Zeit eine Frequenznormierung vorgenommen, für die es mehrere Formeln gibt. Von einem verlängerten QTc-Intervall (frequenzkorrigiert) spricht man ab 440 ms. Die Gefahr eines verlängerten QT-Intervalls besteht in der Möglichkeit spontan einfallender Nachdepolarisationen in der Repolarisationsphase, welches schwerwiegende ventrikuläre Extrasystolen bis hin zu sogenannten Tosade de Pointes und Kammerflimmern auslösen kann. Ab einer QTc-Zeit von 500 ms besteht eine erhöhte Gefahr, eine solche Rhythmusstörung zu erfahren.

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Strukturformel

Strukturformel

ratiopharm

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Hilfe Impressum

Wirkmechanismus

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Nach einer Infektion des Menschen mit Malaria finden sich im Körper verschiedene Formen des Erregers:
  • Gewebeschizonten liegen in der Leber vor und reifen dort.
  • Hypnozoiten sind eine Ruheform, die sich zu Gewebeschizonten entwickeln können.
  • Merozoiten werden aus den Gewebeschizonten freigesetzt und befallen Erythrozyten.
  • Blutschizonten liegen in Erythrozyten vor, vermehren sich dort zu Merozoiten und befallen nach der Zerstörung des Erythrozyten weitere. Dabei entsteht Fieber.

Hämpolymerasehemmstoffe wirken hemmend auf die Vermehrung der Blutschizonten in Erythrozyten. Diese gewinnen essentielle Aminosäuren, indem sie Hämoglobin abbauen. Dabei entstehen toxische Produkte, vor allem Ferriprotoporphyrin IX. Dieses polymerisiert die Protozoen zu Hämazoin, das gespeichert wird und bei der Ruptur der Erythrozyten freigesetzt wird. Die kationisch-amphiphilen Verbindungen wie Chloroquin und Mefloquin reichern sich aufgrund des pH-Gradienten in den sauren Verdauungsvakuolen der Blutschizonten an. Durch die Hemmung der Hämpolymerase kumuliert das toxische Ferriprotoporphyrin IX in den Blutschizonten.
Mefloquin kann auch gegen mehrfach resistente Formen von Plasmodium falciparum eingesetzt werden.

Die verschiedenen Arten des Malariaerregers rufen verschiedene Arten der Malaria hervor:
  • Plasmodium falciparum die Malaria tropica, die am weitesten verbreitet und am gefährlichsten ist. P. falciparum hat die höchste Resistenzrate gegen Chloroquin.
  • P. vivax und P. ovale die Malaria tertiana, die durch regelmäßige Fieberschübe im Abstand von 48 h gekennzeichnet ist.
  • P. malariae die Malaria quartana, die durch regelmäßige Fieberschübe im Abstand von 72 h gekennzeichnet ist.

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Patientenhinweis

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Dosierung

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Ein großer Teil der Stämme von P. falciparum ist Chloroquin-resistent (CRPF). Gegen diese Stämme ist Mefloquin wirksam, sollte jedoch auch möglichst nur gegen diese Stämme eingesetzt werden, um eine Resistenzentwicklung in Grenzen zu halten.

Zur Prophylaxe wird eine Dosis in der Woche vor der Abreise, eine am Tag der Abreise und jeweils weitere Dosen im einwöchigen Abstand eingenommen. Bei Beginn der Prophylaxe sehr kurz vor der Abreise kann über 3 Tage hinweg eine Aufbaudosis von 250 mg täglich gegeben werden. Nach der Rückkehr aus dem Malariagebiet sollte die Prophylaxe 4 Wochen weitergeführt werden.

Kann eine Prophylaxisdosis terminlich nicht eingehalten werden, so kann ein sogenanntes "loading dose" Verfahren angewandt werden. Hierzu nimmt der Reisende an den 3 Tagen unmittelbar vor Reisebeginn je eine Dosis und danach im oben beschriebenen einwöchentlichen Rhythmus.
       
Die meisten Störwirkungen setzten spätestens nach der dritten Tablette ein. Wird die Therapie schon 2-3 Wochen vor Reiseantritt bereits begonnen, so können Nebenwirkungen erkannt und rechtzeitig auf ein anderes Mittel umgestellt werden. Auf diese Weise ist auch keine hohe Anfangsdosis zu Reisebeginn nötig.

In der Notfallmedikation sollte mit einer Dosis von 15 mg/kg KG begonnen werden und nach 6-8 Std. eine weitere Dosis von 10 mg /kg KG gegeben werden. Bei Patienten über 60 kg Körpergewicht wird eine dritte Dosiseinheit nach weiteren 6-8 Std. notwendig. So schnell wie möglich sollte ein Arzt aufgesucht werden, auch wenn die Beschwerden verschwunden sind!

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