Wirkstoffprofile.de

Home Search

Memantin

   

Einteilung

Antidementiva (Nootropika)

NMDA-Rezeptorantagonisten

Wirkmechanismus

Zentral wirksamer nicht-kompetitiver Antagonist des NMDA-Rezeptors (ein Rezeptor des Glutamats)

mehr

Anwendung

Alzheimer-Demenz

Beim Morbus Alzheimer handelt es sich um eine neurodegenerative Erkrankung des zentralen Nervensystems, die i. d. R. Patienten ab dem 60. Lebensjahr betrifft. Sie gehört zum Krankheitsbild der Demenz und macht hier mit ca. 70 % die häufigste Ursache aus. Charakteristisch für diese Erkrankung ist eine progrediente Störung des Denkens, des Gedächtnisses, des emotionalen Fühlens aber auch des Handelns, der Orientierung und des Sprechens. Je nach Progredienz führt diese Krankheit im Verlaufe von mehreren Jahren zum völligen Verlust der oben genannten Fähigkeiten, sodass an der Demenz erkrankte Patienten frühzeitig kein eigenständiges Leben mehr führen können und auf fremde Hilfe angewiesen bzw. pflegebedürftig sind.

Pathophysiologisch liegt der Krankheit im Falles des Morbus Alzheimer ein Zelluntergang vorrangig cholinerger Neurone durch Ablagerungen sogenannter β-Amloid-Plaques zugrunde. Diese bilden sich aus einem Vorläuferprotein dem APP (Amyloid-Precursor-Protein), welches durch Sekretasen gespalten werden. Durch Mutationen in diesem APP oder den Sekretasen kommt es zu einer vermehrten Bildung dieser β-Amloid-Strukturen, welche unlöslich sind.
Erst wenn ein Großteil der Neuronen untergegangen ist, äußern sich die Symptome der Krankheit, sodass eine zielgerichtete Therapie kaum mehr möglich ist. Derzeitig eingesetzte Therapeutika haben allenfalls bremseneden aber nicht heilenden Charakter. Daher liegen viele Bestrebungen der Demenzforschung in der Frühdiagnostik.

Patientenhinweis

Eine Begleitperson muss die regelmäßige Einnahme des Mittels überwachen.
Das Arzneimittel kann zu oder unabhängig von den Mahlzeiten eingenommen werden.

Dosierung

1 x täglich 5-20 mg Memantinhydrochlorid peroral

mehr

Nebenwirkungen

  Kopfschmerzen, Müdigkeit, Schläfrigkeit

  Schwindel

  Halluzinationen, Verwirrtheit

  Venenthrombose, Thromboembolie

  Hypertonie

  Obstipation, Erbrechen

Kontraindikationen

Herzerkrankungen

Die Therapie sollte regelmäßig überwacht werden, wenn eine schwerere Herzinsuffizienz (NYHA III bis IV) oder ein unkontrollierter Bluthochdruck vorliegen oder wenn der Patient kürzlich einen Herzinfarkt durchgemacht hat, da derartige Patienten einerseits in den meisten Studien mit Memantin nicht eingeschlossen waren und andererseits für das strukturverwandte Amantadin bekannt ist, dass es den Verlauf von Herzerkrankungen ungünstig beeinflussen kann.

Personen mit Neigung zu Krampfanfällen

Memantin kann in sehr seltenen Fällen zu Krampfanfällen führen.

Schwere Nierenfunktionsstörungen

Die Niere stellt das wichtigste Organ für die Ausscheidung von Arzneistoffen und deren Stoffwechselprodukten dar. Ist die Funktionsfähigkeit der Niere herabgesetzt, verbleiben Arzneistoffe und ggf. auch wirksame oder toxische Stoffwechselprodukte länger im Organismus.

Für die Arzneimitteltherapie bedeutet dies, dass bei Substanzen, die zu einem wesentlichen Teil über die Nieren aus dem Organismus entfernt werden, die Dosis des Arzneistoffes herabzusetzen und/oder die Wirkstoffspiegel genau zu überwachen sind. Gerade dann, wenn toxische Metabolite nicht mehr ausreichend über die Niere entfernt werden können, kann auch eine absolute Kontraindikation gegeben sein. Als geeignetes Maß für die Funktionstüchtigkeit der Niere hat sich die sogenannte Kreatinin-Clearance durchgesetzt.

Ob eine Dosisanpassung wegen einer Einschränkung der Nierenfunktion vorgenommen werden sollte, kann anhand folgender Faustregel abgeschätzt werden: Die Kreatinin-Clearance liegt unter 50 ml/min und der normalerweise über eine funktionstüchtige Niere ausgeschiedene Anteil der resorbierten Dosis liegt über 50-70 % (tabellierter Wert, sogenanntes Q-Null-Konzept). Verbindliche Hinweise zu dem jeweiligen Arzneistoff gibt die Fachinformation!

Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren

Schwangerschaft und Stillzeit

Die Substanz sollte nur nach strenger Indikationsstellung in der Schwangerschaft appliziert werden, da keine ausreichenden Daten zur Anwendung beim Menschen vorliegen.
Tierversuche erbrachten weder embryotoxische noch teratogene Wirkungen.

Es ist nicht bekannt, ob die Substanz in die Muttermilch übergeht.

Wechselwirkungen

  Andere NMDA-Antagonisten z. B. Amantadin

Unerwünschte Nebenwirkungen treten häufiger auf. Eine gleichzeitige Gabe sollte nicht erfolgen. Dies trifft auch auf die Kombination von Memantin mit Ketamin, Dextromethorphan und möglicherweise auch Phenytoin zu.

Zu Amantadin wechseln

  Parkinsonmittel

Es kommt im Zusammenspiel mit Parkinsontherapeutika zu einer pharmakodynamischen Wirkungsverstärkung, da die Antagonisierung des NMDA-Rezeptors wahrscheinlich zu einer verminderten Aktivierung cholinerger Interneurone führt. Diese sind beim Morbus Parkinson enthemmt, da die Kontrolle durch untergegangene dopaminerge Neurone entfallen ist.
Aus diesem Grund wird das dem Memantin verwandte Amantadin in der Parkinson-Therapie eingesetzt. In der Kombinationstherapie kann so Levodopa eingespart werden.

Parkinsonmittel  anzeigen

  Neuroleptika

Möglicherweise zeigt Memantin eine indirekte dopaminmimetische Wirkung, die die Wirksamkeit von Dopaminrezeptorantagonisten abschwächen kann.

Neuroleptika  anzeigen

  Bestimmte kationische Arzneistoffe z. B. Ranitidin

Durch die Konkurrenz um einen Kationentransporter, der für die renale Ausscheidung der Substanz benötigt wird, können erhöhte Wirkspiegel resultieren. Dies ist auch für die Kombination von Memantin mit Cimetidin, Chinin, Chinidin, Procainamid und Nicotin zu beachten.

Zu Ranitidin wechseln

  Hydrochlorothiazid

Hydrochlorothiazid anzeigen

Strukturformel

Strukturformel

ratiopharm

SimpleSoft
Hilfe Impressum

Wirkmechanismus

zurück

Memantin gehört zur Gruppe der nichtkompetitiven Hemmstoffe des NMDA-Rezeptors. Wahrscheinlich tritt im Verlauf des Morbus Alzheimer eine Störung der glutamatergen Reizweiterleitung im Sinne einer Überstimulation mit der Folge erhöhter intrazellulärer Calciumkonzentrationen ein. Diese erhöhte cytosolische Calciumkonzentration ist Triggersignal für die Auslösung der Apoptose. Dieser Zustand wird als Exzitotoxizität bezeichnet. Da sowohl NMDA-Rezeptorantagonisten als auch bestimmte Calciumantagonisten wie Nimodipin in der Lage sind, die erhöhten Calciumspiegel wieder abzusenken, sind prinzipiell beide Stoffe bei diesem Krankheitsbild einsetzbar. NMDA-Rezeptorantagonisten wirken jedoch selektiver; ihre klinische Wirksamkeit ist besser dokumentiert.

Memantin reduziert die Überaktivität des glutamatergen Systems durch nicht-kompetitive Hemmung des NMDA-Rezeptors im Kanalinneren: Im unerregten Zustand ist der NMDA-Kanal durch Magnesiumionen blockiert, die bei beginnender Membrandepolarisation aus dem Kanal heraustreten, so dass z. B. durch einen Angriff von Glutamat der Rezeptor erregt werden kann. Öffnet sich die Kanalpore, können Natrium und Calcium in die Zelle einströmen, wohingegen Kalium ausströmen kann. Nur am offenen, von Magnesium nicht besetzten Kanal können NMDA-Rezeptorantagonisten angreifen, so dass sich vor allem überstimulierte Rezeptoren gut mit diesen Antagonisten erfassen lassen.

Erhöhte intrazelluläre Calciumkonzentrationen führen zur Aktivierung von cytotoxischen Enzymen, die eine Schädigung der Neurone und damit ein Voranschreiten der Erkrankung fördern können.

zurück

Patientenhinweis

zurück

zurück

Dosierung

zurück

Die Therapie muss einschleichend begonnen werden, bevor die empfohlene Erhaltungsdosis von 20 mg pro Tag erreicht wird. Dabei beträgt die Initialdosis 5 mg pro Tag welche im wöchentlichen Rhythmus um 5 mg gesteigert werden kann, sodass nach 3-wöchiger Einschleichphase die Erhaltungsdosis von 20 mg erreicht ist.
Patienten mit mittelschwerer Nierenfunktionsstörung sollten zunächst auf 10 mg titriert werden. Nur wenn es zu keiner Unverträglichkeit kommt, darf der Patient auf höhere Dosen auftitriert werden.
Patienten mit schweren Nieren- oder Leberfunktionsstörungen sollten nicht mit Memantin therapiert werden.

Die Therapie sollte nur von einem Arzt eingeleitet werden, der über Erfahrung auf dem Gebiet der Demenzbehandlung verfügt. Dem Patienten muss eine Betreuungsperson zur Verfügung stehen, die die Einhaltung der Arzneimitteltherapie überwacht, um den Therapieerfolg zu gewährleisten.

zurück

Wussten Sie schon?

Die Wirkstoffprofile gibt es auch auf CD.

Vorteile: Offline verfügbar, Lerntools, Fortbildungen u.v.m.

Mehr erfahren Sie auf www.wirkstoffprofile.de.

Zurück zum online-Profil