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Metamizol

 

Einteilung

Schmerz und Entzündung

Nicht saure Analgetika

Wirkmechanismus

Nichtsaures Analgetikum und Antipyretikum ohne antientzündlichen Effekt, aber mit spasmolytischer Wirkkomponente

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Anwendung

Starke Schmerzen

Schmerz ist eine Sinneswahrnehmung, welche für den Körper eine Schutzfunktion darstellt. Es wird dem Gehirn vermittelt, dass es an der schmerzenden Stelle zu einer Schädigung des Organismus gekommen ist. Prinzipiell lässt sich der Schmerz in Oberflächen-, Viszeral (Eingeweide)-, und Neuropathieschmerz unterteilen. Je nach Schmerzstärke werden Analgetika unterschiedlicher Wirkstärke verordnet mit dem Ziel, eine adäquate Analgesie zu erreichen und unter Umständen auch einer Chronifizierung des Schmerzes entgegenzutreten.

Metamizol kann sowohl bei akuten Schmerzen eingesetzt werden als auch bei Tumor-, Kolik- oder postoperativem Schmerz. Dem Wirkstoff wird außerdem eine spasmolytische Wirkung zugeschrieben, was sich positiv auf die Behandlung von Kolikschmerzen auswirkt.
Sofern andere therapeutische Maßnahmen nicht wirksam sind, kann die Substanz auch bei chronischem Schmerz genutzt werden. Bei Patienten mit sehr starken Schmerzen (z. B. Tumorschmerz) kann die Substanz auch in Kombination mit Opioiden eingesetzt werden.

Hohes Fieber

Fieber ist eine häufige Begleiterscheinung von Infektionen jeglicher Genese. Dieses Phänomen begründet sich auf eine Sollwertverstellung im hypothalamischen Thermoregulationszentrum. Durch die Freisetzung von exogenen Pyrogenen (z. B. Lipopolysaccharide aus der Bakterienwand) werden Makrophagen dazu veranlasst, endogene Pyrogene freizusetzen. Diese binden im Thermoregulationszentrum an bestimmten Rezeptoren, welches zur vermehrten Bildung von Prostaglandinen (vorrangig PGE2) führt. Dieses führt dazu, dass der Sollwert der Körpertemperatur nach oben verschoben wird. Der Patient bemerkt dieses dadurch, dass ihm kalt ist und unter Umständen Schüttelfrost bekommt. Umgekehrt ist dem Patienten heiß, wenn nach durchstandener Infektion der Sollwert für die Körpertemperatur wieder herunter geregelt wird, und seine Temperatur oberhalb des Sollwertes liegt.
Auch wenn hohes Fieber für den Patienten potentiell gefährlich ist, handelt es sich um einen körpereigenen Abwehrmechanismus, da die Abwehrzellen des Immunsystems unter höheren Temperaturen besser arbeiten. Deswegen sollten erhöhte Körpertemperaturen bis zu einem gewissen Grad auch untherapiert belassen werden.

Metamizol sollte nur dann therapeutisch bei Fieber genutzt werden, wenn dieses durch andere Mittel nicht gesenkt werden kann.

Patientenhinweis

Bei grippeähnlichen Symptomen sofort einen Arzt aufsuchen! (mögliche Blutbildungsstörung)
Rot gefärbter Urin kann durch den Metaboliten Rubazonsäure erklärt werden und ist kein Grund zur Besorgnis.

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Dosierung

Bis zu 4 x täglich 8-16 mg/kg Körpergewicht peroral, rektal oder parenteral

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Nebenwirkungen

  Anaphylaktische Reaktion

Selten kann es zu anaphylaktischen Reaktionen kommen, die allerdings tödlich verlaufen können. Mögliche Symptome sind Juckreiz, Brennen, Hautrötung, Atem- und gastrointestinale Beschwerden, Bronchospasmus, Herzrhythmusstörungen, Blutdruckabfall, Kreislaufschock.
Schon beim Auftreten von Hautreaktionen ist die Therapie sofort abzusetzen.

  Störungen des Blutbildes (auch Agranulozytose)

Selten tritt nach Metamizolgabe als Nebenwirkung Leukopenie auf, sehr selten außerdem Thrombozytopenie und Agranulozytose.

Das Hämogramm (Blutbild) stellt die Menge der in einer Blutprobe vorhandenen Erythrozyten (rote Blutkörperchen), Leukozyten (weiße Blutkörperchen), Thrombozyten (Blutplättchen) und Retikulozyten (polymorphkernige Blutkörperchen) nebeneinander dar. Beim Differentialblutbild werden sowohl quantitative als auch qualitative Parameter, wie z. B. die Form, mit herangezogen. Neben pathologischen Veränderungen können Abweichungen von den Normwerten auch durch unerwünschte Arzneimittelwirkungen bedingt sein. Auftreten können u. a.:
  • Leukopenie: Die Gesamtzahl aller Leukozyten (Granulozyten, Lymphozyten, Monozyten) im Blut ist auf unter 5.000/mm³ reduziert.
  • Leukozytose: Die Gesamtzahl aller Leukozyten im Blut ist über 10.000/mm³ erhöht.
  • Granulozytopenie: Verminderung der Anzahl der Leukozyten, insbesondere der neutrophilen Granulozyten.
  • Agranulozytose (perniziöse Neutropenie): Verminderung der Anzahl der Leukozyten (Leukopenie), die Granulozyten können komplett fehlen. Auch die Blutplättchen und das Knochenmark können betroffen sein. Eine Agranulozytose kann sich innerhalb von Stunden ausbilden und geht üblicherweise mit grippeähnlichen Symptomen einher, bei deren Auftreten der Patient darüber aufgeklärt sein muss, dass umgehend eine ärztliche Konsultation erfolgen sollte. Es wird symptomatisch therapiert; Breitbandantibiotika und Granulozyten-Koloniestimulierende Faktoren, wie Filgrastim, werden häufig in der Therapie verabreicht.
  • Eosinophilie: Erhöhung der Anzahl der eosinophilen Granulozyten im Blut. Bei allergischen Reaktionen wie dem Arzneimittelexanthem tritt dies zum Beispiel auf.
  • Thrombozytopenie: Verminderung der Anzahl der Thrombozyten unter 150.000/mm³. Durch den Mangel an Thrombozyten ist die Blutgerinnung gestört und es treten vermehrt Hämatome oder Blutungen auf.
  • Aplastische Anämie: Die Gesamtzahl aller Zellen im Blut ist reduziert (Panzytopenie). Ursache ist eine gestörte Stammzellreifung im Knochenmark.
Grundsätzlich stellen Blutbildveränderungen ernste bis lebensbedrohliche unerwünschte Wirkungen dar, die einer weitergehenden ärztlichen Abklärung bzw. Behandlung bedürfen.

  Hypotonie

Das Risiko erhöht sich, wenn der Wirkstoff parenteral appliziert wird. Daher sollte die Injektion/Infusion langsam erfolgen.

  Analgetika-Nephropathie

Kontraindikationen

Bestehende Hypotonie

Die Anwendung der Substanz kann zu einem weiteren Blutdruckabfall führen.

Personen mit Analgetika-Intoleranz

Aus Gründen der Vorsicht sollten Personen, die z. B. auf Analgetika aus der Stoffklasse der Salicylate mit Asthma-Syndrom oder Urtikaria reagiert haben, auch nicht mit Metamizol behandelt werden.

Mangel an Glucose-6-Phosphatdehydrogenase

Bei einem genetisch bedingten Mangel an Glucose-6-Phosphatdehydrogenase kann nicht ausreichend NADPH aus der Glucoseoxidation gewonnen werden, welches jedoch zum Aufbau von Glutathion erforderlich ist. Die verminderte Verfügbarkeit von Glutathion zieht ein höheres Hämolyserisiko nach sich, da es dann zur Ausbildung von Disulfidbrücken in den Erythrocytenmembranen kommt, was deren Integrität beeinträchtigt. In der Folge kann es zu einer hämolytischen Anämie kommen.

Wird für die Biotransformation eines Arzneistoffes Glutathion benötigt, steigt das Hämolyserisiko.

Schwangerschaft und Stillzeit

Die Substanz sollte im 1. und 2. Trimenon nur nach strenger Indikationsstellung appliziert werden, da keine ausreichenden Daten zur Anwendung beim Menschen vorliegen.
Tierversuche erbrachten weder embryotoxische noch teratogene Wirkungen.
Die Substanz ist im 3. Trimenon kontraindiziert, da durch die wehenhemmende Wirkung (COX-2-vermittelt) der Geburtstermin hinausgezögert werden kann und die Gefahr besteht, dass sich der Ductus arteriosus Botalli (Verbindung zwischen Aorta und Lungenarterie zur Umgehung des Lungekreislaufs) des Neugeborenen vorzeitig schließt. Auch kann bei der Geburt die Blutungsneigung der Mutter und des Kindes erhöht sein.

Die Substanz geht in die Muttermilch über. Je nach Dosis, Art der Anwendung und Dauer der Medikation kann es vorübergehend zu Befindlichkeitsstörungen beim Säugling kommen.

Wechselwirkungen

  Ciclosporin

Die Serumspiegel von Ciclosporin können abfallen und sollten daher überwacht werden. Der Mechanismus ist unbekannt.

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  Methotrexat

Eine Toxizitätssteigerung von Methotrexat ist möglich.

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Strukturformel

Strukturformel

ratiopharm

SimpleSoft
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Wirkmechanismus

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Der Wirkmechanismus ist nicht endgültig geklärt, da nur eine schwache Inhibition von COX-1 und COX-2 gezeigt werden konnte. Bislang noch nicht exakt identifizierte zentrale und periphere pharmakologische Effekte werden Metamizol und seinem Hauptmetaboliten 4-Methylaminophenazon zugeschrieben.

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Patientenhinweis

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Besondere Aufmerksamkeit muss Anzeichen einer möglichen Agranulozytose gewährt werden. Diese kann sich durch Grippe-ähnliche Symptome ankündigen, so dass in diesem Fall eine rasche Blutbildkontrolle angezeigt ist. Bei bettlägerigen Patienten sowie bei parenteraler Applikation muss das Risiko eines Blutdruckabfalls beachtet werden.

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Dosierung

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Die parenterale Gabe darf nur vorgenommen werden, wenn enterale Applikationsformen nicht in Betracht kommen. Wegen der Gefahr eines Blutdruckabfalls muss eine strenge Indikationsstellung für Dosen über 1 g parenterales Metamizol erfolgen.
Bei längerer Anwendung muss das Blutbild regelmäßig kontrolliert werden!

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