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Naratriptan

    

Einteilung

Schmerz und Entzündung

Migränemittel

Wirkmechanismus

Selektiver 5-HT1B- und 5-HT1D-Rezeptor-Agonist

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Anwendung

Akuter Migränekopfschmerz

Bei der Migräne kommt es anfallsartig zu heftigen, häufig einseitigen, pulsierenden Kopfschmerzen. Körperliche Aktivität verstärkt den Kopfschmerz. Die Attacken können von Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen, Lichtscheu, Lärmempfindlichkeit und Überempfindlichkeit gegenüber bestimmten Gerüchen begleitet sein und dauern in der Regel 4-72 Stunden. Bei 10-15 % der Patienten geht der eigentlichen Kopfschmerzphase eine so genannte Aura voraus. Die Aura äußert sich durch Sehstörungen, der Wahrnehmung von Lichtblitzen und gezackten Linien, Taubheitsgefühlen, Sprachstörungen, Schwindel oder Lähmungen. Diese Symptome entwickeln sich über einen Zeitraum von 10-20 Minuten und bilden sich dann langsam wieder zurück.
Die Ursache ist nicht bekannt. In 60-70 % der Fälle lässt sich eine familäre Belastung nachweisen.

Patientenhinweis

Frühzeitige Einnahme sinnvoll, jedoch nicht vorbeugend!
Wiederholte Einnahme (frühestens nach 4 Stunden) während eines Anfalls nur, wenn die Therapie zunächst angesprochen hat, ansonsten Therapieversuch mit ASS oder Paracetamol!
Bei Erstanwendung Bluthochdruck abklären.
Rebound-Effekt möglich. Gewohnheitsmäßige Einnahme von Triptanen kann Kopfschmerzen verursachen!

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Dosierung

Bei ersten Anzeichen eines Anfalls 2,5 mg peroral.
Maximale Dosis in 24 Stunden: 5 mg peroral

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Nebenwirkungen

  Übelkeit, Erbrechen

Nicht geklärt ist, ob diese häufige Reaktion auf das Arzneimittel oder auf die Migräneattacke zurückzuführen ist, da die Trigeminusstimulation unter einer Attacke ebenfalls Übelkeit und Erbrechen hervorruft.

  Tachykardie, Bradykardie

  Palpitationen, Hypertonie

Diese Wirkungen sind im Zusammenhang mit dem Agonismus an serotoninergen Rezeptoren und der dadurch ausgelösten Vasokonstriktion zu betrachten. In bestimmten Fällen, bei denen eine Vorbelastung bestand, kann es selten zur initialen Auslösung eines Angina pectoris-Anfalls oder einer Herzinfarktprovokation kommen (siehe Kontraindikationen).

  Schwindel, Schläfrigkeit, Müdigkeit, Unwohlsein

  Parästhesien, Hitzegefühl

  Sehstörungen

  Migräneartiger Entzugskopfschmerz

Die gewohnheitsmäßige Einnahme von Triptanen kann Kopfschmerzen (migräneartiger, pulsierender Schmerz) verursachen. Die Missbrauchsschwelle liegt bei einer Anwendung an 10 oder mehr Tagen im Monat. Die kritische Einnahmedauer für Mutterkornalkaloide und Triptane ist kürzer als bei NSARs. In der Regel handelt es sich um einen schädlichen Gebrauch ohne Abhängigkeit. Patienten mit primären Kopfschmerzen wie Migräne oder Spannungskopfschmerz entwickeln am häufigsten einen chronischen Kopfschmerz durch übermäßigen Gebrauch von Schmerzmitteln (NSAR) bzw. Triptanen. Die Diagnose wird klinisch gestellt (vgl. Diagnostische Kriterien der Internationalen Kopfschmerzgesellschaft). Als Therapie wird üblicherweise das abrupte Absetzen des Triptans gewählt, was man in diesem Fall als "Medikamentenpause" bezeichnen kann. Der Ausdruck "Entzug" eignet sich weniger, da eine physische Abhängigkeit hier nicht besteht. In der Regel wird ambulant therapiert.

Kontraindikationen

Herzerkrankungen, z. B. Prinzmetal-Angina

Bei Erkrankungen, die mit Spasmen oder Verengungen der Koronararterien einhergehen sind Triptane grundsätzlich kontraindiziert. Durch ihren Agonismus an 5-HT-1B-Rezeptoren, die auch in den Koronargefäßen exprimiert werden, kann es zu einer Vasokonstriktion und damit zur Auslösung und Verschlimmerung von Angina pectoris-Attacken kommen.

Schwerer Bluthochdruck, Morbus Raynaud

Über den Agonismus an serotoninergen Rezeptoren kann eine Vasokonstriktion erfolgen.

Schlaganfallpatienten

Aufgrund der gefäßkontrahierenden Eigenschaften sollte auf eine Anwendung verzichtet werden.
Weiterhin haben Migränepatienten ein erhöhtes Risiko für zerebrale Erkrankungen des Gefäßsystems.

Sulfonamidunverträglichkeit

Naratriptan trägt eine Sulfonamidgruppe.

Leberfunktionsstörung

Die Leber stellt das wichtigste Organ für die Biotransformation von Arzneistoffen dar. Häufig wird durch die Verstoffwechselung von Arzneistoffen deren Ausscheidung erst ermöglicht: Arzneistoffe mit Molekulargewicht über 500 können über Leber und Galle ausgeschieden werden, wohingegen man leichtere Arzneistoffe häufiger im Urin findet.

Ist die Funktion der Leber eingeschränkt, kann dies für die Arzneimitteltherapie insofern von Bedeutung sein, als dass Arzneistoffe länger im Organismus verbleiben, da die vor der Ausscheidung notwendige Biotransformation mehr Zeit beansprucht. In vielen Fällen wird daher eine Herabsetzung der Dosis oder des Dosierintervalles sowie eine Überwachung der Wirkstoffspiegel angezeigt sein, ggf. ist die Gabe des betreffenden Arzneistoffes sogar kontraindiziert. Möglich ist jedoch auch der Fall, dass ein unwirksames Prodrug durch die Leber nur verzögert oder gar nicht in die aktive Wirkform überführt werden kann.

Nierenfunktionsstörung

Die Niere stellt das wichtigste Organ für die Ausscheidung von Arzneistoffen und deren Stoffwechselprodukten dar. Ist die Funktionsfähigkeit der Niere herabgesetzt, verbleiben Arzneistoffe und ggf. auch wirksame oder toxische Stoffwechselprodukte länger im Organismus.

Für die Arzneimitteltherapie bedeutet dies, dass bei Substanzen, die zu einem wesentlichen Teil über die Nieren aus dem Organismus entfernt werden, die Dosis des Arzneistoffes herabzusetzen und/oder die Wirkstoffspiegel genau zu überwachen sind. Gerade dann, wenn toxische Metabolite nicht mehr ausreichend über die Niere entfernt werden können, kann auch eine absolute Kontraindikation gegeben sein. Als geeignetes Maß für die Funktionstüchtigkeit der Niere hat sich die sogenannte Kreatinin-Clearance durchgesetzt.

Ob eine Dosisanpassung wegen einer Einschränkung der Nierenfunktion vorgenommen werden sollte, kann anhand folgender Faustregel abgeschätzt werden: Die Kreatinin-Clearance liegt unter 50 ml/min und der normalerweise über eine funktionstüchtige Niere ausgeschiedene Anteil der resorbierten Dosis liegt über 50-70 % (tabellierter Wert, sogenanntes Q-Null-Konzept). Verbindliche Hinweise zu dem jeweiligen Arzneistoff gibt die Fachinformation!

Personen unter 18 und über 65 Jahren

Schwangerschaft und Stillzeit

Die Substanz sollte nur nach strenger Indikationsstellung in der Schwangerschaft appliziert werden, da keine ausreichenden Daten zur Anwendung beim Menschen vorliegen.
Tierversuche erbrachten weder embryotoxische noch teratogene Wirkungen.

Die Substanz geht in die Muttermilch über. Je nach Dosis, Art der Anwendung und Dauer der Medikation kann es zu ernsthaften Schädigungen des Säuglings kommen.

Wechselwirkungen

  Mutterkornalkaloide

Beide Stoffe wirken über einen 5-HT-1-Rezeptor-Agonismus vasokonstriktiv, können so additiv wirken und zu Hypertonie und einer verstärkten Konstriktion der Koronargefäße führen, wenn sie gleichzeitig innerhalb eines Migräneanfalls angewendet werden. Deshalb ist die kombinierte Anwendung kontraindiziert und es sollten mindestens 24 Stunden zwischen den Einnahmen liegen.

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  Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer

In Kombination mit selektiven Serotonin-Wiederaufnahme-hemmern (SSRI z. B. Fluoxetin, Fluvoxamin, Citalopram) oder Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahme-Hermmern (SNRI z. B. Venlafaxin, Duloxetin) wurde in Einzelfällen über das Auftreten von Serotoninsyndromen berichtet.

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  Orale Kontrazeptiva

Bekannt ist die thrombocytenaggregationsfördernde Wirkung oraler Kontrazeptiva. Zusammen mit der vasokonstriktorischen Wirkung der Triptane resultiert ein erhöhtes Schlaganfallrisiko.

Orale Kontrazeptiva  anzeigen

Strukturformel

Strukturformel

ratiopharm

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Wirkmechanismus

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Grundlage für die Migränesymptomatik ist das Schmerzempfinden der Hirnhaut (Dura mater). Unter Beteiligung von Serotonin kann in den Blutgefäßen NO freigesetzt werden, welches zum einen die Blutgefäße erweitert und zum anderen über die Freisetzung von Peptiden aus dem Trigeminusnerv eine neurogene Entzündung hervorruft. NO soll über eine gesteigerte Reizweiterleitung des Trigeminusnervs auch zur Entstehung von Übelkeit beitragen.

Die Triptane wirken agonistisch an 5-HT1B-Rezeptoren, wodurch die Blutgefäße wieder zur Kontraktion gebracht werden, was den pulsierenden Schmerz beseitigt. Zum anderen unterbindet der Agonismus an präsynaptischen 5-HT1D-Rezeptoren der Plasmamembran von Nervenzellen die Freisetzung entzündungsfördernder Peptide wie z. B. des Calcitonin-Gene-related Peptide (CGRP).

Alle Triptane haben ein vergleichbares pharmakodynamisches Spektrum, in der Pharmakokinetik gibt es jedoch erhebliche Unterschiede. So weist Sumatriptan nur eine orale Bioverfügbarkeit von 14 % und eine Halbwertszeit von 2 Stunden auf, wohingegen Naratriptan zu 63-74 % bioverfügbar ist und die Halbwertszeit bei 6 Stunden liegt. (Zolmitriptan: 3 Stunden, 40 %; Rizatriptan: 2-3 Stunden, 40-45 %; Frovatriptan: 26 Stunden, 22-30 %)

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Patientenhinweis

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Darüber hinaus sollte grade bei der Erstabgabe des nicht verschreibungspflichtigen Präparates an den Patienten die Frage nach Problemen mit hohem Blutdruck gestellt werden, da dieser eine absolute Kontraindikation für eine Triptantherapie darstellt.

Die gewohnheitsmäßige Einnahme von Triptanen kann Kopfschmerzen (migräneartiger, pulsierender Schmerz) verursachen. Die Missbrauchsschwelle liegt bei einer Anwendung an 10 oder mehr Tagen im Monat. Die kritische Einnahmedauer für Mutterkornalkaloide und Triptane ist kürzer als bei NSARs. In der Regel handelt es sich um einen schädlichen Gebrauch ohne Abhängigkeit. Patienten mit primären Kopfschmerzen wie Migräne oder Spannungskopfschmerz entwickeln am häufigsten einen chronischen Kopfschmerz durch übermäßigen Gebrauch von Schmerzmitteln (NSAR) bzw. Triptanen. Die Diagnose wird klinisch gestellt (vgl. Diagnostische Kriterien der Internationalen Kopfschmerzgesellschaft). Als Therapie wird üblicherweise das abrupte Absetzen des Triptans gewählt, was man in diesem Fall als "Medikamentenpause" bezeichnen kann. Der Ausdruck "Entzug" eignet sich weniger, da eine physische Abhängigkeit hier nicht besteht. In der Regel wird ambulant therapiert.

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Dosierung

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Die Therapie sollte möglichst frühzeitig, d. h. bei den ersten Anzeichen eines Anfalls, begonnen werden. Spricht eine Attacke nicht auf die Therapie an, so kann die Wirksamkeit nicht durch eine erneute Gabe des Triptans herbeigeführt werden. In solchen Fällen sollte eine Therapie mit ASS oder Paracetamol erwogen werden. Bei späteren Attacken kann das Triptan dann erneut versucht werden.

Kehren die bereits abgeklungenen Schmerzen einer Attacke wieder zurück, so kann bis zu den angegebenen Maximaldosen mit Triptanen nachdosiert werden. Dabei sollten im Falle von Naratriptan mindestens vier Stunden zwischen der initialen und repetitiven Dosis liegen.

Triptane eignen sich weder zur Migräneprophylaxe noch zu einer Langzeittherapie, da die dauernde Einnahme selbst Kopfschmerz induzieren kann.

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