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Noradrenalin

 

Einteilung

Herz-Kreislaufmittel

Sympathomimetika

Wirkmechanismus

Direktes Sympathomimetikum:
Agonist an α- und β-Rezeptoren mit blutdrucksteigernder Wirkung

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Anwendung

Septischer Schock

Der Schock beschreibt ein lebensbedrohliches Krankheitsbild, bei dem infolge einer schweren Kreislaufstörung die Blutzirkulation in den Kapillaren stark vermindert ist. Die daraus resultierende generalisierte Sauerstoffunterversorgung der Gewebe kann zu schweren Stoffwechselstörungen bis hin zum (Multi-)Organversagen führen. Aufgrund der verschiedenen Ursachen werden folgende Schockformen unterschieden:
  • Volumenmangelschock
  • Kardiogener Schock
  • Septischer Schock
  • Anaphylaktischer Schock

Weitere Schockformen wie neurogener Schock (z. B. nach Schädel-Hirn-Trauma), spinaler Schock (z. B. nach Rückenmarksverletzungen) oder endokriner Schock (z. B. bei Morbus Addison = Nebenniereninsuffizienz, Hyper-/Hypothyreose) werden wegen ihrer besonderen Charakteristik und der sich daraus ergebenden Therapie davon abgegrenzt.

Der septische Schock entsteht durch eine generalisierte oder lokale Infektion durch Mikroorganismen. Der Körper reagiert auf die Mikroorganismen selbst oder deren als Antigene wirkenden Toxine mit der o. a. (Schock-)Kaskade. Erschwerend kommt eine überschießende Aktivität der auf die Antigene reagierenden Makrophagen hinzu. Diese exprimieren die entzündungsinduzierbare NO-Synthase (iNOS), was zu einer generalisierten Vasodilatation führt. Der Körper versucht, bei einem Blutdruckabfall den Blutdruck zu stabilisieren. Die Ausschüttung von Adrenalin und Noradrenalin führt zu einer Steigerung der Herzfrequenz und einer Engstellung der Arteriolen und Venolen (Haargefäße). Das zirkulierende Blut wird umverteilt, um die Durchblutung von Herz und Gehirn möglichst lange aufrecht zu erhalten (Zentralisation des Blutkreislaufs). Der sog. Schockindex, d. h. das Verhältnis von Puls/systolischer Blutdruck, ist >1. Typische auslösende Infektionen sind Pneumonie (Lungenentzündung), Pyelonephritis (Nierenbeckenentzündung), Pankreatitis (Bauchspeicheldrüsenentzündung), Cholezystitis (Gallenblasenentzündung), Cholangitis (Gallengangsentzündung) oder Peritonitis (Bauchfellentzündung). Auch Fremdmaterialien wie Katheter oder schwere Verbrennungen können zum septischen Schock führen. Besonders schwere Verläufe kommen bei der Meningokokken-Sepsis, Waterhouse-Friderichsen-Syndrom oder nach Splenektomie (= Entfernung der Milz) vor. Von einer Sepsis spricht man, wenn neben dem Nachweis einer Infektion ein sog. systemisches inflammatorisches Response-Syndrom (= SIRS, systemische Entzündungsreaktion des Körpers) vorliegt. Dabei müssen zwei der folgenden vier Kriterien erfüllt sein:

  • Körpertemperatur > 380 °C
  • Herzfrequenz >= 90/min
  • Tachypnoe (Atemfrequenz >=20/min) oder pCO2 <= 32 mmHg
  • Leukozytose (>= 12000 Leukozyten/µl)

Die kausale Therapie besteht in einer effektiven Antibiotikatherapie plus einer gegebenenfalls notwendigen chirurgischen Infekt-Sanierung. Zur Kreislaufstabilisierung kommen iv-Katecholamine wie Noradrenalin plus Volumensubstitution zum Einsatz. Längerfristig kommt es bei einer iv-Therapie mit Katecholaminen zu Problemen, da die beim Schock bestehende Minderdurchblutung peripherer Gewebe (infolge genereller Vasodilatation) durch die generell gefäßverengende Wirkung von Noradrenalin letztlich bestehen bleibt. Die Minderdurchblutung führt dann zur Hypoxie und der anaerobe Stoffwechsel führt zu einer metabolischen Azidose. Die Azidose führt einerseits zu einem Austritt von Flüssigkeit ins Interstitium mit Verminderung des zur Verfügung stehenden Kreislaufvolumens und zu einer der Wirkung von Noradrenalin entgegengesetzten Dilatation der Arteriolen, so dass die Druckdifferenz zwischen Arteriolen und Venolen wieder abnimmt und es in den peripheren Geweben zu einer Stase der Blutzirkulation mit Thrombenbildung bis hin zu einer Verbrauchskoagulopathie (= übermäßige intravasale Aktivierung der Blutgerinnung) kommen kann. Daher müssen weitere intensiv-medizinische Maßnahmen hinzukommen, wie künstliche Beatmung, Heparin zur Prophylaxe einer Verbrauchskoagulopathie, Antipyretika bei hohem Fieber, Dialyse bei Nierenversagen, gegebenenfalls Insulin-Gabe bei Blutzucker-Entgleisung und Cortison-Gabe bei Nebenniereninsuffizienz. Trotzdem ist die Letalität eines septischen Schocks mit etwa 70 % nach wie vor außerordentlich hoch.

Patientenhinweis

Eine Anwendung von Noradrenalin kann zu positiven Dopingergebnissen führen.
Die als Hilfsstoffe enthaltenen Sulfite können insbesondere bei Asthmatikern zu Überempfindlichkeitsreaktionen und Bronchospasmus führen.

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Dosierung

1-20 µg/min i.v. je nach Kreislaufsituation

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Nebenwirkungen

  Herzbeschwerden (z. B. Palpitationen, Myokardischämie)

Die Nebenwirkungen eines körpereigenen Sympathomimetikums leiten sich von dessen Hauptwirkung ab. Sie können Ausdruck einer zu hohen Dosierung oder einer zu schnellen Applikation sein!

Es kann zu einem Blutdruckanstieg mit reflektorischer Bradykardie (infolge Parasympathikus-Aktivierung) und Herzrhythmusstörungen kommen, die vom Patienten als Palpitationen (= Herzklopfen) wahrgenommen werden. Im Extremfall kann sich daraus ein Kammerflimmern entwickeln mit folgender Myokardischämie bis hin zu einer Myokardschädigung.

  Allgemeine Vasokonstriktion

Die Nebenwirkungen eines körpereigenen Sympathomimetikums leiten sich von dessen Hauptwirkung ab. Sie können Ausdruck einer zu hohen Dosierung oder einer zu schnellen Applikation sein!

Die vasokonstringierende Wirkung von Noradrenalin und Adrenalin geht mit einem Anstieg des Blutdrucks einher. Dieser kann die Gefahr zerebraler Blutungen erhöhen. Weiterhin kann es aufgrund der Minderdurchblutung zum Kältegefühl in den Extremitäten kommen. Auch die Minderdurchblutung von Haut, Schleimhaut und Niere kann zu Symptomen führen (siehe dort).

  Kopfschmerzen, Angst, Tremor

Die Nebenwirkungen eines körpereigenen Sympathomimetikums leiten sich von dessen Hauptwirkung ab. Sie können Ausdruck einer zu hohen Dosierung oder einer zu schnellen Applikation sein!

Zentrale Effekte einer übermäßigen Sympathikus-Stimulation sind z. B. Angstgefühle und Zittern. Die innere Unruhe kann sogar zu Verwirrtheitszuständen und Psychosen führen. Eventuelle Kopfschmerzen können auch Ausdruck eines massiven Blutdruckanstiegs sein.

  Dyspnoe, Lungenödem

Die Nebenwirkungen eines körpereigenen Sympathomimetikums leiten sich von dessen Hauptwirkung ab. Sie können Ausdruck einer zu hohen Dosierung oder einer zu schnellen Applikation sein!

Ein Lungenödem (Wasser in der Lunge) kann sich entwickeln, wenn das Herz gegen den Blutdruckanstieg nicht mehr ausreichend arbeiten kann und insuffizient wird. Der Patient entwickelt bei einem Lungenödem eine Dyspnoe (Atemnot), weil nicht mehr ausreichend Lungenvolumen für den Gasaustausch zur Verfügung steht.

  Hypersalivation, Übelkeit, Erbrechen

Die Nebenwirkungen eines körpereigenen Sympathomimetikums leiten sich von dessen Hauptwirkung ab. Sie können Ausdruck einer zu hohen Dosierung oder einer zu schnellen Applikation sein!

Die Hypersalivation ist Ausdruck einer parasympathischen Gegenregulation. Diese Gegenregulation bei einem zu schnellen Blutdruckanstieg äußert sich auch in einer sich entwickelnden Bradykardie am Herz.
Übelkeit und Erbrechen können Ausdruck einer ischämischen Nekrose im Bereich des Darms sein.

  Oligurie, Anurie, Miktionsbeschwerden

Die Nebenwirkungen eines körpereigenen Sympathomimetikums leiten sich von dessen Hauptwirkung ab. Sie können Ausdruck einer zu hohen Dosierung oder einer zu schnellen Applikation sein!

Die Minderperfusion der Niere führt zwangsläufig zu einer Verminderung der glomerulären Filtrationsrate (GFR) mit nachfolgender Oligurie. Bei längerer Dauer kann sich daraus ein Nierenversagen mit Anurie entwickeln.
Die Miktionsbeschwerden ergeben sich durch eine Erhöhung des Sphinktertonus der Harnblase über die agonistische Wirkung von Noradrenalin und anderen Sympathomimetika an α1-Rezeptoren.

  Stoffwechselstörungen, z. B. Hyperglykämie und metabolische Azidose

Noradrenalin, Adrenalin und andere Sympathomimetika wirken im Stoffwechsel überwiegend über β2-Rezeptoren als Insulin-Antagonisten. Dabei wird in der Leber die Glykogenolyse und Gluconeogenese gesteigert, im Sketlettmuskel die Glykogenolyse und in den Fettzellen die Lipolyse gesteigert. Dieses führt längerfristig zu einer evtl. Insulin-pflichtigen Hyperglykämie. Weiterhin werden die freigesetzten Fette in der Leber zu Ketonkörpern umgewandelt, die zu einer metabolischen Azidose (= Ketoazidose) führen können.

  Blässe, Schwitzen

Die Nebenwirkungen eines körpereigenen Sympathomimetikums leiten sich von dessen Hauptwirkung ab. Sie können Ausdruck einer zu hohen Dosierung oder einer zu schnellen Applikation sein!

Die Minderdurchblutung der Haut führt zu einer sichtbaren Blässe an Haut und Schleimhäuten. Die Haut hat einen wesentlichen Einfluss auf die Regulation der Körpertemperatur, indem über sie Wärme an die Umwelt abgegeben wird. Diese Funktion kann sie bei einer Minderdurchblutung nicht mehr ausreichend wahrnehmen. Beim Patienten äußert sich diese Funktionsstörung als Schwitzen. Weiß verfärbte Hautbezirke entlang der Infusionsvene können Anzeichen einer lokalen Überdosierung mit der Gefahr ischämischer Nekrosen sein.

  Ischämische Nekrosen

Die Nebenwirkungen eines körpereigenen Sympathomimetikums leiten sich von dessen Hauptwirkung ab. Sie können Ausdruck einer zu hohen Dosierung oder einer zu schnellen Applikation sein!

Gelangt Noradrenalin als Infusionslösung bei peri- oder paravasaler Gabe (= neben oder um das Gefäß) in das umliegende Gewebe, kann es wegen der dann viel zu hohen Konzentration das Gewebe zerstören. Es kommt zu Nekrosen. Daher ist unbedingt ein Zugang über ein großlumiges Gefäß sicherzustellen und die ordnungsgemäße Lage des Zugangs regelmäßig zu kontrollieren.

  Überempfindlichkeitsreaktionen

Das zusätzlich als Antioxidans enthaltene Natriummetabisulfit kann zu Überempfindlichkeitsreaktionen insbesondere bei Asthmatikern führen. Dabei kann es zu Symptomen wie Erbrechen, Durchfall, keuchender Atmung bis hin zu einem Asthma-Anfall, Bewusstseinsstörungen und sogar Schock kommen.

Kontraindikationen

Hypertonie

Noradrenalin und andere direkte Sympathomimetika führen zu einer Vasokonstriktion und zu einem Anstieg des Blutdrucks. Bei bereits bestehender Hypertonie besteht die Gefahr einer hypertonen Krise mit zerebralen Blutungen.

Hyperthyreose

Patienten mit einer Hyperthyreose (Schilddrüsenüberfunktion) zeigen eine erhöhte Empfindlichkeit gegenüber Catecholaminen wie Noradrenalin oder anderen Sympathomimetika. Schilddrüsenhormone fördern am Herz die Expression von β1-Rezeptoren. Darüber kommt es zu Tachykardien und der Herzmuskel verbraucht mehr Sauerstoff. Weiterhin wird die Reizschwelle herabgesetzt und das Risiko von Herzrhythmusstörungen steigt bei einer Hyperthyreose deutlich an.

Phäochromozytom

Das Phäochromozytom ist ein Tumor chromaffiner Zellen, der überwiegend im Nebennierenmark, selten auch in den Nervenzellen des thorakalen oder abdominalen Grenzstrangs (Paragangliom) vorkommt. Der Tumor ist in 90 % gutartig und produziert Catecholamine wie Noradrenalin, Adrenalin und Metanephrine. Die Gefahr eines übermäßigen Blutdruckanstiegs bei der Gabe von Noradrenalin oder anderen Sympathomimetika steigt daher deutlich an und ist bei Phäochromozytom kontraindiziert.

Engwinkelglaukom

Die Gabe von Noradrenalin oder anderen α-Sympathomimetika führt entsprechend einer Aktivierung des Sympathikus über α1-Rezeptoren zu einer Pupillenerweiterung (Mydriasis). Bei einer Mydriasis wird der Abfluss des Kammerwassers aus dem Kammerwinkel behindert, was bei einem Engwinkelglaukom die Gefahr eines Anstiegs des Augeninnendrucks übermäßig erhöht.

Herzrhythmusstörungen, paroxysmale Tachykardien, Herzmuskelerkrankungen

Die Gabe von Noradrenalin führt selbst initial zu einer Tachykardie (später Bradykardie!). Weiterhin erhöht es die Erregbarkeit des Herzens (positiv bathmotrope Wirkung), so dass es zu Herzrhythmusstörungen kommen kann. Bei bereits bestehenden Herzrhythmusstörungen wie paroxysmalen (= anfallsweise auftretenden) Tachykardien und hochfrequenten absoluten Arrhythmien (= Vorhofflimmern) ist Noradrenalin kontraindiziert. Bei Erkrankungen des Herzmuskels ist der Einsatz von sympathomimetisch wirkenden Arzneistoffen kontraproduktiv, da sie den Sauerstoffverbrauch des Herzmuskels zusätzlich erhöhen.

Arteriosklerose (inkl. Koronarsklerose)

Bei der Gabe von Noradrenalin oder anderen Sympathomimetika kommt es zu einer allgemeinen Vasokonstriktion mit nachfolgendem Blutdruckanstieg. Besteht gleichzeitig eine Arteriosklerose ist die Gefahr von Plaque-Rupturen mit nachfolgenden Blutungen (insbesondere zerebrale Blutungen) übermäßig erhöht. Eine Plaque-Ruptur bei Koronarsklerose kann zu einem nachfolgenden Gefäßverschluss und Herzinfarkt führen.

Cor pulmonale

Bei einem Cor pulmonale ist der rechte Ventrikel des Herzens als Folge einer Lungenerkrankung mit nachfolgender pulmonaler Hypertonie hypertrophiert und/oder dilatiert. Unter einer gleichzeitigen Behandlung mit Noradrenalin oder anderen α-Sympathomimetika kann sich die Situation weiter verschlechtern, weil die allgemeine Vasokonstriktion auch den Druck in den Pulmonalarterien weiter ansteigen lässt. Es kann sich eine akute Rechtsherzinsuffizienz entwickeln.

Prostataadenom mit Restharnbildung

Bei einem Prostataadenom, das infolge seiner Größe schon zu einer Restharnbildung geführt hat, oder anderen Ursachen für Harnentleerungsstörungen führt die Gabe von Noradrenalin oder anderen Sympathomimetika zu einer weiteren Verschlechterung der Situation. Durch die sympathomimetische Wirkung über α1-Rezeptoren wird der Sphinktertonus der Harnblase erhöht, so dass die Harnentleerung, die z. B. durch ein Prostataadenom schon erschwert ist, zusätzlich behindert wird.

Schwere Nierenfunktionsstörung

Bei schweren Nierenfunktionsstörungen ist die Gefahr eines akuten Nierenversagens durch die Gabe von Noradrenalin oder anderen α-Sympathomimetika übermäßig erhöht. Die schon deutlich verringerte glomeruläre Filtrationsrate (GFR) bei schweren Nierenfunktionsstörungen wird durch die Vasokonstriktion der Nierenarterien weiter verringert.

Schwangerschaft

Noradrenalin und Adrenalin sind plazentagängig. Bei begrenzter Anwendungszeit und wegen der kurzen Halbwertszeit sind keine Nebenwirkungen beim Fetus bekannt. Dennoch dürfen Noradrenalin und Adrenalin in der Schwangerschaft nur nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung angewendet werden, da es zu einer verminderten Plazentadurchblutung und zu einer uterinen Vasokonstriktion kommen kann.

Wechselwirkungen

  Parasympatholytika, z. B. Atropin

Bei der gleichzeitigen Anwendung von Noradrenalin und Parasympatholytika wie z. B. Atropin verstärken sich die jeweiligen Wirkungen. Die Gabe von Noradrenalin gleicht einer Aktivierung des Sympathikus, wobei die Gabe von Atropin den Parasympathikus ausschaltet und eine mögliche Gegenregulation bei zu starker Wirkung von Noradrenalin unterdrückt wird. Der Blutdruck kann daher zu stark ansteigen.

  Antihypertensiva

Die blutdruck-steigernde Wirkung von Noradrenalin wird durch Antihypertensiva herabgesetzt. Besonders erwähnt werden hier Alpha- und Betablocker.

Bei gleichzeitiger Anwendung von Alphablockern kann sich die Noradrenalin-Wirkung sogar umkehren und zu einer Blutdrucksenkung führen.

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  MAO-Hemmer und COMT-Hemmer

Sympathomimetika wie z. B. Noradrenalin werden über zwei Wege abgebaut: Einmal über die Monoaminoxidase (MAO) und weiterhin über die Catecholamin-O-Methyl-Transferase (COMT). Werden diese Enzyme durch Arzneistoffe gehemmt, verstärkt sich die blutdruck-steigernde Wirkung von Sympathomimetika wie z. B. Noradrenalin.

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  Tricyclische und tetracyclische Antidepressiva

Tricyclische und tetracyclische Antidepressiva können die blutdrucksteigernde Wirkung von Noradrenalin und anderen Sympathomimetika erhöhen. Darüber hinaus muss die kardiotoxische Wirkung dieser Antidepressiva beachtet werden.

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  Xanthinderivate

Xanthinderivate wie z. B. Theophyllin erhöhen in hohen Dosen die blutdrucksteigernde Wirkung von Sympathomimetika wie z. B. Noradrenalin.

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  Herzglykoside

Herzglykoside sind positiv bathmotrop, d. h. sie können wie Noradrenalin und andere Sympathomimetika Arrythmien am Herzen auslösen.

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  Diuretika

Hier sind besonders die kalium-senkenden Thiazid- und Schleifendiuretika wie z. B. Hydrochlorothiazid bzw. Furosemid zu nennen. Eine sich darunter entwickelnde Hypokaliämie erhöht die Gefahr von Herzrhythmusstörungen unter der Gabe von Noradrenalin und anderen Sympathomimetika.

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  Antidiabetika

Die Glycogenolyse in Leber und Muskel sowie die Gluconeogenese in der Leber werden über β2-Rezeptoren gesteigert. Noradrenalin hat zwar nur eine geringe Wirkung an diesen Rezeptoren, diese Wirkung verstärkt sich aber mit zunehmender Dosis. Dabei kann die blutzucker-senkende Wirkung von Antidiabetika abgeschwächt werden und der Blutzucker-Spiegel entgleisen.

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  Inhalationsnarkotika, z. B. Halothan, Enfluran, Isofluran

Sowohl Sympathomimetika wie z. B. Noradrenalin als auch Inhalationsnarkotika wie z. B. Isofluran sensibilisieren das Herz gegenüber Katecholaminen wie z. B. Noradrenalin. Eine kombinierte Anwendung beider Substanzklassen kann zu tachykarden Herzrhythmusstörungen bis hin zum Kammerflimmern führen.

  Levothyroxin

Eine bestehende Hyperthyreose als auch die Gabe von Schilddrüsenhormonen wie z. B. Levothyroxin erhöhen die Empfindlichkeit des Herzens gegenüber Katecholaminen wie Noradrenalin oder anderen Sympathomimetika. Schilddrüsenhormone fördern am Herz die Expression von β1-Rezeptoren. Darüber kommt es zu Tachykardien und der Herzmuskel verbraucht mehr Sauerstoff. Weiterhin wird die Reizschwelle herabgesetzt und das Risiko von Herzrhythmusstörungen steigt deutlich an.

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Strukturformel

Strukturformel

ratiopharm

SimpleSoft
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Wirkmechanismus

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Die körpereigenen Substanzen Adrenalin und Noradrenalin wirken als direkte Sympathomimetika, d. h. sie wirken aktivierend auf den Sympathikus durch eine direkte Aktivierung der Adrenozeptoren.

Die Adrenozeptoren werden in die zwei Hauptgruppen α- und β-Rezeptoren eingeteilt. Bei diesen unterscheidet man wiederum α1- und α2- sowie β1, β2 und die wenig bedeutsamen β3-Rezeptoren. Die Verteilung der einzelnen Rezeptoren im Organismus ist sehr komplex. Einige sollen jedoch wegen ihrer Wichtigkeit bezüglich der Arzneimitteltherapie an dieser Stelle kurz hervorgehoben werden:
An Gefäßen finden sich α1-Rezeptoren zur Gefäßkontraktion und β2-Rezeptoren zur Gefäßdilatation. β1-Rezeptoren kommen in der Herzmuskulatur und in den Macula-densa-Zellen der Niere vor. Im Uterus befinden sich α1-Rezeptoren zur Kontraktion und β2-Rezeptoren zur Dilatation. Die Erschlaffung der Muskulatur im Magen-Darm- und Bronchial-Trakt erfolgt über β2-Rezeptoren. Der Stoffwechsel wird überwiegend über β2 geregelt. Dabei wird in der Leber die Glykogenolyse und Gluconeogenese gesteigert, im Sketlettmuskel die Glykogenolyse und in den Fettzellen die Lipolyse gesteigert.

Alle Adrenozeptoren sind G-Protein-gekoppelte Rezeptoren. Die Signaltransduktion ist jedoch unterschiedlich:
  • α1-Rezeptoren an Arterien und Arteriolen viszeraler Organe sind Gq-gekoppelte Rezeptoren, die über eine Aktivierung der Phospholipase C vermehrt Inositoltriphosphat (IP3) und Diacylglycerol (DAC) bilden. Daraufhin wird vermehrt Ca2+ aus dem sarkoplasmatischen Retikulum freigesetzt, das die Myosin-Kinase aktiviert. Die Myosin-Kinase phosphoryliert das Myosin. Es kommt zu einem Tonusanstieg der glatten Muskulatur mit Vasokonstriktion.
  • α2-Rezeptoren kommen vorwiegend präsynaptisch vor und vermitteln eine Autoinhibition der Freisetzung von Neurotransmittern. Diese Inhibition geschieht über Gi-gekoppelte Rezeptoren, die die Adenylatcyclase hemmen; das cAMP geht dadurch runter. Dies führt zu einer Hemmung von Ca2+-Kanälen und Aktivierung von K+-Kanälen. Es sei erwähnt, dass andere α2-Rezeptoren die Signalübertragung über die βγ-Untereinheit vermitteln und zentral auch postsynaptische α2-Rezeptoren vorkommen, die z. B. von Clonidin beeinflusst werden können.
  • β1 und β2-Rezeptoren sind Gs-gekoppelte Rezeptoren. Die Aktivierung der Adenylatcyclase führt zu einer Erhöhung von cAMP. Hierüber wird die cAMP-abhängige Proteinkinase aktiviert. Bei β1-Rezeptoren werden dadurch spannungsabhängige Ca2+-Kanäle phosphoryliert, was zu einem verstärkten Ca2+-Einstrom in die Herzmuskelzelle führt. Am Sinusknoten kommt es dadurch zu einer Erhöhung der Herzfrequenz (positiv chronotrope Wirkung), am AV-Knoten wird die Überleitungsgeschwindigkeit erhöht (positiv dromotope Wirkung) und an Vorhof- und Kammermyokard wird die Kontraktilität gesteigert (positiv inotrope Wirkung). Bei β2-Rezeptoren wird über eine cAMP-Erhöhung schließlich die Myosin-Kinase gehemmt. Die Ca2+-Konzentration in der glatten Gefäßmuskulatur wird herabgesetzt und es kommt zu einer Gefäßdilatation, Bronchodilatation bzw. Uteruserschlaffung (siehe Einsatz von β2-Mimetika als Wehenhemmer = Tokolytika).

Die Affinität von direkten Sympathomimetika zu den α- und β-Rezeptoren kann durch Strukturveränderungen an der Basissubstanz Noradrenalin verändert werden. Die Hydroxygruppe in der Seitenkette ist wichtig für die Affinität sowohl zu den α- als auch β-Rezeptoren. Die Substitution am Stickstoff führt zu einer Abnahme der Affinität zu den α-Rezeptoren und zu einer Zunahme der Affinität an den β-Rezeptoren, wobei ein Isopropylrest mit der höchsten Affinität zu den β-Rezeptoren einhergeht. Eine weitere Vergrößerung des Substituenten am Stickstoff verstärkt die Wirkung am β2-Rezeptor (z. B. Salbutamol zur Therapie obstruktiver Lungenerkrankungen). Das Fehlen von Hydroxygruppen am Ring senkt die Polarität der Substanz erheblich und führt zu indirekt sympathomimetisch wirkenden Substanzen (z. B. Amphetamin).
Diese Struktur-Wirkungs-Beziehungen erklären, warum die pharmakologischen Wirkungen von Adrenalin und Noradrenalin zwar ähnlich, aber nicht identisch sind. Während Adrenalin agonistisch an allen vier Adrenozeptoren (α1, α2, β1, β2) wirkt, beschränkt sich die agonistische Wirkung von Noradrenalin überwiegend auf α1, α2 und β1.

Physiologisch ist Noradrenalin für die Aufrechterhaltung des Gefäßtonus bzw. gegebenenfalls dessen Erhöhung verantwortlich. Die gefäßdilatierende Wirkung über β2 ist nur sehr gering ausgeprägt. Diese Eigenschaft von Noradrenalin erklärt seine gute Wirkung in Schocksituationen, wo eine vasokonstringierende Wirkung über α-Rezeptoren erwünscht und eine gefäßdilatierende Wirkung über β2 unerwünscht ist. Noradrenalin führt mit Ausnahme der Koronararterien zu einer allgemeinen Vasokonstriktion. Auch die Skelettmuskulatur wird weniger durchblutet. Es erhöht den systolischen und diastolischen Blutdruck. Die theoretisch eintretende Tachykardie über β1-Rezeptoren am Herz tritt wegen einer parasympathischen Gegenregulation über Pressozeptoren bei einer Blutdrucksteigerung nicht auf. Es kommt sogar zu einer Bradykardie. Die schwache Wirkung an β2 führt nur zu einer geringen Erschlaffung der glatten Muskulatur im Darm und an den Bronchien. Auch der Blutzucker steigt aus diesem Grund nur wenig.

Adrenalin regelt in physiologischer Konzentration die Blutverteilung im Körper. Dabei senkt es die Durchblutung von Haut, Schleimhaut und Baucheingeweiden und erhöht die Durchblutung von Herz- und Skelettmuskulatur. Über Erregung von β1-Rezeptoren erhöht sich der systolische Blutdruck, jedoch sinkt der diastolische Blutdruck über eine Gefäßdilatation durch den Agonismus an β2. In hohen Dosen, wie sie unter intensivmedizinischen Bedingungen gegebenenfalls nötig werden, überwiegt die α-sympathomimetische (und damit vasokonstringierende) Komponente von Adrenalin. Sowohl der systolische als auch der diastolische Blutdruck steigen. Am Herz wirkt Adrenalin dann positiv inotrop und chronotrop, allerdings auch positiv bathmotrop, d. h. es kann zu Extrasystolen bis hin zum Kammerflimmern kommen. Die positiv inotrope und chronotrope Wirkung am Herzen ist auch mit einer Zunahme des Sauerstoffverbrauchs verbunden. Dieser kann schließlich zu Angina-pectoris-Anfällen führen. Die glatte Muskulatur des Darms und der Bronchien erschlaffen.

Ein besonderer Begriff in der Pharmakologie ist die sog. „Adrenalinumkehr“: Der eigentlich blutdrucksteigernde Effekt von Adrenalin kann durch eine Vorabgabe eines Alpha-Rezeptoren-Blockers zu einem blutdrucksenkenden Effekt umgewandelt werden. Durch die Alpha-Blockade entfällt der vasokonstringierende Effekt des Adrenalins und es bleibt nur die Gefäßdilatation über β2 übrig.

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Patientenhinweis

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Noradrenalin ist sehr empfindlich gegenüber Sauerstoff und Metallionen, besonders bei pH-Weten über 5. Es enthält daher Natriummetabisulfit als Antioxidans und ist darüber hinaus in den Ampullen mit Inertgas überlagert. Natriummetabisulfit kann zu Überempfindlichkeitsreaktionen insbesondere bei Asthmatikern führen. Dabei kann es zu Symptomen wie Erbrechen, Durchfall, keuchender Atmung bis hin zu einem Asthma-Anfall, Bewusstseinsstörungen und sogar Schock kommen.

Bei der Anwendung von Noradrenalin als Dopingmittel kann es zu einer Gefährdung der Gesundheit kommen.

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Dosierung

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Eine Stabilisierung des Blutdrucks erzielt man am besten durch intravenöse Infusion mittels Perfusor, da die Serumhalbwertszeit nur bei wenigen Minuten liegt. Hierfür werden z. B. 5 mg Noradrenalin-Lösung (entspechend 5 mg Noradrenalin) mit isotonischer Natriumchloridlösung oder 5 %iger Glucoselösung auf 50 ml Gesamtvolumen verdünnt. 1 ml dieser Lösung 1 : 10.000 entspricht 0,1 mg = 100 Mikrogramm Noradrenalin.
Zur Vermeidung ischämischer Nekrosen an Haut und Extremitäten muss der Zugang in einer ausreichend großen Vene (z. B. zentralvenöser Zugang) liegen.
Am Perfusor wird, abhängig von der aktuellen Kreislaufsituation, eine Laufgeschwindigkeit von 0,6 ml/Stunde (entsprechend 1 Mikrogramm/Minute) bis 12 ml/Stunde (entsprechend 20 Mikrogramm/Minute) eingestellt. Die Dosierung richtet sich nach der aktuellen hämodynamischen Situation des Patienten und beträgt im Allgemeinen 1–20 Mikrogramm/Minute bei einem erwachsenen Patienten. Abhängig von der klinischen Situation können individuell auch höhere Dosen notwendig sein.
Die Behandlungsdauer ist in der Regel kurz, kann aber bei Bedarf über mehrere Tage fortgesetzt werden. Eine fortlaufende Überwachung und genaue Kontrolle der Infusionsstelle sind zu gewährleisten.

Hinweis: Volumenmangel und Azidose vermindern die Wirkung von Noradrenalin und müssen so früh wie möglich behandelt werden.

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