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Pregabalin

     

Einteilung

Antiepileptika

GABA-Derivate

Wirkmechanismus

Antiepileptikum:
Blockade spannungsabhängiger Calciumkanäle

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Anwendung

Epilepsie

Pregabalin ist indiziert zur Behandlung von Erwachsenen mit fokalen Anfällen mit und ohne sekundäre Generalisierung.

Epilepsie ist der Oberbegriff für verschiedene chronische Krankheiten, die alle auf einer gesteigerten Erregbarkeit zentraler Neurone beruhen. Hierdurch wird die Krampfschwelle des Gehirns oder der betroffenen Hirnareale gesenkt. Dies kann sich sowohl in motorischen Symptomen wie tonischen und/oder klonischen Krämpfen, Zuckungen oder Stereotypien als auch in Bewusstseinsveränderungen bis hin zur Bewusstlosigkeit äußern.
Zu Beginn eines epileptischen Anfalls kommt es durch Schrittmacherzellen initiiert zu starken, synchronen Entladungen, sodass eine Dysbalance zwischen erregenden und hemmenden Prozessen im Hirn entsteht, welches sich über benachbarte Regionen fortsetzt und somit zum Anfall führt.
Die Ursachen für eine Epilepsie sind recht vielfältig. So kann eine Epilepsie Ausdruck einer morphologischen Veränderung des Gehirns (z. B. durch Tumoren, Traumata, Entzündungen) aber auch durch Mutationen von Ionenkanälen, welche eine Rolle in der Signalbildung der Neuronen spielen, verursacht sein.
Epilepsieformen werden folgendermaßen klassifiziert:

  • Fokale Anfälle: Hier wird die Übererregung der Neurone auf einen Bereich beschränkt, indem hemmende GABAerge Neurone die Ausbreitung verhindern. In manchen Fällen kann sich aber trotzdem die Erregung über verschiedene Wege auf die gesamte Hirnrinde ausbreiten, so dass ein sekundär generalisierter Anfall entsteht. Fokale Anfälle werden weiter unterteilt in einfache fokale Anfälle ohne Bewusstseinsverlust und komplexe fokale Anfälle mit Bewusstseinsverlust.
  • Generalisierte Anfälle: Weite Gebiete beider Hirnhälften werden durch die Übererregung der Neurone gleichzeitig erfasst. Generalisierte Anfälle werden weiter unterteilt in Grand-mal-Anfälle (Großer Anfall), die über mehrere Phasen mit tonisch-klonischen Krämpfen verlaufen, und Petit-mal-Anfälle. Letztere können sich wiederum auf verschiedene Art äußern, wie z. B. in Absencen, klonischen Anfällen (Zuckungen), tonischen Anfällen (Krämpfen) oder Blitz-Nick-Salaam-Anfällen.
  • Status epilepticus: Hierbei handelt es sich um einen schwerwiegenden medizinischen Notfall, welcher einer notfall/intensivmedizinischen Therapie bedarf. Der Status epilepticus zeichnet dadurch aus, dass es sich um einen ungewöhnlich langen (>5 Minuten) Grand-mal Anfall oder eine schnelle Aneinanderreihung mehrerer Grand-mal Anfälle handelt, in der der Patient das Bewusstsein nicht wiedererlangt.

Klar abzugrenzen ist diese chronische Erkrankung von sogenannten epileptiformen Gelegenheitsanfällen, welche unter Extremsituationen bei jedem Menschen auftreten können. Hierzu gehören Hypoglykämien, Hypoxien (z. B. zu Beginn eines Herz-Kreislaufstillstandes) oder im Rahmen eines Drogenentzuges.

Neuropathische Schmerzen

Schmerz ist eine Sinneswahrnehmung, welche für den Körper eine Schutzfunktion darstellt. Es wird dem Gehirn vermittelt, dass es an der schmerzenden Stelle zu einer Schädigung des Organismus gekommen ist. Prinzipiell lässt sich der Schmerz in Oberflächen-, Viszeral (Eingeweide)-, und Neuropathieschmerz unterteilen. Je nach Schmerzstärke werden Analgetika unterschiedlicher Wirkstärke verordnet mit dem Ziel, eine adäquate Analgesie zu erreichen und unter Umständen auch einer Chronifizierung des Schmerzes entgegenzutreten.

Im Rahmen eines Diabetes mellitus kann es bei schlechter Einstellung des Blutzuckers über die Schädigung der großen und kleinen Blutgefäße (Makro- und Mikroangiopathie) auch zu einer Schädigung der Nerven kommen (als Folge der Mikroangiopathie), wobei sowohl somatische als auch vegetative Neuronen betroffen seien können.
Die Zerstörung der somatischen Fasern betrifft vor allem solche, welche sehr lang und dünn sind. So betrifft die diabetische Neuropathie zunächst die Schmerzfasern und Temperaturfasern der unteren Extremitäten. Hier kann es neben Missempfindungen (fehlendes Vibrationsempfinden), reduziertem Schmerz- und Temperaturempfinden auch zu neuropathischen Schmerzen kommen.
Diese sprechen in der Regel schlecht auf klassische Analgetika an, lassen sich aber teilweise recht gut mit Co-Analgetika wie Antidepressiva aber auch Antikonvulsiva wie Carbamazepin therapieren.

Generalisierte Angststörungen

Unter einer generalisierten Angststörung versteht man einen pathologischen Zustand, bei dem der Patient in alltäglichen Situationen ohne tatsächliches Korrelat Angst hat (im Gegensatz zur Phobie). Die Ängste betreffen vor allem die eigene Gesundheit oder die des persönlichen Umfeldes, Finanz- oder Joblage oder gar Alltägliches. Im Extremfall dreht sich der ganze Alltag des Patienten um seine Ängste, was seine Lebensqualität massiv einschränkt.
Die Symptome der Angststörung äußern sich in kardiovaskulären Störungen, wie Herzrasen- und/oder Stechen, aber auch Schwindel, Konzentrationsschwäche, Muskelverspannungen oder Kopfschmerzen gehören zum klassischen Symptomkomplex.
Ursache können belastende Lebenssituationen gepaart mit einer seelischen Vulnerabilität sein.
Neben der pharmakologischen Therapie ist eine bedeutende Therapiemaßnahme die Psychotherapie.

Patientenhinweis

Einnahme zu oder zwischen den Mahlzeiten.
Tritt eine Schwangerschaft ein, soll sofort der Arzt konsultiert werden, um gegebenenfalls das Therapieschema zu ändern.
Absetzerscheinungen möglich. Ausschleichen!

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Dosierung

Täglich 150-600 mg peroral verteilt auf 2-3 Einzelgaben

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Nebenwirkungen

  Zentralnervöse und psychische Störungen

Es treten sehr häufig Ataxie (Störung der Bewegungskoordination), Benommenheit, Müdigkeit, Schläfrigkeit und Schwindel auf. Kopfschmerzen, Konzentrationssörungen und Parästhesien (Fehlempfindungen) werden häufig beobachtet. Zudem werden unwillkürliche Bewegungen beobachtet wie Tremor oder Ticks sowie Störungen der Augenmotorik (z. B. Doppeltsehen, verschwommenes Sehen, Gesichtsfeldausfälle).
Zusätzlich können psychische Veränderungen wie Euphorie, Verwirrtheit, Depression, Reizbarkeit, Nervosität, Halluzinationen, Stimmungsschwankungen und Denkstörungen häufig auftreten.
Auch wurde emotionale Labilität und in Verbindung damit über Suizidalität berichtet.
Aufgrund von Schwindel oder Benommenheit kann es besonders bei älteren Menschen vermehrt zu Verletzungen durch Stürze kommen.

  Störungen des Blutbildes

Gelegentlich tritt als Nebenwirkung Leukopenie, Thrombozytopenie, Anämie und Eosinophilie auf, selten außerdem Neutropenie.

Das Hämogramm (Blutbild) stellt die Menge der in einer Blutprobe vorhandenen Erythrozyten (rote Blutkörperchen), Leukozyten (weiße Blutkörperchen), Thrombozyten (Blutplättchen) und Retikulozyten (polymorphkernige Blutkörperchen) nebeneinander dar. Beim Differentialblutbild werden sowohl quantitative als auch qualitative Parameter, wie z. B. die Form, mit herangezogen. Neben pathologischen Veränderungen können Abweichungen von den Normwerten auch durch unerwünschte Arzneimittelwirkungen bedingt sein. Auftreten können u. a.:
  • Leukopenie: Die Gesamtzahl aller Leukozyten (Granulozyten, Lymphozyten, Monozyten) im Blut ist auf unter 5.000/mm³ reduziert.
  • Leukozytose: Die Gesamtzahl aller Leukozyten im Blut ist über 10.000/mm³ erhöht.
  • Granulozytopenie: Verminderung der Anzahl der Leukozyten, insbesondere der neutrophilen Granulozyten.
  • Agranulozytose (perniziöse Neutropenie): Verminderung der Anzahl der Leukozyten (Leukopenie), die Granulozyten können komplett fehlen. Auch die Blutplättchen und das Knochenmark können betroffen sein. Eine Agranulozytose kann sich innerhalb von Stunden ausbilden und geht üblicherweise mit grippeähnlichen Symptomen einher, bei deren Auftreten der Patient darüber aufgeklärt sein muss, dass umgehend eine ärztliche Konsultation erfolgen sollte. Es wird symptomatisch therapiert; Breitbandantibiotika und Granulozyten-Koloniestimulierende Faktoren, wie Filgrastim, werden häufig in der Therapie verabreicht.
  • Eosinophilie: Erhöhung der Anzahl der eosinophilen Granulozyten im Blut. Bei allergischen Reaktionen wie dem Arzneimittelexanthem tritt dies zum Beispiel auf.
  • Thrombozytopenie: Verminderung der Anzahl der Thrombozyten unter 150.000/mm³. Durch den Mangel an Thrombozyten ist die Blutgerinnung gestört und es treten vermehrt Hämatome oder Blutungen auf.
  • Aplastische Anämie: Die Gesamtzahl aller Zellen im Blut ist reduziert (Panzytopenie). Ursache ist eine gestörte Stammzellreifung im Knochenmark.
Grundsätzlich stellen Blutbildveränderungen ernste bis lebensbedrohliche unerwünschte Wirkungen dar, die einer weitergehenden ärztlichen Abklärung bzw. Behandlung bedürfen.

  Tachykardie

  Hypoglykämie

Werden Diabetiker mit der Substanz behandelt, sollte die antidiabetische Therapie kontrolliert und ggf. angepasst werden.

  Nieren- und Blasenfunktionsstörungen

Gelegentlich kommt es zu Harninkontinenz und Dysurie. Selten tritt ein Nierenversagen auf.

  Exanthem, Urtikaria, vermehrtes Schwitzen

  Gewichtszunahme, Ödeme

Durch gesteigerten Appetit kommt es oft zur Gewichtszunahme. Grund können aber auch Ödeme sein, die an den Extremitäten und auch am ganzen Körper auftreten können.

  Erbrechen, Mundtrockenheit, Obstipation, Flatulenz

  Libodostörungen

Häufig kommt es zum Verlust der Libido und Erektionsstörungen, gelegentlich auch zu einer Unfähigkeit einen Orgasmus zu erreichen. Allerdings besteht gelegentlich auch die Möglichkeit einer gesteigerten Libido.

  Entzugssymptome

Nach Absetzen der Therapie können Entzugssymptome auftreten. Dazu gehören Schlafstörungen, Kopfschmerzen, gastrointestinale Störungen, Nervosität, Depressionen und Schmerzen. Die Ausprägung dieser Symptome ist individuell sehr unterschiedlich.

Kontraindikationen

Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren

Schwangerschaft und Stillzeit

Die Substanz ist in der Schwangerschaft kontraindiziert, da keine ausreichenden Daten zur Anwendung beim Menschen vorliegen.
In Tierversuchen haben sich embryotoxische/teratogene Wirkungen gezeigt.

Von der Substanz ist nicht bekannt, ob sie in die Muttermilch übergeht.

Wechselwirkungen

  Zentral dämpfende Arzneimittel z. B. Lorazepam

Zu Lorazepam wechseln

  Oxycodon

Oxycodon ruft kognitive und grobmotorische Beeinträchtigungen hervor. Diese unerwünschten Wirkungen können bei gleichzeitiger Anwendung verstärkt werden.

Oxycodon anzeigen

  Alkohol

Strukturformel

Strukturformel

ratiopharm

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Hilfe Impressum

Wirkmechanismus

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Obwohl Pregabalin wie Gabapentin starke Ähnlichkeit mit dem inhibitorisch wirksamen Neurotransmitter GABA hat, ist seit einiger Zeit deutlich geworden, dass der antikonvulsive als auch analgetische Effekt von Gabapentin nicht auf eine Beeinflussung des GABAergen Systems zurückzuführen ist.
Vielmehr konnte gezeigt werden, dass der Effekt durch eine Hemmung spannungsabhängiger Calciumkanäle vom L-Typ zustande kommt.
Dabei handelt es sich um präsynaptische Calciumkanäle glutamaterger Neurone, also solcher die exzitatorisch (erregend) wirken.
Dadurch, dass in diesen Neuronen bei Depolarisation der Einstrom von Calcium durch Gabapentin verhindert wird, kommt es zu einer Hemmung der Transmitterausschüttung durch Hemmung der Exozytose. Damit können nachfolgende Neuronen nicht mehr durch das jetzt fehlende Glutamat erregt werden.

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Patientenhinweis

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Beim plötzlichen Absetzen nach Kurzzeit- oder Langzeittherapie sind Absetzerscheinungen wie Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Übelkeit, Depressionen, Benommenheit vorgekommen. Das Präparat sollte über mindestens 1 Woche unabhängig von der Indikation ausgeschlichen werden.

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Dosierung

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Die Dosierung richtet sich nach Art und Schwere der Erkrankung sowie nach Alter und Zustand des Patienten. Allgemein sollte einschleichend dosiert werden.

Indikation Epilepsie:
Die Behandlung wird mit 150 mg täglich begonnen. Je nach individuellem Ansprechen kann die Dosis nach einer Woche auf 300 mg täglich und nach einer weiteren Woche auf maximal 600 mg täglich angehoben werden.
Indikation neuropathische Schmerzen:
Die Behandlung wird mit 150 mg täglich begonnen. Je nach individuellem Ansprechen kann die Dosis nach 3-7 Tagen auf 300 mg täglich und nach weiteren 7 Tagen auf maximal 600 mg täglich angehoben werden.
Indikation generalisierte Angststörungen:
Die Behandlung wird mit 150 mg täglich begonnen. Je nach individuellem Ansprechen kann die Dosis nach einer Woche auf 300 mg täglich und nach einer weiteren Woche auf 450 mg täglich angehoben werden. Sofern erforderlich, kann nach weiteren 7 Tagen mit maximal 600 mg täglich therapiert werden. Es sollte regelmäßig geprüft werden, ob die Therapie mit Pregabalin noch notwendig ist.

Wird die Therapie beendet, muss zur Vermeidung von Entzugssymptomen ausschleichend über mindestens eine Woche dosiert werden.

Da Pregabalin unverändert vorrangig renal eliminiert wird, ist bei Patienten mit Nierenfunktionsstörung eine Dosisanpassung erforderlich.

So erhalten Patienten
  • mit mittlerer Nierenfunktionsstörung maximal 300 mg,
  • mit schwerer Nierenfunktionsstörung maximal 75-150 mg Pregabalin,
  • Dialysepatienten 4 Stunden nach der Dialyse eine zusätzliche Dosis von 25 mg Pregabalin.

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