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Ranitidin

 

Einteilung

Magen-Darmmittel / Laxantia

H2-Antagonisten

Wirkmechanismus

H2-Rezeptoren-Blocker: Hemmung der stimulierenden Wirkung des Histamins an den säureproduzierenden Belegzellen der Magenschleimhaut

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Anwendung

Sodbrennen

Sodbrennen beschreibt ein brennendes Gefühl hinter dem Brustbein. Dabei kommt es zum Zurückfließen von Mageninhalt in die Speiseröhre. Physiologischerweise wird ein Reflux durch den unteren Ösophagussphinkter verhindert, der den Magen gegenüber der Speiseröhre verschließt. Wird der Tonus dieses Sphinkters gesenkt, z. B. durch Alkohol, Nikotin, Anticholinergika oder Calciumantagonisten, kann Mageninhalt zurückfließen und Sodbrennen verursachen. Auch eine Erhöhung des intraabdominellen Drucks durch Adipositas, zu enge Gürtel oder Hosen erleichtern einen Reflux von Mageninhalt. Eine weitere Ursache ist die Hiatushernie, bei der durch einen Bruch im Zwerchfell Magenanteile in den Brustkorb übertreten können und der dort herrschende Unterdruck einen Reflux auslöst. Mögliche  Auslöser sollten hinterfragt und unbedingt gemieden werden.

Bei gelegentlichem Sodbrennen können Antazida wie z. B. Hydrotalcit oder H2-Antihistaminika wie z. B. Ranitidin gegeben werden. Mittlerweile sind auch etablierte Protonenpumpenhemmer wie z. B. Pantoprazol als freiverkäufliches Arzneimittel für diese Indikation zugelassen. Bei länger anhaltenden und/oder in häufigeren Abständen wiederkehrenden Beschwerden sollte von einem Arzt eine schwerwiegendere Erkrankung wie z. B. die gastroösophageale Refluxkrankheit mit dem Leitsymptom Sodbrennen, ein peptisches Ulkus mit/ohne Helicobacter pylori oder auch eine maligne Erkrankung ausgeschlossen werden, so dass eine Selbstmedikation nicht länger als 14 Tage durchgeführt werden sollte.

Ulcus ventriculi oder duodeni

Das Ulcus duodeni und das Ulcus ventriculi umschreiben jeweils ein Geschwür des Zwölffingerdarms bzw. des Magens. Definitionsgemäß geht im Gegensatz zur Erosion der Schleimhautdefekt bei einem Ulkus über die sog. Lamina muscularis mucosae hinaus, so dass eine nachfolgende Abheilung immer narbig erfolgt. Beide Ulzera gehören zur gastroduodenalen Ulkuskrankheit. Das Duodenalulkus ist etwa drei- bis viermal häufiger als das Magenulkus. Etwa 10 % der Bevölkerung entwickeln in ihrem Leben einmal ein Ulkus. Die Zahl der jährlichen Neuerkrankungen liegt bei 0,1-0,2 %. Die Ursachen sind vielschichtig. Der häufigste Auslöser ist jedoch die Besiedelung der Magenschleimhaut mit Helicobacter pylori (ca. 80 % bei Magenulzera, über 90 % bei Duodenalulzera). Ein weiterer wichtiger Faktor ist die längerfristige Einnahme von NSAIDs wie Acetylsalicylsäure, Diclofenac oder Ibuprofen. Sie hemmen die Synthese von Prostaglandin in der Magenschleimhaut, das die Sekretion von Magensäure aus den Belegzellen mindert und die Durchblutung der Magenschleimhaut fördert. Unter der Einnahme von NSAIDs erhöht sich das Risiko etwa um das 5-fache, kommt zusätzlich die Einnahme von Glucocorticoiden hinzu, erhöht es sich sogar um das 15-fache. Seltenere Ursachen sind Noxen wie Alkohol und Nikotin, ein Hyperparathyreoidismus und das Zollinger-Ellison-Syndrom, das zu multiplen, ungewöhnlich lokalisierten Ulzera führt. Auch Minderdurchblutungen im Magen-Darm-Trakt z. B. im Rahmen einer Leberzirrhose begünstigen das Auftreten gastroduodenaler Ulzera. Allgemein kann man festhalten, dass bei der Entstehung eines Ulkus immer ein Missverhältnis von schleimhautschützenden Faktoren wie Bicarbonat, Prostaglandinen, Magenschleim und guter Durchblutung auf der einen Seite und schleimhautangreifenden Faktoren wie Magensäure, Proteasen, Gastrin, cholinergen Reizen, Gallensäuren und entzündlichen Reaktionen auf der anderen Seite vorliegt.

Völlig symptomlose Verläufe sind möglich. Ansonsten sind die Symptome bei einer Ulkuserkrankung recht unspezifisch. Häufig geben Patienten Schmerzen im oberen Bauchbereich, Übelkeit und Erbrechen an, wobei die Schmerzen beim Ulcus duodeni typischerweise nachts und nüchtern auftreten und sich nach Nahrungsaufnahme bessern. Dieser Umstand ist dadurch zu erklären, dass der Pylorus (= Pförtner, Magenausgang) nüchtern offen ist und sich nach Nahrungsaufnahme vorläufig schließt und die Magensäure nach dem Schließen des Pylorus nicht mehr ein duodenales Ulkus angreifen kann. Hingegen ist der Schmerz bei einem Ulcus ventriculi eher nahrungsunabhängig. Weitere Symptome können Appetitlosigkeit, Völlegefühl, häufiges Aufstoßen und Gewichtsverlust sein. Gefürchtet sind die Komplikationen bei einem Ulkus. Zum einen kann der tiefe Schleimhautdefekt am Ulkusgrund ein dort verlaufendes Gefäß arrodieren (angreifen) und eine sog. „obere gastrointestinale Blutung“ auslösen. Da das Blut in den Magen-Darm-Trakt abfließt und somit der limitierende Effekt einer Tamponade ausbleibt, kann man in kurzer Zeit große Blutmengen verlieren. Ein blutendes Ulkus ist somit potentiell lebensbedrohlich. Deutliche Blutverluste erkennt man an einer schwarzglänzenden Färbung des Stuhls (Meläna). Dabei wurde das Hämoglobin durch Magensäure zu Hämatin abgebaut. Chronische Blutverluste durch Sickerblutungen führen zu einer Anämie mit den entsprechenden Begleitsymptomen wie z. B. Blässe, Müdigkeit und Tachykardie. Eine weitere potentiell lebensbedrohliche Komplikation ist die Perforation eines Ulkus (Durchbruch durch die gesamte Schleimhautwand). Die Perforation erfolgt in die freie Bauchhöhle. Die austretende Magensäure inklusive Nahrungsbestandteilen verursacht dort eine Peritonitis (Bauchfellentzündung). Ein Ulkus duodeni kann auch in das Pankreas (Bauchspeicheldrüse) durchbrechen. Schließlich kann es nach der stets narbigen Abheilung eines Ulkus zu Stenosen kommen, die Beschwerden machen. Ein sich daraus entwickelnder sog. Sanduhrmagen oder eine Pylorusstenose erschweren den Transport des Nahrungsbreis und machen eine chirurgische Intervention notwendig.

Die wichtigste Untersuchung ist nach entsprechender Anamnese die gastroduodenale Endoskopie. Die Untersuchung wird ambulant unter Sedierung und gegebenenfalls unter Narkose durchgeführt. Ulzera können hier sicher diagnostiziert sowie Lage und Größe beurteilt werden. Eine bestehende Blutung kann dabei akut versorgt werden. Atypisch lokalisierte Ulzera und Ulzera im Magen (cave Magenkarzinom) müssen immer mittels Gewebeproben auf eine Malignität hin überprüft werden. Aus den Gewebeproben kann auch histologisch auf das Vorhandensein von Helicobacter pylori getestet werden.

Auch wenn ein Ulkus nach Wochen von allein narbig abheilt, muss nach gesicherter endoskopischer Diagnose wegen der möglichen gefährlichen Komplikationen immer eine Therapie erfolgen. Mittel der Wahl sind heute Protonenpumpenhemmer wie z. B. Pantoprazol für 4 Wochen. Bei Unverträglichkeit kann man auf die weniger stark säureblockenden H2-Antihistaminika wie z. B. Ranitidin ausweichen. Eine bestehende Therapie mit NSAIDs und/oder Glucocorticoiden muss hinterfragt werden. Wurde Helicobacter pylori nachgewiesen, muss eine entsprechende Eradikationstherapie eingeleitet werden, die neben Protonenpumpenhemmern auch eine geeignete Antibiotika-Kombination wie z. B. Amoxicillin und Clarithromycin umfasst. Der Erfolg einer Eradikation von Helicobacter pylori sollte zwei Monate nach Behandlung durch eine erneute Endoskopie überprüft werden.

Zollinger-Ellison-Syndrom

Das Zollinger-Ellison-Syndrom beschreibt ein Krankheitsbild, bei dem es durch eine Überproduktion von Gastrin zur übermäßigen Magensäuresekretion und daraus folgend zu multiplen Ulzera im Magen-Darm-Trakt kommt. Ursache ist ein gastrinproduzierender Tumor (Gastrinom), der im endokrinen Pankreas (Bauchspeicheldrüse) oder im Duodenum (Zwölffingerdarm) liegt. In jeweils etwa der Hälfte der Fälle ist er gutartig oder aber maligne, was einen erheblichen Einfluss auf die jeweilige Prognose der Erkrankung hat. Als maligner Tumor gehören sie zu den sog. multiplen endokrinen Neoplasien (=MEN-Syndrom). Die Ulzerationen kommen besonders im Magen und Duodenum vor. Im Gegensatz zur Ulkuskrankheit finden sich die Ulzera auch an sonst eher atypischen Stellen wie z. B. am Ende des Duodenums oder am Beginn des Jejunum (oberer Dünndarm).

Die Symptome gleichen anfangs der Ulkuskrankheit. Epigastrische Schmerzen können, müssen aber nicht auftreten. Weiterhin können Völlegefühl, Übelkeit, Erbrechen, Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust vorkommen. Beim Zollinger-Ellison-Syndrom können auch Zeichen einer pankreatischen Insuffizienz wie Diarrhoe und Steatorrhoe (Fettstuhl) hinzukommen. Eine deutlich häufigere Komplikation als bei der normalen Ulkuskrankheit ist die obere gastrointestinale Blutung aus einem Ulkus, die mit Hämatemesis (Bluterbrechen) einhergehen kann. Diese Komplikation ist potentiell lebensbedrohlich und erfordert intensivmedizinische Maßnahmen mit sofortiger gastroskopischer Intervention. Auch diagnostisch ist eine Gastroskopie (Magenspiegelung) wegweisend. Das Vorliegen gleich mehrerer Ulzera ist immer verdächtig und sollte eine weiterführende Diagnostik nach sich ziehen. Der Gastrinspiegel im Blut sollte bestimmt werden (auffällig bei >1000 pg/l nüchtern). Im Sektretintest werden die Gastrinspiegel nach IV-Gabe von Sekretin in bestimmten Zeitabständen geprüft. Zur Lokalisation des vermuteten Tumors bzw. dessen Metastasen werden ein CT des Abdomens und eine Somatostatin-Rezeptor-Szintigraphie, ein radiologisches Verfahren, durchgeführt.

Eine kurative Therapie durch chirurgische Entfernung ist möglich, wenn der Tumor gutartig bzw. noch keine Metastasen in Lymphknoten und Leber gesetzt hat. Dennoch können immer wieder Rezidive auftreten. Bei der symptomatischen Therapie mit Arzneimitteln steht die Blockade der Magensäureproduktion mittels Protonenpumpenhemmern wie z. B. Omeprazol und die Senkung der Gastrinproduktion mit Octreotid, einem Analogon des Somatostatins, zur Verfügung. Die symptomatische Therapie kann das Vorkommen von Ulzera deutlich senken und hat die Lebensqualität der Patienten deutlich verbessert. Die Prognose hängt wesentlich von der Malignität und bereits bestehender Metastasen ab. Dabei sind sowohl chronische Verläufe über Jahrzehnte als auch aggressive Verläufe mit nur noch kurzer Lebenserwartung möglich.

Gastroösophageale Refluxkrankheit (GERD)

Die gastroösophageale Refluxkrankheit (gastroesophageal reflux disease, GERD) beschreibt ein Krankheitsbild, bei dem der Reflux (Zurückfließen) von Mageninhalt in den Ösophagus (Speiseröhre) störende Symptome und/oder Komplikationen verursacht. Der Reflux kann dabei sauer oder schwach sauer, aber auch basisch sein. Diese Definition geht auf die derzeit gültige Montreal Klassifikation zurück und fasst symptomatische und asymptomatische Patienten mit durchaus unterschiedlichen Krankheitsbildern zusammen. Dazu gehören
  • die erosive Refluxösophagitis (erosive reflux disease, ERD),
  • die nicht-erosive Refluxösophagitis (non-erosive reflux disease, NERD),
  • Patienten mit Komplikationen der gastroösophagealen Refluxkrankheit wie z. B. Stenosen,
  • Patienten mit hypersensitivem Ösophagus, bei denen die Refluxereignisse objektiv der Norm entsprechen, aber subjektiv als Sodbrennen empfunden werden,
  • Patienten mit funktionellen Refluxbeschwerden ohne erkennbaren Zusammenhang,
  • Patienten mit Barrett-Ösophagus, eine im Rahmen des GERD als Komplikation stattfindende Metaplasie des mehrschichtigen Plattenepithels in Zylinderepithel, die eine Präkanzerose für ein Adenokarzinom ist.

Die Prävalenz der gastroösophagealen Refluxkrankheit beträgt in westlichen Industrienationen etwa 15 % mit zunehmender Inzidenz.
Normalerweise wird ein ösophagealer Reflux durch den relativ hohen Ruhetonus des unteren Ösophagus-Sphinkter (Schließmuskel, 18-24 mmHg) verhindert. Weiterhin liegt der untere Teil des Ösophagus unter dem Zwerchfell im Bauchraum, so dass dort die gleichen Druckverhältnisse wie im Bauchraum bestehen. Auch der relativ spitze Winkel, in dem der Ösophagus in den Magen mündet, wirkt einem Reflux entgegen. Verschiedene Ursachen können allerdings zu einem Reflux führen. Große Mahlzeiten vor dem Schlafengehen oder das Tragen von zu engen Hosen oder engen Gürteln, die den intraabdominellen Druck (Druck im Bauchraum) erhöhen, gehören zu den vermeidbaren Ursachen. Eine weitere Ursache ist die Hiatushernie, bei der durch einen Bruch im Zwerchfell Magenanteile in den Brustkorb übertreten können und der dort herrschende Unterdruck einen Reflux erleichtert. Weiterhin sollte bei nachgewiesener Diagnose einer gastroösophagealen Refluxkrankheit auch an eine Infektion mit Helicobacter pylori gedacht werden. Wichtig sind aber auch bestimmte Substanzen, die den Tonus des unteren Ösophagus-Sphinkter senken. Hier sind insbesondere Alkohol und Nikotin zu nennen, aber auch Arzneistoffe wie Anticholinergika, Calciumantagonisten und Nitrate oder Nahrungsbestandteile wie Triglyceride und Fettsäuren.

Leitsymptom bei der gastroösophagealen Refluxkrankheit ist das Sodbrennen, ein brennendes Gefühl hinter dem Brustbein. Patienten schildern Refluxsymptome häufig auch als ein Brennen im Rachen, ein saures oder nicht-saures Aufstoßen oder einen Reflux von Mageninhalt, was von ihnen manchmal als „Erbrechen“ gewertet wird. Daneben kann eine Dysphagie (Schluckerschwernis) auftreten. Auch retrosternale Schmerzen (Schmerzen hinter dem Brustbein) werden oft genannt. Die Refluxkrankheit ist die häufigste Ursache für den nicht-herzbedingten Brustschmerz (noncardiac chestpain, NCCP). Sie sind von ischämisch bedingten Herzschmerzen nicht zu unterscheiden und müssen dann gegebenenfalls kardiologisch abgeklärt werden. Extraösophageale Manifestationen betreffen häufig die Atemwege. Reizhusten, morgendliches Räuspern, Heiserkeit und sogar Asthmaanfälle können dabei vorkommen. Als Komplikation kann es zu Blutungen aus den Erosionen kommen. Bei entsprechend chronischem Verlauf kann sich daraus eine Anämie entwickeln. Weiterhin kann es zu einer Refluxösophagitis (Entzündung der Speiseröhre), Stenosen der Speiseröhre und bei langen chronischen Verläufen zum o. g. Barrett-Ösophagus als Präkanzerose kommen.

Bei der Diagnostik steht zunächst die ausführliche Anamnese im Vordergrund. Wird aufgrund typischer Refluxsymptome, die mindestens ein- bis zweimal Woche auftreten müssen, eine gastroösophageale Refluxkrankheit angenommen und es liegen keine Alarmsymptome wie z. B. Blutung, Anämie, deutliche Schluckbeschwerden oder deutliche Gewichtsabnahme vor, kann bei Erwachsenen zunächst eine empirische Therapie mit einem Protonenpumpenhemmer (z. B. Omeprazol) ohne weitere Diagnostik erfolgen. Bei unklarer Symptomatik bzw. o. a. Alarmsymptomen sollte eine weitere Diagnostik mittels gastroösophagealer Endoskopie und pH-Metrie erfolgen. Bei der Endoskopie können Veränderungen an der Ösophagus-Schleimhaut erkannt und nach Schweregrad aufsteigend in die Stadien A-D (Los-Angeles-Klassifikation) eingeteilt werden. Weiterhin können Gewebeproben zum Ausschluss eines Barrett-Ösophagus entnommen und eine eventuelle Insuffizienz des unteren Ösophagus-Sphinkters festgestellt werden.

Erkennbare Auslöser einer Reflux Symptomatik sollten in jedem Fall gemieden werden. Die Therapie erfolgt in jedem Stadium mit Protonenpumpenhemmer wie z. B. Omeprazol. Eine Therapie mit Antacida wie z. B. Hydrotalcit oder H2-Antihistaminika wie z. B. Ranitidin sollte nur bei gelegentlichem Sodbrennen oder säurebedingten Magenbeschwerden erfolgen. In späteren Stadien mit zirkulär konfluierenden Läsionen und bei Komplikationen wie Stenosen oder einem Barrett-Ösophagus müssen chirurgische Interventionen in Betracht gezogen werden. Bei schwerer Insuffizienz des unteren Ösophagus-Sphinkters erfolgt die Anlage einer Fundusmanschette, bei der der Magenfundus (ein Abschnitt des oberen Magens) um den unteren Ösophagus gelegt wird.

Patientenhinweis

Patienten in der Selbstmedikation sollten bei anhaltenden Beschwerden den Arzt aufsuchen, das gilt insbesondere bei Ulcera in der Vorgeschichte und unbeabsichtigtem Gewichtsverlust.

Dosierung

Erwachsene und Jugendliche ab 16 Jahren bei Sodbrennen:
1-2 Tabletten zu 75 mg (bei einer Tablette abendliche Einnahme)

Erwachsene und Jugendliche ab 12 Jahren bei Ulkusleiden oder GERD:
1 x 300 mg/d abends oder 2 x 150 mg/d peroral

Erwachsene und Jugendliche ab 12 Jahren bei Zollinger-Ellison-Syndrom:
Initial 3 x 150 mg, danach Dosissteigerung gemäß ärztl. Anweisung

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Nebenwirkungen

  Kopfschmerzen, Müdigkeit

  Diarrhoe, Obstipation, Übelkeit

  Störungen des Blutbildes

Selten können nach der Gabe von Famotidin oder Ranitidin Agranulozytose, Leukopenie, Thrombozytopenie und Panzytopenie (= Leukozytopenie + Anämie + Thrombozytopenie) auftreten.

Das Hämogramm (Blutbild) stellt die Menge der in einer Blutprobe vorhandenen Erythrozyten (rote Blutkörperchen), Leukozyten (weiße Blutkörperchen), Thrombozyten (Blutplättchen) und Retikulozyten (polymorphkernige Blutkörperchen) nebeneinander dar. Beim Differentialblutbild werden sowohl quantitative als auch qualitative Parameter, wie z. B. die Form, mit herangezogen. Neben pathologischen Veränderungen können Abweichungen von den Normwerten auch durch unerwünschte Arzneimittelwirkungen bedingt sein. Auftreten können u. a.:
  • Leukopenie: Die Gesamtzahl aller Leukozyten (Granulozyten, Lymphozyten, Monozyten) im Blut ist auf unter 5.000/mm³ reduziert.
  • Leukozytose: Die Gesamtzahl aller Leukozyten im Blut ist über 10.000/mm³ erhöht.
  • Granulozytopenie: Verminderung der Anzahl der Leukozyten, insbesondere der neutrophilen Granulozyten.
  • Agranulozytose (perniziöse Neutropenie): Verminderung der Anzahl der Leukozyten (Leukopenie), die Granulozyten können komplett fehlen. Auch die Blutplättchen und das Knochenmark können betroffen sein. Eine Agranulozytose kann sich innerhalb von Stunden ausbilden und geht üblicherweise mit grippeähnlichen Symptomen einher, bei deren Auftreten der Patient darüber aufgeklärt sein muss, dass umgehend eine ärztliche Konsultation erfolgen sollte. Es wird symptomatisch therapiert; Breitbandantibiotika und Granulozyten-Koloniestimulierende Faktoren, wie Filgrastim, werden häufig in der Therapie verabreicht.
  • Eosinophilie: Erhöhung der Anzahl der eosinophilen Granulozyten im Blut. Bei allergischen Reaktionen wie dem Arzneimittelexanthem tritt dies zum Beispiel auf.
  • Thrombozytopenie: Verminderung der Anzahl der Thrombozyten unter 150.000/mm³. Durch den Mangel an Thrombozyten ist die Blutgerinnung gestört und es treten vermehrt Hämatome oder Blutungen auf.
  • Aplastische Anämie: Die Gesamtzahl aller Zellen im Blut ist reduziert (Panzytopenie). Ursache ist eine gestörte Stammzellreifung im Knochenmark.
Grundsätzlich stellen Blutbildveränderungen ernste bis lebensbedrohliche unerwünschte Wirkungen dar, die einer weitergehenden ärztlichen Abklärung bzw. Behandlung bedürfen.

  Hautausschlag

  Stevens-Johnson-Syndrom

Beim Stevens-Johnson-Syndrom, auch Erythema exsudativum multiforme majus genannt, handelt es sich um eine allergische Hautreaktion auf die Arzneimitteltherapie, die mit starken Allgemeinbeschwerden, schmerzhafter Bläschenbildung an Mund und Genitalschleimhaut einhergeht. Therapiert wird mit Corticoiden.

Kontraindikationen

Schwangerschaft und Stillzeit

Die Substanz sollte nur nach strenger Indikationsstellung in der Schwangerschaft appliziert werden, da keine ausreichenden Daten zur Anwendung beim Menschen vorliegen.
Tierversuche erbrachten weder embryotoxische noch teratogene Wirkungen.

Die Substanz geht in die Muttermilch über. Eine Schädigung des Säuglings wurde bisher nicht beobachtet.

Wechselwirkungen

  Arzneimittel mit pH-abhängiger Resorption

Wegen des höheren pH-Wertes im Magen ist die Absorption möglicherweise verändert. Azol-Antimykotika und Vitamin B12 werden beispielsweise verringert resorbiert, Digoxin dagegen verstärkt.
Weiterhin besteht die Gefahr, dass bei Retardzubereitungen (z. B. Medikinet) der gesamte Wirkstoff rasch freigesetzt wird.

Strukturformel

Strukturformel

ratiopharm

SimpleSoft
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Wirkmechanismus

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Belegzellen oder Parietalzellen der Magenschleimhaut besitzen Rezeptoren für verschiedene Botenstoffe, so z. B. für Histamin, Acetylcholin, Gastrin und Prostaglandine. Die drei erstgenannten stimulieren über eine cAMP-vermittelte Reaktion die Ausschüttung von Protonen in den Magenraum. Dabei handelt es sich bei den H2-Rezeptoren um Gs-gekoppelte Rezeptoren. Das Histamin stammt aus den enterochromaffinen Zellen (= ECL = enterochromaffin like) und Mastzellen.

H2-Antagonisten blockieren kompetitiv, selektiv und reversibel den H2-Histaminrezeptor der Belegzellen und verhindern so die stimulierende Wirkung des Histamins. Hierdurch werden weniger Protonen ausgeschüttet und der pH-Wert im Magen steigt an. Die basale, vorwiegend nachts ablaufende Säuresekretion wird zu 90 %, die durch Nahrung, etc. stimulierte Säuresekretion zu etwa 50 % gehemmt. Daraus ergibt sich einerseits, dass H2-Antagonisten abends gegeben werden, wo sie in der Hemmung der basalen Säuresekretion den Protonenpumpenhemmern (PPI´s) überlegen sind, andererseits, dass sie bei der stimulierten Säuresekretion nicht so effektiv wirksam sind wie PPI´s. Weiterhin zeigt dies, dass ein kombinierter Einsatz von PPI´s und H2-Antihistaminika durchaus sinnvoll sein kann.

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Patientenhinweis

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Dosierung

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Die Dosierung richtet sich nach Art und Schwere der Erkrankung. Die Einnahme kann unabhängig von den Mahlzeiten erfolgen. Für Patienten, die nicht zur peroralen Aufnahme fähig sind, stehen Injektionszubereitungen zur Verfügung.

Bei Sodbrennen sind im Allgemeinen 75-150 mg täglich ausreichend. Die Maximaldosis beträgt 4 x 75 mg/d. Sollten die Symptome weiter bestehen, sich verschlimmern oder 14 Tage andauern, muss ein Arzt konsultiert werden.
Die Behandlungsdauer bei einem Ulkus liegt bei 4-8 Wochen. Eine kürzere Behandlungsdauer ist nach endoskopischer Kontrolle möglich. Auch eine prophylaktische Weiterbehandlung mit 1 x 150 mg Ranitidin/d bei Patienten mit Rezidivneigung kann für bis zu 12 Monaten erwogen werden.
Bei der GERD wird Ranitidin bei Komplikationen wie z.B. der Refluxösophagitis eingesetzt. Die Behandlung wird bei einer Tagesdosis von Tagesdosis von 300 mg Ranitidin für 8-12 Wochen durchgeführt.
Beim Zollinger-Ellison Syndrom wird die Dosis so lange gesteigert, bis die Säuresekretion im Magen ausreichend gesenkt ist. Die Tageshöchstdosis beträgt dabei 6000 mg Ranitidin. Reicht diese Dosis nicht aus, muss eine alternative Therapie zur Regulierung der Säuresekretion erwogen werden.
Bei Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion wird eine Dosisreduktion empfohlen. Ranitidin ist dialysierbar. Bei dialysepflichtigen Patienten wird generell eine Dosis von 150 mg Ranitidin empfohlen.
Bei Magen-Darm-Ulcera werden zur Unterstützung der Abheilung täglich 300 mg eingenommen, die Maximaldosis beträgt hier 600 mg. Die Ulcera heilen so meist innerhalb von etwa 4 Wochen ab. Bei Patienten mit Rezidivneigung kann dann die Therapie mit 150 mg täglich fortgesetzt werden.
Die Einnahme ist von den Mahlzeiten unabhängig.
Für Patienten, die nicht zur peroralen Aufnahme fähig sind, stehen Injektionszubereitungen zur Verfügung.


Kinder
Die Behandlung der gastroösophagealen Refluxerkrankung bei Kindern von 3-11 Jahren und >30 kg KG ist mit Ranitidin möglich. Die orale Dosis beträgt dabei 5-10 mg Ranitidin/kg KG, aufgeteilt auf 2 Dosen. Die maximale Tagesdosis beträgt 600 mg Ranitidin.
Die Behandlung eines Magen- oder Duodenalulkus bei Kindern von 3-11 Jahren und >30 kg KG ist mit Ranitidin möglich. Die orale Dosis beträgt dabei 4-8 mg Ranitidin/kg KG, aufgeteilt auf 2 Dosen. Die maximale Tagesdosis beträgt 300 mg Ranitidin.

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