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Tiaprid

     

Einteilung

Psychopharmaka

Neuroleptika

Wirkmechanismus

Atypisches Neuroleptikum aus der Gruppe der Benzamide:
Dopamin-D2/D3-Rezeptor-Antagonist

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Anwendung

Neuroleptika-induzierte Spätdyskinesien

Spätdyskinesien treten typischer Weise nach längerfristiger Neuroleptikaeinnahme auf. Sie äußern sich in der Parkinsonschen Erkrankung ähnlichen Symptomen wie Ruhetremor, ungelenken, überschießenden Bewegungen oder verringerten, stockenden Bewegungen und Krämpfen.
Diese Symptome entstehen dadurch, dass die gegen psychotische Erkrankungen eingesetzten Neuroleptika häufig als Dopaminantagonisten wirken und so die ebenfalls zum Teil über Dopamin regulierte Motorik negativ beeinflussen. Tiaprid zeigt an Rezeptoren, die vorher für Dopamin sensibilisiert wurden, eine besonders hohe Wirksamkeit. Dieser Umstand wird für die antidyskinetischen Eigenschaften verantwortlich gemacht.

Hyperkinetische Bewegungsstörungen bei Chorea Huntington

Chorea Huntington ist eine erbliche Stoffwechselerkrankung, die in Ihrem Verlauf typischer Weise eine Phase mit Bewegungsunruhe der Arme und Beine aufweist. Im Gegensatz zum Morbis Parkinson handelt es sich hierbei um eine Erkrankung die mit einem Funktionsverlust hemmender Gaba-erger Neurone einhergeht, wodurch es zu unwillkürlichen Bewegungen der Extremitäten und der Gesichtsmuskulatur (Grimassenschneiden), Schluckbeschwerden und Sprechstörungen bei verringertem Muskeltonus kommt.
Im späteren Verlauf der Erkrankung zeigen sich Bewegungsarmut und erhöhter Muskeltonus in krampfähnlichen Zuständen.

Patientenhinweis

Fahrtüchtigkeit und Reaktionsvermögen können eingeschränkt sein.
Auf den Konsum von Alkohol sollte verzichtet werden.

Dosierung

Neuroleptika-induzierte Spätdyskinesien:
300-600 mg peroral, i.m. oder i.v. verteilt auf 3 Einzeldosen

Chorea Huntington:
täglich 300-1000 mg peroral verteilt 3-5 Einzeldosen

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Nebenwirkungen

  Extrapyramidal-motorische Störungen

Als Leitsymptome treten auf: Tremor, Steifigkeit, Speichelüberproduktion, Bewegungsstörungen.
Diese Symptome bilden sich nach der Gabe eines Anticholinergikums (z. B. Biperiden) meist wieder zurück.

Die Substanz kann wie alle Dopaminrezeptorantagonisten auch selber eine Spätdyskinesie auslösen. Hier ist der Einsatz von Antiparkinsonmitteln nicht angezeigt, da sie in diesem Fall keine Wirksamkeit besitzen oder die Symptome sogar verschlechtern können.

Extrapyramidal-motorische Störungen sind durch die Blockade von Dopaminrezeptoren im Striatum bedingt und typische unerwünschte Wirkungen von Neuroleptika. Besonders bei „klassischen“ Substanzen nehmen sie mit steigender neuroleptischer Potenz zu. Bei sogenannten atypischen Neuroleptika treten sie selten oder fast gar nicht auf.

Frühdyskinesien
Frühdyskinesien sind typische Bewegungsstörungen besonders zu Therapiebeginn. Sie äußern sich in ruckartigem Herausstrecken der Zunge, Blickkrämpfen, krampfartigem Überstrecken der Rückenmuskulatur und Hyperkinesien der Gesichtsmuskeln. Anticholinergika können die Symptomatik verbessern, eine prophylaktische Gabe ist jedoch nicht sinnvoll. Zum einen kann die therapeutische Wirkung der Neuroleptika abgeschwächt werden und zum anderen hängt das Auftreten der Frühdyskinesien sowohl von der Dosierung als auch von der Disposition des Patienten ab.
Parkinsonismus
Neuroleptika können durch ihre antidopaminerge Wirkweise zu Parkinsonsymptomen führen: Rigor (erhöhter Muskeltonus), Tremor (Zittern), Akinese (kleinschrittiger Gang), Speichelfluss. Für die Therapie mit zentral wirksamen Anticholinergika (Tiaprid, Biperiden) gilt das Gleiche wie für die Frühdyskinesien.
Akathisie
Als Akathisie wird eine quälende motorische Unruhe mit Drang zu ständiger Bewegung bezeichnet. Akathisien zeigen sich oft erst nach der Manifestation des Parkinsonsyndroms. Da Anticholinergika die Symptomatik negativ beeinflussen können, sind hier Benzodiazepine indiziert.
Spätdyskinesien
Hierbei handelt es sich um ein hyperkinetisches Syndrom, das durch abnorme, stereotype Bewegungsabläufe (Schmatz- und Zungenbewegungen) gekennzeichnet ist. Besonders ältere, weibliche oder hirngeschädigte Patienten sind anfällig dafür. Da die Behandlung schwierig ist, sollte der Fokus auf der Vermeidung durch Gabe der geringstmöglichen wirksamen Neuroleptikadosis liegen. Eine langfristige prophylaktische Therapie mit Anticholinergika kann die Entstehung begünstigen.

  Malignes neuroleptisches Syndrom

Sehr selten kann das lebensbedrohliche maligne neuroleptische Syndrom (MNS) auftreten. Es ist durch Hyperthermie, Muskelsteifigkeit und Bewusstseinseintrübung gekennzeichnet und tritt zumeist zu Beginn der Behandlung, bei hoher Dosierung oder schneller Dosissteigerung auf. Schwere Komplikationen können Rhabdomyolyse, Nierenversagen, Dehydrierung, Thrombosen, Lungenembolie und Multiorganversagen bis hin zum Tod sein.

Eine frühe Diagnose und intensivmedizinische Betreuung sind entscheidend, da die Erkrankung bei 5 – 10 % der Patienten tödlich verläuft. (Absetzen der neuroleptischen Medikation, Gabe von Dantrolen und dem Dopamin-Agonisten Bromocriptin).
Das Risiko, an einem MNS zu erkranken, ist erhöht, wenn ein MNS in der Vergangenheit bereits aufgetreten ist.

  Psychiatrische Störungen

Es kann zu Agitiertheit, Indifferenz, Schlaflosigkeit, Benommenheit und Schläfrigkeit kommen.

  Kopfschmerzen, Schwindel

  Kardiovaskuläre Störungen

Häufig kann es zu orthostatischer Hypotonie kommen.
Sehr selten wird eine Verlängerung des QT-Intervalls beobachtet. Durch diese Nebenwirkung kann es leichter zu schwerwiegenden ventrikulären Arrhythmien wie Torsade de Pointes kommen.

  Galaktorrhö, Gynäkomastie, sexuelle Dysfunktion

Dopamin unterbindet die Freisetzung von Prolactin, das bei Frauen den Milchfluss aus der Brustdrüse anregt. Unter Therapie mit Dopaminantagonisten erfolgt eine vermehrte Prolactinbildung, die zu erhöhtem Milchfluss und zu Brustwachstum (letzteres auch bei Männern!) führen kann.

Darüber hinaus kommt es in Abhängigkeit der antidopaminergen Wirkstärke zu einem Libidoverlust, sowie bei Männern zu Impotenz aber auch Ejakulationsstörungen. Auch hierfür ist der erhöhte Prolactinspiegel verantwortlich.

  Gewichtszunahme

Kontraindikationen

Phäochromozytom

Prolaktinabhängige Tumoren

Dopamin ist der physiologische Antagonist der Prolaktinfreisetzung. Wird ein zentral wirksamer Dopaminantagonist therapeutisch verwendet, wird die Prolaktinfreisetzung enthemmt. Für prolaktinabhängige Tumoren stellt dies ein Wachstumssignal dar.

Risiko für Schlaganfall oder Schlaganfall in der Anamnese

Bei Schlaganfallpatienten wurde für atypische Neuroleptika ein um das dreifache erhöhtes Risiko für zerebrovaskuläre Ereignisse gefunden.
Deshalb ist bei diesen Patienten Vorsicht bei der Anwendung von atypischen Neuroleptika geboten.

Herzrhythmusstörungen

Die Substanz kann das QT-Intervall verlängern. Die QT-Zeit umfasst im EKG etwa die Zeit der ventrikulären Systole, d. h. ca. 0,25-0,45 Sekunden. Eine Verlängerung geht mit einem hohen Risiko ventrikulärer Tachykardien einher, wie z. B. Torsade de pointes. Dieser Zustand kann gerade bei bestehender Vorerkrankung lebensbedrohlich sein!

Schwangerschaft und Stillzeit

Die Substanz sollte nur nach strenger Indikationsstellung in der Schwangerschaft appliziert werden, da keine ausreichenden Daten zur Anwendung beim Menschen vorliegen.
In Tierversuchen haben sich embryotoxische/teratogene Wirkungen gezeigt.

Die Substanz geht in die Muttermilch über. Je nach Dosis, Art der Anwendung und Dauer der Medikation kann es vorübergehend zu Befindlichkeitsstörungen beim Säugling kommen.

Wechselwirkungen

  Neuroleptika

Da die Substanz auch antagonistisch am D2-Rezeptor angreift, kann es zu einer verstärkten neuroleptischen Wirkung kommen.

Neuroleptika anzeigen

  Anticholinergika z. B. Biperiden

Anticholinergika können die Wirkung (unerwünscht), aber auch die Nebenwirkungen (erwünscht) abschwächen.

Anticholinergika z. B. Biperiden  anzeigen

  Zentral dämpfende Substanzen

Durch die gleichzeitige Anwendung von zentral dämpfenden Substanzen, wie Drogen, Alkohol, Schlaf- und Beruhigungsmittel, Neuroleptika oder opioiden Analgetika kann es zur Potenzierung der zentralnervösen Nebenwirkungen und dadurch zu lebensbedrohlichen Kreislaufstörungen und Atemdepressionen kommen.

Die therapeutische Kombination solcher Substanzen darf nur unter besonderen Vorsichtsmaßnahmen erfolgen.

Zentral dämpfende Substanzen anzeigen

  Herzrhythmusstörungen auslösende Arzneistoffe z. B. Verapamil

Es sollte keine gleichzeitige Therapie zusammen mit Substanzen erfolgen, die Folgendes verursachen könne:
  • Bradykardie (Herzfrequenz < 55 Schläge pro Minute) z. B. durch Betablocker, einige Calciumkanalblocker (Diltiazem, Verapamil), Clonidin, Guanfacin, Digitalisglykoside.
  • Elektrolytstörungen (besonders bei Hypokaliämie) z. B. durch Hypokaliämie-induzierende Diuretika, stimulierende Laxantien, i.v.-Gabe von Amphotericin B und Glucocorticoide.
Auch sollten folgende Substanzen nicht gleichzeitig angewendet werden:
Antiarrhythmika der Klasse Ia (wie Chinidin und Disopyramid) und der Klasse III (wie Amiodaron und Sotalol). Weitere Arzneimittel wie Pimozid, Haloperidol, Sultoprid, Thioridazin, Methadon, trizyklische Antidepressiva, Lithium und Sparfloxacin.

Zu Verapamil wechseln

  Arzneimittel, die das QT Intervall verlängern

Das Phänomen des verlängerten QT-Intervalls kann angeboren sein (kongenitales Long QT Syndrom) aber auch erworben sein. Eine häufige Ursache sind Arzneimittel, welche sich an Kaliumkanälen vergreifen und damit zu Repolarisationsstörungen führen. Viele Arzneimittel sind wegen dieser Nebenwirkung bereits außer Handel gegangen. Hierzu gehören Clobutinol (früher Hustenstiller Silomat), Droperidol (Neuroleptikum) oder auch Terfenadin (Antihistaminikum). Zu den klassischen Arzneimitteln, welche einer Verlängerung des QT-Intervalls führen können, gehören:
  • Antiarrhythmika wie Sotalol, Amiodaron oder Flecainid
  • H1-Antihistaminika wie Diphenhydramin, Doxylamin oder Ebastin
  • die damit strukturell verwandten tricyclischen Antidepressiva wie Amitriptylin, Doxepin, Clomipramin aber auch andere Antidepressiva wie Citalopram
  • eine Vielzahl der Neuroleptika wie Benperidol, Haloperidol, Clozapin etc.
  • alle Antibiotika aus den Klassen der Gyrasehemmer und Makrolide (wie Moxifloxacin oder Clarithromycin)
  • Methadon.
Um das Risiko schwerer bis tödlicher Herzrhythmusstörungen zu vermeiden, sind viele dieser Arzneimitteln bei Patienten mit bekanntem Long QT-Syndrom kontraindiziert. Außerdem sollten diese Arzneimittel nicht miteinander kombiniert werden. Ist eine Anwendung nicht zu vermeiden, sollte sie nur unter besonderer Vorsicht durchgeführt werden.

Das QT-Intervall ist ein bestimmter Abschnitt des EKGs welcher die Zeit von Beginn der Q-Zacke bis zum Ende der T-Welle umfasst. Dieser Abschnitt beschreibt die Erregungsaus- und rückbildung in den Ventrikeln. Da diese Zeit abhängig von der Herzfrequenz ist, wird zur Beurteilung der QT-Zeit eine Frequenznormierung vorgenommen, für die es mehrere Formeln gibt. Von einem verlängerten QTc-Intervall (frequenzkorrigiert) spricht man ab 440 ms. Die Gefahr eines verlängerten QT-Intervalls besteht in der Möglichkeit spontan einfallender Nachdepolarisationen in der Repolarisationsphase, welches schwerwiegende ventrikuläre Extrasystolen bis hin zu sogenannten Tosade de Pointes und Kammerflimmern auslösen kann. Ab einer QTc-Zeit von 500 ms besteht eine erhöhte Gefahr, eine solche Rhythmusstörung zu erfahren.

Arzneimittel, die das QT Intervall verlängern anzeigen

  Levodopa

Eine gleichzeitige Anwendung ist kontraindiziert, da sich die Substanzen gegenseitig in ihrer Wirkung aufheben.

  Alkohol

Auf Alkoholkonsum ist während der Therapie zu verzichten, da Tiaprid seine Wirkungen auf das zentrale Nervensystem verstärken kann.

Strukturformel

Strukturformel

ratiopharm

SimpleSoft
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Wirkmechanismus

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Bei der Substanz handelt es sich um ein atypisches Neuroleptikum mit hoher Selektivität für den D2- und D3-Rezeptor und einer antidyskinetischen Wirkung. Zu den Rezeptoren der anderen wesentlichen, zentralen Neurotransmitter wie Serotonin, Noradrenalin und Histamin besteht keine nennenswerte Affinität. Dies äußert sich auch im Fehlen von Nebenwirkungen wie Sedierung, Katalepsie (auch Starrsucht oder Gliederstarre genannt) und kognitiver Beeinträchtigung.
Die Substanz zeigt an Rezeptoren, die vorher für Dopamin sensibilisiert wurden, eine besonders hohe Wirksamkeit. Dieser Umstand wird für die antidyskinetischen Eigenschaften verantwortlich gemacht.
Beim Off-label-use gegen Tics beim Tourette-Syndrom und gegen Alkoholentzugs-Symptome konnten teilweise auch Erfolge gezeigt werden.
Für die Anwendung als Neuroleptikum ist die antipsychotische Potenz zu gering.

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Patientenhinweis

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Dosierung

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Spätdyskinesien unter  Neuroleptikatherapie:
3 x täglich 100-200 mg peroral, am besten nach den Mahlzeiten mit wenig Flüssigkeit. Ein Therapieerfolg stellt sich ggf. erst nach 4-6 Wochen ein.

Chorea Huntington:
Erwachsene benötigen eine Tagesdosis von 300-1000 mg, die auf 3-5 Einzeldosen aufgeteilt werden sollte. Kinder bekommen eine Tagesdosis von 150-300 mg. Die Einnahme sollte am besten nach den Mahlzeiten mit wenig Flüssigkeit erfolgen.

Bei eingeschränkter Nierenfunktion muss die Dosierung wie folgt angepasst werden, da der Arzneistoff überwiegend über die Niere eliminiert wird:
Kreatinin-Clearance: Dosis reduzieren auf:
  • 50-80 ml/min: 75 %
  • 10-50 ml/min: 50 %
  • <10 ml/min: 25 %

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