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Tranylcypromin

   

Einteilung

Antidepressiva

MAO-Hemmer

Wirkmechanismus

Antidepressivum:
Irreversible unselektive Hemmung von Monoaminoxidase A und B

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Anwendung

Depressive Episoden

Tranylcypromin kann als Reserveantidepressivum zur Behandlung von depressiven Episoden (Episoden einer Major Depression) eingesetzt werden, wenn eine adäquate Therapie mit 2 antidepressiven Standardwirkstoffen (einschließlich trizyklischer Antidepressiva) keinen ausreichenden Erfolg brachte oder solche Standardwirkstoffe kontraindiziert sind bzw. vom Patienten nicht vertragen werden.

Krankheitsbild
Die Depression zählt zu den affektiven psychischen Störungen, die mit Gefühls-, Stimmungs- und Antriebsstörungen einhergehen. Charakteristisch für die Depression ist eine starke Beeinträchtigung der gesamten Lebensführung. Alltägliche Aufgaben zu bewältigen gelingt den Betroffenen kaum oder gar nicht mehr, womit ein hoher Leidensdruck einhergeht. Das Suizidrisiko ist gegenüber der Allgemeinbevölkerung 30fach erhöht. Depressive Störungen zählen laut WHO zu den wichtigsten Volkskrankheiten.
Die aktuelle Leitlinie (November 2015) der DGPPN (Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde) gibt für die Diagnostik Hauptsymptome und Zusatzsymptome an.

Hauptsymptome:        
  • Gedrückte, depressive Stimmung
  • Interessenverlust, Freudlosigkeit
  • Antriebsmangel, erhöhte Ermüdbarkeit

Zusatzsymptome:        
  • Verminderte Konzentration
  • Vermindertes Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen
  • Gefühle von Schuld und Wertlosigkeit
  • Negative und pessimistische Zukunftsperspektiven
  • Suizidgedanken/-handlungen
  • Schlafstörungen
  • Verminderter Appetit

Die Symptome können von den Patienten individuell sehr unterschiedlich wahrgenommen und auch beschrieben werden. Außerdem können körperliche Symptome wie Oberbauchbeschwerden, Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Schwindel, Herzschmerzen und weitere auftreten; nicht selten stehen diese, aber auch andere Symptome, gar im Vordergrund, was die Diagnosestellung erschwert.
Je nach Anzahl der auftretenden Symptome findet eine Einteilung in leichte, mittelgradige und schwere Depression statt, wobei mindestens zwei Haupt- und zwei Zusatzsymptome über mindestens zwei Wochen bestehen müssen (leichte Depression). Eine weitere Einteilung richtet sich nach der Dauer und dem Verlauf der depressiven Episoden. Unterschieden wird hier in vollständige oder nur teilweise Remission, rezidivierende Depression und chronifizierte Depression.
Die Dysthymie als weiterer Fall einer depressiven Stimmungsstörung ist eine lang anhaltende, chronische Störung, deren Episoden aber einzeln nicht so schwer sind, um als depressive Störung eingestuft zu werden. Durch die Chronifizierung besteht aber auch hier eine Einschränkung der Lebensqualität.

Häufigkeit, Verlauf und Ursache der Depression
Die Schätzungen über Krankheitswahrscheinlichkeit variieren sehr stark. Im Mittel ist von einer Lebenszeitprävalenz von etwa 15 - 20 % auszugehen. Das Lebenszeitrisiko, an einer Depression zu erkranken, ist bei Frauen doppelt so hoch wie bei Männern. Zudem erkranken sie früher, die depressiven Episoden dauern länger, und die Rezidivrate ist ebenfalls größer als bei Männern.
Die depressive Erkrankung kann grundsätzlich in jedem Lebensalter zum ersten Mal auftreten, 50 % aller Patienten in Deutschland erkranken bereits vor ihrem 31. Lebensjahr erstmalig an einer Depression.
Im Allgemeinen verläuft die Erkrankung in Episoden. Bei 75 % der Patienten kommt es zu Rezidiven, wobei die Episoden aber deutlich voneinander abgetrennt und die Patienten zwischen den Episoden gesund und aktiv sind.
Dramatisch sind die Folgen im Zusammenspiel mit anderen Krankheiten: Eine Depression verdoppelt die Mortalität einer gleichzeitig vorhandenen koronaren Herzkrankheit. Das Risiko, an Diabetes zu erkranken, steigt bei älteren Patienten durch eine Depression um 65 %. Auch mit anderen psychischen Erkrankungen besteht eine hohe Komorbidität, insbesondere mit Angst- und Panikstörungen und Suchterkrankungen. Durch diese Kombination psychischer Erkrankungen steigt auch das Risiko für Chronifizierung und Suizid.
Die Entstehung von Depressionen ist multifaktoriell. So haben genetische Faktoren, psychosoziale Belastungen und auch Persönlichkeitsfaktoren Einfluss auf die Entstehung der Erkrankung. Risikofaktoren sind z. B. depressive Störungen oder Suizid(versuch) in der Vor- oder Familiengeschichte, komorbide Erkrankungen, Sucht, aktuell belastende Lebensereignisse oder fehlende soziale Unterstützung. In der Summe führen diese biologischen und psychosozialen Faktoren zu Störungen im Neurotransmitter-System und dadurch zum Auftreten der Symptome.

Therapie
Beim erstmaligen Auftreten einer leichten depressiven Episode kann für 14 Tage zunächst „nur“ eine aktiv-abwartende Begleitung (watchful waiting) durch den Arzt vorgenommen werden, es sei denn, der Patient besteht auf einer komplexeren Behandlung. Auf jeden Fall sollte aber ein Aufklärungsgespräch stattfinden, in dem die Therapieoptionen dargelegt werden. Außerdem sollte gleich zu Beginn dem Patienten vermittelt werden, dass es sich um ein Krankheitsbild handelt, das ihm das Gefühl vermittelt, sich in einem unveränderlichen Zustand zu befinden, dies aber nicht so ist.
Kommt es danach zu keiner Verbesserung der Symptomatik, sollte mit dem aufgeklärten Patienten eine Entscheidung über eine spezifische Therapie getroffen werden. Diese spezifische Therapie kann durch Antidepressiva, psychotherapeutische Behandlung oder die Kombination aus beidem erfolgen. Bei leichten und mittelschweren depressiven Episoden wird medikamentös oder psychotherapeutisch behandelt, wobei beide Therapieformen dem Patienten als gleichwertig anzubieten sind und die Wahl sich nach klinischen Faktoren und dem Patienten richtet. Schwere depressive Episoden sollen mit der Kombinationstherapie behandelt werden.

Ziele der Therapie sollten sein:
  • Symptome der depressiven Episode zu vermindern und eine vollständige Remission zu erreichen
  • Mortalität und Suizidgefahr zu verringern
  • Leistungsfähigkeit und Bewältigung des Alltags wiederherzustellen
  • Rückfallrisiko zu vermindern
  • Seelisches Gleichgewicht wiederherzustellen

Die GKV übernimmt im Bereich der psychotherapeutischen Behandlung Kosten für Verhaltenstherapie, tiefenpsychologisch fundierte Therapie und analytische Therapie. Am besten belegt ist die Wirksamkeit der psychotherapeutischen Verfahren für leichte und mittelschwere Depressionen.
Die Wirksamkeit von Antidepressiva wird zurzeit unterschiedlich diskutiert. So kommt es in der Fachpresse zum Einen bevorzugt zur Veröffentlichung positiv ausfallender Studien, zum Anderen sind positiv beurteilte Studien nur auf Responder-Raten eingegangen (also ob der Patient anspricht oder nicht), harte klinische Endpunkte wie Remission oder Besserung des Depressionsgrades werden allerdings vermisst oder sind gegenüber Placebo-Gruppen nicht signifikant besser.
Bei leichten Depressionen ist ein Vorteil von Antidepressiva gegenüber Placebo nicht nachgewiesen, so dass diese auch nicht mehr Mittel der ersten Wahl beim ersten Auftreten einer leichten Depression sind. In einigen Fällen kann ein Einsatz hier trotzdem sinnvoll sein, z. B. wenn es der Wunsch des Patienten ist, die Arzneistoffe in der Krankengeschichte des Patienten schon erfolgreich eingesetzt wurden, oder wenn andere Verfahren zu keinem Erfolg führen.
Bei mittelschweren und schweren Depressionen wurde eine erhöhte Wirksamkeit gegenüber Placebo nachgewiesen. Auffällig ist hier, dass die aktuelle Leitlinie der DGPPN keine Unterscheidung in der Wirksamkeit der einzelnen Wirkstoffe trifft. Studien und Metaanalysen zeigten keine klinisch bedeutsamen Unterschiede in der Wirksamkeit.
Bei Therapie mit Antidepressiva folgt auf eine möglichst kurze Aufdosierungsphase eine weitere Behandlung mit der Standarddosis. Nach 4 bis 6 Wochen sollte mit dem Patienten gemeinsam beurteilt werden, ob die Therapie erfolgreich ist.
Bei erfolgreicher Akuttherapie sollten Antidepressiva noch 4 bis 9 Monate in gleicher Dosierung weiter genommen werden, da sich hierdurch das Risiko eines Rückfalls deutlich vermindern lässt (Erhaltungstherapie). Wenn ein erhöhtes Risiko für das Wiederauftreten der Depression besteht, kann im Sinne einer Rezidivprophylaxe die Therapie in gleicher Dosierung über mindestens zwei Jahre weitergeführt werden. Entsprechende Zeiträume gelten für die psychotherapeutische Behandlung.

Vorgehen bei Nichtansprechen
Wenn es nach drei Wochen einer medikamentösen Therapie zu keiner Besserung kommt, liegt die Wahrscheinlichkeit des Ansprechens des Patienten auf die Therapie schon unter 10 %. Daher sollte in diesem Fall die Therapietreue des Patienten überprüft und eine Serumspiegelkontrolle durchgeführt werden. Mögliche Maßnahmen sind dann:
  • Dosiserhöhung (soweit dies möglich ist)
  • Ein Versuch mit einem anderen Antidepressivum, am besten aus einer anderen Wirkstoffgruppe (Wechsel/Switching)
  • Die zusätzliche Gabe von Lithium oder anderen, nicht antidepressiv wirkenden Substanzen (z. B. Antipsychotika), um eine Wirkverstärkung zu erzielen (Augmentationstherapie)
  • Die zusätzliche Gabe eines weiteren Antidepressivums bzw. zusätzliche Psychotherapie (Kombinationstherapie)


Patientenhinweis

Auf Tyramin-reiche Kost in einem Zeitraum von 1 Tag vor bis 14 Tage nach einer Behandlung mit Tranylcypromin muss dringend verzichtet werden.
Patienten mit Blutdruckproblemen sollten regelmäßige Blutdruckkontrollen durchführen.
Patienten (und deren Betreuer) sind auf die Notwendigkeit einer Überwachung hinsichtlich jeder klinischen Verschlechterung, des Auftretens von suizidalem Verhalten oder Suizidgedanken und ungewöhnlicher Verhaltensänderungen hinzuweisen.
Mögliche Verschlechterung einer bestehenden Epilepsie und/oder Diabetes.

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Dosierung

Initial: 1 x täglich 10 mg morgens peroral
Danach: Dosissteigerung um 10 mg wöchentlich auf 20-40 mg täglich, auf mehrere Einzeldosen verteilt; stationär maximal 60 mg täglich
Erhaltungsdosis: 10-20 mg täglich

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Nebenwirkungen

  Schlafstörungen, Schlaflosigkeit

Schlafstörungen bis hin zur Schlaflosigkeit treten besonders in den ersten Behandlungswochen auf.

  Angst, Unruhe, Agitiertheit

Der durch die irreversible Hemmung der Monoaminoxidasen verursachte zentrale Anstieg von Monoaminen, die dort als Neurotransmitter fungieren (Serotonin, Dopamin, Noradrenalin) kann zu vielfältigen psychiatrischen Störungen wie z. B. Angst, Unruhe und Agitiertheit (als Zeichen der Antriebssteigerung) führen. Bei auftretenden produktiven Symptomen wie Halluzinationen oder Verwirrtheit muss Tranylcypromin abgesetzt werden.

  Schwindel, Mundtrockenheit, Müdigkeit

Schwindel und Mundtrockenheit können Ausdruck eines anticholinergen Effektes sein. Dennoch wird Tranylcypromin kein ausgeprägter anticholinerger Effekt nachgesagt. Der Schwindel kann auch auf eine orthostatische Dysregulation, die sehr häufig unter Tranylcypromin vorkommt, hindeuten.

  Blutdruckstörungen, Palpitationen

Sehr häufig kommt es unter Tranylcypromin zur Hypotonie oder zu einer orthostatischen Dysregulation (= Blutdruck-Abfall beim Aufstehen). Bei den häufig auftretenden Hypertonien bis hin zu gelegentlichen hypertensiven Krisen muss immer an eine -auch unbewusste- Nichtbeachtung von diätetischen Maßnahmen oder auch an eine medikamentöse Wechselwirkung mit z. B. noradrenergen oder serotonergen Arzneistoffen gedacht werden. Hypertensive Krisen gehen mit weiteren Symptomen wie Tachykardie mit Palpitationen (Herzklopfen), Kopfschmerzen, Gesichtsrötung und Übelkeit bzw. Erbrechen einher. Die Gefahr bei hypertensiven Krisen sind lebensgefährliche intrakranielle Blutungen.

  Übelkeit, Obstipation, Diarrhoe

Insbesondere der Anstieg von Serotonin als Folge der irreversiblen Hemmung der Monoaminoxidasen kann zu gastrointestinalen Störungen führen.

  Gewichtsveränderungen

Häufig kommt es unter der Therapie mit Tranylcypromin zu Gewichtsveränderungen. Dabei kann es sowohl zur Gewichtszunahme als auch zur Gewichtsabnahme kommen. Der Anstieg von Neurotransmittern im ZNS führt eher zu einer Gewichtsabnahme, z. B. durch Unruhe, Agitiertheit, Appetitverlust oder Übelkeit. Es kann unter Tranylcypromin aber auch zu Ödemen kommen, die letztlich zu einer Gewichtszunahme führen.

  Störungen des Blutbilds (auch Agranulozytose)

Selten kann es unter Tranylcypromin zu einer Anämie (Verminderung der roten Blutkörperchen), Leukopenie (Verminderung der weißen Blutkörperchen) oder Thrombopenie (Verminderung der Blutplättchen) kommen. Als eine schwere Form der Leukopenie kann es auch zu einer Agranulozytose (siehe unten) kommen.

Das Hämogramm (Blutbild) stellt die Menge der in einer Blutprobe vorhandenen Erythrozyten (rote Blutkörperchen), Leukozyten (weiße Blutkörperchen), Thrombozyten (Blutplättchen) und Retikulozyten (polymorphkernige Blutkörperchen) nebeneinander dar. Beim Differentialblutbild werden sowohl quantitative als auch qualitative Parameter, wie z. B. die Form, mit herangezogen. Neben pathologischen Veränderungen können Abweichungen von den Normwerten auch durch unerwünschte Arzneimittelwirkungen bedingt sein. Auftreten können u. a.:
  • Leukopenie: Die Gesamtzahl aller Leukozyten (Granulozyten, Lymphozyten, Monozyten) im Blut ist auf unter 5.000/mm³ reduziert.
  • Leukozytose: Die Gesamtzahl aller Leukozyten im Blut ist über 10.000/mm³ erhöht.
  • Granulozytopenie: Verminderung der Anzahl der Leukozyten, insbesondere der neutrophilen Granulozyten.
  • Agranulozytose (perniziöse Neutropenie): Verminderung der Anzahl der Leukozyten (Leukopenie), die Granulozyten können komplett fehlen. Auch die Blutplättchen und das Knochenmark können betroffen sein. Eine Agranulozytose kann sich innerhalb von Stunden ausbilden und geht üblicherweise mit grippeähnlichen Symptomen einher, bei deren Auftreten der Patient darüber aufgeklärt sein muss, dass umgehend eine ärztliche Konsultation erfolgen sollte. Es wird symptomatisch therapiert; Breitbandantibiotika und Granulozyten-Koloniestimulierende Faktoren, wie Filgrastim, werden häufig in der Therapie verabreicht.
  • Eosinophilie: Erhöhung der Anzahl der eosinophilen Granulozyten im Blut. Bei allergischen Reaktionen wie dem Arzneimittelexanthem tritt dies zum Beispiel auf.
  • Thrombozytopenie: Verminderung der Anzahl der Thrombozyten unter 150.000/mm³. Durch den Mangel an Thrombozyten ist die Blutgerinnung gestört und es treten vermehrt Hämatome oder Blutungen auf.
  • Aplastische Anämie: Die Gesamtzahl aller Zellen im Blut ist reduziert (Panzytopenie). Ursache ist eine gestörte Stammzellreifung im Knochenmark.
Grundsätzlich stellen Blutbildveränderungen ernste bis lebensbedrohliche unerwünschte Wirkungen dar, die einer weitergehenden ärztlichen Abklärung bzw. Behandlung bedürfen.

Kontraindikationen

Gleichzeitige Behandlung mit (nor-)adrenergen oder serotoninergen Wirkstoffen

Monoaminoxidase-Hemmer (MAO-Hemmer) hemmen das Enzym, welches die Monoamine wie Serotonin, Noradrenalin und Dopamin im synaptischen Spalt abbaut. Bei gleichzeitiger Gabe verbleiben diese Botenstoffe im synaptischen Spalt, weil sie weder abgebaut noch wiederaufgenommen werden, und können damit eine Übererregung (Serotoninsyndrom) auslösen. Dabei kommt es zu einer Übererregung der Neurone, die sich in Hyperthermie, Rigidität, Myoklonus, Verwirrtheit, Reizbarkeit, Schwitzen oder Schüttelfrost, Fieber, Delirium bis hin zum Koma äußert.

Bei Moclobemid soll diese Wechselwirkung weniger ausgeprägt sein als bei Tranylcypromin. Eine gleichzeitige Gabe ist aber trotzdem kontraindiziert.
Unter strenger Kontrolle darf das Reserve-Antibiotikum Linezolid, welches ebenfalls die MAO hemmt, verabreicht werden.

Karzinoid, Phäochromozytom

Karzinoide gehören zu den neuroendokrinen Tumoren. Meist handelt es sich um submuköse hochdifferenzierte, langsam wachsende Tumore mit guter Prognose. Sie können in vielen Organen vorkommen, z. B. im Thymus, in der Lunge oder im Magen-Darm-Trakt. Als neuroendokrine Tumore bilden sie z. B. Kallikrein oder Serotonin in großen Mengen. Die Symptome resultieren aus der Überproduktion dieser Gewebshormone.
Das Phäochromozytom gehört auch zu den neuroendokrinen Tumoren. Es ist ein Tumor des Nebennierenmarks, welcher zu einer vermehrten Synthese und Freisetzung von Katecholaminen führt. Die gleichzeitige Gabe von MAO-Hemmstoffen bewirkt eine synergistische Steigerung der sympathischen Aktivität (Hypertonie, Herzklopfen, Kopfschmerzen usw.). Dieses kann im ungünstigsten Fall tödlich enden.

Akute Verwirrtheitszustände, akutes Delir

Vaskuläre Erkrankungen des Gehirns, z.B. Aneurysmen

Vaskuläre Erkrankungen des Gehirns wie z. B. Stenosen oder Aneurysmen können bei den unter Tranylcypromin möglicherweise auftretenden Hyper- und Hypotonien zu lebensgefährlichen Komplikationen wie Schlaganfall oder intrakraniellen Blutungen führen.

Schwere Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Bei schweren Formen von bereits bekannter Hypertonie oder bei schweren Herzerkrankungen darf Tranylcypromin wegen der möglichen weiteren Blutdrucksteigerung nicht eingesetzt werden.

Leberfunktions- und schwere Nirenfunktionsstörungen

Schwangerschaft und Stillzeit

Es liegen keine hinreichenden Erfahrungen für die Anwendung von Tranylcypromin in der Schwangerschaft vor. Aufgrund der häufig zu beobachtenden Blutdrucksteigerung und einer eventuell verrminderten Plazentadurchblutung sind negative Effekte für den Fetus möglich. Tranylcypromin sollte daher im ersten Trimenon gar nicht, im zweiten und dritten Trimenon nur bei zwingender Notwendigkeit eingesetzt werden. Patientinnen im reproduktionsfähigen Alter sollten darauf hingewiesen werden, sich bei geplanter oder bereits erfolgter Schwangerschaft unverzüglich mit dem behandelnden Arzt in Verbindung zu setzen, um auf einen anderen Arzneistoff eingestellt zu werden.

Es ist nicht bekannt, ob Tranylcypromin in die Muttermilch übergeht. Bei zwingender Indikation während der Stillzeit sollte daher abgestillt werden.

Wechselwirkungen

  adrenerge, serotonerge oder dopaminerge Arzneimittel

Hiezu gehören eine Reihe von Arzneimittelgruppen und Arzneistoffe, die im Folgenden aufgeführt werden:
  • Arzneimittel mit einer ausgeprägten Serotonin-Wiederaufnahmehemmung, wie alle SSRIs, Clomipramin, Venlafaxin, Duloxetin, Sibutramin: Es besteht die Gefahr eines lebensbedrohlichen Serotonin-Syndroms mit Symptomen wie Hypertonie, Reizbarkeit, Hyperthermie bei z. T. tödlichem Ausgang
  • L-Tryptophan: Es wurden delirante Zustände beschrieben
  • Serotonin-Agonisten wie Triptane zur Behandlung der Migräne: Gefahr eines Serotoninsyndroms
  • Imipramin: Gefahr eines Serotonin-Syndroms
  • Indirekte Sympathomimetika wie Antihypotonika, Amphetamine, Appetitzügler und Grippemittel: Gefahr einer hypertonen Krise
  • Levodopa ohne Decarboxylasehemmer wie z. B. Benserazid: Gefahr einer hypertonen Krise
  • Direkte Sympathomimetika wie Adrenalin, Noradrenalin oder Schnupfenmittel: Gefahr einer hypertonen Krise

Adrenalin und Noradrenalin in Lokalanästhetika stellen kein besonderes Risiko für den Patienten dar, weil ein alternativer Abbauweg über die Catelcholamin-O-Methyltransferase (COMT) existiert.
Die gleichzeitige Behandlung mit selektiven Beta-Sympathomimetika bei chronisch obstruktiven Atemwegserkrankungen ist ebenfalls mit keinem besonderen Risiko verbunden.

  Opioide, z. B. Pethidin

Opioide, die zusätzlich die zentrale Aufnahme von Neurotransmittern  wie Serotonin hemmen, können die Wirkung von Tranylcypromin beeinflussen und zu lebensbedrohlichen Nebenwirkungen im Bereich des ZNS bzw. lebensbedrohlicher Beeinflussung der Atem- und Kreislauffunktion führen. Besonders genannt werden an dieser Stelle Pethidin, Tramadol und Dextromethorphan.

Opioide, z. B. Pethidin  anzeigen

  Antihypertensiva, z. B. Alpha-Methyldopa

Die gleichzeitige Gabe von Antihypertensiva und Tranylcypromin kann zu einer verstärkten Blutdrucksenkung führen. Hier werden z. B. Guanethidin und α-Methyldopa genannt. Es kann unter Tranylcypromin jedoch auch zu ungewünschten Blutdrucksteigerungen kommen.

Antihypertensiva, z. B. Alpha-Methyldopa  anzeigen

  Insuline und orale Antidiabetika

Unter Tranylcypromin kann die Wirkung von Insulinen und oralen Antidiabetika verstärkt sein. Diabetiker müssen auf die Möglichkeit einer Hypoglykämie aufmerksam gemacht werden.

Insuline und orale Antidiabetika  anzeigen

  Zentral dämpfende Arzneistoffe

Unter Tranylcypromin kann die Wirkung von zentral dämpfenden Arzneistoffen wie Neuroleptika, Antidepressiva, Schmerzmittel und Benzodiazepinen verstärkt sein.

Zentral dämpfende Arzneistoffe  anzeigen

  Arzneistoffe zur Raucherentwöhnung, z. B. Bupoprion

Bei gleichzeitiger Einnahme von Tranylcypromin und Mitteln zur Raucherentwöhnung wie Bupoprion oder Amfebutamon kommt es vermehrt zu Krampfanfällen.

  Buspiron

Bei gleichzeitiger Einnahme von Tranylcypromin und Buspiron, das zur Anxiolyse und Sedierung eingesetzt wird, kann es starken Blutdruckanstiegen kommen. Vermutlich spielt bei Buspiron dabei die Wirkung als partieller 5-HT1A-Agonist eine Rolle.

  Disulfiram

Bei gleichzeitiger Behandlung mit Tranylcypromin und Disulfiram kommt es vermehrt zu einem Delir.

  Tyramin

Ab einem Tag vor Beginn und bis 14 Tage nach Beendigung einer Therapie mit Tranylcypromin muss eine streng Tyramin-arme Diät eingehalten werden, da es sonst zu einem Serotonin-Syndrom mit lebensbedrohlichen Blutdruckkrisen kommen kann. Eine Liste der streng verbotenen und teilweise erlaubten Nahrungsmittel inklusive deren erlaubter Tagesmengen findet sich in der Packungsbeilage.

Strukturformel

Strukturformel

ratiopharm

SimpleSoft
Hilfe Impressum

Wirkmechanismus

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Die unselektive und irreversible Hemmung der Monoaminoxidasen MAO A und MAO B verhindert den Abbau von Monoamin wie z. B. Serotonin und Noradrenalin, deren Mangel in zentralen Synapsen für das Entstehen einer Depression mitverantwortlich ist. Tranylcypromin hat einen schnell einsetzenden (nach 2-8 Tagen) stark antriebssteigernden und psychomotorisch aktivierenden Effekt, während sich der stimmungsaufhellende, antidepressive Effekt erst nach 3-5 Wochen einstellt. Hieraus ergibt sich die erhöhte Suizidgefahr zu Beginn einer Therapie bzw. die Notwendigkeit einer sorgfältigen Überwachung des Patienten.
Unter einer Therapie mit Tranylcypromin kann auch das in der Nahrung enthaltene Tyramin (z. B. in Käse, Rotwein, Schokolade, Bananen) nicht abgebaut werden. Daher ist eine sehr strenge Tyramin-arme Diät einzuhalten. Die irreversible Hemmung der Monoaminoxidasen macht auch eine Kombination mit anderen Antidepressiva oder Arzneistoffen, die Monoamine im Körper erhöhen (z. B. serotonerge Arzneistoffe wie Sumatriptan) sehr problematisch. Hieraus ergeben sich eine Reihe von Kontraindikationen und Wechselwirkungen. Bei Intoxikationen mit Tranylcypromin muss beachtet werden, dass es aufgrund der irreversiblen Hemmung der Monoaminoxidasen 3 bis 5 Tage dauert, bis eine vollständige Enzymaktivität infolge Enzym-Neusynthese wiederhergestellt ist, obwohl Tranylcypromin und seine Metabolite innerhalb von 24 Stunden vollständig ausgeschieden sind.

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Patientenhinweis

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Tyramin wird im Körper über Monoaminoxidasen abgebaut. Bei irreversibler Hemmung dieser Monoaminoxidasen durch Tranylcypromin kann es bei Zufuhr Tyramin-reicher Nahrung (z. B. in Käse, Rotwein, Schokolade, Bananen) zu schwerwiegenden Interaktionen wie Blutdruckanstieg bzw. hypertonen Blutdruckkrisen, Kopfschmerzen und Übelkeit kommen. Eine Übersicht, welche Nahrungsmittel strikt verboten bzw. teilweise erlaubt sind, findet sich in der Packungsbeilage.

Wegen der möglichen Blutdruckveränderungen sollten Patienten  mit bekannter Hypertonie bzw. Hypotonie dazu angehalten werden, regelmäßig ihren Blutdruck zu kontrollieren.

Tranylcypromin senkt die Krampfschwelle. Bei bekannter Epilepsie ist daher Vorsicht bei einer gleichzeitigen Behandlung mit Tranylcypromin geboten.

Tranylcypromin kann den Blutzucker beeinflussen. Eine gleichzeitige Therapie mit Insulin bzw. oralen Antidiabetika muss gegebenenfalls angepasst werden.

Depressive Erkrankungen sind mit einem erhöhten Risiko für die Auslösung von Suizidgedanken, selbstschädigendem Verhalten und Suizid (Suizid-bezogene Ereignisse) verbunden. Die bisherige klinische Erfahrung zeigt, dass das Suizidrisiko zu Beginn einer Behandlung mit Tranylcypromin ansteigen kann. Die Arzneimitteltherapie sollte mit einer engmaschigen Überwachung der Patienten -vor allem der Patienten mit hohem Suizidrisiko- insbesondere zu Beginn der Behandlung und nach Dosisanpassungen einhergehen. Erschwerend kommt eine nicht unerhebliche akute Toxizität von Tranylcypromin hinzu, d. h. ein Suizidversuch könnte auch mit dem verordneten Tranylcypromin geschehen. Patienten (und deren Betreuer) sind auf die Notwendigkeit einer Überwachung hinsichtlich jeder klinischen Verschlechterung, des Auftretens von suizidalem Verhalten oder Suizidgedanken und ungewöhnlicher Verhaltensänderungen hinzuweisen. Sie sollten unverzüglich medizinischen Rat einholen, wenn derartige Symptome auftreten.

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Dosierung

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Mit einer stimmungsaufhellenden bzw. depressionslösenden Wirkung ist in der Regel nach 1-3 Wochen zu rechnen. Die Anfangsdosis kann in Abhängigkeit von Verträglichkeit und Wirkung pro Woche um 10 mg/d gesteigert werden, bis eine der individuellen Reaktionslage entsprechende therapeutische Dosis erreicht ist. Die übliche effektive Dosis beträgt 20-40 mg/d. Bei einer Therapieresistenz kann unter stationären Bedingungen die maximale Tagesdosis auf 60 mg in Schritten von 10 mg/d alle 1-3 Wochen gesteigert werden. Die Gesamttagesdosis kann auf 1-3 Einnahmezeitpunkte verteilt werden. Dabei sollte die letzte Einnahme nicht nach 15 Uhr erfolgen, um Schlafstörungen zu vermeiden.

Die mittlere Behandlungsdauer einer Episode beträgt mindestens 4-6 Wochen. Nach Rückbildung der depressiven Symptomatik sollte die Behandlung für 4-6 Monate mit einer Erhaltungsdosis von 10-20 mg/d fortgesetzt werden. Ein plötzliches Absetzen einer längeren Therapie mit Tranylcypromin sollte vermieden werden, um Absetzphänomene wie Angst, Unruhe, Schlafstörungen, Benommenheit bis hin zum Delir zu vermeiden. Bei einem Wechsel von einem anderen Antidepressivum auf Tranylcypromin sollte eine Behandlungspause von 7 Tagen (Auswaschphase) eingehalten werden.

Bei älteren Patienten muss eine langsamere Dosissteigerung unter regelmäßigen Blutdruckkontrollen vorgenommen werden. Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion müssen sorgfältig überwacht werden. Bei Patienten mit schweren Nierenfunktionsstörungen (Kreatinin-Clearance <30 ml/min) und bei Patienten mit Leberfunktionsstörungen ist Tranylcypromin kontraindiziert. Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren ist Tranylcypromin kontraindiziert.

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