Das Kolonkarzinom und das Rektumkarzinom werden in der Onkologie häufig als kolorektales Karzinom (KRK) zusammengefasst. Es handelt sich hierbei um Karzinome des Dickdarms, welche am häufigsten im linken, absteigenden Anteil des Dickdarms (genauer: Sigma) auftreten. Die Tumoren entstehen meist aus zunächst gutartigen Adenomen (Polypen), welche mit zunehmender Zeit entdifferenzieren und somit malignen Charakter bekommen.
Die Ursachen hierfür liegen zum einen an den langen Passagezeiten für die Nahrung und damit auch der darin enthaltenden Noxen im Dickdarm und zum anderen an spezifischen Mutationen.
Die Symptomatik des Kolorektalkarzinoms ist wie bei vielen anderen Tumorerkrankungen zunächst recht unspezifisch (Abgeschlagenheit, Gewichtsverlust etc.). Bei weiterem Fortschreiten der Erkrankung kann es dann jedoch zu charakteristischen Problemen im Verdauungstrakt kommen, wie Obstipation, Bleistiftstuhl und/oder Darmverschluss.
2022 war das Kolorektale Karzinom mit etwa 50.000 Neuerkrankungen in Deutschland einer der häufigsten malignen Tumoren. 2022 kam es durch das KRK zu ca. 23.000 Todesfällen. Beide Zahlen sind seit 2003 in Deutschland rückläufig.
Aufgrund der Häufigkeit und der Tatsache, dass eine frühzeitige Erkennung pathologischer Veränderungen im Darm gut therapierbar ist, werden ab dem 56. Lebensjahr Vorsorgeuntersuchungen in Form von Darmspiegelungen von den Krankenkassen bezahlt. Bei familiären Häufungen oder konkreten Verdachtsfällen (Blutbeimengungen im Stuhl etc.) sollte eine Koloskopie frühzeitig erfolgen.
Die S3-Leitlinie Kolorektales Karzinom (2025) empfiehlt eine Darmkrebs-Vorsorge/-Früherkennung ab dem 50. Lebensjahr und sieht hier die Koloskopie alle 10 Jahre als Goldstandard.
Prävention
Das KRK ist eine Erkrankung des höheren Lebensalters. Das Risiko zu erkranken kann durch Veränderungen der Lebensgewohnheiten beeinflusst werden.
Eine Risikoreduktion kann erreicht werden durch:
- Regelmäßige körperliche Aktivität
- Eine gemüse- und obstreiche Ernährung
- Verminderung des Alkoholkonsums
Das Risiko wird erhöht durch:
- Rauchen
- Ernährung mit Milchprodukten, rohem Fleisch oder hochverarbeiteten Lebensmitteln
- Erhebliches Übergewicht
Die Therapie des Kolorektalkarzinoms beinhaltet als oberstes Ziel die chirurgische Tumorentfernung in Kombination mit Chemotherapie und/oder Strahlentherapie. Je nach Lage des Tumors wird die komplette betroffene Hälfte des Dickdarms entfernt (Hemikolektomie). Je nach Lage des Tumors kommt es zu unterschiedlichen Metastasierungsorten. Bei Rektum-nahen Tumoren findet eine hämatogene Metastasierung über die Vena cava Richtung Lunge, bei höherliegenden Karzinomen über die Pfortader Richtung Leber statt.
Die Entscheidung über die Art der Therapie sollte multiprofessionell und unter Einbeziehung des Patienten erfolgen. Je nach Zustand des Patienten, Tumorstatus, Risikograd und Tumorbiologie stehen unterschiedliche Therapieoptionen zur Verfügung, deren Einsatzmöglichkeiten der Leitlinie Kolorektales Karzinom (stand: 09/25) zu entnehmen ist.
Adjuvant und neoadjuvant in frühen Stadien stehen 5-FU/Capecitabin-haltige Schemata zur Verfügung, die mit Oxaliplatin kombiniert werden können (FOLFOX4/6, XELOX/CAPOX). Im metastasierten Zustand sollte der Patient Zugang zu allen Therapieoptionen erhalten, die sein Allgemeinzustand und die Tumorbiologie ermöglichen. Dazu zählen Schemata mit 5-FU und Oxaliplatin auch in Kombination mit anti-VEGF-AK (Bevacizumab) oder EGFR-AK (Panitumumab, Cetuximab). Auch eine Immunchemotherapie mit Checkpoint-Inhibitoren (Pembrolizumab, Nivolumab, Ipilimumab) kann angeboten werden.
Die second-line Therapie richtet sich nach der Vortherapie und der Tumorbiologie. In den höheren Therapielinien kommen auch Trifluridin/Tipiracil plus Bevacizumab, Multikinase-Inhibitoren (Fruquitinib/Regorafenib) und NTRK-Inhibitoren (Larotrectinib, Entrectinib) zum Einsatz.
Bei entsprechender Tumorbiologie (HER2-Status) sind Trastuzumab-haltige Schemata möglich und bei entsprechender Mutation außerdem Sotorasib und Panitumumab.
Nachsorge
Die Nachsorge besteht unabhängig vom Tumorstadium in einer adäquaten Betreuung mit regelmäßiger Nachsorge. Nach kurativer Therapie ist das Rezidivrisiko vor allem in den ersten 5 Jahren erhöht. Es soll so die Möglichkeit gegeben werden schnellstmöglich mit kurativem Ziel oder wenigstens einer Verbesserung der Lebensqualität einzugreifen. Allen Patienten sollte ein Jahr nach der Resektion und danach alle 3-5 Jahre eine komplette Koloskopie angeboten werden.
Die Supportivtherapie besteht aus psychoonkologischen, ernährungstherapeutischen, komplementärmedizinsichen und palliativen Maßnahmen.