Die Psoriasis (Schuppenflechte) gehört zu den nicht-infektiösen entzündlichen Hauterkrankungen, die als eine Systemerkrankung auch andere Bereiche wie Gelenke (sog. Psoriasis-Arthritis), Muskeln, Bänder, aber auch andere Organe, wie Augen und Herz, betreffen kann. Es handelt sich um eine multifaktorielle, größtenteils vererbte Autoimmunerkrankung, die darüber hinaus von Umweltfaktoren wie Stress, Rauchen, Witterungsbedingungen, hormonellen Veränderungen oder Medikamenten (Betablocker, ACE-Hemmer, Lithium-Salze, Interferone, Tetracykline, NSAIDs, Folsäure, …) ausgelöst und in ihrem Verlauf stark beeinflusst wird. Diese Einflüsse erklären auch den chronischen, schubförmigen Verlauf der Erkrankung. Die häufigste Form der Psoriasis ist die sog. Psoriasis vulgaris.
Pathophysiologisch kommt es zu einer (auto-)immunologischen Reaktion der Haut mit ausgeprägter entzündlicher Komponente. In die Haut wandern Granulozyten, Makrophagen und aktivierte T-Lymphozyten ein. Durch eine gesteigerte mitotische Aktivität der Basalzellen der Epidermis in den betroffenen Arealen kommt es zur Hyperproliferation und gestörter Keratinozyten-Differenzierung. Die Haut erneuert sich statt in 28 Tagen nun in 3 bis 7 Tagen.
Klinisch findet man auf der Haut rötliche, meist rundliche, inselartig scharf begrenzte und leicht erhabene Effloreszenzen, am häufigsten auf der Kopfhaut, besonders aber auch an den Streckseiten von Ellenbogen und Knie, sowie am Bauchnabel und Anus. Mechanisch beanspruchte Körperstellen (Gürtel, Uhren, Ringe) sind auch häufiger betroffen. Auch die Nägel können beteiligt sein. Die Effloreszenzen schuppen stark als Ausdruck der erhöhten Zellteilungsrate und können mit ausgeprägtem Juckreiz einhergehen. Beim Abkratzen der Schuppen zeigen sich die sog. Psoriasis-Phänomene: Die entfernten, silbrigen Schuppen sehen wie abgekratztes Kerzenwachs aus; beim weiteren Abkratzen lässt sich ein letztes lamelläres Häutchen entfernen, das beim Entfernen zu einer punktförmigen Blutung führt (sog. Auspitz-Phänomen).
Der Schweregrad der Erkrankung bestimmt die Therapie. Unterschieden werden die leichte Psoriasis von der mittelschweren bis schweren Psoriasis.
Die Definition ist durch die in klinischen Studien gebräuchliche Einteilung beeinflusst. Kriterien sind die BSA (Body Surface Area), der PASI (Psoriasis Area and Severity Index) und er DLQI (Dermatology Life Quality Index). Von einer leichten Psoriasis spricht man, wenn alle drei Kriterien Werte unter 10 liefern.
Weitere Upgrade-Kriterien zu einer mittelschweren bis schweren Psoriasis sind:
- Therapieresitente Plaques
- Jucken, das zu Kratzen führt
- Areaale auf der sichtbaren Kopfhaut
- Beteiligung des Genitalbereiches, der Handflächen und/oder der Fußsohlen
- Beteiligung von mehr als zwei Fingernägeln
Therapie
Grundsätzlich ist die Erscheinungsfreiheit das Ziel der Therapie. Dieses Ziel ist aber nicht bei allen Patienten erreichbar. Daher sollten zu Therapiebeginn Minimalziele definiert werden, die dann nach einer festgelegten Zeit überprüft werden. Werden diese nicht erreicht sollte die Therapie angepasst werden.
Nach der aktuellen S3 Leitlinie der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft von 2025 richtet sich die Therapie nach dem Schweregrad. Die leichte Psoriasis wird mit topisch applizierten Arzneistoffen behandelt:
- Glucocortikoide (z. B. Beclomethason, Mometason, Clobetasol)
- Vitamin D3-Analoga (z. B. Calcipotriol)
- Calcineurininhibitoren (z. B. Pimecrolimus)
- Lichttherapie mit Psoralenen (PUVA-Therapie)
Bei der mittelschweren bis schweren Psoriasis wird die topische mit systemischen Therapien ergänzt. Hier stehen in der 1. Linie mehre Möglichkeiten zur Verfügung:
- Koventionelle Systemtherapie (z. B. Acitretin, Dimethylfumerat, Ciclosporin, Methrotrexat)
- Biologika (z. B. Adalimumab)
- Neue zielgerichtete kleine Molekühle (z. B. Deucravacitinib)
Wirkstoffe der 2. Linie sind Etanercept, Infliximab, Ustekinumab und Apremilast.