Bei Schizophrenie handelt es sich um eine Gruppe psychischer Erkrankungen, die mit einer charakteristischen Veränderung des Denkens, Fühlens und der Beziehung zur Umwelt einhergehen. Die typischen Symptome werden zwei Gruppen zugeordnet:
- Unter den Positivsymptomen versteht man die Übersteigerung des normalen Erlebens. Dies äußert sich beispielsweise in Störungen der Wahrnehmung, des Denkens oder der Persönlichkeit. Diese sogenannte Ich-Störung ist gekennzeichnet durch den Verlust der Abgrenzung des Patienten zu seiner Umwelt. Er hat das Gefühl, dass andere Personen seine Gedanken hören oder mitdenken können, oder gar ihm ihre Gedanken einpflanzen. Extrem häufig treten akustische Halluzinationen (kommentierende, beleidigende, nur selten befehlende Stimmen) auf, die zu einer wahnhaften Vorstellung wie zum Beispiel dem Eindruck ständigen Beobachtetseins führen (Verfolgungswahn). Die Wahnbildung ist das charakteristische Merkmal der Positivsymptome schizophrener Psychosen.
- Die Negativsymptome beschreiben die Einschränkung des normalen Erlebens. Die Negativsymptome gehen häufig einer manifesten, positiv-symptomatischen schizophrenen Episode voraus, beginnen schleichend und können zurückbleiben. Die Erscheinungen ähneln depressiven Erkrankungen: Es kommt zu einem Motivationsverlust, Perspektivlosigkeit und zur Affektverflachung (Unvermögen Emotionen zu empfinden), die zusätzlich sozial isolierend wirkt. Als weiterer Vertreter der Negativsymptome sind hier kognitive Defizite zu sehen, die es dem Patienten nicht mehr ermöglichen komplex zu denken, sondern Denkvorgänge kurzschrittig werden lassen. Desweiteren kann zur Affektverflachung noch die Verarmung an Psychomotorik (Gestik und Mimik) hinzutreten, die die Tendenz zur sozialen Isolation weiter verstärkt.
Für die Diagnose einer Schizophrenie gelten in Deutschland noch die Leitsymptome nach ICD-10 (entnommen aus der Leitlinie der DGPPN 2025):
- Gedankenlautwerden, -eingebung, -entzug, -ausbreitung.
- Kontroll- oder Beeinflussungswahn; Gefühl des Gemachten bzgl. Körperbewegungen, Gedanken, Tätigkeiten oder Empfindungen; Wahnwahrnehmungen.
- Kommentierende oder dialogische Stimmen.
- Anhaltender, kulturell unangemessener oder völlig unrealistischer Wahn (bizarrer Wahn).
- Anhaltende Halluzinationen jeder Sinnesmodalität.
- Gedankenabreißen oder -einschiebungen in den Gedankenfluss.
- Katatone Symptome wie Erregung, Haltungsstereotypien, Negativismus oder Stupor.
- Negative Symptome wie auffällige Apathie, Sprachverarmung, verflachter oder inadäquater Affekte.
Erforderlich für die Diagnose Schizophrenie ist mindestens ein eindeutiges Symptom (zwei oder mehr, wenn weniger eindeutig) der Gruppen 1-4 oder mindestens zwei Symptome der Gruppen 5-8. Diese Symptome müssen fast ständig während eines Monats oder länger deutlich vorhanden gewesen sein.
Die Krankheitswahrscheinlichkeit beträgt etwa 0,5-0,7 % für Männer und Frauen. Bei den meisten tritt die Erkrankung zwischen der Pubertät und dem 35. Lebensjahr auf, wobei Frauen im Durchschnitt 3 bis 4 Jahre später erkranken als Männer. Nur etwa 10 bis 20 % der Patienten erleiden lediglich eine klar abgrenzbare Krankheitsperiode. Beim Rest der Patienten verläuft die Erkrankung in mehreren Episoden oder neigt sogar zur Chronifizierung. Häufig kommt es zu bleibenden Beeinträchtigungen. Dieses Ausmaß zeigt, wie wichtig es ist, Schizophreniepatienten angemessen medikamentös zu behandeln.
Die genaue Ursache der Erkrankung ist bis heute nicht endgültig geklärt. Am populärsten ist derzeitig das sogenannte Vulnerabilitäts-Stress-Modell. Dieses besagt, dass jeder Mensch, bedingt durch genetische und nicht-genetische Einflüsse (Umweltfaktoren, soziales Umfeld und Entwicklungsstörungen), eine gewisse psychische Verletzlichkeit aufweist. Übersteigt der Einfluss von Stressoren die Bewältigungskapazität (Coping) eines Individuums, kommt es zur Ausbildung psychotischer Zeichen. Der akute Auslöser einer schizophrenen Psychose kann zum Beispiel ein besonders belastendes Lebensereignis sein.
Wenig bewusst ist vielen, dass eine Schizophrenie-Erkrankung nicht nur psychisch beeinträchtigt, sondern auch physisch. Die Lebenserwartung von Menschen mit einer schweren psychischen Störung kann gegenüber psychisch gesunden Menschen um ca. 15 Jahre verkürzt sein. Gründe sind ein oft ungesunder Lebensstil, aber auch eine im Vergleich spätere Diagnose von z. B. Herz-Kreislauf- und Tumor-Erkrankungen. Diskutiert wird auch eine genetisch bedingte erhöhte Anfälligkeit für Stoffwechsel- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei Menschen mit psychischen Störungen.
Wichtig ist hier, auch die körperlichen Probleme und Beschwerden psychisch kranker Patienten im Auge zu behalten. Auch in der Apotheke sollte in der Beratung hierauf geachtet werden und ggf. der Patient ermutigt werden, körperliche Beschwerden ärztlich abklären zu lassen.
Therapie
Die Behandlung der Schizophrenie beruht auf einem multimodalen Gesamtkonzept, das pharmakologische, psychotherapeutische, psychosoziale und rehabilitative Maßnahmen integriert. Antipsychotika bilden dabei die Grundlage sowohl in der Akutbehandlung als auch in der Rückfallprophylaxe. Zu Beginn der Therapie sollen Patientinnen und Patienten umfassend über Wirkungen, mögliche Nebenwirkungen und Behandlungsalternativen informiert und in die Entscheidungsfindung einbezogen werden.
Antipsychotika (Neuroleptika) wirken überwiegend über die Blockade dopaminerger Rezeptoren, unterscheiden sich jedoch hinsichtlich ihrer Rezeptorprofile und damit in Wirksamkeit und Nebenwirkungsmustern. Man unterscheidet historisch zwischen klassischen (typischen) und atypischen Antipsychotika. Zu den klassischen Antipsychotika zählen etwa Benperidol, Haloperidol, Melperon, Flupentixol, Fluphenazin und Perazin. Zu den atypischen Antipsychotika gehören u. a. Clozapin, Olanzapin, Quetiapin, Risperidon, Amisulprid und Aripiprazol.
Die Auswahl des Antipsychotikums richtet sich nach bisherigen Erfahrungen, Begleiterkrankungen und dem individuellen Nebenwirkungsprofil. Nebenwirkungen sollen aktiv erfragt und dokumentiert werden, um eine angemessene Anpassung der Behandlung zu ermöglichen. Clozapin gilt als wichtigste Option bei Therapieresistenz, wenn mindestens zwei andere Antipsychotika in ausreichender Dosierung und Dauer keinen ausreichenden Effekt gezeigt haben.
Nach zwei bis vier Wochen sollte der Behandlungserfolg mithilfe geeigneter Skalen überprüft werden. Bei unzureichendem Ansprechen – nach adäquater Dosierung und Einnahmedauer – kann ein Wechsel des Antipsychotikums erwogen werden. Vor einem Wechsel sollen beeinflussbare Ursachen wie unzureichende Adhärenz, pharmakokinetische Interaktionen oder zu niedrige Wirkstoffspiegel berücksichtigt werden. Auch bei belastenden Nebenwirkungen kann ein Präparatewechsel sinnvoll sein. Lang wirksame Depotpräparate stellen eine Option zur Verbesserung der Rückfallprophylaxe dar.
Neben der Pharmakotherapie sollen psychotherapeutische und psychosoziale Interventionen eingesetzt werden. Bei einer ersten psychotischen Episode wird insbesondere eine kognitive Verhaltenstherapie empfohlen. Ergänzend kommen psychoedukative Angebote, Angehörigenarbeit, Soziotherapie, Ergotherapie und rehabilitative Maßnahmen zum Einsatz, um Funktionsniveau und Teilhabe zu verbessern.
Nach einer ersten psychotischen Episode wird eine Erhaltungstherapie über mindestens ein bis zwei Jahre empfohlen. Nach einem Rezidiv sollte die Behandlung in der Regel mehrere Jahre fortgeführt werden. Bei wiederholten Rückfällen kann eine langfristige, gegebenenfalls dauerhafte Erhaltungstherapie erforderlich sein. Die Dosierung soll dabei stets so niedrig wie möglich, aber so hoch wie nötig gewählt werden.
Stehen Negativsymptome im Vordergrund, können Antipsychotika mit günstigerem Profil auf diese Symptomdimension erwogen werden. Hierzu zählt insbesondere Amisulprid.