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          < Paclitaxel >

Paclitaxel

   

Wirkmechanismus

Zytostatikum:
Hemmung der Mitose durch Bindung an β-Tubulin. Damit wird der Abbau der Mikrotubuli im Spindelapparat gestört.

Anwendung

Mammakarzinom

Das Mammakarzinom ist mit ca. 70.000 Neuerkrankungen pro Jahr der häufigste maligne Tumor der Frau. Auf struktureller Ebene überwiegt das duktal-invasive Karzinom. Der Tumor geht also von den Milchgängen aus. Der häufigste populationsbezogene Risikofaktor ist das fortgeschrittene Alter, aber die Ursachen sind vielfältig. So gibt es bestimmte Mutationen des BRCA1- und 2 Gens, aber auch hormonelle Einflüsse können eine Ursache sein.

Da bei Entdeckung durch die Frau oft schon fortgeschrittenere Stadien vorliegen, ist beim Mammakarzinom die Früherkennung sehr wichtig. Daher sollten Frauen regelmäßig Tastuntersuchungen der Brust durchführen, oder durchführen lassen. Umgehend einen Arzt aufsuchen sollten Frauen, welche Knoten in der Brust ertasten, die Einziehungen in der Haut oder der Brustwarze haben, sowie Frauen, welche Veränderungen an der Haut feststellen. Eine genetische Untersuchung soll Frauen angeboten werden, die ein hohes familiäres Risiko aufweisen. Aktuell haben Frauen in Deutschland von 50 bis 75 Jahren alle zwei Jahre Anspruch auf ein Mammographie-Screening.

In den aktuellen Leitlinien zur Behandlung von Krebserkrankungen gewinnt die Aufklärung und Beratung durch den behandelnden Arzt zunehmend an Bedeutung. Die Leitlinie (S3-Leitlinie Früherkennung, Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Mammakarzinoms 2026) gibt strukturierte Vorschläge für ein empathisches Erstgespräch, das auf Patientenwunsch auch mit Begleitperson erfolgen kann. Nachdem alle diagnoserelevanten Voruntersuchungen (Tastuntersuchungen, bildgebende Verfahren, Biopsien), Klassifikation, Staging und ggf. genetische Tests abgeschlossen sind, sollte eine partizipative Therapieentscheidung angestrebt werden.

Die Basistherapie der lokoregional begrenzte Primärerkrankung besteht in der vollständigen Tumorresektion (R0). Vor allem beim invasiven Mammakarzinom sind die Resektionsränder prognostisch entscheidend. Eine brusterhaltende Therapie (BET) mit anschließender Bestrahlung ist einer Mastektomie bezogen auf die Überlebensraten nicht generell unterlegen. Bei ausgewählten Patientinnen mit sehr niedrigem Lokalrezidivrisiko kann nach individueller Nutzen-Risiko-Abwägung auf eine postoperative Bestrahlung verzichtet werden. Eine Mastektomie sollte bei inkompletter Entfernung, inflammatorischem Mamma-CA, Kontraindikation für Bestrahlung nach BET oder auf Patientenwunsch durchgeführt werden. Auch hier kann im Nachgang eine Brustwandbestrahlung angeboten werden. Plastisch rekonstruktive Eingriffe sollten im Nachgang angeboten werden.
Die systemische Therapie kann simultan oder zeitlich sequenziell angeboten werden. Bei hohem Mortalitätsrisiko kann bei geeigneten Patientinnen eine dosisdichte Therapie eingesetzt werden.
Die Auswahl der medikamentösen Therapie richtet sich insbesondere nach Tumorstadium und Rezidivrisiko sowie nach den biologischen Eigenschaften des Tumors. Von besonderer Bedeutung sind dabei der Hormonrezeptorstatus (HR), der HER2-Status und gegebenenfalls weitere molekulargenetische Veränderungen. Entsprechend können eine endokrine Therapie, Chemotherapie, HER2-gerichtete Therapie, Immuntherapie oder weitere zielgerichtete Arzneimittel zum Einsatz kommen. Je nach Tumorbiologie und Erkrankungsstadium können diese Therapien neoadjuvant oder adjuvant sowie als Kombination verschiedener Therapieformen eingesetzt werden. Die konkrete Wirkstoffauswahl, Kombination und Therapiedauer richtet sich nach der individuellen Erkrankungssituation und sollte entsprechend der jeweils aktuellen S3-Leitlinie Mammakarzinom erfolgen.

Zu Beginn der Therapie sollte eine Knochendichtemessung durchgeführt werden. Wenn im Laufe der Therapie eine Indikation für eine knochenprotektive Therapie besteht, können Denosumab oder Bisphosphonate eingesetzt werden. Vor Einleitung der Therapie sollte ein Zahnarzt aufgesucht werden.

Bei einem Rezidiv oder einer Metastasierung sollte, wenn möglich, erneut eine histologische Untersuchung einschließlich der für die Therapieentscheidung relevanten Biomarker erfolgen, da sich die Tumoreigenschaften gegenüber der Primärerkrankung verändert haben können. Die Auswahl der systemischen Therapie richtet sich insbesondere nach Hormonrezeptor- und HER2-Status, weiteren therapierelevanten molekularen Veränderungen, Lokalisation und Ausmaß der Metastasierung, vorhandenen Symptomen, Allgemeinzustand sowie Art und Wirksamkeit vorausgegangener Therapien.
Abhängig von diesen Faktoren stehen unter anderem endokrine Therapien, Chemotherapien, HER2-gerichtete Therapien, Immuncheckpoint-Inhibitoren und weitere zielgerichtete Arzneimittel sowie Antikörper-Wirkstoff-Konjugate (ADC) zur Verfügung. Aufgrund der Vielzahl der Therapieoptionen und der sich rasch weiterentwickelnden medikamentösen Behandlung richtet sich die konkrete Auswahl und Reihenfolge der Wirkstoffe nach der jeweils aktuellen S3-Leitlinie Mammakarzinom.
Metastasen treten vor allem im Gehirn, der Leber, der Lunge, der Knochen oder als Haut- und als Weichteilmetastasen auf. Je nach gegebenen Möglichkeiten können diese resiziert und/oder bestrahlt werden. Im metastasierten Zustand sollten während der Chemotherapie regelmäßige Toxizitätsuntersuchungen und alle 6-12 Wochen eine Beurteilung des Effekts der Therapie erfolgen. Eine Unterbrechung der Therapie sollte bei klinisch relevanter Progression oder inakzeptablen Toxizität erfolgen. Eine Monochemotherapie erfolgt, wenn kein hoher Remissionsdruck vorliegt. Eine Kombination mit Bevacizumab kann erwogen werden.

Während und nach der Behandlung sollte bei den Patientinnen ein standardisiertes psychoonkologisches Screening erfolgen, um herauszufinden, ob Bedarf an psychoonkologischer Betreuung besteht. Dies soll in regelmäßigen Abständen wiederholt werden. Bei der Auswahl der geeigneten Behandlung bietet die S3 Leitlinie Psychoonkologie Unterstützung.
Eine Supportivtherapie entsprechend der Empfehlungen der S3 Leitlinie Supportive Therapie bei onkologischen Patientinnen sollte ebenfalls erwogen werden.
Die Nachsorge sollte in regelmäßigen Abständen durchgeführt werden. Empfehlungen für die notwendigen Untersuchungen und Abstände je nach Risiko können der Leitlinie Mammakarzinom entnommen werden. Rehabilitationsmaßnahmen, Bewegungsprogramme und Physiotherapie sollten angeboten werden.
Die Maßnahmen der Palliativtherapie sollten sich an den individuellen Therapie- und Lebenszielen der Patientinnen orientieren.

Patientinnen im gebärfähigen Alter sollten über die Möglichkeit des Fertilitätserhalts und ggf. der Kryokonservierung von Eizellen informiert werden. Eine Schwangerschaft nach Beendigung der Therapie hat auch beim hormonrezeptor-positiven Mamma-CA keinen Überlebensnachteil. Die endokrine Therapie kann ggf. nach der Entbindung und ggf. Stillzeit wieder aufgenommen werden. Die Behandlung eines Mamma-CAs während der Schwangerschaft sollte sich so nah wie möglich an der üblichen Therapie orientieren. Endokrine Therapien, Checkpoint-Inhibitoren und anti-HER2-Therapien sollten aber während der Schwangerschaft nicht eingesetzt werden.

Während der Therapie von älteren Patientinnen sollte ein geriatrisches Assessment durchgeführt werden, um zu ermitteln, inwiefern die Patientinnen aufgrund von Belastungen durch Vollnarkose und Chemotherapie in Kombination mit bestehenden Vorerkrankungen von einer Behandlung profitieren können. Das Alter allein ist kein Ausschlusskriterium für die Einleitung einer Therapie.

Während der gesamten Therapie sollten die Patientinnen über einen möglichen Schaden durch selbsteingeleitete komplementäre oder alternative Behandlungen aufgeklärt werden.

Es gibt digitale Gesundheitsanwendungen, die als hilfreich beurteilt werden. Diese sollten den Patientinnen angeboten und verordnet werden.

Nicht-kleinzelliges Bronchialkarzinom

Das Lungenkarzinom gehört in Deutschland zu den häufigsten malignen Tumorerkrankungen. Im Jahr 2023 erkrankten etwa 33.490 Männer und 24.850 Frauen an Lungenkrebs. Bei Männern ist Lungenkrebs weiterhin die häufigste, bei Frauen die zweithäufigste krebsbedingte Todesursache. Das relative 5-Jahres-Überleben liegt bei Männern bei etwa 19 % und bei Frauen bei etwa 25 %.
Es gibt viele Risikofaktoren, wobei Rauchen und Passivrauchen (85 % der Fälle), Ernährung, Radon und ionisierende Strahlung sowie partikuläre Luftverschmutzung und Dieselmotorenemissionen wissenschaftlich nachgewiesen sind. Bei anderen beruflichen Risikofaktoren (z. B. Asbest, Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe, Chromate, Arsen, Nickel, Dichlordimethylether, u. v. m.), die für 9-15 % der Fälle verantwortlich gemacht werden, gilt der Zusammenhang als gesichert. Da die Latenzzeit bei 30 bis 40 Jahren liegt, wird eine berufliche Anamnese empfohlen.

NSCLC
Das nicht-kleinzellige Lungenkarzinom (NSCLC; non-small cell lung cancer) macht etwa 85 % aller Lungenkarzinome aus. Histologisch werden insbesondere Adenokarzinome und Plattenepithelkarzinome sowie seltener großzellige und andere Karzinome unterschieden. Das Adenokarzinom stellt dabei den häufigsten histologischen Subtyp des NSCLC dar. Die verbleibenden etwa 15 % der Lungenkarzinome entfallen auf das kleinzellige Lungenkarzinom (SCLC; siehe unten).
Die primäre Prävention besteht darin Maßnahmen zu ergreifen, die das Auftreten der Erkrankung verhindern, also Expositionsvermeidung mit auslösenden Substanzen. Die Sekundärprävention besteht in der Früherkennung, während sich die Tertiärprävention damit beschäftigt negative Auswirkungen zu reduzieren (Supportiv- und Palliativmedizin).
Die Therapie ist vielfältig und je nach Allgemeinzustand, Stadium und Operabilität unterschiedlich, daher sollte eine sorgfältige Klassifizierung und ein genaues Staging und eine Erfassung des Mutationsstatus erfolgen. Die Aufklärung des Patienten nimmt einen wesentlichen Aspekt der Behandlung ein. Sie soll umfassend und empathisch in Etappen und mit der Möglichkeit Fragen zu stellen durchgeführt werden. Es wird empfohlen frühzeitig eine strukturierte Palliativversorgung in die Therapie zu integrieren.
Generell kommen je nach Tumorstadium, Histologie, molekularem Tumorprofil, PD-L1-Expression und Allgemeinzustand Operation, Strahlentherapie und medikamentöse Tumortherapie zum Einsatz. Die medikamentöse Therapie umfasst klassische Zytostatika wie Cisplatin, Carboplatin, Gemcitabin, Paclitaxel, Docetaxel, Vinorelbin und Pemetrexed sowie Immuncheckpoint-Inhibitoren wie Pembrolizumab, Nivolumab, Atezolizumab und Cemiplimab. Bei nicht-plattenepithelialer Histologie kann außerdem Bevacizumab Bestandteil einer Kombinationstherapie sein. Bei entsprechenden molekularen Veränderungen kommen zielgerichtete Wirkstoffe zum Einsatz, beispielsweise Osimertinib bei EGFR-mutierten, Alectinib bei ALK-positiven, Selpercatinib bei RET-Fusions-positiven oder Tepotinib bei NSCLC mit METex14-Skipping. Die konkrete Auswahl der Therapie richtet sich nach Krankheitsstadium, Histologie, molekularem Tumorprofil, PD-L1-Expression, Vorbehandlung und Allgemeinzustand.

SCLC
Das kleinzellige Bronchialkarzinom macht ca. 15 % aller Bronchialkarzinome aus (Inzidenz rückläufig) und geht von neuroendokrinen Zellen aus. Charakteristisch ist eine zentrale Anlage der Tumoren, welche manschettenartig die Bronchien umwachsen. Die Hauptursache für das Entwickeln eines kleinzelligen Bronchialkarzinoms scheint das Rauchen zu sein.
Aufgrund der frühzeitigen hämatogenen und lymphatischen Metastasierung ist das kleinzellige Lungenkarzinom prognostisch ungünstig, weist jedoch eine hohe Chemo- und Strahlensensitivität auf. Etwa 60 bis 70 % der Patienten befinden sich bei Erstdiagnose bereits im Stadium Extensive Disease. Unter der heute üblichen Chemoimmuntherapie beträgt die mediane Überlebenszeit in diesem Stadium etwa 12 Monate; etwa 15 bis 20 % der Patienten erreichen ein 3-Jahres-Überleben. In den lokal begrenzten Stadien I–III besteht dagegen ein kurativer Therapieanspruch. Insgesamt liegt die 5-Jahres-Überlebensrate des SCLC bei etwa 9 %.
Die Symptome eines Bronchialkarzinoms sind sehr uncharakteristisch. Die Patienten klagen häufig initial nur über Husten, Thoraxschmerz und leichte Luftnot. Im späteren Verlauf können das Abhusten von Schleim, Blutbeimengungen im Sputum zunehmende Luftnot und Heiserkeit auftreten. Da das kleinzellige Bronchialkarzinom zu den neuroendokrinen Tumoren gehört, können auch endokrinologische Störungen wie ein Cushingsyndrom vorkommen.
Die Aufklärung des Patienten nimmt einen wesentlichen Aspekt der Behandlung ein. Sie soll umfassend und empathisch, in Etappen und mit der Möglichkeit Fragen zu stellen durchgeführt werden. Zu Beginn der Behandlung sollten der ECOG Performance Status, Geschlecht und LDH erhoben werden. Die Therapie ist vielfältig und sollte eine Kombinationssystemtherapie (Chemotherapie) sowie stadienabhängig lokale Maßnahmen (OP und Bestrahlung) umfassen (Details können der Leitlinie entnommen werden).
Die medikamentöse Therapie des kleinzelligen Lungenkarzinoms basiert insbesondere auf Kombinationen von Cisplatin oder Carboplatin mit Etoposid. Beim kleinzelligen Lungenkarzinom im fortgeschrittenen Stadium (ES-SCLC) werden in der Erstlinientherapie eine platinbasierte Chemotherapie mit Etoposid und einem Immuncheckpoint-Inhibitor eingesetzt. Hierfür stehen unter anderem Atezolizumab, Durvalumab, Serplulimab und Tislelizumab in jeweils zugelassenen Kombinationen zur Verfügung. Bei einem SCLC im nicht fortgeschrittenen Stadium (LS-SCLC), das nach platinbasierter Radiochemotherapie nicht progredient ist, kann Durvalumab als Konsolidierungstherapie eingesetzt werden. Für die Behandlung eines Rezidivs stehen abhängig von Therapiefreiem Intervall, Vorbehandlung und Allgemeinzustand weitere medikamentöse Therapieoptionen zur Verfügung.
Die Therapieschemata können der Leitlinie (S3-Leitlinie Prävention, Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Lungenkarzinoms von Juni 2026) entnommen werden.
Bei gutem Ansprechen kommt es zunächst oft zu einer vollständigen Remission, aber im Krankheitsverlauf treten zunehmend Metastasenherde auf, die Chemotherapie resistent werden, so dass die Patienten ihrer Krankheit erliegen.

Weitere Therapieoptionen und begleitende Maßnahmen bei Lungenkrebs

Die Behandlung des Lungenkrebses mit interventionellen Verfahren zur Unterstützung der Therapie wird empfohlen. Zur psychoonkologischen Betreuung, Supportivtherapie, komplementär medizinischen Versorgung sowie zur palliativen Therapie von Patienten mit Lungenkarzinom liegen allgemeine S3-Leitlinien vor („Leitlinie zur Psychoonkologie“, „Supportivmedizin bei onkologischen Patienten“, „Komplementärmedizin in der Behandlung onkologischer Patienten“ und „Leitlinie zur Palliativmedizin“) die für Lungenkrebspatienten Anwendung finden.
Rehabilitationsverfahren inklusive aerober Ausdauertrainingsprogramme haben einen positiven Einfluss in Bezug auf die Lebensqualität und die vorhandene Luftnot und sind daher zur schnelleren Wiedererlangung der Leistungsfähigkeit zu empfehlen.
Nach Abschluss der Primärtherapie sollte ein strukturierter Nachsorgeplan für die Patienten erstellt werden um Rezidive, Zweitkarzinome, Komplikationen und Toxizitäten sowie den Bedarf für psychoonkologische Maßnahmen zu erkennen.

Kaposi-Sarkom

Beim Kaposi-Sarkom handelt es sich um eine maligne Erkrankung des Bindegewebes. Bevorzugt kommt es hierbei zu Infiltrationen in Haut und Schleimhäuten, sowie Lymphknoten. Aber auch eine Metastasierung in innere Organe ist möglich. Typischerweise tritt diese Erkrankung nur bei immunsuppressiven Patienten (AIDS-Patienten, Immunsupprimierte) auf. Angenommen wird eine Beteiligung des humanen Herpesvirus Typ 8. Allerdings sind weitere, nicht nähere bekannte Cofaktoren notwendig.

Ovariallarzinom

Das Ovarialkarzinom ist mit ca. 8000 Neuerkrankungen (2018: 7300) im Jahr der zweithäufigste Genitaltumor der Frau. Ausgangsort der Erkrankung ist das Ovarialepithel. Die Ursache für die Tumorentstehung ist nicht gänzlich geklärt, aber es scheinen zum einen genetische Mutationen daran beteiligt zu sein, zum anderen spielen Faktoren wie das Alter der Frau, Anzahl der Schwangerschaften und die hormonelle Kontrazeption eine Rolle. So geht man davon aus, dass eine Ursache für die Tumorentstehung chronische Verletzungen des Ovarialepithels durch die immer wiederkehrenden Eisprünge sein kann, was den protektiven Effekt der hormonellen Eisprunghemmung erklärt.

Wegen der zunächst uncharakteristischen Symptomatik des Tumors (Miktions- und Defäkationsstörungen, Müdigkeit, Gewichtsverlust), wird dieser in 75 % der Fälle erst in einem fortgeschrittenen Stadium diagnostiziert, was prognostisch ungünstig ist. Über alle Stadien liegt das relative 5-Jahres-Überleben bei 43 %.

Therapie
Ziel der Therapie ist zunächst die makroskopische Vollresektion, die fertilitätserhaltend erfolgen kann, solange die Erkrankung nur unilateral vorliegt. Unauffällige Lymphknoten sollten nicht vorsichtshalber entfernt werden. Wenn andere Organe mitbefallen sind, sollte eine multiviszerale Resektion erfolgen (Genitalorgane, Darm- und Leberteile, Milz, Pankreas).

Die adjuvante Chemotherapie sollte in der first-line aus Carboplatin (AUC 5) und Paclitaxel (175mg/m2 KOF) alle 3 Wochen über 6 Zyklen bestehen. Veränderungen von Dosisdichte und Intensität sollten nur innerhalb von klinischen Studien durchgeführt werden. Bei fortgeschrittenem Ovarialkarzinom kann eine Erhaltungstherapie mit Bevacizumab, PARP-Inhibitoren (Ola-, Nira-, Rucaparib) oder einer Kombination aus beiden erfolgen.

Die Rezidivbehandlung sollte ebenfalls aus einer operativen Vollresektion bestehen. Die weitere Behandlung richtet sich danach, ob die Tumore platin-sensitiv oder platinresistent sind. Platinsensitive Rezidive können mit Carboplatin in Kombination mit Gemcitabin, Paclitaxel oder Doxorubicin und ggf. Bevacizumab oder PARP-Inhibitoren behandelt werden. Bei Platin Resistenz kommen Gemcitabin, Paclitaxel (wöchentlich), pegyliertes liposomales Doxorubicin und Topotecan in Frage. Patientinnen, bei denen die platinhaltigen Therapien ausgeschöpft sind, können mit PARP-Inhibitoren als Monotherapie behandelt werden. Die Indikation für eine Strahlentherapie sollte kritisch geprüft werden.

Allen Patientinnen sollte die Möglichkeit zu rehabilitativen Maßnahmen und Sozialberatung gegeben werden, die dem Erkennen und der Behandlung von Nebenwirkungen, psychosozialer Betreuung, Verbesserung der Lebensqualität und dem Erkennen von Rezidiven oder eines Progresses dienen. Der Anschluß an eine Selbsthilfegruppe und eine gute Auflklärung über die Erkrankung und Prognosen ist sinnvoll.

Die Nachsorge sollte gründlich und vollumfassend in den ersten 3 Jahren alle 3 Monate, später halbjährlich durchgeführt werden.

Dosierung

Albumin-freie Infusion:
100-220 mg/m2 Körperoberfläche alle 2-3 Wochen intravenös über 3 Stunden

Albumin-haltige Infusion:
260 mg/m2 Körperoberfläche alle 3 Wochen intravenös über 30 Minuten

Patientenhinweis

Besonders bei der hochdosierten Therapie ist auf eine sorgfältige Mundpflege zu achten. Liegen dort bereits Infekte vor, so sollten diese vor Beginn der Therapie beseitigt werden.
Wegen der erbgutschädigenden Wirkung sollten bis sechs Monate nach der letzten Zytostatika-Gabe keine Kinder gezeugt werden.

Nebenwirkungen

  Gastrointestinale Störungen

Eine der häufigsten Störgrößen einer chemotherapeutischen Krebstherapie besteht in dem Auslösen von Erbrechen. Dabei haben die verabreichten Substanzen ein unterschiedlich emetogenes Potential. Dieses wird wie folgt beurteilt:
  • hoch emetogen (Wahrscheinlichkeit des Erbrechens ohne Prophylaxe > 90 %)
  • moderat emetogen (Wahrscheinlichkeit des Erbrechens ohne Prophylaxe > 30 % < 90 %)
  • niedrig emetogen (Wahrscheinlichkeit des Erbrechens ohne Prophylaxe > 10 % < 30 %).
Somit führt selbst bei niedrig emetogenen Substanzen die Applikation ohne antiemetische Prophylaxe sehr häufig zum Erbrechen.
Wirkstoffe mit hohem emetogenen Potential sind z. B.:
  • Cisplatin
  • Cyclophosphamid
Wirkstoffe mit moderatem emetogenen Potential sind z. B.:
  • Carboplatin
  • Oxaliplatin
  • Doxorubicin
  • Epirubicin
Wirkstoffe mit niedrigem emetogenen Potential sind z. B.:
  • Docetaxel
  • Paclitaxel
  • 5-Fluorouracil
  • Gemcitabin
  • Trastuzumab

Die Art des Erbrechens lässt sich dabei noch unterteilen in akutes Erbrechen (innerhalb 24 Stunden nach Applikation) und verzögertes Erbrechen (Tag 2-5). Während bei der akuten Emese vorrangig Serotonin eine auslösende Rolle spielt, ist für das verzögerte Erbrechen eher das Neuropeptid Y verantwortlich. Dementsprechend gibt es auch Unterschiede in der antiemetischen Prophylaxe.

Hochemetogene Wirkstoffe:
  • Tag 1: Dexamethason i.v. + Setron + Aprepitant 125 mg
  • Tag 2-4 Dexamethason i.v. + Aprepitant 80 mg (bis Tag 3)
Moderat emetogene Wirkstoffe:
  • Tag 1: Dexamethason i.v. + Setron
  • Tag 2-3: Dexamethason oder Setron oder Metoclopramid
Niedrig emetogene Wirkstoffe:
  • Tag 1: Dexamethason

Darüber hinaus hat die Anwendung von Taxanen noch weitere gastrointestianle Störungen zufolge. So finden sich oft Diarrhoen aber auch Obstipationen, sowie Schmerzen im Verdauungstrakt. Selten aber lebensbedrohlich sind vorkommende Darmverschlüsse.


  Hemmung schnell wachsender Gewebe (z. B. Blutbildung)

Es kommt oft zu Knochenmarkdepression, Schleimhautentzündung und Haarausfall.
Durch die Knochenmarkdepression kann es zu Leukozytopenie, Thrombozytopenie und Anämie kommen (Fehlen von weißen Blutzellen, Blutplättchen und Erythrozyten). Eine Leukozytopenie birgt die Gefahr lebensbedrohlicher Infektionen und eine Thrombozytopenie kann zu starken Blutungen führen.
Die Knochenmarkdepression und die damit verbundenen Nebenwirkungen kommen sehr häufig vor und sind meist dosislimitierend.
Auch die Stomatitis (Entzündung der Mundschleimhaut) und Ösophagitis tritt oft und auf, sodass hier zwei Komponenten, welche eine Sepsis begünstigen können zusammentreffen. Auch die Alopezie ist sehr oft unter Taxanen zu beobachten.

  Leberfunktionsstörungen

Unter der Anwendung von Paclitaxel kommt es manchmal zum Anstieg der Leberenzyme ALT und AST, sowie des Bilirubinwertes und der alkalischen Phosphatase, was auf eine Schädigung der Leber hinweist.
Selten führt die Applikation von Paclitaxel zu einer Leberzellnekrose, wobei hier schwere (tödliche) Verläufe beschrieben sind.

  Herz-Kreislauferkrankungen

Sehr häufig kommt es unter Einsatz von Paclitaxel zu Ödemen in peripheren Geweben. Darüber hinaus kommt es manchmal zu Herzrhythmusstörungen, Herzinsuffizienz bis hin zum Herzversagen sowie zu Störungen der Blutdruckregulation. Zudem führt die Anwendung von Paclitaxel manchmal zu thrombotischen und thrombophlebitischen Gefäßveränderungen, selten sogar bis zur Lungenembolie.

Auch ist eine erhöhte Blutungsneigung bekannt, welche manchmal zu Nasenbluten aber auch zu gastrointestinalen Blutungen führen kann.

  Entstehung von Zweittumoren

Die Substanz hat ein kanzerogenes Potential und kann so die Entstehung von Zweittumoren auslösen. Besonders sind hier Leukämien zu nennen.

  Dyspnoe

Häufig kommt es unter der Anwendung zu dyspoeischen Symptomen, welche manchmal schwerwiegenden Charakter haben. Zu den Symptomen gehören Husten, Lungenödeme aber auch Pleurergüsse.

  Allergische Reaktionen und Hauterkrankungen

Es kann sehr häufig zu Sensibilisierungsreaktionen kommen, welche sich als Erytheme, Exanthem  oder Pruritus zeigen können. Nur in Einzelfällen werden schwere allergische Reaktionen mit Bronchospasmus beobachtet.
Auch Pigmentationsstörungen der Haut und der Nägel sind beschrieben. Manchmal kommt es zu Ablösungen der Nägel.
Manchmal tritt bei der Therapie mit Docetaxel das sogenannte Hand-Fuß-Syndrom auf, welches im leichtesten Falle mit einer Schwellung und Rötung sowie Schmerzen der Handinnenflächen und Fußsohlen einhergeht. In schweren Fällen kann es auch zu Blasenbildungen und Hautablösungen an besagten Stellen kommen.

  Infektionen

Durch das geschwächte Immunsystem kann es leichter zu Infektionen kommen, die aufgrund des geschwächten Organismus schnell einen schweren Verlauf bis hin zur Sepsis nehmen können.

  Neurologische Störungen

Sehr häufig kommt es unter Paclitaxel zu neurologischen Erscheinungen, welche sich als Parästhesien (neurosensorische Störungen), neuromotorischer Schwäche sowie Geschmacksstörungen zeigen. Darüber hinaus sind neuro-psychiatrische Erkrankungen, welche sich oft als Schlaflosigkeit und manchmal Nervosität und Depressionen äußern, Folge der Anwendung der Substanz.
Allgemein führt die Substanz sehr häufig zu Müdigkeit und Erschöpfung des therapierten Patienten.

  Schmerzen

Sehr häufig kommt es unter Paclitaxel zu Muskel- und Gelenkschmerzen.

Kontraindikationen

Schwere Beeinträchtigung der Knochenmarkfunktion

Die Substanz verursacht selbst eine Knochenmarkdepression und sollte deshalb bei schwer beeinträchtigter Knochenmarkfunktion nicht angewendet werden.
Konkret wird eine Applikation bei einer Neutrophilenzahl < 1500/mm3 als kontraindiziert angesehen.

Schwere Infektionen

Da die Anwendung von Paclitaxel zu einer verminderten Immunkompetenz und damit selbst zu Infektionen führen kann, ist der Einsatz bei bestehenden schweren, unbeherrschten Infektionen kontraindiziert.

Schwere Leberfunktionsstörung

Die Leber stellt das wichtigste Organ für die Biotransformation von Arzneistoffen dar. Häufig wird durch die Verstoffwechselung von Arzneistoffen deren Ausscheidung erst ermöglicht: Arzneistoffe mit Molekulargewicht über 500 können über Leber und Galle ausgeschieden werden, wohingegen man leichtere Arzneistoffe häufiger im Urin findet.

Ist die Funktion der Leber eingeschränkt, kann dies für die Arzneimitteltherapie insofern von Bedeutung sein, als dass Arzneistoffe länger im Organismus verbleiben, da die vor der Ausscheidung notwendige Biotransformation mehr Zeit beansprucht. In vielen Fällen wird daher eine Herabsetzung der Dosis oder des Dosierintervalles sowie eine Überwachung der Wirkstoffspiegel angezeigt sein, ggf. ist die Gabe des betreffenden Arzneistoffes sogar kontraindiziert. Möglich ist jedoch auch der Fall, dass ein unwirksames Prodrug durch die Leber nur verzögert oder gar nicht in die aktive Wirkform überführt werden kann.

Da Docetaxel und andere Taxane primär hepato-biliär eliminiert werden, ist eine Applikation bei Patienten mit schwerer Leberschädigung kontraindiziert. Dieses liegt zum einen an der Hepatotoxizität der Substanz und zum anderen an der Gefahr des verlangsamten Abbaus der Substanz und der damit einhergehenden systemischen Toxizität.

Schwangerschaft und Stillzeit

Es gibt keine Hinweise auf eine Embryo-toxische Wirkung der Substanz beim Menschen, allerdings haben Tierversuche entsprechende Belege geliefert, sodass die Substanz während der Schwangerschaft nicht appliziert werden darf, es sei denn, eine zwingende Indikation liegt vor.

Da die Substanz ergutverändernd wirkt, sollten Paare bis 6 Monate nach Ende der Therapie keine Kinder zeugen.

Es ist nicht bekannt, ob die Substanz in die Muttermilch übergeht. Aufgrund der hohen Lipophilie der Substanz und der potentiell schwerwiegenden Folgen für den Säugling, sollte während der Therapie nicht gestillt werden.

Wechselwirkungen

  Doxorubicin

Wenn beide Substanzen in engem zeitlichen Abstand zueinander gegeben werden, kann es zu einem verminderten Abbau von Doxorubicin und damit zu verstärkten Nebenwirkungen kommen. Daher sollte zwischen den Applikationen 24 Stunden liegen.

Zu Doxorubicin wechseln

  Cisplatin

Wird Paclitaxel nach Cisplatin appliziert, so kann es zu einer verminderten Clearance von Paclitaxel und zu einem erhöhten Risiko eines Nierenversagens kommen. Daher sollte Paclitaxel immer vor Cisplatin appliziert werden.

Zu Cisplatin wechseln

  Ritonavir

Studien an Patienten mit Kaposi-Sarkom haben gezeigt, dass es unter der Gabe von Ritonavir zu einer verringerten Clearance von Paclitaxel kommt.

Ritonavir anzeigen

  CYP3A4-Inhibitoren

Paclitaxel ist Substrat von CYP2C8 und 3A4. Daher sollte die gleichzeitige Anwendung von Modulatoren dieses Enzymsystems unter Vorsicht erfolgen, auch wenn Ketoconazol als starker Inhibitor augenscheinlich keinen Effekt auf die Pharmakokinetik von Paclitaxel hat.

Die Cytochrom P450-Enzyme (kurz CYP) sind maßgeblich an der Biotransformation von Arzneimitteln beteiligt. CYP-Enzyme sind mischfunktionelle Monooxygenasen, d. h. sie führen ein Sauerstoffatom in das zu transformierende Molekül ein. Durch diese Reaktionen (z. B. Hydroxylierung, N- und S-Oxidation, N- und O-Desalkylierung, Desaminierung) werden die Moleküle hinsichtlich einer leichteren Eliminierbarkeit funktionalisiert. Die CYP-Enzyme weisen eine breite Substratspezifität auf und sind damit für die Biotransformation von vielen, auch strukturell unterschiedlichen Arzneistoffen von Bedeutung. Sowohl der Dünndarm als auch die Leber sind im Bezug auf die CYP-Enzyme die Schlüsselorgane, wobei letztere den höchsten CYP-Enzym-Gehalt aufweist. Häufig sind bestimmte CYP-Enzyme durch Arzneistoffe, aber auch durch Nahrungsbestandteile und Umweltgifte induzier- oder hemmbar. Von größter Bedeutung für die Metabolisierung von Arzneistoffen ist das Isoenzym 3A4.

Zur Gruppe der Arzneistoffe, die Cytochrom P450 Isoenzym 3A4 hemmen, gehören Ciclosporin, Tacrolimus, Aprepitant, Cimetidin, Chloramphenicol, Azol-Antimykotika (Ketoconazol, Itraconazol, Clotrimazol), Antibiotika (Erythromycin, Clarithromycin, NICHT Azithromycin), Virostatika (Delaviridin, Indinavir, Ritonavir, Nelfinavir), Diltiazem, Verapamil, Nifedipin, Felodipin u. a. Auch einige Lebensmittel wie z. B. Grapefruitsaft oder Sternfrucht (Karambole) hemmen CYP3A4. Eine besonders starke Hemmung des Isoenzyms 3A4 können z. B. Azolantimykotika und Virustatika hervorrufen.

Zur Gruppe der Induktoren von Cytochrom P450 Isoenzym 3A4 gehören: Virostatika (Efavirenz, Nevirapin), Barbiturate (Phenobarbital), Carbamazepin, Phenytoin, Rifampicin, Johanniskrautextrakte, Oxcarbazepin, Rifabutin.

U. a. werden folgende Arzneistoffe über das Isoenzym 3A4 metabolisiert und daher als Substrate von CYP 3A4 bezeichnet: Benzodiazepine (Alprazolam, Diazepam), Calciumantagonisten (Nifedipin, Amlodipin), HMG-CoA-Reduktasehemmer (Simvastatin, Atorvastatin, Lovastatin; NICHT Fluvastatin und Pravastatin), Phosphodiesteradeinhibitoren (Sildenafil, Tadalafil, Vardenafil), Alfuzosin, Cabergolin, Ciclosporin, Indinavir, Montelukast.

CYP3A4-Inhibitoren anzeigen

  CYP3A4-Induktoren

Paclitaxel ist Substrat von CYP2C8 und 3A4. Daher sollte die gleichzeitige Anwendung von Modulatoren dieses Enzymsystems unter Vorsicht erfolgen, auch wenn Ketoconazol als starker Inhibitor augenscheinlich keinen Effekt auf die Pharmakokinetik von Paclitaxel hat.

Die Cytochrom P450-Enzyme (kurz CYP) sind maßgeblich an der Biotransformation von Arzneimitteln beteiligt. CYP-Enzyme sind mischfunktionelle Monooxygenasen, d. h. sie führen ein Sauerstoffatom in das zu transformierende Molekül ein. Durch diese Reaktionen (z. B. Hydroxylierung, N- und S-Oxidation, N- und O-Desalkylierung, Desaminierung) werden die Moleküle hinsichtlich einer leichteren Eliminierbarkeit funktionalisiert. Die CYP-Enzyme weisen eine breite Substratspezifität auf und sind damit für die Biotransformation von vielen, auch strukturell unterschiedlichen Arzneistoffen von Bedeutung. Sowohl der Dünndarm als auch die Leber sind im Bezug auf die CYP-Enzyme die Schlüsselorgane, wobei letztere den höchsten CYP-Enzym-Gehalt aufweist. Häufig sind bestimmte CYP-Enzyme durch Arzneistoffe, aber auch durch Nahrungsbestandteile und Umweltgifte induzier- oder hemmbar. Von größter Bedeutung für die Metabolisierung von Arzneistoffen ist das Isoenzym 3A4.

Zur Gruppe der Arzneistoffe, die Cytochrom P450 Isoenzym 3A4 hemmen, gehören Ciclosporin, Tacrolimus, Aprepitant, Cimetidin, Chloramphenicol, Azol-Antimykotika (Ketoconazol, Itraconazol, Clotrimazol), Antibiotika (Erythromycin, Clarithromycin, NICHT Azithromycin), Virostatika (Delaviridin, Indinavir, Ritonavir, Nelfinavir), Diltiazem, Verapamil, Nifedipin, Felodipin u. a. Auch einige Lebensmittel wie z. B. Grapefruitsaft oder Sternfrucht (Karambole) hemmen CYP3A4. Eine besonders starke Hemmung des Isoenzyms 3A4 können z. B. Azolantimykotika und Virustatika hervorrufen.

Zur Gruppe der Induktoren von Cytochrom P450 Isoenzym 3A4 gehören: Virostatika (Efavirenz, Nevirapin), Barbiturate (Phenobarbital), Carbamazepin, Phenytoin, Rifampicin, Johanniskrautextrakte, Oxcarbazepin, Rifabutin.

U. a. werden folgende Arzneistoffe über das Isoenzym 3A4 metabolisiert und daher als Substrate von CYP 3A4 bezeichnet: Benzodiazepine (Alprazolam, Diazepam), Calciumantagonisten (Nifedipin, Amlodipin), HMG-CoA-Reduktasehemmer (Simvastatin, Atorvastatin, Lovastatin; NICHT Fluvastatin und Pravastatin), Phosphodiesteradeinhibitoren (Sildenafil, Tadalafil, Vardenafil), Alfuzosin, Cabergolin, Ciclosporin, Indinavir, Montelukast.

CYP3A4-Induktoren anzeigen

Strukturformel

Strukturformel

Kommentar

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Wirkmechanismus

Tumoren zeichnen sich im Gegensatz zu gesundem Gewebe dadurch aus, dass sie:
  • unabhängig von Wachstumssignalen sind
  • insensitiv für hemmende Wachstumssignale sind
  • Apoptose (programmierter Zelltod) umgehen oder vermeiden
  • sich das Potential zur unbegrenzten Replikation aneignen
  • die Versorgung mit Blutgefäßen induzieren (Angiogenese)
  • infiltrierend wachsen und metastasieren.

Durch Zytostatika wird die Zellteilung gehemmt. Dabei schlägt die Therapie um so effektiver an, je schneller der Tumor wächst. Dies liegt daran, dass die Chemotherapeutika besonders gut auf proliferierende Zellen wirken, also auf Zellen, die noch nicht ausdifferenziert sind und sich nicht in der Ruhe-Phase befinden.
Je nach Angriffspunkt im Zellzyklus werden phasenspezifische und phasenunspezifische Substanzen unterschieden. Phasenspezifische Substanzen wirken nur in einzelnen Phasen des Zellzyklus. So wirken z. B. Antimetaboliten in der S-Phase, in der die DNA-Replikation stattfindet, und Mitosehemmstoffe in der Mitose-Phase. Phasenunspezifisch wirken z. B. Antrazykline und Alkylantien. Dennoch ist ihre Wirksamkeit auf proliferierende Zellen deutlich höher als auf ruhende.
Durch die Zytostatika werden die Tumorzellen eliminiert, indem die Apoptose induziert wird. Diese ist allerdings abhängig vom Tumorsuppressorprotein p53, dessen kodierende Gene geschädigt sein können, wodurch eine Tumorresistenz gegen Chemotherapeutika ausgelöst werden kann.
Die meisten Zytostatika schädigen neben den Tumorzellen auch gesunde Zellen. Dabei sind Zellen und Gewebe mit hoher Proliferationsrate, wie Knochenmark, Epithel des Gastrointestinaltrakts und Haarfollikel, besonders stark betroffen (Nebenwirkungen wie Knochenmarkdepression, Schleimhautentzündung und Haarausfall liegen darin begründet). Zytostatika haben neben ihrer tumorhemmenden Wirkung auch ein teratogenes, mutagenes und onkogenes Potential, d. h. sie können selbst die Entstehung eines Zweittumors auslösen. Als besonders kanzerogen einzustufen sind die Alkylantien.

Taxane wie Docetaxel und Paclitaxel wirken dahingehend cytotoxisch, indem sie mit dem Spindelapparat interagieren. Der Spindelapparat, bzw. seine dynamische Aggregation und Desaggregation sind zwingend für die Zellteilung und den Stofftransport in der Zelle und damit für deren Überleben notwendig. Durch Taxane kommt es zu einer Arretierung des Zellzyklus, indem die Desaggregation der Spindeln in der G2-Phase des Zellzyklus und in der Mitose gehemmt werden. Resultat dieser Arretierung des Zellzyklus ist die Induktion der Apoptose.
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Patientenhinweis

Die Substanz wirkt immunsuppressiv. Gelangen Keime durch die geschädigte Mundschleimhaut in die Blutbahn, so können sie leicht schwere Infekte hervorrufen.
Unter der Anwendung von Taxanen kann es bei Männern zur Unfruchtbarkeit kommen. Daher sollte bei Männern mit Kinderwunsch eine Kryokonservierung des Spermas erfolgen.
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Dosierung

Die Standarddosis an Paclitaxel beträgt 175 mg/m2 Körperoberfläche verabreicht über 3 Stunden alle 21 Tage. Abweichend hiervon kann:
  • beim Ovarialkarzinom eine Gabe von 135 mg/m2 KOF über 24 Stunden
  • beim Mammakarzinom eine Gabe von 220 mg/m2 KOF
  • und beim Kaposi-Sarkom eine Gabe von 100 mg/m2 KOF (alle 14 Tage) erfolgen.

Generell darf eine Applikation erst erfolgen wenn die Zahl der Neutrophilen >1500/mm3 (1000 bei Kaposi-Sarkom) und die der Thrombozyten >100000/mm3 (75000 bei Kaposi-Sarkom) beträgt.
Sollte es unter der Therapie zu einer schweren Neutropenie > 7 Tage oder schweren Neuropathie kommen, so ist eine Dosisreduktion von 20 % (Bronchialkarzinom und Ovarialkarzinom First-Line) bzw. 25 % (metastasieretes Ovarial- oder Mammakarzinom, Kaposi-Sarkom) durchzuführen. Kommt es unter der Therapie zu einer schwerwiegenden Mukositis, so ist die Dosis bei allen Indikationen um 25 % zu reduzieren.

Bei der Anwendung von Paclitaxel-Albumin sollte bei schweren Neutropenien > 7 Tage eine Dosisreduktion von 260 mg/m2 KOF auf 220 mg/m2 erfolgen. Kommt es danach erneut zu schweren Neutropenien > 7 Tage ist die Dosis auf 180 mg/m2 zu reduzieren. Ähnlich soll auch beim Auftreten schwerer Neuropathien verfahren werden.

Wegen des allergenen Potentials muss eine antihistaminische Begleitmedikation gegeben werden.
Diese besteht aus einer Kombination aus 20 mg Dexamethason, einem H1- und einem H2 Antihistaminikum, welche ca. 30-60 Minuten vor der Applikation des Paclitaxels injiziert werden. Dexamethason kann alternativ 12 und 6 Stunden vor der Paclitaxel-Gabe peroral appliziert werden.

Wussten Sie schon?

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Vorteile: Offline verfügbar, Lerntools, Fortbildungen u.v.m.

Mehr erfahren Sie auf www.wirkstoffprofile.de.

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