Das Lungenkarzinom gehört in Deutschland zu den häufigsten malignen Tumorerkrankungen. Im Jahr 2023 erkrankten etwa 33.490 Männer und 24.850 Frauen an Lungenkrebs. Bei Männern ist Lungenkrebs weiterhin die häufigste, bei Frauen die zweithäufigste krebsbedingte Todesursache. Das relative 5-Jahres-Überleben liegt bei Männern bei etwa 19 % und bei Frauen bei etwa 25 %.
Es gibt viele Risikofaktoren, wobei Rauchen und Passivrauchen (85 % der Fälle), Ernährung, Radon und ionisierende Strahlung sowie partikuläre Luftverschmutzung und Dieselmotorenemissionen wissenschaftlich nachgewiesen sind. Bei anderen beruflichen Risikofaktoren (z. B. Asbest, Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe, Chromate, Arsen, Nickel, Dichlordimethylether, u. v. m.), die für 9-15 % der Fälle verantwortlich gemacht werden, gilt der Zusammenhang als gesichert. Da die Latenzzeit bei 30 bis 40 Jahren liegt, wird eine berufliche Anamnese empfohlen.
NSCLC
Das nicht-kleinzellige Lungenkarzinom (NSCLC; non-small cell lung cancer) macht etwa 85 % aller Lungenkarzinome aus. Histologisch werden insbesondere Adenokarzinome und Plattenepithelkarzinome sowie seltener großzellige und andere Karzinome unterschieden. Das Adenokarzinom stellt dabei den häufigsten histologischen Subtyp des NSCLC dar. Die verbleibenden etwa 15 % der Lungenkarzinome entfallen auf das kleinzellige Lungenkarzinom (SCLC; siehe unten).
Die primäre Prävention besteht darin Maßnahmen zu ergreifen, die das Auftreten der Erkrankung verhindern, also Expositionsvermeidung mit auslösenden Substanzen. Die Sekundärprävention besteht in der Früherkennung, während sich die Tertiärprävention damit beschäftigt negative Auswirkungen zu reduzieren (Supportiv- und Palliativmedizin).
Die Therapie ist vielfältig und je nach Allgemeinzustand, Stadium und Operabilität unterschiedlich, daher sollte eine sorgfältige Klassifizierung und ein genaues Staging und eine Erfassung des Mutationsstatus erfolgen. Die Aufklärung des Patienten nimmt einen wesentlichen Aspekt der Behandlung ein. Sie soll umfassend und empathisch in Etappen und mit der Möglichkeit Fragen zu stellen durchgeführt werden. Es wird empfohlen frühzeitig eine strukturierte Palliativversorgung in die Therapie zu integrieren.
Generell kommen je nach Tumorstadium, Histologie, molekularem Tumorprofil, PD-L1-Expression und Allgemeinzustand Operation, Strahlentherapie und medikamentöse Tumortherapie zum Einsatz. Die medikamentöse Therapie umfasst klassische Zytostatika wie Cisplatin, Carboplatin, Gemcitabin, Paclitaxel, Docetaxel, Vinorelbin und Pemetrexed sowie Immuncheckpoint-Inhibitoren wie Pembrolizumab, Nivolumab, Atezolizumab und Cemiplimab. Bei nicht-plattenepithelialer Histologie kann außerdem Bevacizumab Bestandteil einer Kombinationstherapie sein. Bei entsprechenden molekularen Veränderungen kommen zielgerichtete Wirkstoffe zum Einsatz, beispielsweise Osimertinib bei EGFR-mutierten, Alectinib bei ALK-positiven, Selpercatinib bei RET-Fusions-positiven oder Tepotinib bei NSCLC mit METex14-Skipping. Die konkrete Auswahl der Therapie richtet sich nach Krankheitsstadium, Histologie, molekularem Tumorprofil, PD-L1-Expression, Vorbehandlung und Allgemeinzustand.
SCLC
Das kleinzellige Bronchialkarzinom macht ca. 15 % aller Bronchialkarzinome aus (Inzidenz rückläufig) und geht von neuroendokrinen Zellen aus. Charakteristisch ist eine zentrale Anlage der Tumoren, welche manschettenartig die Bronchien umwachsen. Die Hauptursache für das Entwickeln eines kleinzelligen Bronchialkarzinoms scheint das Rauchen zu sein.
Aufgrund der frühzeitigen hämatogenen und lymphatischen Metastasierung ist das kleinzellige Lungenkarzinom prognostisch ungünstig, weist jedoch eine hohe Chemo- und Strahlensensitivität auf. Etwa 60 bis 70 % der Patienten befinden sich bei Erstdiagnose bereits im Stadium Extensive Disease. Unter der heute üblichen Chemoimmuntherapie beträgt die mediane Überlebenszeit in diesem Stadium etwa 12 Monate; etwa 15 bis 20 % der Patienten erreichen ein 3-Jahres-Überleben. In den lokal begrenzten Stadien I–III besteht dagegen ein kurativer Therapieanspruch. Insgesamt liegt die 5-Jahres-Überlebensrate des SCLC bei etwa 9 %.
Die Symptome eines Bronchialkarzinoms sind sehr uncharakteristisch. Die Patienten klagen häufig initial nur über Husten, Thoraxschmerz und leichte Luftnot. Im späteren Verlauf können das Abhusten von Schleim, Blutbeimengungen im Sputum zunehmende Luftnot und Heiserkeit auftreten. Da das kleinzellige Bronchialkarzinom zu den neuroendokrinen Tumoren gehört, können auch endokrinologische Störungen wie ein Cushingsyndrom vorkommen.
Die Aufklärung des Patienten nimmt einen wesentlichen Aspekt der Behandlung ein. Sie soll umfassend und empathisch, in Etappen und mit der Möglichkeit Fragen zu stellen durchgeführt werden. Zu Beginn der Behandlung sollten der ECOG Performance Status, Geschlecht und LDH erhoben werden. Die Therapie ist vielfältig und sollte eine Kombinationssystemtherapie (Chemotherapie) sowie stadienabhängig lokale Maßnahmen (OP und Bestrahlung) umfassen (Details können der Leitlinie entnommen werden).
Die medikamentöse Therapie des kleinzelligen Lungenkarzinoms basiert insbesondere auf Kombinationen von Cisplatin oder Carboplatin mit Etoposid. Beim kleinzelligen Lungenkarzinom im fortgeschrittenen Stadium (ES-SCLC) werden in der Erstlinientherapie eine platinbasierte Chemotherapie mit Etoposid und einem Immuncheckpoint-Inhibitor eingesetzt. Hierfür stehen unter anderem Atezolizumab, Durvalumab, Serplulimab und Tislelizumab in jeweils zugelassenen Kombinationen zur Verfügung. Bei einem SCLC im nicht fortgeschrittenen Stadium (LS-SCLC), das nach platinbasierter Radiochemotherapie nicht progredient ist, kann Durvalumab als Konsolidierungstherapie eingesetzt werden. Für die Behandlung eines Rezidivs stehen abhängig von Therapiefreiem Intervall, Vorbehandlung und Allgemeinzustand weitere medikamentöse Therapieoptionen zur Verfügung.
Die Therapieschemata können der Leitlinie (S3-Leitlinie Prävention, Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Lungenkarzinoms von Juni 2026) entnommen werden.
Bei gutem Ansprechen kommt es zunächst oft zu einer vollständigen Remission, aber im Krankheitsverlauf treten zunehmend Metastasenherde auf, die Chemotherapie resistent werden, so dass die Patienten ihrer Krankheit erliegen.
Weitere Therapieoptionen und begleitende Maßnahmen bei Lungenkrebs
Die Behandlung des Lungenkrebses mit interventionellen Verfahren zur Unterstützung der Therapie wird empfohlen. Zur psychoonkologischen Betreuung, Supportivtherapie, komplementär medizinischen Versorgung sowie zur palliativen Therapie von Patienten mit Lungenkarzinom liegen allgemeine S3-Leitlinien vor („Leitlinie zur Psychoonkologie“, „Supportivmedizin bei onkologischen Patienten“, „Komplementärmedizin in der Behandlung onkologischer Patienten“ und „Leitlinie zur Palliativmedizin“) die für Lungenkrebspatienten Anwendung finden.
Rehabilitationsverfahren inklusive aerober Ausdauertrainingsprogramme haben einen positiven Einfluss in Bezug auf die Lebensqualität und die vorhandene Luftnot und sind daher zur schnelleren Wiedererlangung der Leistungsfähigkeit zu empfehlen.
Nach Abschluss der Primärtherapie sollte ein strukturierter Nachsorgeplan für die Patienten erstellt werden um Rezidive, Zweitkarzinome, Komplikationen und Toxizitäten sowie den Bedarf für psychoonkologische Maßnahmen zu erkennen.