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          < Probenecid >

Probenecid

      

Wirkmechanismus

Hemmung der tubulären Rückresorption von Harnsäure: Vermehrte Harnsäureausscheidung (Urikosurikum)

Anwendung

Primäre und sekundäre Hyperurikämie

Eine Hyperurikämie bezeichnet eine Erhöhung des Harnsäurespiegels im Blut über 6,5 mg/dl (387 µmol/l). Der Grenzwert ergibt sich aus der physikalischen Löslichkeit von Natriumurat bei 37 Grad Celsius und pH 7,4 (= physiologische Bedingungen im Körper). Sie muss nicht mit klinischen Symptomen einhergehen. Die klinische Manifestation einer Hyperurikämie ist die Gicht (Arthritis urica, im Volksmund „Zipperlein“). Sie ist eine Erkrankung des Purin-Stoffwechsels. Purine wie Adenin und Guanin spielen eine wichtige Rolle als DNA-Bausteine. Über deren Abbauprodukt Xanthin entsteht durch die Xanthinoxidase Harnsäure, eine harnpflichtige Substanz.

Beim Überschreiten der Löslichkeitsgrenze von Harnsäure im Blut fallen Harnsäurekristalle in schlecht durchbluteten Geweben aus und führen dann meist zu einem Gichtanfall, der akut schmerzhaften Manifestation der Gicht. Es handelt sich um eine rasch einsetzende Entzündung meist nur eines Gelenks (Monoarthritis in 90 % der Fälle) ohne ein vorangegangenes Trauma, die oft innerhalb weniger Stunden eine maximale entzündliche Aktivität mit den klassischen Entzündungszeichen (starke Schmerzen (dolor), Überwärmung (calor), Schwellung (tumor) und Rötung (rubor), Funktionsbeeinträchtigung (functio laesa)) hervorruft.
Typische Bezeichnungen für häufig vorkommende Gelenkentzündungen bei der akuten Gicht sind Podagra (= „Fußfessel“) oder Chiragra (= „Handfessel“). Weitere häufig betroffene Gelenke sind das Kniegelenk, Sprunggelenk, Ellenbogengelenk, Daumensattelgelenk und die Handwurzel. Bei schweren Gichtanfällen kann auch Fieber auftreten.
Der starke Entzündungsreiz im Gewebe setzt einen circulus vitiosus in Gang: Einwandernde Leukozyten (weiße Blutkörperchen) phagozytieren die Harnsäurekristalle. Die entstehenden Phagolysosomen rupturieren und führen zur Autolyse der Zelle. Der Austritt lysosomaler Enzyme verstärkt die Entzündung. Sie greifen das umliegende Gewebe an und der pH-Wert sinkt. Bei sinkendem pH sinkt allerdings auch die Löslichkeit von Harnsäure, so dass noch mehr Harnsäure auskristallisieren kann.
Gichtanfälle treten häufig nachts oder am Morgen auf. Begünstigende Faktoren sind Übergewicht und der vorangegangene Genuss von Alkohol und/oder Fleisch. Der Abbau von Alkohol erhöht im Organismus den Laktatspiegel und senkt damit den pH-Wert im Blut, so dass eine Auskristallisation von Harnsäure begünstigt wird. Weiterhin hemmt Alkohol die ADH-Ausschüttung (antidiuretisches Hormon, Vasopressin). Es kommt zu einer verstärkten Diurese mit begleitender Erhöhung der Harnsäurekonzentration in einem geringeren Plasmavolumen. Fleisch, aber auch andere Nahrung wie z. B. Hefe (in Bier!), Hülsenfrüchte (Bohnen, Linsen, Erbsen) oder Fisch sind sehr purinreich und gehören zu den externen Faktoren, die den endogenen Harnsäurespiegel erhöhen. Auch Medikamente, wie Schleifen- und Thiazid-Diuretika, können die Serumharnsäure erhöhen und sollten nur bei strenger Indikationsstellung verordnet werden. Eine Medikationsanalyse ist sinnvoll, da es sich häufig um Patienten mit Komorbiditäten handelt und bei den empfohlenen Medikamenten ein hohes Interaktionspotenzial besteht.

Die klinische Diagnose sollte die Anamnese (akuter Schmerz ohne vorhergehende Traumata), den Befund (Lokalisation, Rötung, Wärme, Schwellung, Gewebeablagerungen) und den Serumharnsäurewert umfassen. Eine weitere Diagnostik ist nur bei untypischen Fällen indiziert. Im Blut findet man eine Leukozytose (Erhöhung der weißen Blutkörperchen). Die Blutkörperchensenkungsgeschwindigkeit (BSG) ist stark erhöht. Der Harnsäurespiegel im Blut ist im Anfall nur bei einem Drittel der Patienten erhöht. Zum einen kann durch den Ausfall von Harnsäurekristallen der Spiegel bereits wieder abgesunken sein, zum anderen kann bei normalem Serum-Harnsäurespiegel lokal in schlecht durchbluteten Gewebe eine viel höhere Harnsäurekonzentration vorliegen. Eine Gelenkpunktion zum Nachweis von Uratkristallen sollte im hausärztlichen Bereich nicht durchgeführt werden. Die EULAR-Empfehlungen (european league against rheumatism) gehen jedoch dahin, bei jeder Person mit Verdacht auf Gicht eine Suche nach Uratkristallen in der Synovialflüssigkeit (Gelenkflüssigkeit) oder im Tophus-Aspirat (Plural: Tophi) durchzuführen. Tophi nennt man die sichtbaren Gewebeablagerungen von Urat im Weichteil und Knorpelgewebe. Äußerlich sichtbar sind sie, wenn sie sich in der Subcutis (Unterhaut, z. B. an der Ohrmuschel), in Sehnenscheiden oder Schleimbeuteln ablagern. Diese Gewebeablagerungen können zwar zunächst asymptomatisch bleiben, jedoch schädigen sie zum einen auf längere Sicht das Gewebe mit entsprechenden Komplikationen (siehe oben), zum anderen ist jederzeit eine Exacerbation (= akute Verschlechterung) zu einem akuten Gichtanfall möglich.
Die Prävalenz der akuten Gicht liegt bei 1-2 % der Bevölkerung und die wichtigste Differentialdiagnose beim akuten Gichtanfall ist die septische Arthritis.
Im Hinblick auf die Symptomatik bei Hyperurikämie und Gicht hat sich eine klinische Einteilung bewährt:
  1. Asymptomatische Gewebeablagerungen von Urat (Salze der Harnsäure)
  2. Akuter Gichtanfall
  3. Interkritische Phasen (zwischen zwei Gichtanfällen ggf. mit zunehmenden Uratablagerungen im Gewebe
  4. Chronische Gicht

Therapie des akuten Anfalls
Ein akuter Gichtanfall sollte schnellstmöglich medikamentös behandelt werden (innerhalb von 12-24 Stunden). Der akute Zustand kann sonst über Tage andauern und das Risiko von Langzeitfolgen erhöhen. Der Grundsatz einer schnellstmöglichen medikamentösen Therapie führt inzwischen dazu, dass man bei bekannter Gicht den Patienten darin schult, bei ersten Anzeichen eine zuvor verordnete Selbstmedikation durchzuführen.
Bei der Therapie eines akuten Gichtanfalls sind Colchicin, Glucocorticoide oder NSAR Mittel der ersten Wahl. Die Auswahl sollte aufgrund von Begleiterkrankungen, Wechselwirkungen und Kontraindikationen erfolgen.
  • Am ersten Tag sollten 2 mg Colchicin gegeben werden, gefolgt von 2-3mal täglich 0,5 mg am 2. und 3. Tag. Die Höchstdosis von 6 mg pro Gichtanfall sollte nur in Ausnahmefällen überschritten werden.
  • Glucocorticoide sollten über fünf Tage morgens in einer Einmaldosierung gegeben werden, die 30 mg Prednisolonäquivalenten entspricht.
  • Als NSAR kann z. B. für eine Woche 2 x 500 mg Naproxen verwendet werden.
Supportiv sollte das betroffene Areal ruhiggestellt, hochgelagert und gekühlt werden.
Bei nicht ausreichender Wirksamkeit oder Kontraindikationen gegen die Wirkstoffe der ersten Wahl und bei Vorliegen von mehr als 3 Gichtanfällen pro Jahr kann eine Therapie mit Canakinumab erwogen werden.
Nach einem ersten Gichtanfall muss der Patient über mögliche Lebensstiländerungen aufgeklärt werden:
  • Übergewicht sollte langsam reduziert werden. Dabei sollte die Ernährung auf purinarme Kost umgestellt, d. h. purinreiche Lebensmittel wie Fisch, Fleisch, Hülsenfrüchte oder (Bier-)Hefe sollen reduziert werden. Dabei sollten üppige Mahlzeiten, aber auch langes Fasten vermieden werden.
  • Sofern keine Kontraindikation wie z. B. eine Herzinsuffizienz besteht, sollten mindestens 2 Liter Flüssigkeit am Tag zugeführt werden.
  • Alkohol kann einen Gichtanfall auslösen (siehe oben). Daher sollte ein kompletter Verzicht auf Alkohol angestrebt werden.
  • Körperliche Aktivität hilft, den Harnsäurespiegel im Blut zu senken.

Nach einem beeinträchtigenden Anfall, bei mehr als einem Anfall pro Jahr bzw. bei chronischer Gicht soll mit einer harnsäuresenkenden Therapie begonnen werden. Zielwert ist ein Serum-Harnsäurespiegel < 6 mg/dl.
Das Therapieziel ist, ein Fortschreiten der Gicht und eventuelle neue Gichtanfälle zu verhindern, eventuelle Uratablagerungen wieder aufzulösen und die Tophusbildung rückgängig zu machen. Eine erhöhte Serumharnsäure ohne Folgeerkrankung wie Gicht oder Urolithiasis stellt keine Indikation für eine medikamentöse Intervention dar. Jedoch gilt dieses Prinzip nicht bei sekundären Hyperurikämien im Rahmen einer Tumorerkrankung (z. B. Leukämien) und/oder einer Behandlung mit Zytostatika. Hier muss prophylaktisch wegen zu erwartender massiv erhöhter Harnsäurespiegel neben der eventuellen Gabe von Allopurinol mit Rasburicase oder Pegloticase, einem Enzym, das Harnsäure in deutlich besser lösliches Allantoin umwandelt, therapiert werden.
Mittel der ersten Wahl ist Allopurinol, das einschleichend dosiert und unter Kontrolle der Nierenfunktion (Creatinin-Wert) auf einen Harnsäurewert < 6,0 mg/dl eingestellt werden sollte. Bei tophöser Gicht kann ein Zielwert von < 5 mg/dl erwogen werden.
Bei Patienten mit normaler Nierenfunktion ist der Xanthinoxidase-Hemmer Allopurinol das Mittel der Wahl. Er verhindert die Umwandlung von besser löslichem Xanthin und Hypoxanthin in Harnsäure. Begonnen wird mit 100 mg Allopurinol am Tag. Die Dosis soll alle 2-4 Wochen um 100 mg auf maximal 300 mg/d gesteigert werden, bis der Harnsäurespiegel den Zielwert erreicht hat.
Wird dieser mit einer angemessenen Allopurinol-Dosis nicht erreicht, sollte von Allopurinol auf Febuxostat, einem weiteren neueren, aber auch wesentlich teureren Xanthinoxidase-Hemmer oder ein die Harnsäure-Ausscheidung erhöhendes Urikosurikum wie z. B. Benzbromaron gewechselt, oder Allopurinol mit einem Urikosurikum kombiniert werden.
Febuxostat oder ein Urikosurikum sind ebenso indiziert, wenn Allopurinol nicht toleriert wird. Bei Niereninsuffizienz ist die Dosis von Allopurinol an die Creatinin-Clearance nach unten anzupassen. Urikosurika sind nicht indiziert bei Komplikationen wie Urat-Nephropathie, Urat-Nephrolithiasis oder einer primären Hyperurikämie mit Harnsäure-Überproduktion.
Bei Patienten mit schwer einschränkender tophöser Gicht und schlechter Lebensqualität ist der Einsatz von Pegloticase indiziert, wenn der Zielwert von < 6 mg/dl Harnsäure im Blut nicht mit den o. g. Maßnahmen erreicht werden kann.
Bei kardiovaskulären Komorbiditäten sollte die Behandlung mit Allopurinol oder alternativ mit Febuxostat erfolgen.
Da gerade zu Beginn einer harnsäuresenkenden Therapie erneut Gichtanfälle auftreten können (besonders in der 8. bis 12. Woche), wird für die ersten 3 bis 6 Monate eine zusätzliche Prophylaxe mit Colchicin oder mit NSAR empfohlen. Allerdings hat Colchizin derzeit keine Zulassung in dieser Indikation.


Dosierung

Erwachsene:
Initial 2 x täglich 250 mg peroral für eine Woche
Danach 2 x täglich 500 mg peroral

Kinder ab 2 Jahren und > 20 kg KG:
Initial 25 mg/kg KG täglich verteilt auf mehrere Einzeldosen für eine Woche
Danach ev. Steigerung auf max. 40 mg/kg KG verteilt auf mehrere Einzeldosen

Patientenhinweis

Purinarme Ernährung und der Verzicht auf Alkohol sind entscheidend für den Therapieerfolg.
Die Therapie wird einschleichend begonnen.
Keine Anwendung bei akuten Gichtanfällen!
Auf ausreichende Flüssigkeitszufuhr achten.
Zu Beginn der Therapie können vermehrt Gichtanfälle auftreten.

Nebenwirkungen

  Reaktiver Gichtanfall, Harnsäuresteine

Insbesondere zu Beginn der Therapie können durch die Mobilisierung von Harnsäuredepots akute Gichtanfälle ausgelöst werden. Es wird deshalb in den ersten Behandlungsmonaten eine gleichzeitige Gabe von nichtsteroidalen Analgetika oder Colchicin empfohlen. Darüber hinaus muss durch ausreichende Flüssigkeitszufuhr sowie Neutralisation des Urins die Löslichkeit der Harnsäure verbessert werden.

Infolge der erhöhten Harnsäureausscheidung können in den ableitenden Harnwegen vermehrt Harnsäuresteine (z. B. Nephrolithiasis) auftreten. Durch ausreichende Flüssigkeitszufuhr und eine Einstellung des Urin-pH-Wertes auf 6,5-6,8 kann das Auftreten jedoch begrenzt werden.

  Hautrötung, allergisches Exanthem, Juckreiz

  Schwere arzneimittelinduzierte Hautreaktionen (EN)

Die schweren arzneimittelinduzierten Hautreaktionen haben viele unterschiedliche Bezeichnungen, die, wie auch die einzelnen Erkrankungen, schwer gegeneinander abzugrenzen sind und je nach Quelle auch teilweise synonym verwendet werden. In der Leitlinie zur epidermalen Nekrolyse (09/2024) findet man eine tabellarische Auflistung der Differentialdiagnosen mit Beschreibung der klinischen Symptome und histologischen Merkmale zu den einzelnen Erkrankungen.

Zu den schweren arzneimittelinduzierten Hautreaktionen gehören:
Epidermale Nekrolyse (EN)
  • Steven-Johnson-Syndrom (SJS)
  • Toxisch epidermaler Nekrolyse (TEN)
Erythema exsudativum multiforme majus (EEMM)
Drug reaction with eosinophila systematic syndrom (DRESS)

Lyell-Syndrom
  • medikamentös induziertes Lyell-Syndrom (Toxisch epidermaler Nekrolyse, TEN)
  • [Staphylogenes Lyell-Syndrom (Staphylococcal scalded skin syndrome, SSSS)]

Epidermale Nekrolyse (EN)
Es handelt sich um eine immunologische, arzneimittelinduzierte und akut lebensbedrohliche Erkrankung von Haut- und Schleimhäuten, bei der es zu epidermalen und epithelialen Nekrosen mit schweren Begleiterscheinungen kommt. Charakteristisch kommt es zu einem ausgedehnten Exanthem aus Makulae und/oder schießscheibenartigen Einzeleffloreszenzen mit atypischen Kokarden, Blasen und Erosionen der Epidermis und Schleimhäute, die im Gegensatz zum EEMM eher stammbetont oder generalisiert vorkommen. Meist entwickelt sie sich innerhalb von bis zu 2 Wochen nach Arzneimittel-Einnahme und schreitet dann sehr schnell voran. Um einen Progress handelt es sich nur, wenn sich die betroffenen geröteten Exantheme ausweiten (Fotodokumentation sinnvoll), aber ein Fortschreiten über meist etwa 4-5 Tage mit anschließender Blasenbildung und Hautablösung an den nächsten 5-7 Tagen an den bereits betroffenen Stellen, wird nicht als Progress definiert.
Vom Steven-Johnson-Syndrom (SJS) spricht man bei Hautablösungen < 10 % Körperoberfläche (KOF) und von toxisch epidermaler Nekrolyse (TEN) bei Hautablösungen > 30 % KOF. Zwischen 10 und 30 % wird von SJS/TEN-Übergangsformen gesprochen.
Das Lyell-Syndrom wird als Maximalform des SJS beschrieben, wobei man das SSSS (Staphylococcal scalded skin syndrom) aufgrund der Staphylokokken-Beteiligung davon abgrenzen kann.

Therapie
Supportive Maßnahmen stehen bei der Behandlung dieser Erkrankung im Vordergrund. Eine mechanische Wundbehandlung und Wundversorgung sollte am besten durch spezialisierte Pflegekräfte auf Verbrennungsstationen erfolgen. Scherkräfte sollten aufgrund des fragilen Hautzustandes vermieden werden und eine mikrobiologische Kolonisierung sollte verhindert werden. Geringflächige Exantheme sollte man zunächst beobachten und Blasen können durch Punktion entlastet werden. Topische Kortikoide sollten nur auf nicht erodierten Arealen eingesetzt werden. Erodierte Stellen können mit Aluminium-bedampften Vliesstoffen verbunden, oder mit nicht-haftenden Silikondistanzgittern oder fetthaltiger Netzgaze abgedeckt werden.
Da zu Beginn der Erkrankung der zu erwartende Schweregrad nicht abgeschätzt werden kann, sollte man bei der Entscheidung für eine systemische Behandlung davon ausgehen, dass sich eine TEN entwickelt. Bei der Auswahl der eingesetzten Wirkstoffe sollte die Vormedikation und der Gesundheitszustand der Patient: innen mit einbezogen werden. Wenn in den letzten 24h kein Progress mehr stattgefunden hat, sollte eine Nutzenbewertung einer neuen systemischen Therapie erfolgen. Eine systemische immunmodulierende/immunsupressive Therapie kann mit Kortikosteroiden, intravenösen Immunglobulinen, Ciclosporin A oder Etanercept als Mono- oder Kombitherapie erfolgen. Thalidomid sollte nicht mehr eingesetzt werden.


Erythema exsudativum multiforme majus (EEMM)
Hierbei handelt sich eine Differentialdiagnose zu SJS und TEN. Die Läsionen kommen vorwiegend im Hand- und Fußbereich oder extremitätenbezogen vor und konfluieren nicht, wodurch es nicht zu großflächiger Blasenbildung kommt. Häufigste Auslöser sind Infektionen, in seltenen Fällen können aber auch Arzneistoffe der Auslöser sein.

Drug reaction with eosinophila systematic syndrom (DRESS)
Das DRESS wird auch Hypersensitivitätssyndrom genannt. Die Immunreaktion wird unterstützt durch ethnische Prädisposition, genetisch determinierten Enzymmangel und eine Reaktivierung von Herpesviren. Es tritt in der Regel etwas langsamer auf (1-8 Wochen nach Einnahme) als die EN.

Lyell-Syndrom
Der Begriff Lyell-Syndrom wird im Zusammenhang mit den beiden unterschiedlichen Krankheiten TEN (medikamentös induziertes Lyell-Syndrom) und SSSS (Staphylogenes Lyell-Syndrom) verwendet. Da es zu Verwechslungen kommen kann, sollte man besser die Begriffe TEN und SSSS verwenden.


  Alopezie

  Kopfschmerzen und Benommenheit

  Gastrointestinale Beschwerden

Es kann zu Appetitlosigkeit, Völlegefühl, Übelkeit, Erbrechen und Blähungen kommen.

  Leberfunktionsstörungen

Leberfunktionsstörungen treten selten bei einer Therapie auf, jedoch reicht das Spektrum der möglichen unerwünschten Arzneimittelwirkungen von einer Erhöhung der Leberwerte bis hin zur Hepatitis mit Lebernekrose (Absterben von Lebergewebe).

  Störungen des Bultbildes

Nach der Gabe von Probenecid kann es sehr selten zu Leukopenie, Thrombozytopenie oder aplastischer Anämie kommen.

Das Hämogramm (Blutbild) stellt die Menge der in einer Blutprobe vorhandenen Erythrozyten (rote Blutkörperchen), Leukozyten (weiße Blutkörperchen), Thrombozyten (Blutplättchen) und Retikulozyten (polymorphkernige Blutkörperchen) nebeneinander dar. Beim Differentialblutbild werden sowohl quantitative als auch qualitative Parameter, wie z. B. die Form, mit herangezogen. Neben pathologischen Veränderungen können Abweichungen von den Normwerten auch durch unerwünschte Arzneimittelwirkungen bedingt sein. Auftreten können u. a.:
  • Leukopenie: Die Gesamtzahl aller Leukozyten (Granulozyten, Lymphozyten, Monozyten) im Blut ist auf unter 5.000/mm³ reduziert.
  • Leukozytose: Die Gesamtzahl aller Leukozyten im Blut ist über 10.000/mm³ erhöht.
  • Granulozytopenie: Verminderung der Anzahl der Leukozyten, insbesondere der neutrophilen Granulozyten.
  • Agranulozytose (perniziöse Neutropenie): Verminderung der Anzahl der Leukozyten (Leukopenie), die Granulozyten können komplett fehlen. Auch die Blutplättchen und das Knochenmark können betroffen sein. Eine Agranulozytose kann sich innerhalb von Stunden ausbilden und geht üblicherweise mit grippeähnlichen Symptomen einher, bei deren Auftreten der Patient darüber aufgeklärt sein muss, dass umgehend eine ärztliche Konsultation erfolgen sollte. Es wird symptomatisch therapiert; Breitbandantibiotika und Granulozyten-Koloniestimulierende Faktoren, wie Filgrastim, werden häufig in der Therapie verabreicht.
  • Eosinophilie: Erhöhung der Anzahl der eosinophilen Granulozyten im Blut. Bei allergischen Reaktionen wie dem Arzneimittelexanthem tritt dies zum Beispiel auf.
  • Thrombozytopenie: Verminderung der Anzahl der Thrombozyten unter 150.000/mm³. Durch den Mangel an Thrombozyten ist die Blutgerinnung gestört und es treten vermehrt Hämatome oder Blutungen auf.
  • Aplastische Anämie: Die Gesamtzahl aller Zellen im Blut ist reduziert (Panzytopenie). Ursache ist eine gestörte Stammzellreifung im Knochenmark.
Grundsätzlich stellen Blutbildveränderungen ernste bis lebensbedrohliche unerwünschte Wirkungen dar, die einer weitergehenden ärztlichen Abklärung bzw. Behandlung bedürfen.

Kontraindikationen

Bestehende Blutbildungsstörung

Da als unerwünschte Wirkung Blutbildveränderungen auftreten können, sollten Patienten mit bestehenden Blutbildungsstörungen ärztlich überwacht werden.

Bestehende oder zurückliegende Magen-Darm-Beschwerden

Patienten mit bestehenden oder zurückliegenden Magen-Darm-Beschwerden, insbesondere Ulcera, sollten ärztlich überwacht werden.

Nierensteindiathese

Nierenfunktionsstörung

Die Niere stellt das wichtigste Organ für die Ausscheidung von Arzneistoffen und deren Stoffwechselprodukten dar. Ist die Funktionsfähigkeit der Niere herabgesetzt, verbleiben Arzneistoffe und ggf. auch wirksame oder toxische Stoffwechselprodukte länger im Organismus.

Für die Arzneimitteltherapie bedeutet dies, dass bei Substanzen, die zu einem wesentlichen Teil über die Nieren aus dem Organismus entfernt werden, die Dosis des Arzneistoffes herabzusetzen und/oder die Wirkstoffspiegel genau zu überwachen sind. Gerade dann, wenn toxische Metabolite nicht mehr ausreichend über die Niere entfernt werden können, kann auch eine absolute Kontraindikation gegeben sein. Als geeignetes Maß für die Funktionstüchtigkeit der Niere hat sich die sogenannte Kreatinin-Clearance durchgesetzt.

Ob eine Dosisanpassung wegen einer Einschränkung der Nierenfunktion vorgenommen werden sollte, kann anhand folgender Faustregel abgeschätzt werden: Die Kreatinin-Clearance liegt unter 50 ml/min und der normalerweise über eine funktionstüchtige Niere ausgeschiedene Anteil der resorbierten Dosis liegt über 50-70 % (tabellierter Wert, sogenanntes Q-Null-Konzept). Verbindliche Hinweise zu dem jeweiligen Arzneistoff gibt die Fachinformation!

Schwangerschaft und Stillzeit

Die Substanz sollte nur nach strenger Indikationsstellung in der Schwangerschaft appliziert werden, da keine ausreichenden Daten zur Anwendung beim Menschen vorliegen.

Von der Substanz ist nicht bekannt, ob sie in die Muttermilch übergeht.

Wechselwirkungen

  Salicylate z. B. Acetylsalicylsäure

Die Förderung der Harnsäureausscheidung durch Urikosurika wird vermindert, dadurch besteht die Gefahr eines Gichtanfalls.

Salicylate z. B. Acetylsalicylsäure anzeigen

  Diuretika + Pyrazinamid

Bei gleichzeitiger Einnahme eines Diuretikums wie Furosemid und Pyrazinamid zusammen mit Probenecid tritt eine Wirkabschwächung oder Wirkverlust von Probenecid auf.
Die Wirkung von Schleifendiuretika wird bei gleichzeitiger Gabe mit Probenecid abgeschwächt.

  Wirkstoffe, deren Ausscheidung verlangsamt wird

Probenecid kann die Ausscheidung einiger Arzneistoffe vermindern und führt damit zu erhöhten Plasmaspiegeln. Unerwünschte Arzneimittelwirkungen können als Folge vermehrt auftreten. Dies ist unter anderem der Fall bei:
  • Captopril (ACE-Hemmer)
  • Nichtsteroidalen Antiphlogistika (z. B. Indometacin, Ibuprofen, Diclofenac)
  • Sulfonylharnstoffen (z. B. Glibenclamid)
  • Paracetamol
  • Penicillinen (z. B. Amoxicillin)
  • Cephalosporinen (z. B. Cefaclor)
  • Chinolonen (z. B. Ciprofloxacin)
  • Thiopental (Narkotikum)
  • Lorazepam (Sedativum)
  • Rifampicin (Antibiotikum)
  • Entacapon (COMT-Hemmer)
  • Virostatika (z. B. Aciclovir, Zidovudin)
  • Methothrexat (Zytostatikum)
  • Clofibrat (Lipidsenker)
  • Famotidin (Antihistaminikum)

  Allopurinol

Es tritt eine verlangsamte Elimination von Probenecid auf.

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  Phenprocoumon


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Wirkmechanismus

Purine wie Adenosin oder Guanosin sind grundlegende Bausteine jedes Organismus. Die Zufuhr erfolgt dabei sowohl über die Nahrung, die ihrerseits Purine enthält, als auch über eine körpereigene Synthese.
Ausgangssubstanz dieser Synthese ist 5-Phosphoribosylpyrophosphat, aus dem über mehrere Zwischenschritte Inosinmonophosphat gebildet wird. Inosinmonophosphat (IMP) dient wiederum als Ausgangssubstanz für die Synthese von Adenosinmonophosphat (AMP) und Guanosinmonophosphat (GMP).
Der Abbau von Purinen findet hauptsächlich in der Leber sowie im Dünndarm statt und liefert als Endprodukt Harnsäure (Urat, bzw. Natriumurat). Dabei wird Adenosin zunächst zu Hypoxanthin umgesetzt und anschließend mit Hilfe der Xanthinoxidase zum Xanthin überführt. Der Guanosin-Metabolismus endet direkt beim Xanthin. Das gebildete Xanthin wird im nächsten Schritt - ebenfalls Xanthinoxidase vermittelt - zur Harnsäure metabolisiert.
Sowohl in der Synthese als auch im Abbau bestehen Rückkopplungsmechanismen. So wirken z. B. AMP, GMP und IMP hemmend auf die Purinsynthese. Ausgeschieden wird die Harnsäure größtenteils über die Niere, wobei neben einer glomerulären Filtration auch tubuläre Sekretions- sowie Rückresorptionsmechanismen bestehen. Pathologische Veränderungen sowohl der Synthese- als auch der Eliminationsmechanismen können dazu führen, dass die Harnsäurekonzentration im Plasma oder Serum die Sättigungslöslichkeit übersteigt und ausfällt. Eine Harnsäurekonzentration im Plasma über 6,4 mg/dl gilt dabei als Grenzwert.

Neben diätetischen Maßnahmen bestehen therapeutische Eingriffsmöglichkeiten in einer gesteigerten Elimination der Harnsäure über die Niere. Stoffe, die zu einer vermehrten Ausscheidung von Harnsäure führen, werden als Urikosurika bezeichnet. Sie hemmen dem Organischen Anionentransporter 1 (OAT 1) im proximalen Tubulus und unterbinden so die Rückresorption von Harnsäure aus dem proximalen Tubuluslumen. In niedriger Dosierung wirkt Probenecid hemmend auf die renale Harnsäuresekretion (sog. paradoxe Harnsäureretention), so dass erst bei höheren Dosierungen durch die dann eintretende Hemmung der Resorption ein urikosurischer Effekt erreicht wird.

Über den OAT-1-Transporter werden auch Arzneistoffe wie z. B. Penicilline oder Barbiturate aktiv in das Tubuluslumen sekretiert, was zu Wechselwirkungen mit diesen Arzneistoffen führen kann.
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Patientenhinweis

Zu den purinreichen Lebensmitteln zählen vor allem Innereien wie Bries, Niere, Hirn, Leber, Herz und Zunge sowie Fleischextrakt.
Bei den alkoholhaltigen Getränken wirkt sich vor allem Bier negativ auf den Harnsäurespeigel aus, da hierdurch Guanosin aufgenommen wird.
Der pH-Wert des Urins sollte über die Ernährung auf 6,5-6,8 eingestellt werden, um die Löslichkeit der Harnsäure darin zu verbessern.
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Dosierung

Die Einnahme der Tabletten soll unzerkaut und mit reichlich Flüssigkeit zu einer Mahlzeit erfolgen. Zu Beginn der Behandlung kann es zu einer höheren Harnsäureausscheidung kommen, wobei Harnsäurekristalle ausfallen können. Daher muss einschleichend dosiert werden. Weiterhin ist zu Beginn auf eine reichliche Flüssigkeitszuführ zu achten. Es ist unerlässlich, den Harn auf pH 6,5-6,8 einzustellen, weil die Harnsäure dann besser löslich ist. Nach erfolgreichem Abbau der vorhandenen Urat-Depots kann eine schrittweise Dosisreduktion erwogen werden. Die Anwendungsdauer richtet sich nach der Anweisung des Arztes.

Bei älteren Patienten und Patienten mit bereits leichter Niereninsuffizienz (Creatin-Clearance 50-79 ml/min) muss gegebenenfalls die Dosis nach unten angepasst werden.
Für Kinder unter 20 kg KG ist die Anwendung dieses Arzneimittels wegen des hohen Wirkstofffgehalts nicht geeignet.

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