Das Prostatakarzinom ist der häufigste bösartige Tumor beim Mann. Es handelt sich dabei um eine Alterserkrankung, da bei Männern <50 Jahren kaum Erkrankungsfälle zu verzeichnen sind (mittleres Erkrankungsalter 72 Jahre). Die derzeitige Verschiebung zu frühen Stadien hängt mit der Bestimmung des Tumormarkers PSA (Prostataspezifisches Antigen) zusammen. In westlichen Industrieländern tragen etwa 40 % der männlichen Bevölkerung das Risiko im Laufe ihres Lebens ein Prostatakarzinom zu entwickeln, wobei nur ca 10 % symptomatisch werden und nur etwa 3 % daran versterben. Wie bei anderen Krebserkrankungen, führt das Prostatakarzinom zunächst zu keinerlei Symptomen, sodass bei auftretender Symptomatik (Harnverhalt, Nykturie, Hämaturie Schmerzen) oft bereits eine Metastasierung vorrangig in umliegende Lymphknoten und Knochen stattgefunden hat.
Die aktuelle Leitlinie Protatakarzinom (07/2025) empfiehlt, Männer ergebnisoffen über die Vor- und Nachteile der Prostatakarzinomfrüherkennung zu beraten, insbesondere über die Aussagekraft von positiven und negativen Testergebnissen, Überdiagnosen sowie über spätere Therapieoptionen.
Männern, die nach der Aufklärung eine Früherkennungsuntersuchung wünschen, soll das Bestimmen des PSA-Wertes als Untersuchungsmethode angeboten werden. Zusätzlich kann eine digital-rektale Untersuchung durchgeführt werden. In diesem Falle tastet der untersuchende Urologe die Prostata über das Rektum ab. Dieses ist darin begründet, dass Prostatatumoren primär in den äußeren Bereichen des Organs wachsen und daher gut ertastbar sind.
Die aktuelle Leitlinie nimmt eine Unterteilung der Therapieoptionen nach lokaler Ausbreitung, Metastasierung, Hormonstatus und Risikoprofil vor, wobei immer die Aufklärung und Planung der Therapie zusammen mit dem Patienten im Vordergrund steht. Grade bei einer Lebenserwartung unter 10 Jahren, gilt es abzuwägen, ob die Therapien für den Patienten individuell eine Verbesserung seines Lebens darstellen.
Beim kurativen Ansatz stehen die radikale Prostatektomie sowie Strahlentherapie im Vordergrund, wohingegen nicht kurative Ansätze im watchful waiting, Androgendeprivation (Androgenentzug), sowie medikamentösen, operativen oder Bestrahlungsmaßnahmen bestehen. Hierbei sollen der Wunsch des Patienten, das Alter und eventuelle Komorbiditäten sowie das Progressionsrisiko eine Rolle spielen. Als prognostische Faktoren werden das Tumor-Grading, die TNM-Kategorie und die chirurgischen Resektionsränder berücksichtigt. Genomische/Transkritomische Test sollten nur durchgeführt werden, wenn sie Einfluss auf die Therapieentscheidung haben können.
Beim nicht metastasierten Prostatakarzinom kann die Therapie zunächst in aktiver Überwachung sowie Androgendeprivation (Androgenentzug) bestehen. Für den Hormonentzug eignen sich Bicalutamid oder GnRH-Blocker (Goserelin), Östrogene (bzw. DES=Diethylstilbestrol), sowie Abirateron und Androgenrezeptorantagonisten wie Darolutamid. Nicht empfehlenswert ist das watchful waiting bei einem PSA-Wert von > 15 ng/ml, ISUP-Gruppe 2 (bei ungünstigem Risikoprofil) bis 5, sowie bei lokal fortgeschrittenem Stadium (> cT3/4 und oder cN+).
Die lokale Therapie besteht in radikaler Prostatektomie, perkutaner Strahlentherapie, Brachytherapie (Bestrahlungsquelle direkt am Tumor), Lymphadenektomie (Lymphknotenentfernung) sowie fokaler Therapie (behandelt wird nur der Teil, der den Tumor enthält).
Beim rezidivierten oder metastasierten Prostatakarzinom bestehen zusätzliche Therapieoptionen in Chemotherapie aus meist Docetaxel basierten Schemata in Kombination mit Abirateron und Darolutamid, sowie einer angemessenen Palliativversorgung.
Die Rehabilitätion sollte multidisziplinär und mit multimodalen Therapiekonzepten erfolgen und die Behandlung von Nebenwirkungen, Therapie der Funktionsstörungen, Wiederherstellung physischer und psychischer Leistungsfähigkeit sowie die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben und ggf. Erhalt der beruflichen Leistungsfähigkeit beinhalten. Bei kurativen Therapieformen sollten regelmäßig Kontrollen durchgeführt werden, die zunächst 12 Wochen nach Beendigung der Therapie sinnvoll sind und bei weiterhin asymptomatischen Patienten die nächsten 2 Jahre vierteljährlich, im 3. und 4. Jahr halbjährlich und nach 5 Jahren jährlich erfolgen.
Nach kurativer Therapie kann der Einsatz von Testosteron die Lebensqualität verbessern, eine klare Aussage zum Rezidivrisiko kann aber derzeit nicht gegeben werden.